Ver- und Entsorgung beim Wohnmobil – WOHNMOBIL FÜR BEGINNER – DIE EINSTEIGER-REIHE

2016-04-30_11-35-01_Pfalz_20160430_113501-1600Irgendwann ist es soweit. Auch beim neuesten Wohnmobil ist die Toilettenkassette voll, das Wasser leer und die Anzeige des Abwassertanks zeigt schon rot an.

Wer das erste Mal mit einem Wohnmobil unterwegs ist und sich vorher darüber keine Gedanken gemacht hat, wird vor eine echte Herausforderung gestellt.
Ein sehr vermögender Bekannter, der noch nie in seinem Leben auch nur in die Nähe eines Campingplatzes gekommen war, fragte mich einmal über das Camperleben aus. Seine Frau würde gerne einmal ein Wohnmobil mieten und Urlaub machen. Beide sind schon lange im Rentenalter und haben neben einem Gärtner auch eine Hausangestellte.
Ich zögerte länger, bevor ich ihm versuchte schonend beizubringen, dass auch das größte und modernste Wohnmobil einen gewaltigen Unterschied zum Hotelurlaub hat: Das Ver- und Entsorgen. Ich vergesse nie seinen Gesichtsausdruck, als ich ihm erzählte, dass er die Toilettenkassette ausleeren muss. Und ich vergesse auch nicht die Frage: „Wie? Da gibt´s niemanden am Campingplatz, der das für einen erledigt?“ Ich zumindest habe das noch nie erlebt.

Zwar gibt es mittlerweile Zerhacker, Festtanktoiletten, sogar Verbrennungseinrichtungen, die nur noch ein Häufchen Asche hinterlassen, aber in den allermeisten Fällen haben die Wohnmobile eine Toilette mit einer Kassette, die geleert werden muss. Einen Abwassertank, der geleert werden muss und einen Brauchwassertank, der gefüllt gehört.
Und das regelmäßig und mit Weitblick. Sonst steht man irgendwo und hat echte Probleme. Daher der Praxistip,  wenn man auf der Reise ist oder regelmäßig weiter fährt: Erste Tat am Tag: Ver- und Entsorgung suchen. (In Schweden haben wir uns das jeden Morgen vorgenommen und nicht selten erst abends einen Entsorgungsplatz gefunden)

Fäkalien gehören zum Alltag eines Campers dazu. Wer sich damit auseinandersetzt, wird seine Berührungsängste ablegen müssen – oder wieder ins Hotel gehen. Oder auf dem Campingplatz landen, ohne je die genialsten Möglichkeiten eines Wohnmobils zu nutzen. Frei sein! Dann kann man auch gleich ins Hotel gehen. (Ich verstehe bis heute nicht, wie es Menschen geben kann, die noch nie in ihrem Wohnmobil duschten oder nie dort kochen)

Ich will niemanden Angst machen und ihn abschrecken. Im Gegenteil. Wenn man vernünftig mit dem Thema umgeht, kommt man nicht in Berührung mit der braunen Brühe.
Und wer vor dem ersten Mal ein wenig darüber nachdenkt, der macht an der Entsorgung auch nicht so dämliche Fehler, wie man sie immer wieder beobachten kann.
Da werden Schläuche, die gerade noch im Fäkalientank hingen, zum Befüllen des Frischwassertanks genutzt. (Ich stand direkt nebenan). Oder die Toilettenkassette in das Häuschen der Entsorgungsstation geleert – am Boden war ein Gitterrost, aber kein Ablauf. Das richtige Entsorgungsloch war an der Rückseite des Häuschens. (In Frankreich).
Für den Frischwasserhahn benötigt man manchmal einen Vierkantschlüssel (Tankstellen in Norwegen). Da den manche nicht haben, nehmen sie eine Zange mit der Folge, dass am Ende der Vierkantstutzen rund ist und niemand mehr den Wasserhahn nutzen kann.
Genauso unglücklich ist, wenn man nicht den richtigen Anschluss für Wasserhahn und Schlauch dabei hat. Dementsprechend sollte man für 1/2 Zoll, 3/4 Zoll und 1 Zoll Adapter dabei haben und ein sogenannter „Wasserdieb“ ermöglicht auch das Anzapfen von einfachen Wasserhähnen. (1/2 Zoll Anschlüsse sind bei uns immer mehrere vorhanden, da ich es in einem Urlaub IMMER schaffe, mindestens zwei an den Stationen zu vergessen)

Die Toilette entleeren ist eigentlich einfach, wenn man es einige Male geübt hat..

Und so sieht eine ganz normale Entsorgung bei uns aus:

Ganz wichtig: bevor wir die Kassette entnehmen, sollte man den Schieber an der Toilette noch einmal öffnen und das letzte bisschen Wasser in die Kassette fallen lassen.
Das wird immer wieder vergessen und sorgt für nasse Finger: Also immer zuerst noch den Schieber öffnen und dann die Kassette entnehmen.

Ich habe hinter der Kassettentür einen Satz Handschuhe deponiert. So hat man sie immer zur Hand, wenn entsorgt werden muss.

Ich ziehe immer die Kassette leicht heraus, ziehe dann den Schlauch der SOG-Entlüftung ab und stecke den Stopfen auf den Anschluss. Nun kann die Kassette entnommen werden.

Es gibt natürlich dutzende Varianten der Entsorgungsstationen: Einige zeige ich weiter unten. Das eigentliche Prozedere ist aber immer gleich:

An der Entsorgungsstelle erst einmal orientieren!
Es gibt IMMER einen Wasserhahn für Frischwasser und einen anderen für die Reinigung von Kassetten. Blöd, wer das verwechselt!

Dann sich genau anschauen, WO die Fäkalien hin sollen. Da gibt es einfache Einfüllstutzen im Boden, Toilettenbecken mit Ablage, Edelstahlwannen, Gitter im Boden, Kanaldeckel, die erst gehoben werden müssen. Und neuerdings Automaten, in die man die komplette Kassette stellt, seinen Obulus bezahlt und eine entleerte und gereinigte Kassette zurück erhält. Sehr komfortabel, aber noch nicht weit verbreitet.

Einige Wohnmobile haben Fäkalientanks, die über einen Stutzen direkt entsorgt werden. Teilweise mit Elektroschieber und TV-Kamera, damit man den Gulli auch trifft. Hört sich ideal an, jedoch gibt es viele Stationen, die dafür nicht ausgelegt sind und so mancher Wohnmobilist musste ungelehrt weiterfahren.
Die meist verwendeten Kassetten lassen sich im Zweifel sogar an einem normalen WC entsorgen. Nicht komfortabel und oft nicht lecker, denn es spritzt dann immer wieder mal etwas vorbei!

Aber zurück zur alltäglichen Entsorgung:
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Vorbildliche Anlage am Campingplatz am Bodensee.

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Ein Hahn zum Spülen der Schüssel – der nächste Benutzer freut sich über einen sauberen Arbeitsplatz. Dazu einen zweiten Hahn zum Füllen der Kassette.

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Kassette ablassen und dabei den Entlüftungsknopf drücken, dann geht die Entleerung deutlich schneller und ohne Spritzen!

Nun mehrmals frisches Wasser einfüllen, Deckel schließen, Schütteln und wieder ablassen. Anschließend die Schüssel spülen. Das war´s schon.

Da die Anlagen sehr unterschiedlich sind, noch einige Varianten:

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Übliche Sanistation mit Bezahlfunktion. Aufgepasst: hier bitte die Fäkalienkassette am richtigen Wasserhahn füllen. Zu oft sehen wir Menschen, die entweder versuchen am Fäkalienwasser ihren Schlauch anzuschließen oder ihren Kassettenrüssel an den Wasseranschluss halten. Ganz übel die Wohnmobilisten, die einen Euro sparen wollten und mit der Gieskanne am Fäkalienhahn Wasser zapften und 10 Füllungen holten, bis ihr Tank dann voll war. Brrrr.

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Entsorgungsloch am Boden

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Bezahlfunktion und Erklärung in Deutsch – im Ausland natürlich anders! Also vorher mal ein paar Brocken der Reiselandsprache lernen. Am Wasseranschluss schließe ich IMMER meinen eigenen Adapter und Schlauch an und lasse – wenn möglich – vorher schon einige Liter Wasser ablaufen.

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Für das Grauwasser gibt es am Boden meist eine Gitterrost. Aber auch einfache Kanaldeckel oder Stahlplatten mit Löchern haben wir schon erlebt. Da heißt es oft ganz genau zielen oder einen Abwasserschlauch dabei haben.

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Andere Variante des Bodenablaufs in Neustadt / Weinstraße. Unbegreiflich ist der Stutzen für die Fäkalien:

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Man hat eigentlich keine Chance den Kassettenstutzen beim  Umdrehen in das Loch zu bugsieren, ohne dass etwas vorbei läuft. Wer sich so etwas  wohl ausdenkt?

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Noch dazu, wenn man dann sieht, dass es eine vernünftige Anlage gab, die zugeschweißt wurde!

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Auch diese Anlagen gehören zu den besseren! Nur den eigenen Wasseradapter anzuschließen, gestaltet sich schwierig: Dafür kann man mit dem Fäkalienstutzen nicht an den Wasserausgang! Also doch eher ein Vorteil!

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Der Ablauf und oben drüber kann man den Kassettenstutzen andrücken. Nicht ganz so einfach und man muss aufpassen, dass man nicht unfreiwillig duscht!

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Wir haben immer einen kurzen Schlauch (3 Meter) und einen langen Schlauch (10 Meter) dabei. Hier sieht man sehr gut, dass man den Adapter umständlich aufschrauben muss, dafür ist der Anschluss vor Fäkalien geschützt.

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Ähnlich diese Station: jedoch ist der Ablauf für Grauwasser und Fäkalien identisch.  Unglücklich: Man muss also sein Wohnmobil wegfahren, bevor die Kassette entsorgt werden kann. Noch dazu fällt – Verzeihung – die Scheiße auf eine Platte und muss weggespült werden, da der Neigungswinkel der Platte zu gering ist. Welcher Architekt oder Ingenieur sich so etwas ausdenkt? Auf jeden Fall hat er wohl seine Anlage nie selbst benutzt.
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Vorbildliche Anlage in Frankreich – Meist waren sie dort von gehobenem Standard, nur leider haben die Nutzer die übelsten Sachen dort gemacht. Auf einer solchen Platte in Narbonne Plage hat unser Vorgänger seinen Festtank ausgeleert und dann mit einem Besen in den Abfluss geschoben. Die dicksten Brocken der Scheiße hob er mit bloßer Hand auf und warf sie in einen Papierkorb, den Rest mit dem Wasserschlauch für Frischwasser weggespült. Die Hände hatte er sich vorher nicht gewaschen. Diesen Schlauch hätte ich nicht mal mehr mit Handschuhen angepackt. Das ist der Grund, warum wir IMMER versuchen, nur unseren eigenen Schlauch zu verwenden. Wer weiß, wer vorher an der Anlage war und was er so damit getrieben hat.

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Norwegen: Entsorgungsmöglichkeiten gibt es manchmal vor dem kleinsten Ort und im Zweifel an einem Campingplatz gegen  Gebühr.
In Trondheim dann die übelste Station: Irgendwer hat den Innenraum der Station wohl zum Entsorgen genutzt. Und die nächsten machten es wohl nach: Berge von Toilettenpapier zeugten davon, dass diese Menschen nicht kapierten, dass die eigentliche Entsorgung auf der Rückseite der Station erfolgen sollte.

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6 Gedanken zu „Ver- und Entsorgung beim Wohnmobil – WOHNMOBIL FÜR BEGINNER – DIE EINSTEIGER-REIHE“

  1. Hallo, da ich es vielleicht doch noch schaffe, dieses Jahr eine längere Tour mit meinem Pauli zu machen, sind diese Tips wirklich Prima!!
    Danke und allzeit gute Fahrt wünsch Gabi

  2. Hallo Jürgen,
    eine Frage, die du im Artikel nicht betrachtest: wie findet man denn diese Stationen in den unterschiedlichsten Ländern? Wir sind WoMo-Neulinge seit Sommer 2016 und bislang viel auf Campingplätzen gewesen, da ist das alles kein Thema. die bislang einzigste Station solcher Art habe ich am Europa-Park in Rust gesehen, ansonsten ist mir noch nie so ein Ding aufgefallen.
    Herzlichen Gruß Rene

    1. Ja das ist dein Grundproblem.
      Ich suche mir auch in jedem neuen Land erst einmal einen Wolf bevor ich kapiert habe wie es dort funktioniert.
      In Norwegen sind immer Schilder, in Schweden gar nicht.
      Es gibt verschiedene Apps die drei aktuellen hatte ich ja gerade vorgestellt.
      Ansonsten schau mal bei http://www.platsbasen.se

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