Preis-Crash bei Wohnmobilen: Das Ende des Wohnmobil-Booms!

Seit Jahren übertreffen sich die Hersteller mit Superlativen:
Das beste Jahr aller Zeiten, die meisten verkauften Wohnmobile, so viele Neuanmeldungen, wie noch nie. Die Preise neuer Wohnmobile waren noch nie so hoch, die Auslastung der Camping- und Stellplätze noch nie so gut. Die Gebrauchtwagenpreise unterscheiden sich manchmal kaum von denen der Neufahrzeuge. Die Nachfrage der letzten Jahre treibt muntere Blüten.
Ein Wohnmobil also als Geldanlage – quasi ohne Wertverlust?

Die Frage muss erlaubt sein: stimmt das auch alles?
Und geht das immer so weiter aufwärts?
Kommt vielleicht nun das Crash-Szenario?

Oder sind wir gar längst mitten im berühmten „Schweinezyklus„: man produziert im voraus und setzt auf den nie endenden Boom. Dabei sind die Zahlen vielleicht längst rückläufig.
Im idealtypischen „Schweinezyklus“ führt dies irgendwann erst zu stagnierenden und dann zu schnell sinkenden Preise, da immer mehr Schweine auf den Markt kommen, aber die Käufer fehlen, der Markt übersättigt ist.
Dann würde unsere provokante Überschrift schnell auch bei Campern Wirklichkeit: „Preis-Crash bei Wohnmobilen“

Übertragen auf den Campingmarkt: Bei den Wohnmobilen und auch den Wohnwagen werden dann die Neu- und Gebrauchtwagenkäufer fehlen, vielleicht weil sich viele die Finanzierung nicht mehr leisten können oder wollen und Kaufinteressenten mit Geduld, einfach warten werden, bis der nächste Preisrutsch kommt. Der Preisanstieg wird nicht nur gestoppt, der Abwärtstrend wird dann rasant an Fahrt gewinnen.

Was also ist dran am immerwährenden Boom?

Die offiziellen Zahlen sind eindeutig:

Noch nie gab es so viele Neuanmeldungen wie in den letzten Jahren: die Verbände der Hersteller melden dabei nach 40.000 Wohnmobilen in 2017, 46.000 in 2018. Erstaunlich, dass im gleichen Zeitraum der Gesamtbestand in Deutschland nur ca. 33.000 Wohnmobile stieg. Die Differenz dürften durch Verkäufe ins Ausland oder Verschrottungen zu erklären sein.
Und noch nie war der Bestand an Campingfahrzeugen so hoch wie jetzt!
Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Statista

„Wir wollen das jetzt auch mal ausprobieren.“

Der Megaboom der letzten Jahre treibt das Kaufverhalten auf die Spitze. Wer sich auf den großen Messen beim Publikum umhört, bekommt diesen Satz oft zu hören: „Wir wollen das jetzt auch mal ausprobieren.“
Nicht selten hat das zahlende Volk noch nie eine Nacht als Camper verbracht. Niemals im Zelt geschlafen, nie auf einem übervollen Campingplatz den Urlaub verbracht.

Früher sah die Camper-Karriere eher so aus: mit dem Rad und Zelt an den Baggersee, mit dem Auto und Zelt und dem ersten eigenen Geld dann das erste Mal alleine ins Ausland. Ein paar Jahre später dann ein gebrauchtes Wohnmobil, einen Wohnwagen oder einen VW-Bus ausgebaut.
Und sich so langsam vergrößert und weiter entwickelt.

Heute wird die Yacht gegen ein Wohnmobil getauscht oder die Pauschal-Ferien-Club-Hotel-Insel Urlaube gegen einen Wohnwagen. So langsam kommen nun auch die Kreuzfahrer an die Reihe, denen es auf den Schiffen zu voll und nicht mehr elitär genug ist. Camping ist Lifestyle und en vogue. Da wird sofort das volle Luxusprogramm gekauft. Mit allen Extras. Der Preis scheint Nebensache zu sein. Je größer und ausgefeilter die Technik, desto besser. Glamping ist das begehrte Ziel.

Die Realität sieht anders aus!

Die Folge sind volle Stell- und Campingplätze. War dies vor dem Boom nur selten in den Hochsommermonaten auf ausgesuchten Campingplätzen zu erwarten, kann man es heute auch außerhalb der Saison sogar auf Stellplätzen der Hotspots erleben: wegen Überfüllung geschlossen.

In anderen Branchen ist der Einstieg von Finanzinvestoren oft ein erstes Warnzeichen.
Jetzt erlebt die Campingbranche diese Entwicklung. Die Finanzprofis wissen, wie man schnell viel Geld verdienen kann. Synergieeffekte, die sich nutzen lassen, dürfte es bei den verkrusteten Strukturen der mittelständischen Hersteller zu Hauf geben. So werden von Finanzinvestoren gerne Unternehmen aufgekauft, miteinander verwoben, gebündelt, umstrukturiert, Prozesse gestrafft und auf Hochleistung getrimmt, Mitarbeiter eingespart, Werke auf Profitmaximierung optimiert, um die Unternehmen dann an den nächsten Investor weiter zu verkaufen – natürlich mit Gewinn.

Dieses Vorgehen ging so manches Mal in anderen Branchen zu Lasten der Qualität. Nicht selten fühlt man sich als Kunde dann nur noch als Beta-Tester.

Auch bei den Camping-Händlern wächst der Erfolgsdruck. Wer mitmachen will, muss eine bestimmte Anzahl an Wohnmobilen und Wohnwagen seines Herstellers abnehmen. Also nicht nur das, was man bestellen würde und gut verkaufen kann oder gar schon vorbestellt ist, sondern auch, was das Werk ständig produziert. Zu vorgegebenen Preisen. Die Last und das Risiko des Booms hat zunehmend der Händler vor Ort zu tragen.
Die Verkaufsflächen sind entsprechend voll.
Während die Händler-Parkplätze sich vor einigen Jahren ganz automatisch im Laufe des Sommers leerten, bleiben immer häufiger Wohnmobile und Wohnwagen auf den Ausstellungsflächen lange Zeit stehen. Wir beobachten das aktuell direkt vor unserer Haustür seit einiger Zeit. Manches Wohnmobil steht dort schon gefühlt seit Jahren. Ein Händler erzählte uns einmal, dies seien „Mietmobile“, nur deshalb würden wir die länger dort sehen. Heute schweigt man lieber über dieses Thema. Diese Wohnmobile stehen mittlerweile ganz am Rand der großen Ausstellungsfläche. Ladenhüter.

Ganz offen erzählte uns auf der CMT ein Händler, der nicht genannt werden möchte, dass es Anzeigen von Händlern in Mobile.de über Wohnmobilschnäppchen gibt, die gar nicht existieren, nie gebaut wurden.
Der Superpreis wird sogar am Telefon bestätigt, doch wenn dann die potentiellen Käufer beim Händler auftauchen, ist das Preiswunder gerade verkauft, aber ein ähnliches, nicht mehr günstig, steht plötzlich bereit.
Eine Verkaufsmasche, die vielleicht in der Not geboren wurde.
Der nächste Jahrgang an Wohnmobilen steht schon vor der Tür, die Abverkäufe der Alten sind noch nicht einmal in trockenen Tüchern, die Finanzierung der Bank im Nacken – der Händler wird von seinem eigenen Erfolg getrieben.
Die Margen sind schon lange nicht mehr so auskömmlich, wie sie einmal waren und der Druck nimmt von Jahr zu Jahr zu. Löhne, Mieten, Standflächen, Neubauten, Vermietflotte, der eigene Stellplatz mit Entsorgung direkt am Ort . Die Latte wird von Jahr zu Jahr höher gelegt.

Denn auch die Kunden wollen heute etwas geboten bekommen. Standen früher die Wohnwagen und Wohnmobile auf einem offenen Parkplatz mit kleiner Verkaufsbude nebendran, muss heute schon eine prächtige Verkaufshalle mit exklusiven Showroom her, um das Volk in Kauflaune zu versetzen.

Und wer es nicht glaubt, der sollte einmal einen Blick in die Mobile.de Statistiken werfen:

NEUKastenwagenAlkovenTIIntegriert
13.11.20184443104565312787
18.11.20184495107266132836
11.12.20184751114471333023
21.12.20184872119873343113
23.01.20194803123273513058
04.02.20194888125474253051
14.03.20194653121473202989
08.04.20194494114971452896
26.04.20194292107669282847
15.05.2019413992164622688
GebrauchtKastenwagenAlkovenTIIntegriert
13.11.2018398337395835358517142
18.11.2018397037005879360117150
11.12.2018402145276261353118340
21.12.2018379635335772660219703
23.01.2019327131775242327114961
04.02.2019345630915175323514957
14.03.2019331930445120320214685
08.04.2019328130495154323814722
26.04.2019337230845184337215012
15.05.2019334431315218333015023

So viele Wohnmobile wie selten werden dort Monat für Monat angeboten.

Und während in den vergangenen Jahren im Frühjahr und im Herbst die Zahlen dank der kaufwütigen Kunden auch einmal zurückgingen, steigt seit Monaten die Zahl der Angebote.
Natürlich kann das daran liegen, dass nun alle, die ihr Wohnmobil anbieten, demnächst ein neues Wohnmobil geliefert bekommen, es könnte aber auch ein erstes Zeichen der Übersättigung sein.
Menschen, die auf Verdacht ein Wohnmobil kauften und nach ein, zwei Jahren erkennen, dass diese Urlaubsform doch nichts für sie ist, beschließen, ihr Wohnmobil zu verkaufen. Oder die Familie, die ich auf dem Caravan Salon traf: ein Kleinkind und ein Kastenwagen. Der große Traum. Auf meine Frage, ob ein Wohnwagen nicht besser für das Kind sei – schließlich will es einfach nur spielen und nicht jeden Tag reisen – verdrehte der Vater die Augen: zu langweilig. Wir wollen etwas sehen von der Welt. Heute ist er froh, wenn er 14 Tage auf einem Campingplatz seine Ruhe findet. Der Kastenwagen ist auf Dauer zu teuer und wird nun verkauft. Oder der junge Mann, dessen Wunschwohnmobil auch nach Monaten nicht geliefert wurde. Komplett die Lust verloren. Ein Wohnmobil mehr das auf den Markt kommt.

Wie geht es also weiter? Der große Crash?

Wenn es die Hersteller nicht schaffen, die Nachfrage dauerhaft auf hohem Niveau zu halten, wird es zu Verwerfungen kommen. Auch die fehlende Infrastruktur von Stellplätzen und die abnehmende Akzeptanz der Bevölkerung über die an allen Orten auftauchenden Wohnmobilmassen, kann viele Camperfreunde vergraulen.

Noch sieht es rosig aus für die Branche, doch es dürfte niemand verwundern, wenn der Peak, also die Spitze des Berges, schon hinter uns liegt.
Steigende Kreditzinsen und eine nachlassende Konjunktur werden dann zusätzlichen Druck auf die Unternehmen, wie auch auf die Kunden ausüben. Und dann wäre der Schweinezyklus vollkommen.

Die Branche boomt seit Jahren

Von Diesel-Fahrverboten für Wohnmobile und den drohenden Fahrverboten in ganzen Regionen und nicht mehr nur in Innenstädten wollen wir gar nicht reden. Die einen sehen den nächsten Boom in Benzinern kommen, die anderen den großen Frust und Wertverlust für die Besitzer der alten Diesel-Wohnmobile.

Das Jahr 2019 dürfte für die Branche auf jeden Fall ein aufregendes und anstrengendes Jahr werden.

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8 Gedanken zu „Preis-Crash bei Wohnmobilen: Das Ende des Wohnmobil-Booms!“

  1. Hallo Jürgen, das hast du schön zusammen gefasst. Ich denke auch, dass etliche Leute zu schnell gekauft haben und im Nachhinein gar nicht begeistert von ihrem Modell oder dem Campen allgemein sind. Wir haben auch 3 (gebrauchte, alte) Mobile gebraucht, um den passenden Grundriss für uns zu finden. Und das dies mal ein Alkhoven sein würde, das hätte ich viele Jahre nicht mal ansatzweise gedacht.
    Ich bin auch gespannt, wie sich 2019 entwickelt und was wir im September auf dem Caravan Salon so an Geschichten das Jahr über gehört haben.
    Liebe Grüße! Doreen

  2. Hallo Jürgen,
    wir lauern schon eine ganze Weile auf den Knick, wie du ihn hier beschreibst!
    Meine Lady und ich, wir haben in den letzten Urlauben schon gesagt, dass wir mit unserem Baujahr-2011-Camper fast „die älteste Karre am Platz“ sind und es um uns herum aussieht wie die Schaufläche der CMT – lauter nagelneue Camper.
    Und oft, wenn wir mit Leuten ins Gespräch kommen, dann stellt man fest, dass da „irgendwas“ gekauft wurde, ohne die elementare Frage zu beantworten, nämlich welche Art von Urlaub man machen will – Rundreisen, „Steh-Reisen“ oder Familienurlaub. Und etliche haben sich für viel zu viele Mittfahrer einen Innenraum-Zuschnitt zugelegt, den ich immer als „Ferien im U-Boot“ bezeichne.
    Ich denke auch, das wird noch sehr ernüchternd werden!

  3. Hallo Jürgen,
    ein sehr interessanter Ansatz, den Markt anhand der angebotenen Fahrzeuge auf mobile zu bewerten und auch scharfsinnig zu analysieren, dass ein steigendes Angebot zwangsläufig zu fallenden Preisen, vielleicht sogar zum Crash führen könnte. Ich denke, dass viele Hersteller hierauf nicht vorbereitet wären, es könnte eine Konsolidierung im Markt einsetzen, die wir so noch nicht gekannt haben. Könnte z.B. der Verkauf der Erwin Hymer Gruppe an die Amis hiervon ein Vorbote sein?
    Wir als kleine Endkunden sehen tatsächlich aber nur eine Richtung, noch immer geht es steil nach oben! Teure Fahrzeuge, teures Zubehör, teure Übernachtungen. Es scheint zu gehen. Noch.
    Ich wäre jedenfalls sehr interessiert daran, wenn du diesen analytischen Weg weiterverfolgen würdest. Vielleicht wird man später einmal sagen: „Der Jürgen von womo.blog, der hat es vorausgesagt!“ Der Warren Buffet der Wohnmobilbranche sozusagen. 😉
    Gruß
    Björn

    1. Ne, bloß nicht Björn. Schwarzseher gibt es zu viele und man muss nur lange genug den Crash an der Börse ankündigen, dann kommt er schon und der Schwarzseher ist der Star.
      Das gabs ja schon oft.
      Wichtiger wäre mir, mit meinem Artikel den Menschen klar zu machen, dass es lohnt hart zu verhandeln und immer noch ein paar Euro heraus zu holen sind.
      Man sollte sich nicht blenden lassen von Aussagen: Wenn sie ihn jetzt nicht kaufen, heute Mittag kommt noch jemand, der ihn auf jeden Fall nimmt.
      Und wenn nicht in Geld, dann in Dienstleistungen den Bonus verhandeln: Die kostenfreie Dichtigkeitsprüfung für die nächsten Jahre, oder den Einbau eines Zubehörs.
      SOG, Lampen, Zusatzbatterie – da geht wieder was.
      Und je mehr Mobile auf dem Hof stehen, desto eher ist man zum handeln bereit.

  4. Hallo zusammen
    Ja, der Boom ist auch in der Schweiz sichtbar. Die Seiten in den verkaufsportalen sind voll. Die Preise sind total in den Himmel geschossen. Habe mir 2-3 Fahrzeuge gemietet in verschiedenen Grössen und habe dann ein Jahr gebraucht um genau das Mobil zu erwerben ( gekauft, nicht geleast)was ich suchte. Von Privat ein fasst neues Mobil zum halben Preis. Es war 2Jahre im Besitz der Vorgänger und es sei Ihnen zur Last geworden. Ich glaube nicht, dass all die Fahrzeuge, die herumfahren bar bezahlt wurden und in ein paar Jahren, wenn die Zinsen wieder ansteigen, wird man super Mobile zum Schnäppchenpreis kaufen können. Wir haben uns nun einen Kastenwagen zugelegt, da wir Reisen möchten und nicht Luft herumtransportieren. Wir kommen durch jede Gasse haben Längsbetten und ein Grossraumbad. Super zufrieden und geniessen das Reisen. Wünsche allen die ein Mobil haben, geniesst die Zeit.

  5. Die Preise von gebrauchten Wohnmobilen sowie Neufahrzeugen werden sich in 2019 nur wenig verändern. Wir beobachten den Fahrzeugmarkt von Freizeitfahrzeugen seit Jahren und stellen immer wieder fest wie wertstabil Wohnmobile und vor allem Caravans sind quelle: [reklamelink gelöscht]
    Man kann froh sein überhaupt ein Fahrzeug zu bekommen, die Nachfrage ist hierzulande aber auch in den Niederlamden und Österreich hoch. Dementsprechend teuer werden die Fahrzeuge von den Händlern angeboten. Gruss Frank

  6. Hallo Jürgen, ich beobachte den Markt schon seit mehreren Jahren und sehe das exakt wie Du. Besonders auffällig ist, dass die Neufahrzeuge welche bei dem Händlern auf dem Hof stehen, gegenüber dem Vorjahr sehr viel langsamer, bzw. wenn es sich um keine Sondermodelle handelt, gar nicht mehr verkauft werden. Der diesjährige Absatz dürfte sich im Wesentlichen auf Fahrzeuge beschränken, welche noch im letzten Jahr bestellt wurden. Der Peak ist also schon überschritten.

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