Norwegen 2013: Tag 10 – Walsafari in Andenes

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Das Schöne an diesem Urlaub in Norwegen ist bislang, dass man sicher sein kann, dass die Wettervorhersage nicht stimmt. So schauen wir morgens um 6 Uhr aus dem Fenster und statt des versprochenen Sonnenscheins stimmt uns grauer Himmel auf den Tag ein. Wir beschließen trotzdem die Walsafari zu wagen. Insgesamt kostet der Spaß für uns vier rund 400 Euro und so wollen wir wenigstens, dass das Wetter halbwegs passt.

Im Walsafarizentrum gibt es von einer Meeresbiologin eine geführte Museumsschau bei der einem die wichtigsten Dinge der Walforschung in dieser Gegend vermittelt werden. Meist sieht man hier Pottwale, die aufgrund einer geologischen Besonderheit sehr nahe an die Küste kommen. Der Meeresboden fällt dort rasch von 300 Metern auf mehr als 1500 Meter ab. Ideal für die Tiefseejäger. Man vermutet, dass sie in dieser Tiefe Riesentintenfische jagen.

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Die Ausstellung hat sich zu der vor zwanzig Jahren nicht wesentlich geändert. Das Gebäude ist dafür neu, offenbar floriert das Geschäft. Überhaupt ist Andenes beträchtlich gewachsen. Überall stehen neue, moderne Häuser. Kein Vergleich mehr zu den trostlosen Bauten von früher.
Die Innenstadt gleicht einer kleinen Hauptstadt und mittlerweile hat man bei 2700 Einwohnern vier Supermärkte. Das verwundert sogar die Einheimischen.
Während des kalten Krieges war die Stadt sogar noch viel größer gewesen, aber nach dem die Militärs abzogen versank die Stadt im Dornröschenschlaf und beginnt nun, da man bedeutende Gas und Ölvorkommen vor der Küste gefunden hat, ein neues Leben.

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Nach dem Museumsbesuch geht man zum Hafen um auf das Schiff zu steigen. Wir haben uns bewusst für den alten Waldampfer „Reine“ entschieden. Mit diesem Schiff wurden früher Wale gejagt, bis jemand erkannte, dass man mit Wale beobachten mehr verdienen kann, wie mit Wale töten. Mittlerweile gibt es ein zweites Schiff, ein Katamaran, der später ausläuft, aber deutlich schneller im Zielgebiet ist und später wieder an Land. Für Menschen die leicht Seekrank werden, bestimmt die bessere Wahl, da das Schiff auf der Fahrt deutlich glatter im Wasser lag.

Dafür kommt die „Reine“ näher an die Wale heran. Und das wollten wir ja!
Daher nehmen wir das starke Schaukeln in Kauf und dopen uns vorab mit Tabletten gegen Seekrankheit.

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Beim Ablegen beginnt es zu regnen und wir sind froh, so viele Sachen an und dabei zu haben. Einige Menschen haben nur leichte Jacken und Jeans an. Schon am Hafen ist es nur 8 Grad und der Wind und der Regen machen es nicht wärmer. Wir haben Handschuhe und Mützen dabei und nach wenigen Minuten schon an, denn es wird unterwegs eiskalt. Sicherheitshalber haben wir eine Fleecedecke dabei, doch werden wir sie heute nicht brauchen.

An Bord ist die Stimmung erwartungsvoll. Es herrscht gespannte Ruhe. Jeder hofft heute Wale zu sehen und schaut gebannt zum Himmel, ob der Himmel nicht doch noch ein Einsehen mit uns haben wird.

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Nach 10 Seemeilen wird das Schiff plötzlich langsamer. Hier kann es noch keine Pottwale geben. An der Steuerbordseite werden entzückte Rufe laut: Orcas – Schwertwale (Ich hasse den Begriff „Killerwale“ – es sind halt Fleischfresser.
Eine große Gruppe und das Schiff mittendrin. Man weiß gar nicht wo hin man schauen soll. Ständig erhebt sich irgendwo eine Flosse aus dem Wasser, schiebt sich ein Kopf empor oder zeigt sich eine Fluke. So schnell, als wollen sie sich präsentieren. Dazu rollen sie manchmal um die eigene Achse.
wir können es kaum glauben, denn das passiert hier wohl nicht so oft und wenn dann viel später im Jahr.

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Eine Walmutter schwimmt immer parallel zu ihrem Baby und wir können nicht sagen, ob es 8, 10 oder 20 Tiere sind, oder wir immer wieder die gleichen beobachten.
So vergeht die Zeit wie im Flüge und erst anhand der gemachten Bilder können wir erkenne, dass das Spektakel fast zwei Stunden gedauert hat!

Das Schiff nimmt nun wieder Fahrt in Richtung offene See. Denn nur dort, wo der Meeresboden steil abfällt, kann man sicher mit Pottwalen rechnen. Und richtig: Nach einigen Meilen sehen wir den Blas eines Wals am Horizont. Mit dem großen Teleobjektiv und der höchsten Auflösung erkennen wir einen Pottwal, der aber schon abtaucht, noch bevor wir ihm nahe gekommen sind.

So liegt das Boot einige Zeit ruhig und durch die Dünung und die Wellen werden wir ordentlich durchgeschüttelt.

Gut, dass wir die Reisetabletten genommen hatten. Einer jungen Frau können wir noch helfen, sie bekommt für sich und ihren Mann eine Tablette, anderen geht es schon schlechter. Auf das untere Deck mag ich nicht mehr gehen, sitzen doch einige der Armen mit den bekannten Tüten und ziemlich lethargisch auf den Bänken.
Uns geht es gut, wir holen uns eine Packung Kekse und muffeln fröhlich.
Versorgt werden wir von der Besatzung mit Tee und später auch mit Suppe, aber nicht jeder mag etwas essen.

Auf dem Vorderdeck halten wir weiter Ausschau nach einem Wal, aber erst als ein Guide uns sagt, dass Steuerbords ein Pottwal schwimmt, bemerken wir ihn.

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Es ist ein junger Bulle, wohl 13 Meter lang.
Gemächlich schwimmt er vor uns her und lässt uns genügend Zeit ihn zu bewundern.

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Ganz anders als bei den wuseligen Orcas, bleibt der Pottwal ganz ruhig. Ab und an bläst er, dann nimmt er Fahrt auf. Ein, zwei Schwünge, der Kapitän ruft „Er taucht“ und dann schiebt sich der mächtige Kopf nach unten und im letzten Moment erhebt sich die Schwanzflosse nach oben.

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Ein tolles Schauspiel.

Von unserer ersten Reise her wissen wir, dass Pottwale dort wieder auftauchen, wo sie abgetaucht sind. Das Schiff braucht also nur abwarten. Trotzdem schaut die Crew die ganze Zeit, ob woanders noch ein anderer Wal zu sehen ist, man würde uns gerne einen weiteren präsentieren. Aber es ist uns nicht vergönnt.

Die Zeit vergeht, das Schiff rollt antriebslos in den Wellen. Die Seekranken werden noch seekranker. Sie können einem leidtun. Nach dreißig Minuten glaube ich schon nicht mehr, dass wir noch einen Wal sehen. Die Zeit wird knapp, denn das Schiff wird noch eine zweite Tour machen und der Kapitän zurück. Zwischendurch begann es wieder einmal zu regnen, wir werden nicht verwöhnt.
Dann plötzlich klart der Himmel auf, in der Ferne sieht man zwar schon den nächsten Regenguss, aber die Sonne lässt sich tatsächlich blicken, als eine Italienerin neben mir nach vorne zeigt.

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Da ist er wieder „WAAAL“. Im nu stehen wieder alle an der Reling. Aber es ist ausreichend Platz und der Kapitän legt das Schiff gekonnt längsseits. Schräg hinter uns das größere Katamaranschiff. Zwar bequemer, aber man kommt nicht so nah an die Wale heran.

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Um mich herum klickt es aus allen Rohren. Überhaupt ist es erstaunlich, was hier an Nikon und Canon Kameras und Objektiven aufgefahren wird. Jede Fotomesse hätte ihren Spaß an den 200mm, 400mm und dutzenden Zoomobjektiven die auf den Wal gehalten werden.

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Auf dem Nachbarschiff geht es geordneter zu. Dort steht man auf dem Vorderdeck in Reihen. Bei uns geht es im Nahkampf um die besten Plätze. Natürlich gehen mir die Akkus aus und die Speicherkarte ist viel zu schnell voll und ich sterbe in den wenigen Sekunden des Wechselns tausend Tode vor Angst, der Wal könnte gerade in diesem Augenblick abtauchen.

Er wartet und so bekomme ich noch die erhofften Bilder einer Walfluke.

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Der Kapitän dreht bei und binnen einer weiteren Stunde stehen wir wohlbehalten und sehr müde wieder im Hafen von Andenes.

Zeitraffer:

 

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