Kajakhalterung auf dem Wohnmobil

2013-04-28_14-35-23_Womo__MG_6298-1600Urlaub ohne Kajak geht nicht!
Vor etlichen Jahren, ich hatte viele Wünsche und wenig Geld, kaufte ich ein altes Faltboot einem Mann am Rhein ab. Das Gestänge war eine Katastrophe, die Bootshaut wie neu.
Die ersten Fahrten führten uns auf Lahn und Rhein und seit diesen Tagen war ein Boot immer mit auf unseren Reisen dabei. In Norwegen auf den Fjorden wurde das Faltboot bald gegen ein starres Zweierkajak von Pouch getauscht. Damals das neueste vom neuen, aus einem Stück Kunststoff gefertigt. Vom Dach ins Wasser und losfahren. Das Boot sah von den Vesteralen bis zum Mittelmeer schon viel Wasser und auf kleinen Flüssen und vielen Seen ist es ein treuer Begleiter. Ergänzt wird es durch ein modernes Aufblaskajak von Stearns oder dem alten Faltboot. Ein zweites starres Boot scheitert bislang am fehlenden Platz auf dem Dach. Überhaupt sieht unser Alkovenmobil schon gewaltig mit aufgesetzten Kajak aus. Hoch sind wir dann immerhin 3,4o m!

Ich habe lange gegrübelt, wie ich das Kajak auf das Dach bekomme und wie die Befestigung aussehen soll. Denn schließlich muss es auch bei Wind und Wetter dort oben bleiben und bei scharfen Bremsmanövern nicht vom Dach fliegen. (Die Anfahrbeschleunigung können wir wohl getrost ausklammern :-))

Nun gibt es Dachrelings, sowohl von Euramobil, wie von Fremdanbietern. Dazu eine Leiter am Heck. Dazu benötigt man dann Querstreben und noch Halterungen für das Kajak.
Nach dem ich mir von diversen Wohnmobilfahrern Bilder ihrer Lösungen habe schicken lassen, konnte ich diese Dachrelings-Varianten für mich ausschließen.

Wichtig war mir:

– Der Träger sollte möglichst wenig Eigengewicht haben.

– Stabil sein

– Eine Leiter um auf das dach zu kommen

2013-05-16_14-30-00_Womo__MG_7522-1600Die Leiter

Ein Wohnmobilfahrer erzählte mir, dass er eine Leiter am Heck schräg auflegt und das Kajak über die Leiter nach oben zieht. Geht natürlich nur mit zwei Personen! Einen leichten Einer kann man vielleicht noch alleine händeln, aber ein 25 – 30 kg Boot mit 4,50 Meter Länge sollte man nur zu zweit bewegen.

Die Idee mit der Leiter ließ mich nicht los. Welche Leiter?
Eine feste Leiter mit 3 Meter bis 3,50 Meter länge schloss sich von selbst aus. Wie soll die verstaut werden?
Eine Klappleiter würde viel Stauraum verbrauchen oder müsste (sehe ich in Frankfurt am Riederwald bei einem Wohnmobil immer wieder) auf der Heckseite verschraubt sein.
Die lädt natürlich jeden ein, der eine Leiter braucht oder einen Blick auf das Dach werfen möchte.

Eine Leiter dabei zu haben, hätte zu dem den Scharm, dass mann die Solarpanels reinigen oder im Winter dem Schnee zu Leibe rücken könnte. Nach vielen Recherchen fiel meine Wahl auf eine Teleskopleiter. Und entgegen der vielgeschriebenen Aussage: Bloß nix aus China habe ich mir die Mühe gemacht, die Teleskopleiter bei Reimo, einem örtlichen Leiterbauer und einem Billg-China Exemplar zu vergleichen.
Zwei deutliche Unterschiede gibt es: Bei meiner Leiter  schlagen beim zusammenfahren die Stufen eng aufeinander. Da passt kein Finger dazwischen! Das kann äusserst schmerzhaft sein. Bei der Reimoleiter gibt es zwischen den Stufen Abstandhalter, damit dass nicht passieren kann. Bei näherer Betrachtung ist das aber die gleiche Leiter, vielleicht sogar vom gleichen Herrsteller. Nun die Abstandshalter aus Gummi zwischen den Stufen machen den Unterschied. Und natürlich der fast doppelt so hohe Preis.

Der gute deutsche Herrsteller übrigens macht sich offenbar viel Arbeit mit seinen hochwertigen Leitern! Alle Aufkleber sind in Deutsch und ein wenig größer gedruckt. Ansonsten ist die Leiter weitgehend identisch – inklusive der schlecht entgrateten Kunsstoffteile. Dafür kostet sie auch fast 250 Euro.

Ich konnte dann meine Leiter in einer stürmischen Winternacht bei eBay für 49 Euro ersteigern und habe die 380 cm Variante gewählt. Mit 11kg nicht leicht, aber die fest einzubauenden Leitern werden meist mit 7 kg angegeben. Vier Kilo mehr, dafür 380 cm und die Möglichkeit sie auch einmal zuhause zu lassen waren mir dann wichtiger.

Der Halter:

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Die Caravan Schiene von Zölzer

Als Grundhalter dient nun die Caravanschiene der Firma Zölzer. Zölzer ist seit vielen Jahren eine feststehende Größe und bei Kajak- und Surffans wohl bekannt. Das System baut meist auf abnehmbaren Trägern auf. Für Wohnmobile gibt es ein ca. 10 cm breite Schiene, die auf das Dach aufgebracht wird und das mit verschiedene Aufbauvarianten kompatibel ist.

Da mir die Aufbauteile von Zölzer zu teuer waren, schaute ich mich bei den Maschinenbauern und fand entsprechende Systemteile bei der Firma FM Systeme.

Bei den Arbeitsprofilen 40 fand ich entsprechende Teile. Dazu einige einfache Winkel und Schrauben und „Nutensteine“. Diese Nutensteine sind das A und O des System, werden in die Profile geschoben und ziehen die Teile bombenfest!

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Die Kajakauflage

Diese kommt wieder aus dem System von Zölzer. Der Standardholm. Diesen gibt es in verschiedenen Längen. Ich wählte 140 cm, die ich anschließend auf 2 x 70 cm kürzte.

So besteht mein System nun aus der Caravanschiene. Darauf stehen zwei 12cm Aluprofile 40mm als Ständer und quer dazu der Standardholm. Die Aluprofile werden an jeder Verbindung durch zwei Aluwinkel gehalten. Demnentsprechend zwei oben und zwei unten. Macht vier Winkel.
Insgesamt gibt es vier Ständer: 4 x 4 Winkel = 16 Winkel. Entsprechend die doppelte Menge Schrauben und Nutensteine.

Da ich flexibel die Caravanschiene nutzen möchte – vielleicht nehme ich einmal etwas anderes als das Kajak mit. Eine Dachbox oder ähnliches, habe ich 2 x 150 cm und 1 x 100 cm Caravanschienen geordert.

 

Montage:

Ganz wichtig ist die Auswahl des geeigneten Standortes auf dem Dach. Dabei muss man Laufwege bedenken und die Stabilität des Dachs. Natürlich ist beim Hersteller zu erfragen, ob das Dach überhaupt begehbar ist. Gegebenenfalls müssen Verstärkungen oder Laufplatte noch auf das Dach geklebt werden.
Schon vor der Montage meiner Solaranlage haben wir mehrere Trockenübungen gemacht, um herauszufinden, ob alles später so funktionieren wird, wie wir uns das vorstellen. Ist einmal die Caravanschiene geklebt, kann nichts mehr verändert werden. Mit dicken Styroporplatten simulierten wir den späteren Träger. Spätestens dann wird man die spätere Höhe festlegen: Zum einen muss das Boot über dem Alkoven liegen, zum anderen die Dachfenster noch aufgehen!

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Passt alles, kann die Montage beginnen.
Wie schon bei den Solarpanels erläutert, wird das Dach gereinigt und mit Isopropanol oder Waschbenzin Fettspuren entfernt. Nun die Caravanschienen auslegen und die Ränder markieren. Die GFK-Haut mit Schmirgelpapier aufrauen.

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Nun auf die  Caravanschienen großzügig Sikaflex 221 auftragen. In der Mitte habe ich einen alten Restbestand schwarzes Sika verwandt. Natürlich kann man auch nur weißes oder nur schwarzes benutzen.

Die Schienen auf das Dach kleben und gleichmäßig andrücken, so das die Klebemasse ca 3-5 mm zwischen Dach und Schiene beträgt. Die Schiene nun mindestens 24h härten lassen. Um einen gleichen Anstand zwischen den Schienen zu erreichen, habe ich Bretter jeweils an die Enden eingelegt. So sind die Schienen später ordentlich parallel.

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Am nächsten Tag geht die Bastelei weiter und die Holme, Winkel und Aluprofile können verschraubt und ausgerichtet werden. Vor dem entgültigen Festschrauben hole ich das Boot auf das Dach und positioniere anschließend die Querträger genau unter den Lukenöffnungen. So werden mit den Riemen später auch die Lukendeckel festgezurrt.

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Zum Abschluß ermitteln wir noch die Höhe des Wohnmobils inklusive Kajak. Nur so können wir in Zukunft sicher sein, wenn wir in einen niedrigen Tunnel oder unter eine Brücke fahren, auch wieder heil heraus zu kommen.

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340 cm sagt das Maßband. Ab jetzt geht es wieder mit dem Kajak in den Urlaub!

 

 

 

18 Gedanken zu „Kajakhalterung auf dem Wohnmobil“

  1. Hallo,

    hätte mal die Frage, warum das Kajak nicht mit den Öffnungen nach unten befestigt wird?
    Regen, Vogelkot usw… wären nicht im Kajak.

    mfg

  2. Da wir im Kajak auch die Paddel und einige Kleinteile haben, ist es besser so herum zu transportieren. Fast noch wichtiger: Das Odyssee ist auf der Unterseite abgeflacht und liegt plan auf. So hält es mit Sicherheit besser.

  3. Vielen Dank für den tollen Artikel,
    so werde ich wohl auch mein Dachträger Problem gelöst bekommen.
    Noch 2 Fragen:
    hast du Sikaflex 221 benutzt? Laut Sika ist das nur ne Dichtmasse und kein Kleber?
    Sollte man besser Sikaflex 252 (Kleber) benutzen?

    Und braucht man den Sika Primer? Oder reicht es das Dach und die Caravanschiene aufzurauen?

    Vielen Dank
    Olli

  4. Mir wurde gesagt, dass 252 eine deutlich höhere Haftkraft hat wie das 221. Dieses aber für meinen Zweck ausreichen sollte. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, nimm das 252. Bei meinem ersten Wohnmobil gab es den noch gar nicht und das Dach hält noch heute mit 221 🙂
    Primer habe ich nicht benutzt, es sollte reichen das Dach zu entfetten und aufzurauhen.
    Aber um es deutlich zu sagen: Jeder Bastler ist für seine Arbeiten selbst verantwortlich, ebenso wie für Sicherung der Ladung!
    Ich beschreibe hier nur wie und warum ich es für mich selbst so gemacht habe und wenn du dies nun ähnlich ausführst, trägst du allein dafür die Verantwortung.
    Gruß
    Jürgen

  5. Hallo Jürgen,

    super Bericht, ich bekomme nun bald meine neues Womo (leider ohne Dachreling war ein super Angebot)und möchte mir eine ähnliche Lösung bauen für meine 2 Surfbretter. Hast du die Zölzer-Schienen nur geklebt oder auch verschraubt? Ich möchte ungern meine 5 Jahre Dichtigkeitsgaranie aufs Spiel setzen.

    Besten Dank und viele Grüße

    Jürgen

  6. Hallo Jürgen,

    hab auch ein eura 635 und die selbe Problematik. Was hat dein Eura für ein Baujahr? oder andersrum gefragt hat er ein Alu Dach (lose verlegt) oder ein verklebtes GFK Dach?
    Meiner ist 2004 und hat ein lose verlegtes Alu Dach…da hab ich ein bissl Angst einfach nur auf die Dachhaut zu kleben…hab aber genauso Angst Löcher rein zu Bohren. Und diese Spielzeugrelings kommen für mich auch nicht in Frage da ich bis zu 4 Surfbretter laden möchte. Die Zoelzer Teile machen schon einen sehr stabilen Eindruck.

    vielen Dank

  7. Moin!

    Super Idee mit dem FM System und vielen Dank für die Dokumentation.
    Kannst Du mir sagen welche Nutsteine du genommen hast?
    Sowohl für die Caravanschiene als auch für die 40er FM Holme.

    Vielen Dank!

  8. So nun habe ich mal meine Schienenverklebt und eigentlich steht auch der Rest. 🙂
    Ich habe mir die Alu Profile, Winkle, Schrauben und Nutensteine bei FM-Systeme besorgt.
    Das sind allerdings keine Sicherungsschrauben und damit bin ich eigentlich nicht wirklich glücklich.
    Ich möchte ja nicht, dass sich der Aufbau während der Fahrt lockert.
    Kannst du mir sagen, wo Du Deine Winkel und Schrauben,… gekauft hast?

    Schöne Grüße
    Hannes

  9. Leider hat mein Laden mittlerweile aus Altersgründen dicht gemacht, aber so Teile sollte jeder Metallbetrieb haben, sogar bei Hornbach habe ich die schon gesehen.

  10. Vielen Dank. Wie gesagt ich habe die Schrauben bei FM Systeme mitbestellt bin damit jedoch nicht glücklich. Nun werde ich mich mal umsehen, damit ich Schrauben bekomme die ich mit einer Ratsche festziehen kann. Mit dem Impus ist es mir zu fummelig. 🙂
    Schöne Grüße
    Hannes

    1. Auf was für einem Wohnmobil. Für Kastenwagen hat Thule eine Lösung, für Weißware gibt es nur die Umrandungen oder meine Klebevariante von Zölzer.

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