Wieviel „Solaranlage“ brauche ich im Wohnmobil?

Wie viel Solarpower brauche ich auf dem Wohnmobildach, um unabhängig zu sein. Dieser Frage habe ich mich schon einmal von der Seite der Verbraucher genähert: Stromverbrauch im Wohnmobil

Dabei habe ich beim Besuch der Profis von FraRon nun gelernt, dass noch ganz andere Faktoren wichtig sind.

Denn es ist genauso unsinnig, sich viele Solarpanels aufs Dach zu kleben, ohne auf die Batteriekapazität zu schauen, wie fette Batterien im Wohnmobilbauch zu bunkern, und nur ein kleines Ladepanel auf dem Dach zu haben.

Unser Ziel ist es, lange Zeit autark zu stehen, also ohne Landstrom auszukommen.

Dabei muss man sein Reiseverhalten und seine Verbraucher im Blick haben.

FraRon hat dazu einen Fragebogen entwickelt, um den optimalen Mix für den Kunden herauszufinden, den wir für uns einmal ausgefüllt haben:

Nutzungszeitraum: das ganze Jahr

Reisegebiet: Deutschland, Skandinavien
 Bevorzugter Reisestellplatz: meist autark

Kapazität der Aufbaubatterie/n: 80 Ah / 12 V

Ist Platz für eine eventuell erforderliche Zusatzbatterie vorhanden bzw. erwünscht: Ja

Wo befinden Sich die Aufbaubatterien? Im Beifahrersitz

Aus dem früheren Artikel und durch einige Jahre Erfahrung kennen wir unseren Verbrauch:
meist 40Ah, im Winter 60Ah – im Sommer in der Spitze 70AH und im Winter können es auch 100 Ah werden.

Jetzt rechnen viele: 100 Watt Solaranlage = 8,3 Amper. Wenn die Sonne 10 Stunden scheint sind das 83 A. Hört sich gut an, aber…
Aber nur im Idealfall. Unsere alte Solaranlage auf dem Dach steht so gut wie nie im optimalen Winkel zur Sonne. Und in guten Zeiten lieferte ein 100 Watt-Panel vielleicht 70 Watt. Bei Bewölkung und am Morgen und Abend sind es deutlich weniger.
An trüben Tagen kommen zwar trotzdem 15-30 Ah zusammen, an guten Tagen sind es 70 Ah bis 150 Ah. Manchmal auch mehr. Von den rechnerischen Spitzenwerten ganz zu schweigen, jedoch lässt sich mit diesen nicht dauerhaft seriös kalkulieren!

Ohne guten Solarladeregler taugt die beste Solaranlage nichts

Wer nun ein wenig mitgerechnet hat, wird feststellen, dass wir an den ‚normalen“ Tagen schon mehr verbrauchen, wie wir erzeugen. Über kurz oder lang wird die Batterie geleert.

AGM Batterie mit 200AH nur zu 50% nutzbar 

Mit 200 Watt Solarzellen auf dem Dach sind wir schon solide unterwegs: Auch an schwachen (Solar-) Tagen puffert es uns die Batterie, an normalen Tagen (spätes Frühjahr bis Spätsommer) gleicht die Einspeisung den Verbrauch fast immer komplett aus.
Im Frühjahr und Herbst reicht die Batterie zumindest länger.

Im Winter bringt die Solaranlage so gut wie nichts. Ja, sie erzeugt tatsächlich Strom. Mal mehr, mal weniger. Aber in Deutschland oder noch nördlicher, reißt das die Gesamtbilanz nicht heraus. Der Verbrauch im Wohnmobil ist höher, wie der Ertrag auf dem Dach.

Wie lange unsere Freiheit dauert ist somit nicht nur abhängig von den Solarpanels auf dem Dach, sondern auch von der Batteriekapazität im Bauch unseres Wohnmobils.
Egal. Ob es Lithium, Kristall, AGM oder Bleibatterien sind:

Die Kapazität der Batterien muss zur Solaranlage passen.

1000 Watt auf dem Dach, aber 100 Ah im Keller sind genauso unsinnig, wie 100 Watt auf dem Dach und 1000 Ah im Keller.

Warum?
Blei, Gel und AGM – Batterien dürfen nicht komplett entladen werden! Ansonsten sterben sie einen frühen Tot. Daher ist ein Batteriemonitor* keine Männerspielzeug, sondern eine sinnvolle Investition in eine lange (Batterie-) Freundschaft.

Wie viel verbrauchen wir im Wohnmobil

Je nach Batterietyp schafft unser Energiedepot nur wenige oder mehrfache Tiefentladungen.
Unter 50% der Nominalkapazität sollte man daher seine Batterie zügig laden. Im Zweifel, in dem man am nächsten Standort den Landstrom anschließt. Wer oft tiefentlädt und seine Batterie nicht pflegt, wird nicht lange Spaß haben.

Habe ich nur eine kleine Batterie mit 80 Ah an Bord, kann ich zuverlässig nur die Hälfte davon verbrauchen (maximal spricht man landläufig von 80% der Nennleistung, die die Batterie überhaupt abgeben kann – wer das ausreizt, riskiert einen plötzlichen Batterietot).

 

 

Vorteil Lithium:
Anders sieht das bei Lithium Batterien aus. Diese kann man fast bis auf Null herunterfahren, ohne dass die Batterie leidet. Wer sich für Lithium entscheidet, kann dementsprechend die volle Ah Zahl nutzen. Das hat Vorteile: Entweder kann man eine kleinere Batterie kaufen und damit Gewicht sparen (200Ah Blei = 100 Ah Lithium) oder sich einen großen Puffer leisten, denn wenn ich 200 Ah Blei durch Lithium ersetze kann ich auch 200 Ah komplett entnehmen und nicht nur die Hälfte (100 Ah), wie bei Bleibatterien.

Noch einmal zurück zum Verbrauch:
40 Ah sind mit TV und Fön oder Kaffeemaschine und Wechselrichter ganz schnell beisammen. In kurzer Zeit viel Strom abgeben tut der Batterie nicht gut.
Wer nun durch Solar dagegen hält, verlängert zwar die Nutzungsdauer, führt die Batterie jedoch regelmäßig an ihre Belastungsgrenze.
Ein frühes Altern und gegebenenfalls einen frühen Tod  der Batterie ist so vorprogrammiert. Da helfen ebenfalls die Lithiumbatterien mit ihrem eingebauten Batteriemanagementsystem (BMS), aber auch diese wollen nicht ständig überfordert werden.

Umgekehrt nutzt es wenig, sich viele (Solar-)Watt aufs Dach zu kleben, ohne die Batteriekapazität zu erhöhen. Die Batterie ist zwar sehr schnell vollgeladen – aber mehr, wie die Nennleistung der Batterie, kann man nicht speichern. 
Wenn der Eimer voll ist, läuft er nicht etwa über: 
Der Solarladeregler schaltet einfach ab. 
(Das ist der Grund, warum viel Menschen bei schönstem Sonnenschein erstaunt feststellen, dass die Solarpanels 0 Watt liefern – da ist nichts kaputt. Die Batterie ist einfach voll!)

Spätestens an einem Tag, mit wenig Sonnenschein, ereilt dann eine kleine Batterie das o.g. Schicksal: oft über 50% entladen. Schnelle Alterung vorprogrammiert.
Zwar können neue Batterien, wie Lithium, auch deutlich höher entladen werden, jedoch verschiebt sich damit nur das Problem. Mehr Entnahme als Ladung über den Tag hinweg.
Daher: Die Kapazität erhöhen = Sicherheit im Alltag

Für unseren Wunsch, auch im Winter mehrere Tage autark stehen zu können, benötigen wir ca. 200 Ah Batteriekapazität. Das entspricht 100 Ah Lithiumbatterie.

Zu der 200 Ah Batterie passt dann sehr gut eine 200 – 300 Watt Solaranlage.
Wir entschließen uns für 200 Watt auf dem Dach* und werden noch einen 100 Watt Solarkoffer dazu schalten, sofern wir einmal längere Standzeiten einplanen.
Da wir derzeit jeden zweiten Tag einige hundert Kilometer fahren – somit eher ein Reisemobil fahren – ist das noch Zukunftsmusik für uns.
Wer täglich den Standort wechselt, sollte sich überlegen einen Ladebooster zu installieren: Moderne Lichtmaschinen schalten das Laden der Batterie nach kurzer Zeit ab, ältere Steuerungen laden die Batterien nur langsam. Mit einem Ladebooster kann man seine Batterie auch auf kurzen Strecken schnell laden!

Einen Benzin-Generator (Moppel) lehnen wir des Lärms und Gestanks wegen rundweg ab, alternativ haben wir seit 2017 eine EFOY Brennstoffzelle im Einsatz. In der Anschaffung teuer, im Betrieb auch im Winter unübertroffen. Strom, wann immer wir ihn brauchen.

Die Erfahrung der letzten vier Jahr hat uns gezeigt, dass wir mit 200 Ah im Keller und 200 Watt auf dem Dach großzügig genug ausgerüstet sind. Und an den trüben Herbst- und Wintertagen schalten wir die Brennstoffzelle von EFOY hinzu.

Vielleicht interessiert sie auch: Solaranlage selbst gebaut

*Dieser Artikel enthält Affiliate Links / Werbelinks zu verschiedenen Produkten

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11 Antworten

  1. Ich beschäftige mich nun seit einer Weile mit dieser Thematik und habe nirgends sonst im deutschsprachigem was hochwertigeres finden können als auf dieser Seite.
    Vielen Dank für die hochwertigen Infos und viel Erfolg weiterhin mit dem womo.blog ?

  2. „Jetzt rechnen viele: 100 Watt Solaranlage = 8,3 Amper. Wenn die Sonne 10 Stunden scheint sind das 83 A.“
    Ampere mal Stunde ergibt Ah – also 83 Ah
    „An trüben Tagen kommen zwar trotzdem 15-30 A zusammen, an guten Tagen sind es 70 A bis 150 A.“
    Auch hier bitte Ah !

    Man merkt – Du bist kein Strippenzieher

      1. Moin, das stimmt. Bei einer 12V Anlage rechnet man 100 Watt/18 Volt=5,5A, 150 Watt=8,33A usw.
        Man sollte realistisch bei Urlauben im nördlichen Raum 30 % der Leistung als Ertrags-Schnitt rechnen von April bis September
        bei 10 Sonnenstunden pro Tag. Bei 100 Watt wären dies pro Tag ca. 15 – 20 Ah. Klar gibt es auch tolle Tage mit 35 oder 40 Ah, die sind aber momentan eher selten, siehe aktuelles Wetter. 😉 Wer also autark stehen möchte mit Licht, Kaffee kochen, Handys laden, Fernseher benutzen und bestimmt auch einen Kühlschrank mit an Bord hat, sollte schon 600 Watt auf dem Dach und 600Ah im Keller haben. Bei der Größe würde ich auch definitiv zu einem LiFePo4-Akku greifen, spart fast 100 kg und „hält“ länger. Allzeit gute Fahrt und viel Spaß. 🙂

  3. Toll, dass ihr euren Energieverbrauch im Wohnmobil so gut kennt. Das ist ein guter Leitfaden für mich, denn ich will auch bald Photovoltaik in mein Wohnmobil integrieren. Sobald ich da System mit der Photovoltaik gereinigt habe, werde ich versuchen es mithilfe von einem Freund auf dem Dach zu installieren.

  4. Wenn ich jetzt meinen Stromverbrauch nicht so genau kenne, sollte ich dann lieber zu viel kalkulieren und wenn ja, was mache ich dann mit evt. überflüssig erzeugtem Solarstrom aus der Photovoltaik Anlage? Oder doch lieber knapp kalkulieren und evt. zu wenig haben?

  5. Der Laderegler würde einen 60Ah-Akku wohl nur mit max 6A laden, auch wenn die PV-Anlage wesentlicht mehr Ampere produzieren würde. Sonst wurde sich der Akku wohl zu stark erwärmen und noch explodieren.
    ?

  6. Hallo,
    ein kleiner Fehler bei der Truma Heizung im Sommer: 2 Std dann wären es 2,2 Amper .
    Somit wäre es im Sommer 54,53 Amper

    Angeben sind 16 Std.

    Aber muss man alles haben?? Es geht bestimmt auch mit einem Buch und schon sind 10 Amper weniger,
    jeder so wie er mag.
    Gruß Horst

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