Endlich Autark – ohne Wasser geht es nicht im Wohnmobil

– Serie Autark –

„Richtig autark bist du erst, wenn du aus deinem Schweiß und der nächsten Pfütze Wasser zum Trinken gewinnen kannst.“

                         Gerd Hanich, Weltreisender

Ganz so dramatisch, wie Gerd es sieht, den ich einmal nach einem Vortrag kennen lernte, ist es beim normalen Campen in Mitteleuropa nicht.
Doch es gilt einiges zu bedenken, wenn man für längere Zeit autark sein möchte.

Inhalt

Erstaunlich ist, dass aufgrund der üblichen Gewichtsprobleme neue Wohnmobile entweder mit kleinen Tanks ausgerüstet werden oder nach Möglichkeit nur mit einer Restmenge an Wasser bewegt werden sollen.
Dies widerspricht unserer Art des Reisens so vollständig und ist auch widersinnig, wenn man längere Zeit autark sein möchte. Eigentlich müsste das Credo heißen: den Tank vergrößern und nicht noch verkleinern.
Spätestens, wenn man längere Zeit ohne Camping-, Stellplatz oder weit weg vom allerletzten Dorf steht, wünscht man sich 150, 200 oder 300 Liter Wasser im Tank.

Wir schaffen es immerhin auf 140 Liter und die reichen für zwei Personen recht lange.
Dabei ist entscheidend, wie oft wir duschen und Haare waschen. Die Trenntoilette verbraucht kein Wasser und Trinken und Kochen lässt sich leicht kalkulieren.
Wenn wir jeden Tag duschen, reicht eine Tankfüllung vier Tage.
Ist ein See in der Nähe kommen wir 7-10 Tage ohne Nachfüllen aus. Ohne zu ‚riechen‘ – es geht auch tatsächlich noch, sich mit einem Waschlappen zu waschen!
Da wir aber in jedem Land, in dem wir bislang waren, irgendwo Wasser bekamen, brauchten wir auf das Duschen nur wenige Male verzichten.
Dafür ist es gut, sich frühzeitig zu informieren, wo und wie man im Land Wasser bekommen kann. Denn das ist im Vergleich zu Deutschland manchmal sehr unterschiedlich. Aber dazu später mehr.

Manchmal wollen wir auf gar keinen Fall den Platz verlassen. Und wie hier in Schweden müssten wir 30 Kilometer fahren, um zu Ent- und Versorgen. Da ist es wichtig, mit dem Wasser vernünftig zu haushalten!

Wasser ist Leben

Dem normalen Camper geht das Wasser nie aus, steht er doch auf dem Camping- oder Stellplatz.
Aber wer viel in Gegenden ohne entsprechende Infrastruktur unterwegs ist, der lernt zu planen.
Spätestens für Dauerreisende, heute gerne „Roadtrip“ genannt, ist es wichtig, den Wasserverbrauch im Blick zu haben und immer ausreichend Wasser dabei zu haben.

Nun ist es aber nicht so, dass man – als sei man in der Wüste – überall Wasser sparen muss, um ja nicht zu verdursten.
Unser Anspruch ist es, täglich zu duschen, zu kochen, trinken.
Spätestens, wenn der Tank nur noch ¼ gefüllt ist, suchen wir auf einem Roadtrip nach Möglichkeiten den Tank wieder zu füllen.
In Deutschland findet sich alle paar Kilometer ein Stellplatz. Aber auf dem platten Land wollen wir nicht des Wassers wegen, extra 30 Kilometer fahren. Wäre auch unökologisch.
Und spätestens im Ausland sind unsere in Deutschland gelebten Automatismen oft nicht gültig. Dort haben wir uns angewöhnt zu fragen: an Tankstellen, bei Anwohnern, beim Bauern.
Da war auch schon einmal ein Autohändler dabei (der an der Außenwand einen Wasseranschluss hatte, um seine Autos zu putzen) oder der Wasserhahn direkt an der Landstraße, gibt es auch bei uns noch in den Bergen, oft gesehen haben wir das früher in Italien und zuletzt in Schottland und Rumänien.

Wenn man danach sucht und fragt, bekommt man sehr häufig die Möglichkeit, Wasser aufzufüllen.
Manchmal gegen ein Trinkgeld.

Im Wasser ist Leben

Doch nicht immer ist der Wasseranschluss so, wie wir ihn uns wünschen. Und manchmal haben wir bezüglich der Wasserqualität Bedenken.

Und sehr oft passen unsere Anschlüsse für den Schlauch nicht, wir kommen mit dem Wohnmobil nicht nah genug an den Wasserhahn heran oder es gibt gar keinen Wasserhahn, sondern nur ein Rohr, einen Brunnen mit Eimer.
Natürlich kann man dann – in der Hoffnung etwas Besseres zu finden – weiterfahren. Oder man weiß sich zu helfen.

Allerdings kann man dann nie sicher sein, ob der Vorgänger am Wasserhahn nicht mit seiner Fäkalienkassette oder schmutzigen Fingern hantiert hat.

Deswegen benutzen wir IMMER unsere eigenen Adapter und lassen erst einmal einiges an Wasser ablaufen, bevor wir unseren ECHTEN Trinkwasserschlauch anschließen.

Diese Produkte nutzen wir:

Wasserschlauch nach Trinkwasserverordnung

Ein Wasserschlauch, der Keimen und Bakterien wiedersteht:

Passt der gängige Gardena-Adapter in verschiedenen Größen nicht, kommt ein Wasserdieb zum Einsatz, der im Zweifel auch auf ein einfaches Rohr passt. Den Wasserschlauch haben wir in 3 Metern (ausreichend, wenn man direkt an einer Zapfsäule steht und kurz genug, um dann nicht im Dreck zu liegen) und 5 Metern Länge.
Zusammen können wir so 8 Meter Abstand überbrücken.
Ist das nicht ausreichend, kommt ein kleiner Kanister und eine Einfüllhilfe zum Einsatz. Allerdings passen in den Kanister nur knapp 10 Liter, für unseren 140 Liter Tank braucht es dann also 14 Füllungen und gut 20 Minuten bis er voll ist. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber pro Urlaub kommt das meist nur ein- bis zweimal vor.
Und noch ein Werkzeug kann sich als nützlich erweisen: manchmal fehlen an Wasserhähnen die Hebel oder Drehknöpfe. Dann kann man mit diesem Knochen – den Knippex TwinKey – den Hahn öffnen. In Norwegen haben wir ihn oft benutzt.

Auch wenn wir der Wasserstelle vertrauen, dem Hahn, den Besitzern, alles sauber und ordentlich aussieht:
Bakterien sieht man leider nicht und egal ob in Deutschland oder in Italien, Türkei oder Südfrankreich: es kann einen immer treffen oder auch nie.
Wir setzen deswegen immer auf einen Vorfilter!

TwinKey hier kaufen

Filter und UV-Bestrahlung gegen Bakterien und Keime

Das kann ein einfacher Schmutzfilter sein, der zumindest die groben Verunreinigungen aus dem Tank heraushält. Dieser lässt sich leicht selbst herstellen (Anleitung dazu hier)
Oder wenn wir Zweifel haben: ein hochwertiger Filter wie der Alb-Filter. (Unseren Test Dazu findet ihr hier) Mit Vorfilter und Mikrofilter lässt er die Bakterien und Schadstoffe gar nicht erst in den Tank. Aber aufgepasst: die Füllzeit des Wassertanks steigt deutlich. Für 100 Liter sollte man 10-20 Minuten (!) einplanen. Das hängt natürlich auch vom Leitungsdruck vor Ort ab. Das ist auch der Grund, weshalb wir manchmal auf den Alb-Filter verzichten. Auf einem Camping- und Stellplatz reicht uns meist der einfache, selbstgebaute Grobfilter (Artikel: Grobfilter selbst bauen). Denn..

UV Reaktor von Ultraqua
Reich UV Entkeimung

UV-Licht tötet!

Wir gehen noch einen Schritt weiter: wir haben in der Leitung nach der Pumpe eine UV-Lampe verbaut, die das vorbeifließende Wasser mit UV-Licht bestrahlt und so alles Leben im Wasser abtötet. Auch die örtlichen Wasserwerke vertrauen auf diese Technik und wir haben mit der REICH Puritec und neuerdings mit der wartungsfreien LED-UV Technik von Ultraqua gute Erfahrungen gemacht.

Von allem, was Silber beinhaltet, sollte man die Finger lassen. Nachweislich tötet Silber Bakterien erfolgreich ab. Nur leider nicht nur im Wassertank, sondern auch später in eurem Magen und Darm.
Vielleicht ein Grund, warum im professionellen Bereich Silberionenprodukte nicht erlaubt sind.

Bach- oder Flusswasser trinken?

Ja, natürlich geht das auch.
In unbedenklichen Regionen, besonders in den Bergen, in Norwegen haben wir es selbst gemacht.
Doch in Deutschland, mit düngenden Bauern neben dem Bach, saurem Regen und Co, sollte man da lieber vorsichtig sein. Dem Wasser kann man leider nicht ansehen, ob es verunreinigt ist.
So hatten wir in Nordschweden einen See mit rostig-braunem Wasser, das völlig unbedenklich war, aber superklares Wasser in Frankreich, das glücklicherweise übel roch.

Wer trotzdem Wasser bunkern will, der sollte auf spezielle Filter und Pumpen setzen oder auf Chemie.

Unsere Kletterfreunde vom Blog „Fels und Wald“ haben in ihr Expeditionsmobil nun die zweite Wasserreinigungsanlage eingebaut: https://felsundwald.de/trinkwasserfilter-update/
Viele Menschen schwören auf die Filter von Katadyn, doch Christa und Eric haben gute und schlechte Erfahrungen gemacht und ihr persönliches System optimiert.

Oder ihr setzt auf ein fertiges Set der Spezialisten, die bei uns in der Nähe ansässig sind: Famous Water https://famous-water.com/suesswasser/#fresh, die optimale Systeme zur Frischwasserbereitung anbieten.

 

water-jack fresh tiny

Jetzt ist das Wasser im Tank, aber wie hält man es sauber, damit man es auch noch nach Tagen trinken und nutzen kann.
Ganz wichtig: RUHE BEWAHREN!
Jeder gute Verkäufer von Mittelchen und Präparaten versucht euch jetzt klar zu machen, dass in eurem Tank nun das Wasser schlecht wird, ihr und eure Lieben krank werden und ihr nun unbedingt das Mittel XY benutzen müsst. Am besten täglich und im Vorratspack für 365 Tage.

Aber ist das wirklich so? Wird Wasser im Wohnmobiltank schlecht?

Wir fragen eine Spezialistin dazu: nein, so pauschal lässt sich das nicht beantworten. Es kommt auf die Verunreinigung des Tanks an, die Wasserqualität und mögliche Keime und Bakterien, die darUnd daher solltet ihr auf Reisen immer, wenn ihr Bedenken habt, nur abgekochtes Wasser beim Kochen verwenden, zum Trinken Wasser aus Flaschen nehmen oder das Wasser zum Zähneputzen und trinken ebenfalls abkochen.in enthalten sind. Auf jeden Fall hilft eine UV-Anlage und ein Filtersystem.

Es gibt keine Regel:“ Wasser bleibt so- und so viel Tage genießbar.“ Also müsst ihr selbst entscheiden, wann ihr das Wasser austauscht und den Tank reinigt. Wie das geht, könnt ihr in unserem Blog und im Video sehen.

Fazit: …tausendmal ist nichts passiert…

Der Schlager meint zwar nicht Montezumas Rache, aber viele alte Camper sagen uns immer wieder: wir sind schon so lange unterwegs und haben nie Probleme gehabt. Da wird dann das gute Immunsystem gelobt oder dass heute eh alles viel zu reinlich sei und viele Stammtischparolen gibt es kostenlos dazu.
Dabei sind wir Menschen nun einmal unterschiedlich und noch viel schlimmer, was in jungen Jahren ging, wird im Alter plötzlich gefährlich.
Und wenn ich zufällig den einen bösen Keim erwische, liege ich im Urlaub flach oder noch schlimmer, muss den Urlaub abbrechen.
Da ist ein wenig Aufmerksamkeit, Vorbereitung und Schutz nicht übertrieben!

Achtet auf eure Gesundheit. Gutes, sauberes Wasser ist ein Schlüssel dazu.

Man muss nicht übertrieben gründlich sein, braucht weder Chemie noch Silberionen-Gifte, die nebenbei als Schwermetall eingestuft sind.
Saubere Schläuche, regelmäßige Tankreinigung und Vorfilter sind unseres Erachtens kein Luxus, sondern die Basis. 

Wer mehr möchte kann sich eine UV-Anlage einbauen und wer in ganz unwirtliche Gegenden fährt oder lange Zeit (z.B. im Wald in Schweden – da erleben wir das immer) autark sein möchte, der rüstet eine Wasseraufbereitung für Bach und Fluss auf.
Wer das beherzigt, sollte bedenkenlos sein Wasser aus dem Tank trinken und zum Kochen nutzen können.
Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog

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2 Antworten

  1. Hallo Jürgen,
    wie immer ein sehr guter und informativer Artikel – ich verstehe ihn als Zusammenfassung Eurer bisherigen Erfahrungen und Empfehlungen zum Thema „Wasser“.
    Um das Thema „Autarkie“ noch deutlicher zuzuspitzen: Es gibt ja mittlerweile ein System, mit dem das eigene Grauwasser zu Trinkwasser aufbereitet werden kann von der Firma Carawater:
    https://carawater.de/
    Präsentiert auf dem Caravan Salon 2020 und vorgestellt von verschiedenen Youtubern wie z.B. CamperTobi:


    Da wären wir dann doch gar nicht so weit weg von dem o.g. Zitat von Gerd Hanich…
    Wenn man diese Anlage zusammen mit einer Trenntoilette im Womo hat, dann braucht man sich eigentlich nur noch regelmäßig um die Entsorgung des Urins kümmern.
    Der Preis ist allerdings schon ziemlich deftig…

    Das ich viel auf Deine Expertise gebe: Hast Du Dir schon eine Meinung zu dem Produkt gemacht? Ich würde mich über eine Einschätzung von Dir sehr freuen.

    Viele Grüße

    Stefan

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