Bastelei: Rückfahrkamera

Rückfahrkamera

Rangieren mit einem Alkoven Wohnmobil bedingt, dass man die Außenmaße gut kennt oder einschätzen kann. Insbesondere die Höhe ist da wichtig, aber auch die Länge, die über die Hinterachse hinaus geht. Denn durch den Drehpunkt Hinterachse, schwenkt das Heck schnell und weiter, als man es von normalen Autos gewohnt ist.
Über alles, was hinter dem Wohnmobil passiert, gibt kein Rückspiegel Auskunft. Also den Beifahrer nach hinten beordern. Der sollte dann aber auch geschult sein und die Kommandos abgesprochen sein, sonst gibt es Konfussion und im Fall des Falles Beulen. (Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn Mann/Frau sich auf einem Campingplatz darüber in den Haaren haben)

Eine glänzende Alternative ist eine Rückfahrkamera. Mittlerweile oft schon ab Werk dabei, bei älteren Modellen nachrüstbar.

Funk-Rückfahrkamera: Schied sofort aus. Zwar ist der Einbau einfacher, aber wegen Störungen während des Betriebs für mich ungeeignet.

Rückfahrkamera mit Kabelverbindung: Alle Foren sind sich einig: Das Maß der Dinge. Die Frage ist nur: Welche? Ich quälte mich tage-, wochenlang mit Angeboten, Foren, Beschreibungen. Irgendwann setzte ich eine Prioritätenliste auf:

1) Monitor von außen nicht als solcher Erkennbar = Diebstahlschutz
2) Kamera mit Weitwinkel
3) 1. Kamera am oberen Heckrand mit Blick nach schräg unten
4) 2. Kamera mit Blick auf den hinter mir fahrenden Verkehr (optional)

Mittlerweile gibt es noch ein paar Dinge, die mir zukünftig wichtig wären:
5) Beheizbar
6) Regenschutzgehäuse

Wobei diese beiden letzten Punkte, die bei meiner Kamera fehlen, bislang zu keiner Beeinträchtigung geführt haben.

Am Ende entschied ich mich für einen Monitor, der auf den Rückspiegel geklippt wird. So erscheint er dem oberflächlichen Betrachter als etwas größerer Rückspiegel. Und die Kamera war auch ein Asien-Billigteil mit 135° Blickwinkel. So habe ich tatsächlich von den rechten bis zu den linken Rückleuchten alles im Blick.

7″ Spiegel TFT LCD Monitor PAL/NTSC mit Fernbedienung+ CMOS 135 Grad Auto Rückfahrkamera E327 (bei Amazon nicht mehr verfügbar)

Alternativ: Angebote Rückspiegel Kameras

Als Hauptproblem stellte sich das Verlegen der Kabel da. Wo fange ich an, wo höre ich auf. Nähern wir uns der Sache von zwei Seiten: Der Rückspiegel ist natürlich der Platz für den Monitor, für die Kamera habe ich die obere Bremsleuchte ausgeguckt. Extra Löcher in die Wand wollte ich nicht bohren und das geringe Gewicht der Kamera kann man getrost am Plastikrahmen der Bremsleuchte befestigen.

Dies hat den Vorteil, dass auch der Weg des Kabels ins Wohnmobil vorgegeben ist: Ein kleines Loch neben dem Bremsleuchtenkabel führt nun in den Innenraum. Bei meiner Kamera waren Chinchstecker am Kabelende, die habe ich abgeschnitten, um ein wirklich kleines Loch nutzen zu können. Anschließend alles gut abdichten! Ich hatte noch Dekalin Dichtmasse übrig und das üppig verwendet. Gehäuse anschrauben. Fertig.

Jetzt geht es nach innen. Der Monitor kommt auf den Spiegel und Ford hat im Himmel direkt über dem Spiegel sogar schon ein Loch für Kabel vorgesehen.

Der Doppelboden des Euramobil hat natürlich einen genialen Vorteil. Man kann bequem Kabel verlegen! Zumindest, wenn man schmal ist. Ich passe (noch) gerade so in den Zwischenboden und kann darin herumkriechen. 5 Kilo mehr und das dürfte erledigt sein 🙂
So war mir relativ schnell klar, wie ich die Kabel verlegen muss, denn nach Rücksprache mit dem Herrsteller weiß ich sicher: Es gibt keine Leerrohre!

Blau: 12V-von der rechten, vordersten, seitlichen Positionslampe
Rot: Kamerakabel im Innenraum
Hellrot: Kamerakabel im Doppelboden

Die Kamera hat ein Kabel für das TV-Signal und eines mit der 12V-Versorgung. Ebenso der Monitor. Da der Monitor zwei Kameras nutzen kann, sind das dort dementsprechend 3 Kabel. Beginnen wir am Heck mit dem Kabel der Kamera. Glücklicherweise endet das Kabel der Bremsleuchte direkt im Kabelkanal des rechten Küchenschranks:

Von dort führen die Kabel in Richtung Bad. Dort hängt bei uns ein Badschrank, den man mit ein wenig Mühe entfernen kann. Ist etwas mühsam, aber wenn man alle Schrauben gelöst hat, kann man das Holzinnenteil vorsichtig seitlich herausziehen. Habe dabei mächtig geflucht, da ich befürchtete, die Kunststoffeinfassung könnte reißen. Also vorsichtig arbeiten, dann passiert das nicht!

Im Bad ganz in der Ecke einen kleinen Kabelkanal installiert. In der hintersten Ecke der Ablage ein Loch gebohrt, dass in den Unterschrank führt. Von dort, oberhalb der Toilettentechnik einen Kabelkanal an die Wand geklebt und das Kabel bis zum Abwasserrohr geführt. Die vorhandene Öffnung in den Doppelboden nutzen.

Der schwierigste Teil war dann das Verlegen der Kabel im Doppelboden. Ich nutzte die vorhandenen Schellen und Halterungen und führte die Kabel bis in die Ecke des Seitenbettes, in der sich auch die sonstige Verkabelung des Wohnmobils befindet. Dort hatte ich ein Loch durch den Boden gebohrt. Zum einen für meine 230V-Steckdose, aber auch, um außen, an einer der seitlichen Positionslampen 12V abzugreifen. Die Idee dabei: Schalte ich die Fahrzeugbeleuchtung ein, schaltet sich die Rückfahrkamera und der Monitor an. Den Monitor kann man während der Fahrt händig am Monitor ausschalten. Spätestens am Ziel, wenn man die Fahrzeugbeleuchtung ausschaltet, schaltet sich somit auch die Rückfahrkamera aus. Dies erscheint mir viel sinnvoller, als die Varianten, bei denen man die Kamera mit dem Rückwärtsgang koppelt. Schließlich möchte ich selbst bestimmen, wann die Kamera an ist. Und zu einem späteren Zeitpunkt kommt an das Nummernschild noch eine nach hinten gerichtete Kamera für den rückwärtigen Verkehr, dann könnte es sein, dass der Monitor während der Fahrt immer an ist und wie ein echter Rückspiegel funktioniert.
Derzeit schalte ich den Monitor nur ein, wenn ich am rangieren oder einparken bin.

Aus dem Doppelboden führen Kabel in den vorderen Ecken bis hoch zum Alkoven. Dies machte ich mir zu nutze, um in den Himmel des Transits zu kommen. Dazu die Blenden rechts und über des Beifahrersitz abschrauben und unter dem Klappbett, den Kunststoffrahmen abschrauben. Nun wird es kniffelig.

 Alle Blenden abschrauben und die dahinterliegenden Hohlräume nutzen

 

Wieder hilft ein handelsüblicher Einzieh-Perlondraht (siehe auch: 12V-Bastelei). Nach einigen Versuchen hatte ich das Kabel am Ausgang am Rückspiegel. Das Gute an diesem Himmel ist, man kann alles überschüssige Kabel dort verschwinden lassen, ohne zu kürzen. Nun alle Kabel (12V, Kamera1 und Kamera2) einziehen. Kamera2 ist derzeit bei mir noch nicht installiert, aber die Kabel schon gelegt. Dann wird es zu einem späteren Zeitpunkt viel leichter.

Zusammenfassung und Wertung nach einigen Wochen: Ich habe mir im Vorfeld ziemlich viele Gedanken über die Kabelverlegung gemacht (Davon profitiert ihr nun) und über die Modellauswahl. Vielleicht doch lieber mehr investieren? Hochwertige, namhafte Anbieter? Wie schalte ich die Kamera an und aus? Jetzt, nach ca. acht Wochen bin ich vom Ergebnis überzeugt! Die Einschaltlösung über das normale Lampenlicht hat sich bewährt. Der „Spiegel“ ist unauffällig. Der Monitor störunanfällig und das Bild zwar nicht HD, aber zum rangieren reicht es allemal. Das Einparken macht richtig Spaß. Habe schon mehrfach Leute verblüfft, als ich zwei Zentimeter vor einer Wand, rückwärtsfahrend angehalten habe. Als Fixpunkt dient mir da meine Anhängerkupplung und die bunten Linien der Kamera, die permanent eingeblendet werden. Wenn es sehr dunkel ist, hilft das Bremslicht oder die Rückfahrleuchten. Manchmal läuft ein Tropfen Regenwassser gaaaanz langsam über die Kameralinse, das ist dann eher witzig. Vielleicht passiert das ja mal beim Rückwärtsfahren, dann wird wohl doch der Beifahrer wieder helfen müssen und sei es, die Kamera trocken zu wischen.

Die Investition war Gold wert und der Einbau ist für den geschickten Bastler möglich. Grundlegende „12V Eisenbahnelektronikkenntnisse“ sollten vorhanden sein.

 

der Monitor ist an der „gewohnten“ Stelle – dorthin schaut man auch im PKW

 von außen kaum sichtbar

5 Gedanken zu „Bastelei: Rückfahrkamera“

  1. Danke für deine gute Einbauanleitung. So ähnlich will ich das bei mir auch einbauen.
    Aber ich nutze eine Doppelcamera, Weitwinkel- zum rangieren und Standartobjektiv als
    Rückspiegel. Als Monitor habe ich eine 7Zoll TFT-Monitor auf dem Amaturenbrett.
    Der Monitor und die 1te. Camera werde ich am Zündschloss anschliessen, so das die
    Videoanlage mit dem Motor startet. Zum rangieren werde ich dann manuel auf die 2te.
    Cam. umschalten.

    Gruss
    Joerg R

  2. Danke,super beschrieben,wird mir sicher helfen.Insgesamt Klasse Seite.Habe das gleiche WoMo und ebenfalls schon einiges gebastelt.
    Gruß Klaus

  3. ich habe eine Kamera auf Funkbasis.

    Absolut 0 Probleme immer Empfang — stören tut mich nur der relativ grosse Monitor — ich hätte damals gerne einen gehabt den man an den Spiegel ( Windschutzscheibe ) befestigt – da den sowie so keiner braucht !

    Stromkabel muss nach hinten, werde meine Werkstatt mal fragen wo Sie den Strom hergeholt haben. Ich meine vom Kühlschrank und dann untern den Hängeschränken verlegt.

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