Frühlingsfit

 

Der Winter dauert eigentlich immer viel zu lange. Aber irgendwann ist er zu Ende und es wird Zeit das Wohnmobil aus dem Winterschlaf zu erwecken.
Manchmal mache ich dies auch mehrmals schon im Winter, wenn eine Reise bevorsteht. Dann ist es gut, eine Anleitung zu haben, an der man sich orientieren kann.

Zuallererst sollte man sich die Zeit nehmen das Wohnmobil nach Schäden zu inspizieren. Daher sollte dies alles einige Zeit vor dem Reisetermin passieren, damit genügend Zeit für eventuelle Reparaturen bleibt.

Eine Besichtigung von Außen und Unten macht den Anfang. Damit verbunden vielleicht der erste Frühjahrsputz. Wenn der Frost geht und der Dreck und die Regenstreifen des Winters auf der Außenhaut hängt, lohnt es sich, das Wohnmobil mit einer LKW-Bürste und Wasser abzuputzen.

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Der Dreck sollte noch nicht eingetrocknet sein, dann reicht einmal grob putzen und das Wohnmobil erstrahlt! Wartet man, bis die Sonne wieder scheint und es schön warm ist, habe ich die Erfahrung gemacht, muss man wesentlich mehr schuften, bis das Wohnmobil sauber ist. Nach der Grobreinigung braucht man noch nicht gleich zu Politur und Wachs greifen. Der Winter ist noch nicht gegangen, die Straßen dreckig, nach der ersten Fahrt sieht das Wohnmobil meist wieder so aus, wie mitten im Winter. Für Politur und Wachs darf es dann schon Frühjahr sein und die Temperaturen über 10-15 Grad.

Ein Blick unter das Wohnmobil lohnt ebenfalls. Insbesondere, wenn das Wohnmobil im Winter gefahren wurde. Hat Eis und Schnee und Salz Spuren hinterlassen? Braucht es Korrosionsschutz? Gibt es Roststellen?

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Als nächstes schauen wir uns im Inneren um. Riecht es muffig, könnte Schimmel der Grund sein. Gibt es Wasserspuren, Dichtigkeitsprobleme?
Genau sollte man sich die Fenstergummis und Dichtungen ansehen. Steht das Wasser?
Gute Gelegenheit alle Staufächer und Schränke und Schubladen einmal auszuräumen und auszuwischen. Dann bekommt man gleich einen guten Überblick.
Wir haben einen großen Zwischenboden. Auch diesen sollte man einmal genau inspizieren. Alles trocken?

Die Batterien sollten ebenfalls überprüft werden. Sind es keine wartungsfreien, lohnt ein Blick auf den Füllstand. Das bedeutet bei uns: Beifahrersitz abschrauben und Batterien ausbauen. Mühselig, aber notwendig. Denn wenn nicht genug Flüssigkeit in den Batterien ist, können sie auch keine Leistung bringen. Ein bis zwei Mal im Jahr checke ich daher die Batterien.

Spätestens jetzt kommt das Wohnmobil an den Landstrom und die Elektrik wird eingeschaltet. Da wir das Wohnmobil im Winter regelmäßig bewegen, sind die Batterien gut gefüllt. Ansonsten sollte man sich überlegen, die Batterien während des Winterschlafs monatlich zu laden oder wenn im Winterquartier kein Strom verfügbar ist, ganz auszubauen und zuhause zu lagern und zu laden. (Treue Dienste erfüllt bei mir da das Ctek – Ladegerät, dass die Batterien auch reconditioniert und Ablagerungen abbauen soll).

Widmen wir uns nun der Gasanlage. Sind die Gasflaschen gefüllt? Funktioniert Herd, Kühlschrank, Heizung auf Gas? Gute Gelegenheit das Wohnmobil einmal durchzuheizen. Dabei die Schranktüren und Stauklappen öffnen, damit es auch dort warm werden kann und sich die Luftfeuchtigkeit nicht an den Wänden niederschlägt.
Eine alte Verputzerweisheit meines Schwiegervaters sagt, dass die Luft im zeitigen Frühjahr am trockensten ist. Das sollte man sich zu Nutze machen und ausgiebig lüften. So wird man die Feuchtigkeit besser los, als mit teuren Feuchtigkeitsgranulaten. Deren einziger Zweck ist es m.E. die Kassen der Hersteller zu füllen.

Der spannendste Teil ist natürlich die Wasseranlage. Hat man beim „Winterfest“ machen nicht ordentlich gearbeitet, drohen nun böse Überraschungen. Immer wieder liest man, dass Pumpen und Siphons geplatzt sind, Rohre aus ihren Verbindungen gedrückt wurden. Deswegen sollte man beim ersten Befüllen der Anlage auch sehr wachsam die Anlage beobachten. Da hilft ein weiteres Augenpaar von Mann, Frau, Freundin oder Bekannter. Denn wenn der Tank befallt wird und an anderer Stelle munter ins Wohnmobil läuft, hört der Spaß auf. Daher erst einmal wenig Wasser in den Tank füllen. Gerade genug, dass die Wasserpumpe genug zu saugen hat. Der Gau ist natürlich ein defekter Tank, aber die Materialien sind heutzutage so haltbar, dass man davon nur selten hört. Häufiger sind undichte Pumpen oder Verbinder.

2012-11-06_20-03-51_WOMO__MG_4152-1024Nun geht es los. Anfängerfehler Nr. 1 und mir erst letztes Jahr wieder einmal passiert: Wasser plätschert munter in den Tank und nach 10 Minuten überlege ich, wieso das so lange dauert. Bis ich einmal unter das Wohnmobil schaue und dem Wasser beim herauslaufen zuschaue. Ich hatte den Ablass-Stopfen des Wassertanks vergessen einzustöpseln!

Fehler Nr. 2: Das Wasser plätschert munter aus dem Wohnmobil, obwohl alle Hähne geschlossen sind, aber auch kein Rohrdefekt vorliegt? Wie warm ist es im Wohnmobil? Unter 10 Grad? Vielleicht sogar nur 5 Grad. Dann ist es die Zwangsentleerung ihrer Heizung. Das Ventil FrostControl löst bei niedrigen Temperaturen aus und kann erst geschlossen werden, wenn es mindestens 7 Grad ist. Wobei die Temperaturangaben da zwischen 4 Grad und 9 Grad schwanken. Also erst einmal die Heizung anschalten und wenn es warm im Wohnmobil ist, das Sicherheitsventil ausschalten. Die offiziellen Angaben lauten: Öffnen bei 3 Grad, schließen bei 3 Grad.

Also erst einmal alle Ablaufhähne und Stopfen schließen. Bei uns: Im Hauptwassertank, am Abwassertank, an der Wasserpumpe und natürlich am Boiler der Heizung.

Stotternder Wasserhahn
Stotternder Wasserhahn

Nun kann gefüllt werden. Ist genügend Wasser im Tank, schalten wir die Wasserpumpe ein. Ich empfehle beim „Winterfest“ immer die Sicherung der Wasserpumpe herauszunehmen, damit nicht aus Versehen im Winter die Pumpe eingeschaltet, leer läuft und somit Schaden nimmt.. Die Sicherung nun wieder einstecken und den Hauptschalter der Pumpe einschalten.

Pumpe läuft und saugt. Alle Wasserhähne öffnen, bis an allen Hähnen Wasser läuft. Die Hähne schließen und nun sollte die Pumpe Druck aufbauen und sich dann abschalten. Aufgepasst: Läuft die Pumpe längere Zeit nach, kann das zwei Ursachen haben. Es ist noch Luft im System oder Wasser läuft aus irgendeinem Leck ab. Und ich möchte mir nicht vorstellen, wohin…

Ist noch Luft im System, einfach die Hähne wieder öffnen, bis Wasser in einem Strahl und ohne stottern heraus kommt.

Widmen wir uns zu guter Letzt noch der Toilette. Auch hier kontrollieren wir die Kassette und die Dichtungen. Einfach einmal Wasser ins Klosett laufen lassen. Bleibt die Füllhöhe gleich? Wenn nicht, dürfte die Dichtung der Kassette geschrumpft oder defekt sein. In unserem Wohnwagen passierte das und ein stetes Urinrinnsal fand den Weg auf die Kassette und in die Mulden der Oberseite. Glücklicherweise ließ mich der intensive Uringeruch es recht rasch bemerken und die S0ße lief nicht noch weiter. In Ermangelung einer neuen Dichtung habe ich unter die Kassette ein dünnes Stück Holz platziert, das die Kassette anhob und somit die Dichtung wieder schloss. Erst zurück in der Heimat konnte ich bei einem Händler dann eine neue Dichtung kaufen. Bis dahin funktionierte das Provisorium recht gut.

Zu empfehlen ist nun eine Desinfektion der Tanks und der Leitungen. Aber das ist ein eigenes Thema und wird hier beschrieben: Tankdesinfektion

Nun ist das Wohnmobil wieder einsatzbereit und die nächste Reise kann kommen.

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