Wisent Safari im Urwald Białowieża mit dem Wohnmobil

Masuren Roadtrip Teil 4

Wir sind weder Biologe, Ethnologen, Pilzkenner oder Urwaldspezialisten.
Doch wir bemühen uns, euch von unseren Erfahrungen im letzten Urwald Europas zu erzählen:
Białowieża-Nationalpark

 

Wir kommen spät Abends am Parkplatz des Nationalparkzentrums an. Es ist schon stockdunkel und die letzten Kilometer waren bei leichtem Regen wirklich schlecht zu fahren. Daher kommt besser bei Tageslicht an. Anfang Oktober geht so weit im Osten die Sonne schon um 18 Uhr unter, man sollte bedenken, dass wir hier schon eine Zeitverschiebung von einer Stunde zu Frankfurt/Main haben!
Vorteil des Ganzen: Keine Parkplatzgebühr. Der Parkplatzwächter ist schon gegangen, aber die 10 Zloty hätte ich gerne bezahlt. Es kann aber auch gut sein, dass der Parkplatz außerhalb der Saison kostenlos ist.

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– Auf der Straße solltet ihr immer daran denken: Hier laufen Wisente frei herum –

Camping:
Es gibt eine Reihe kleiner, oft privater Camping oder Stellplätze. Insbesondere im Sommer ist es hier so voll, dass die Campingplätze belegt sind.
Das ist nicht schlimm, kann man doch auf dem Parkplatz gut ein, zwei Nächte während des Besuchs des Białowieża-Urwalds verbringen.
Aufgepasst: Weder am Parkplatz, noch am Campingplatz oder Tankstelle durften wir Wasser auffüllen, auch wenn wir bezahlt hätten!
Daher frühzeitig und gut versorgt hier ankommen oder noch besser direkt auf einem der Campingplätze übernachten.

Kernzone

Am kleinen Häuschen der Nationalparkinformation kauft man sich ein Tagesticket (2 €) für den Eintritt.
Dies berechtigt nicht (!) das Betreten der Kernzone!

Was die Kernzone ist?
Der Urwald von Bialowieza ist gigantisch und erstreckt sich nur zu einem Drittel auf polnischem Gebiet. Nur dieser ist für uns erreichbar und die Polen haben in diesem Bereich schöne Wander- und Radwege eingerichtet. Dazu gibt es neben einem Tierparks auch viele Informationszentren. Leider sind die Schilder meist nur in polnisch, selten in Englisch.
Im Inneren des Urwalds gibt es einen noch strenger geschützen Bereich. Die Kernzone.
Hier dürfen Menschen nicht hinein. 

 

Nur auf einem sehr kleinen Teil (der uns aber am Ende völlig ausreichte) sind überhaupt Wege und hierher darf man ausschließlich mit einem Führer, Guide, Ranger.
Am Nationalparkhäuschen lassen sich Führungen, auch in deutscher Sprache buchen.
Wir schließen uns einem Pärchen im Militär-LKW Wohnmobil an: Sie hatten die Führung gebucht: 90 Euro und wir teilen uns den Preis. Denn bis 7 Personen dürfen dann mitgehen. Sofern ihr also auf dem Parkplatz Leute findet, kann man sich zusammenschließen und Kosten sparen.
Zu den 90 Euro kommen dann noch die Eintrittsgebühren.

Am Eingang des Parkplatzes werden auch andere Führungen angeboten: Nachts auf Tiersafari (Start 3:30h) – oder Fotoexkursionen. Wir haben nichts davon gemacht und wollen uns auch kein Urteil erlauben. Sicher kennen die Einheimischen ihre Wälder sehr, sehr gut. Solltet ihr Erfahrung mit einer dieser Touren haben, würden wir uns freuen, wenn ihr uns vielleicht in einem Kommentar darüber berichtet!

Teil 4 - Urwald im YouTube Video:

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Hinweis

Ihr werdet im Urwald keine Tiersafari erleben, kein Action, kein Wildtiere. Dafür UrWald in Reinform. Wer hier Tiere entdeckt, war entweder ganz früh am Morgen da oder hat viel Glück. Hier geht es um die Pflanzen, Bäume, Pilze, das Zusammenspiel der Natur und der Überlebenskampf der Arten. Käfer, Spechte, eine Schlange – mehr haben wir nicht entdeckt. Obwohl sie da sind, die Eulen, Rehe, Wisente, Wildschweine, Füchse und Wölfe. Nur eben nicht dort, wo wir tagsüber laufen.
Wer Tiere sehen möchte, geht besser in den Wildtierzoo ein paar Kilometer vor Białowieża

Unsere Tour startet um 10 Uhr. Es regnet noch, als wir zusammen mit Steffen und Jacky unseren Führer Tadeusz Przygodzki treffen.
Ich gebe es zu: Im ersten Moment dachte ich: Was haben sie uns denn da für einen Alten geschickt. Aber wie das mit Vorurteilen so ist, hat uns Tadeusz in den nächsten Stunden bewiesen, dass wir vielleicht den besten Natur-, Pilz- und Baumkenner überhaupt getroffen haben. Tadeusz ist ein wandelndes Lexikon und hat uns mit so unglaublich vielen Informationen und Zusammenhängen versorgt, dass wir noch Jahre daran knabbern werden. Denn oft tauchen ja in anderen Zusammenhänge solche Informationen wieder auf und ergeben ein Gesamtbild. Aber dazu später mehr.

Wir betreten die Kernzone durch das große Tor, das ein wenig an Jussaric-Park erinnert, dabei steht es schon viel länger als das Filmrequisit dort.
Dahinter hat sich für uns zuerst einmal gar nichts verändert. Grün, Bäume, Büsche, Blätter.
Erst als uns Tadeusz beginnt, über den Wald zu erzählen, fallen die Unterschiede auf. Hier stehen alle Bäume, wie sie wollen und durcheinander. Das Totholz herabgefallener Äste ist die Grundlage für Pilze aller Art. Einige Bäume sind umgestürzt, lehnen am Nachbarbaum. Dann bleiben sie an Ort und Stelle liegen. Nur wenn sie auf den Weg fallen, kommt die Kettensäge in Einsatz. Und auch nur auf den wenigen Wegen dieses Randbereich. Etwa 6% der Kernzone werden überhaupt begangen, der Rest ist ohne Wege, ohne Touristen, ohne Menschen. Urwald!

Unser Führer zeigt immer wieder auf Pilze. Nach kurzer Zeit wird uns klar, dass er ausgesprochener Pilzkenner sein muss und erst später, dass alles, was mit Wald und Bäumen zu tun hat, auch bedeutet, dass man die Pilze kennen muss. Denn die Pilze im Boden verbinden alles. Sie sind treibende Kraft ebenso, wie Zerstörer.
So zeigt er uns Pilze, die in Bäumen eine Unterversorgung der Nährstoffbahnen erzeugen. Über die Jahre und Jahrzehnte bildet der Baum dann erst eine Rinne, die später auch ein Loch werden kann. Wir dachten immer, da wäre der Baum einmal an der Rinde verletzt worden. Denkste. Und nachdem wir das Wissen, sehen wir dies den ganzen Tag an vielen Bäumen.
Erstaunlich!

Tadeusz scheint wirklich jeden Pilz zu kennen und nennt jeweils seinen deutschen Namen. Wenn es für einen Pilz keinen deutschen Namen gibt, kommt der polnische und lateinische Namen, wie aus der Pistole geschossen und dann gibt es sogar Pilze, da gibt es weder deutsche noch polnische Namen. Der Mann ist, wie Eingangs erwähnt, ein wandelndes Lexikon.
Ganz besonders scheinen ihm deutsche Namen, wie die „langstielige Ahorn-Holzkeule“ zu begeistern. Wie man sich so etwas behalten kann?

Natürlich gibt es auch Tiere hier im Urwald. Aber die lassen sich nicht blicken. Ab und zu ein Vogel. Spechte, so erklärt und Tadeusz, gibt es viele. Und dann benennt und  beschreibt er sie alle. Buntspecht, Mittelspecht, Grünsprecht, Schwarzspecht und Dreizehenspecht. Den letzteren kennen wir gar nicht, scheint hier häufig zu sein, denn seine Spuren finden sich an vielen Bäumen.

„Natürlich gibt es viele Spechte.“, denke ich. „Bei so vielen kranken Bäumen.“
Zumindest bei uns würden diese Bäume als krank gelten.
Hier darf ein Baum von Käfern befallen werden. Und hier darf ein Baum auch sterben.
Und das dauert Jahrzehnte und manchmal Jahrhunderte.
So zeigt uns Tadeusz Bäume, die er aus seiner Jugend hier schon als sterbend kannte.
Oder Bäume, die bei einem bestimmten Sturm 1970 umgefallen sind. Und nun hier liegen. Als Grundlage für Käfer, Larven, Pilze und später als neuer Lebensraum für kleine Bäume.
So sehen wir viele kleine Schösslinge aus toten Baumriesen wachsen.

Nach den Pilzen lernen wir über Käfer. Das es unterschiedliche Borkenkäfer gibt oder das die Fressspuren unter der Rinde Aufschluss geben, wie stark der Baum leidet.

Nach einigen Stunden sehen wir den Wald mit anderen Augen. Jetzt fällt auch uns der Unterschied zu unseren Wäldern auf. Die Bäume sind hier viel höher. Und der Wald verändert sich aufgrund der Klimaveränderung. Oder durch Krankheiten aus dem Ausland. So sterben einigen Erlen die Wurzeln ab, mit der Folge, dass ganze Bestände seit Jahren einfach umfallen. Man sieht diese Bäume überall. Immer dieselbe Art. Einzelne Erlen hingegen scheinen resistent zu sein. Vielleicht die Hoffnung auf die Zukunft. Aber es wird hunderte von Jahren dauern, bis sich diese Art dann wieder verbreitet hat.

Immer wieder treffen wir auf andere Besuchergruppen. Immer mit Führer und einmal kommt offenbar ein Oberaufseher, der unsere Eintrittsgenehmigung (die Tadeusz am Naturschutzzentrum in die Hand gedrückt bekam) kontrollierte.

Und dann sitzt tatsächlich ein Schwarzspechtweibchen (der Kopf ist nicht bis zu Stirn rot gefärbt, wie Tadeusz erklärt) und hämmert sich sein Mittagessen aus einem Baum.
Wir beobachten sie eine Zeit lang – es bleibt der einzige Vogel den wie länger sehen. Alles andere huscht zu schnell durch die Äste oder hat sich längst einen ruhigeren Teil des Waldes gesucht.

Die Exkursion endet wieder am Jurassic Park Tor und wir sind uns alle einige: Das war eine lohnende Veranstaltung mit einem begnadeten Führer. Danke Tadeusz!

Am Nachmittag nehmen die Fahrräder und fahren zum Tierreservat in der Nähe. Sicher für Eltern ein muss. Dort lassen sich endlich alle Tiere, die hier leben, aus der Nähe beobachten. Wenn auch leider eingesperrt.

Wir laufen (die Fahrräder müssen wir schieben) nun den Weg zum Zebra Zubra (einen Parkplatz) über Bohlenwege und durch Urwald zurück in Richtung Stadt. Auch hier kann man Urwald sehen. Nicht die Kernzone, aber vergleichbar! Auch hier treffen wir auf Schulklassen mit Lehrer. Der Unterschied dürfte sein, dass man hier keine Kosten für einen Führer, wie in der Kernzone hat.
Zweimal viel Wald an einem Tag.

Tadeusz hatte uns zum Abschied noch erzählt, dass auch in der Nähe der Stadt manchmal Wisente zu sehen sein, als ich konkret fragte wo, wollte er aber nicht so recht heraus mit der Sprache und so sind wir zum Sonnenuntergang noch an die Südseite des Urwaldes gefahren, um zu schauen, wo man vielleicht Abends oder Morgens Wisente finden könnte.
Bei Sonnenuntergang (18 Uhr) ließ sich kein Tier sehen. Einzig ein Fuchs der geduldig vor einem Mauseloch sitzt wartet geduldig auf seinen Fotografen.

Die Nacht verbringen wir wieder auf dem Parkplatz am Naturschutzzentrum.
Und um 5 Uhr in der früh klingelte der Wecker.
Katzenwäsche und mit dem Fahrrad an den Rand der Stadt.

Eine Stelle hatte mir am Abend besonders gefallen. Dorthin würde ich als Wisent gehen, so meine Überlegung.

 

Wisent Safari

Es ist noch sehr, sehr dunkel. Die Morgendämmerung lässt kaum Konturen erkennen, als ich am Rande eines Wäldchens meinen Rucksack abschnalle. Mit dem Tele sehe ich gar nichts, das ist nicht lichtstark genug. Als baue ich das Spektiv auf. Stativ, Spektiv drauf, ausrichten. Das dauert alles seine Zeit, wie Tierbeobachter sicher wissen.
Am Abend hatte ich mit den Stellplatznachbarn noch geulkt: Ich hätte im Dunkeln ein Wisent gesehen, dass sich aber als Heuhaufen herausgestellt hatte.

Als ich dann den Heuhaufen in 30 Metern Entfernung genauer sehe, hat der ein Schwänzchen.
Und das bewegt sich!

Die angeblichen Heuhaufen, die sich dunkel vor dem ein wenig helleren Hintergrund gerade erst erahnen lassen, sind in Wirklichkeit Wisente!

Wäre ich bei meiner Ankunft einfach weitergelaufen, wäre ich mitten in sie hinein gelaufen.
Volltreffer.
Und die zwei Bullen bleiben auch ganz ruhig (im Gegensatz zu mir).
Ich stehe mit dem Wind, sie können mich also nicht riechen und ich ziehe mich ein Stück in das Wäldchen hinein

Als es dann heller wird, machen sie sich auf in Richtung Urwald.
Sie wissen genau, dass jetzt bald die ersten Spaziergänger kommen könnten.

Radtour durch den Urwald

Erst auf einem echten Stellplatz in Gabary können wir Wasser bunkern. Dort werden wir auch die Nacht verbringen. 

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Aber erst einmal fahren wir zurück zum Urwald und machen eine Radtour.
Unweit des Parkplatzes finden wir einen Winterfütterungsplatz für die Wisente.
Ursprünglich wollten wir dort übernachten, aber ein Grenzer (wir sind ja an der Grenze zu Belarus) erklärt uns, als er unsere Pässe prüft, dass derzeit hier keine Wisente auftauchen.

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Auf gehts mit den Rädern durch den Urwald. Es gibt viele, sehr viele Radtouren, wir wählen eine Rundtour.
Und finden überall Hütten und Grillplätzen und überraschende Plätze (wie dem, der an die Zeiten der Eisenbahn für den Holztransport erinnert – so etwas haben wir ja in Rumänien im vergangenen Jahr erlebt) oder einsame Wisent Fütterungsstellen. Wir nehmen an, dass man sicherstellen will, dass der Wisentbestand gut über den Winter kommt, und deswegen hier gefüttert wird, oder auch die Bauern der Umgebung in Frieden lassen.
Und in der Umgebung finden wir dann auch die schönen Holzhäuser dieser Region.

Im nächsten Teil unseres Masuren-Roadtrips werden wir euch mit zu den Tataren nehmen, denn die sind seit Jahrhunderten in diesem Teil Polens heimisch. Und dann geht es auch wieder zurück in die Masuren.

Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog

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Wenn beim Frühstück so alles schief geht, was schief gehen kann.

Eigentlich wollte ich einen netten Clip mit der süßen Campingplatzkatze machen, aber dann kam alles ganz anders.
Gut, dass die Kamera schon lief!
Diesen einmaligen Einblick in unser Alltagsleben wollen wir euch nicht vorenthalten!!

Viel Spaß beim angucken. Und bitte herzhaft lachen.

Zumindest Nadja und ich lachen jedes Mal schallend, wenn wir es uns anschauen!!!

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