Deutschlandreise Tag 1

Corona Flucht – enthält unbezahlte Werbung für Deutschland

Ich überschreibe das bewusst ‚Deutschlandreise‘, obwohl Nadja und ich schon jetzt genau wissen, dass wir nicht durch ganz Deutschland fahren werden. Jedoch wissen wir momentan noch gar nicht, wo die Reise hingehen wird, insofern ist der Titel falsch und doch auch richtig.
Sicher ist, dass unsere Reise nach Cornwall ausfällt, verschoben auf das kommende Jahr.
Sicher ist auch, dass wir die Hotspots und Menschenansammlung meiden werden. Keine Nordsee, kein Sankt Peter Ording, kein Ostfriesland, keine Großstädte, keine bayerische Seen und ganz sicher nicht die Mosel oder große Binnenseen.
Wir starten quasi im Odenwald, fahren den Spessart entlang, die Wetterau und landen zu allererst in Seiferts am Fuße der Wasserkuppe.

Meine Tante Gertrud hatte in Wüstensachsen einen Hof gehabt und ich erinnere mich gerne an meine Kindheit dort. Mathisberger Hof. Schafzucht und Arbeit rund um die Uhr. Heuernte noch von Hand. Zur Wasserkuppe steil den Berg hinaufgelaufen, mit Jupp, dem Knecht, die Schafe gehütet.
Mit Cousine und Cousin von den Dachgiebeln ins Heu gehüpft. Lebensgefährlich – wie so vieles damals.


Vom Hof konnte man die Ostzone sehen. Was das war, wusste ich als Bub natürlich nicht. Nur, dass man nicht da drüben hin durfte und nicht in die Nähe des Zauns. Das wusste ich.
Dafür gab es bei der Tante immer das Ostsandmännchen und das war viel besser als unseres.
So war das damals.
Abends gingen die Männer in die Kneipe und nicht wenige – Männer wie Frauen – sahen früh alt aus und waren dem Alkohol verfallen.
An der Kerb gings ins Festzelt und man wartete quasi darauf, dass die Jungs vom Nachbardorf kamen. Zur Schlägerei. Mit Angst stand ich an der Wand, als sie sich prügelten und mit offenen Mund, als es vorbei war und die Kontrahenten zusammen an der Theke standen und einen Kurzen und ein Bier nach dem anderen gemeinsam zischten und sich gegenseitig für die Schlägerei lobten.
So war das damals in der Rhön zu meiner Kindheit.
Die Sommer waren viel, viel kälter wie in Frankfurt und die Winter eisig.
Nicht ohne Grund sagten wir Hessisch Sibirien zur Wasserkuppe, wenn der Wind die Eiskristalle an den Bäumen zu wundersamen Skulpturen formten.
Damals war die Fahrt von Frankfurt nach Gersfeld eine Weltreise. Die Landstraße zog sich und schon in Salmünster fragten wir, wann wir denn ankämen.
Ich erinnere mich an eine Gaststätte mit zwei mittelalterlichen Kanonen vor dem Eingang. Wenn wir die erreicht hatten wussten wir Kinder, dass die Hälfte des Weges geschafft ist.

Und heute führt die Autobahn bis Fulda und man kann an guten Tagen binnen einer Stunde die Wasserkuppe erreichen.
Und trotzdem kommen wir viel zu selten hierher. Doch spätestens, wenn es hinter Gersfeld die steile Straße an der Fuldaquelle vorbei geht, die grünen Wiesen uns begrüßen, der blaue Himmel mit weißen Wölkchen uns zulacht, sind wir sicher: Hier hat der liebe Gott es gut gemeint!


Nadja und ich sitzen auf einer saftigen Blumenwiese. Vergangenes Jahr in Rumänien war es ebenso üppig und ich sage leise zu Nadja: Wir sind 1000 Kilometer von zuhause entfernt.
Es sind gerade einmal 100 Kilometer und doch fühlt es sich an, als seien wir in einer anderen Zeit und Welt.
Natürlich wissen wir, dass an Pfingsten die Wanderer und Ausflügler die Hotspots fluten werden. Das rote Moor wird auch zu Corona Zeiten überlaufen sein. Und doch gibt es so unendlich viele Wanderwege, Bänke, Hütten und Lokale, dass man auch an solchen Tagen seine Ruhe haben kann.
Wir suchen uns einen ruhigen Übernachtungsplatz an einer Grillhütte.
Einige Einheimische Deutschtürken feiern den 8ten Geburtstag ihres Sohnes mit Barbecue und Lagerfeuer und ich stehe am Weg und singe dem jungen Mann Happy Birthday und die Eltern freuen sich.
Später klopft es an der Tür des Wohnmobils und die Mutti bringt uns einen Teller mit leckeren türkischen Kleinigkeiten. Süß und herzhaft, alles vegetarisch, als hätte sie geahnt, dass ich Vegetarier bin.
Wir sind wieder einmal erstaunt über die Gastfreundschaft.
Sie fahren bei Einbruch der Dunkelheit nach Hause und wir kommen auf dem kleinen Parkplatz ins Gespräch. Nadja und ich zogen vor dreißig Jahren einmal mit dem Rucksack durch die Türkei und ich geben den mickrigen türkischen Wortschatz zum Besten. Die Familie freut sich trotzdem und dann wird es wieder einmal magisch, denn nicht nur das Papa aus Denizli kommt, wo wir vor dreißig Jahren die Reise begannen, Mutti kommt aus Tarsus, der Partnerstadt meiner Heimatgemeinde. Beide Städte kennen wir.
Immer wieder erstaunlich, wie klein die Welt ist.

Der Tag geht zu Ende. Wir wissen nicht, wo wir morgen landen werden, aber die Reise beginnt vielversprechend. Keine Massen an Wohnmobilen, keine übervollen Stell- oder Parkplätze.
Die Auftaktnacht am Rhönschafhotel hätte nicht schöner sein können. Das Essen extrem lecker, die Schnäpse und der einheimische Whisky und erst die Nachspeisen lassen einen Träumen.
Dazu hatten wir kompetente Ratgeber, denn von Anette Scharla-Dey und Franz Peter Tschauner, die Autoren des exzellenten Womo-Verlag Reiseführers Nordhessen, bereiten uns mit ihren Geschichten und umfassenden Wissen einen unvergesslichen Abend.

Die zweite Nacht stehen wir frei, mitten in einem Wäldchen. Stockdunkel ist es jetzt, eine Eule ruft und wirklich wahr: Auf der Wiese vor uns sitzt ein Fuchs uns wartet auf (s)eine Maus.

Deutschland im Jahre 2020 – Corona – Wir sind sehr gespannt, ob es so unaufgeregt weiter geht und wo wir am Ende landen und was wir alles gesehen haben werden.
Ich werde nicht jeden Tag schreiben können, aber zumindest will ich euch erzählen, was uns bewegt.

Bislang haben wir keinen Camperhorden gesehen und jeder hat sich Coronakonform verhalten.
Gute Nacht und bis morgen!

Gut, dass wir viele Reiseführer dabei haben – denn Deutschland hat unglaublich viel zu bieten. Vielleicht haben wir es einfach nur vergessen…

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