Automatisch aufstellbare Solarpanel

– Von Hannes Schleeh –

ELEKTRISCH AUFSTELLBARE SOLARMODULE – BRINGT DAS WAS?

Wie es dazu kam

Jürgen von womo.blog kann momentan nicht schreiben und hat mich gebeten, Sonja zu helfen. Sonja hat per Mail bei Jürgen wegen elektrisch aufstellbaren Solarmodulen angefragt. Damit wir mit diesem Thema und unseren gemeinsamen daraus gewonnenen Erkenntnissen auch anderen Campern helfen können habe ich diesen Blogpost dazu verfasst.

Sonja hat bei Jürgen angefragt, ob er eine Firma wüsste, die elektrisch aufstellbare Solarmodule oder die Technologie dazu liefert. Jürgen hat ihr geantwortet, das es mit dem Ten Haaft SunMover mal eine solche Lösung gegeben hat, die aber sehr schwer und teuer war. Zudem stand der Mehrertrag bei diesem recht kleinen Modul in keinem Verhältnis zu den Kosten.

Screenshot Ten Haaft SunMover auf Amazon.de

Als Alternative bietet sich für große Dächer an, einfach mehr Solarmodule mit einer höheren Leistung (Hochvolt-Module) zu installieren. Bei kleinen Dächern kann man sich mit Solartaschen oder Solarkoffern behelfen, die man perfekt auf die Sonne ausgerichtet aufstellen kann. Die sind dann auch für Schattenparker im Sommer nützlich. Zu den Vor- und Nachteilen von fest verbauten Solarmodulen und Solartaschen hat Markus von Fan4Van ein sehr schönes YouTube Video gemacht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ist es sinnvoll Solarmodule elektrisch aufstellbar zu machen?

Aber kommen wir zurück auf den Wunsch von Sonja, Solarmodule elektrisch aufstellbar auf ihr Dach zu bekommen. Sie hatte dazu ein paar interessante Videos im Netz gefunden, die sie inspiriert haben:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mehrertrag, ja aber!

Das Video zeigt einen eindeutigen Mehrertrag durch das Aufstellen der Module. Gerade im Herbst und Winter bringen flach auf dem Dach liegende Solarmodule wenig bis keinen Ertrag mehr. Das gilt vor Allem für Module mit einer niedrigen Spannung (Volt) wenn der Solarladeregler die Spannung vom Solarmodul für die Batterie aufbereiten soll muss die Eingangsspannung der Module mindestens die Spannung der Batterie leicht übersteigen, sonst fließt kein Strom in die Batterie. Deshalb haben hier Module mit einer sehr hohen Spannung große Vorteile. Selbst wenn sie wenig Sonnenstrahlen im Winter einfangen könnte das noch für eine Ladung der Batterie mit wenig Stromstärke (Ampere) reichen. Wenn man also mehr Module mit sehr hoher Spannung auf das Dach packt, kann das den Vorteil des Aufstellens unter Umständen ausgleichen. Zudem wandert die Sonne auch im Winter. Wenn die elektrisch aufstellbaren Module nur in einer Richtung aufstellbar sind, müsste man ständig das Wohnmobil auf die Sonne ausrichten, also mehrmals am Tag umparken um immer den im obigen Video gezeigten Mehrertrag zu haben. Wenn man das nicht macht könnte der Ertrag auch Null sein, wenn dann die Module von hinten beschienen werden. Im obigen Video hat der Camper wenigstens die Möglichkeit die Module in zwei gegensätzliche Richtungen aufszustellen. Das wird aber mit Elektromotoren sehr schwierig. Das nächste Video zeigt eine elektrische Aufstellung der Solarmodule und man sieht schon das die Konstruktion nicht trivial und nur zu einer Seite hin möglich ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Probleme der Konstruktion auf dem Dach

Selbst bei nicht elektrisch aufstellbaren Solarmodulen bringt auch die Aufstellkonstruktion selbst ein Eigengewicht mit. Das wird bei der elektrischen Variante durch die nicht ganz federleichten Elektromotoren noch erhöht. Die Solarmodule wiegen alleine schon mindestens 5 bis 10 Kilo. Das alles auf das Dach gepackt, ist für die Fahrdynamik nicht optimal. Bei Fahrzeugen wie Wohnmobilen erhöht das den Schwerpunkt und führt zu einem schlechteren Fahrverhalten und einer höheren Seitenwindempfindlichkeit. Vom möglichen Überschreiten der zulässigen Gesamtmasse (meist 3,5 Tonnen) einmal ganz abgesehen.

Ein weiteres Risiko ist die Sicherheit der Konstruktion während der Fahrt. Niemand möchte auf der Autobahn bei 100 Stundenkilometern ein Solarmodul vom Dach verlieren. Das kann im schlimmsten Fall Menschenleben kosten. Da aber die elektrisch aufstellbaren Module auf einer Seite angehoben werden müssen, sollte man großen Wert auf die richtige und feste Verriegelung im abgelegten Staus legen. Das dies eine nicht triviale Herausforderung ist, zeigt das Video weiter unten von Ladi & Margret.

Kosten und Verfügbarkeit

Eine fertige Lösung für Sonjas Wunsch haben auch wir nicht finden können. Das könnte einen Grund haben, den ich weiter unten noch ausführen werde. Auch die Kosten für eine derartige Lösung sind nicht unerheblich. Zusätzliche Module und / oder Solartaschen kommen da pro Watt Peak sicher günstiger.

Mein Rat an Sonja und Tipp falls sie es unbedingt will

Ich habe mir diese Videos angesehen und Sonja dann meine Antwort in komprimierter Form gegeben:

Hallo Sonja,

ich bin bei Jürgen Gastblogger und auch ein Technikfreak. Er hat mich mit in die Konversation eingebunden, auch weil ihm das Schreiben derzeit schwerer fällt. 😉

Bei Deiner angestrebten Lösung gibt es mehrere Punkte zu bedenken.

  1. Sollen die Module in nur einer Richtung aufstellbar sein? Dann müsste man das Fahrzeug immer entsprechend der Sonneneinstrahlung aufstellen und eventuell auch nachführen.
  2. Sind die Module nach dem Einfahren verkehrssicher am Dach arretierbar? Niemand möchte ein Modul auf der Strasse liegen haben
  3. Bedenke, das die aufgestellten Solarmodule beim Freistehen eventuell ähnlich einer ausgefahrenen Markise als Camping-Verhalten ausgelegt werden könnten.
  4. Die für das Aufstellen notwendige Konstruktion erhöht das Fahrzeuggewicht an einem hohen Punkt. (schlechteres Fahrverhalten und Seitenwindanfälligkeit)
  5. Die Kosten für so ein System nur der Vollständigkeit halber

Wenn Dich all die Punkte nicht von Deinem Vorhaben abbringen können, dann könnte Dir eventuell ein Bastler Paar in Tschechien weiterhelfen. Der hat das auf seinen Fiat Ducato Kastenwagen drauf gebaut. Kann aber nicht sagen, ob der das bei anderen auch einbaut. Video hier: 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wie Jürgen auch, bin ich der Meinung, das der Mehrertrag durch die Aufstellung in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Dazu müssten die Module aus meiner Sicht zusätzlich zur Ausrichtung noch der Sonne drehbar nachgeführt werden können. Da würde ich eher über Solarmodule an den Seiten des Vans nachdenken.

Weitere Alternativen zu (elektrisch) aufstellbaren Solarmodulen

Dazu ein Bild:

Dethleffs eHome Studie

Das kann man auch mit einer Solartasche erreichen. Aber auch das ist einfach lästig und kostet Zeit.

200 Watt Solarpanel seitlich am meinem Wohnmobil mit Saugnäpfen befestigt

Deshalb habe ich meine Solartasche verkauft und baue mir demnächst ein 400 Watt Peak Hausmodul auf das Dach. Das bringt im Idealfall 65,8 Volt bei 6,08 Ampere. Das sollte auch bei schräger Sonneneinstrahlung noch Leistung in den Akku pushen.

Es gibt auch sinnvolle Einsatzbereiche für aufstellbare Solarmodule (ohne Elektrik)

Tja, was soll ich sagen. Gemeinsam konnten wir Sonja davon überzeugen von ihrem Vorhaben elektrisch aufstellbarer Solarmodule abzusehen. Wenn das ganze sinnvoll umsetzbar wäre und der Mehrertrag die Kosten weit übersteigen würde, würde es dafür mehr als eine Lösung von Firmen auf dem Markt geben. Derzeit wird es weiterhin ein Vorhaben für Bastler und Spezialisten bleiben, ganz besonders elektrisch aufstellbare Solarmodule.

Für von Hand aufstellbare Solarmodule gibt es ein paar Lösungen auf dem Markt die bleibt meist den Weltreisemobilen vorbehalten. Da kann man auf das Dach klettern und das Aufstellen von Hand vornehmen. Das kostet dann auch keinen kostbaren Solarstrom für irgendwelche elektrische Stellmotoren und in unwegsamen Gelände sind Steckdosen mit Landstrom schlichtweg nicht vorhanden. Aber für den normalen Durchschnittscamper lohnt sich die Anschaffung selbst dieser Konstruktionen in der Regel nicht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Sonja fragte in Ihrer letzten Email noch, wie ich die Solartasche an das Wohnmobil angebracht habe und ob das Kabel dabei nicht gequetsch werden würde. Meine Antwort war: Türdichtungen aus Gummi halten nicht nur das Wasser fern, sondern sind auch so flexibel, dass ein 6 qmm Kabel nicht gequetscht wird. Die Saugnäpfe findet man auf Amazon*. Die werden in die vorhandenen Ösen der Solartasche eingeschraubt.

Was haltet Ihr von (elektrisch) aufstellbaren Solarmodulen? Schreibt es uns in die Kommentare.

*Affiliate Link (Du bezahlst den normalen Preis und wir erhalten einen kleinen Obulus von Amazon) Alternativ freuen wir uns über eine kleine Spende, wenn Dir der Artikel geholfen hat. (Webseite von Hannes Schleeh: https://schleeh.de/2022/03/31/elektrisch-aufstellbare-solarmodule-bringt-das-was/)

Hannes Schleeh schreibt auf Womo.blog ehrenamtlich und wenn ihr etwas Gutes tun wollt:
Er freut sich über einen Kaffee, dem ihr ihm über diesen Link spendieren könnt:

Hannes Schleeh

Hannes Schleeh

Gastautor bei Womo.blog
www.schleeh.de

Share:

Facebook
Twitter
Pinterest
LinkedIn

6 Antworten

  1. sehr interessantes Thema. Aber wie schon gesagt: Der Schwerpunkt ist sehr hoch und die Fahreigenschaften werden enorm verändert. Ferner ist das auch ein Thema für den TÜV… Hausmodule reichen doch für den normalen Campingbereich aus… 😉
    Liebe Grüße Nico.

  2. Sehr schöne Beiträge bis hierhin, vielen Dank. Diesen Artikel möchte ich aber durch einen kurzen Kommentar ergänzen.

    Wer für sich bereits fest aufgestellte PV-Anlagen geplant und gebaut hat, wird sich sicher schon mit dem Einfluss der Ausrichtung der Module befasst haben. Wie oben richtig beschrieben, ist das Anstellen der Paneele in einem gewissen Anstellwinkel zum Horizont grob in Richtung Süden erforderlich, um in den Wintermonaten überhaupt im nennenswerten Umfang Solarenergie zu ernten.

    Der in dem Artikel gegebene Hinweis, dass dazu auch Umparken und gar Nachführung erforderlich wären, lässt sich leicht widerlegen. Während der Winterzeit beschreibt die Sonne nur einen sehr knappen Horizontbogen, das heißt sie geht erst sehr weit südlich auf und auch bereits noch sehr weit südlich schon wieder unter.

    Wenn man im Winter also überhaupt PV-Strom nutzen will, ist es tatsächlich praktisch erforderlich, die Paneele aufzustellen. Ist der Winkel in der aufgestellten Position fest, sollte man in unseren mitteleuropäischen Breiten etwa 30 Grad wählen, im Winter kann man mit 45 Grad Höhenwinkel noch das ein oder andere Joule herauskitzeln. Nachführen oder Umparken wäre dagegen unsinnig.

    In den Übergangszeiten kommt die Sonne schon ziemlich gut in die Höhe und die Leistung um die Mittagsstunden ist bereits entsprechend hoch. Allerdings ist die Sonnenscheindauer noch begrenzt. Wenn man die Module aufstellt, lässt sich auch hier viel gewinnen, weil die Leistungskurve in den Morgen- und Abendstunden voller ist und so länger eine gute Ladeleistung zur Verfügung steht.

    Wenn Nachführung oder Umparken überhaupt einen Effekt haben könnte, dann in den Sommermonaten, weil die Sonne sehr weit in Richtung Norden auf- und untergeht. Groß ist dieser Effekt aber auch dann nicht, denn die Sonne beschreibt einen sehr hohen Tagbogen und steht sehr schnell und sehr lange sehr hoch über den Paneelen. Ein Aufstellen der Module macht jetzt aber auch Sinn, denn so kann sich darunter nicht die Wärme stauen und die Paneele werden einige Grad weniger aufgeheizt und arbeiten effektiver, um zum Beispiel den erhöhten Energiebedarf eines ständig laufenden Kühlschranks besser zu decken. (Nebenbei, wenn dieses Problem besteht, ist oft etwas mit der Kühlschrankabluftführung nicht optimal)

    Daraus folgt, dass eine Aufstellung während aller Jahreszeiten aus technischer Sicht absolut Sinn macht, aber eine Nachführung nicht. Dies gilt für fest installierte Anlagen und noch mehr für den Wohnmobilbereich, wo naturgemäß die nutzbare Dachfläche fast immer sehr begrenzt ist.

    Auch sollte nicht vergessen werden, dass ein angestelltes PV-Modul bei jedem Regen frei gespült wird, während sich bei flach installierten Paneelen von Saharasand- und Pollenstaub Abschattungen bilden, die bei den heute immer leistungsfähigeren Modulen mit steigender Wahrscheinlichkeit zu Hotspots und somit zu einer bleibenden Schädigung der Module führen.

    Es lohnt sich also heute zumindest für Tüftler, über aufstellbare PV-Module nachzudenken.

    Insbesondere gilt das bei erhöhtem Bedarf an elektrischer Energie, wenn man zum Beispiel elektrisch kocht und so dank Dieselheizung gasfrei ausbauen kann. Aber auch ohne erhöhte Anforderungen ist so zum Beispiel einfach eine erhöhte Sicherheitsreserve realisierbar.

    1. Danke Jan, für deine Ausführungen.
      Jedoch stimmt das nur für den Süden, im Norden, insbesondere im Sommer sieht das anders aus. Je weiter im Norden, desto eher musst du umbauen / umstellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

LogoWomo-rund-MITTE300

Immer informiert sein!

Jetzt Womo.blog abonnieren:
24187
Abonnenten

Dabei sein: