3D-DRUCK FÜR DAS WOHNMOBIL

Gastbeitrag von Hannes Schleeh – Schleeh.de

Für was braucht man 3D Druck im Camper?

Inzwischen ist der 3D-Druck so günstig geworden, dass man mit genügend Interesse und etwas technischem Verständnis nützliche Dinge zu Hause selbst drucken kann. Besonders sinnvoll ist es für uns Wohnmobil-Nutzer, denn in so einem fahrenden Haus ist alles auf Leichtbau ausgelegt. Deshalb geht schon mal das ein oder andere wichtige Teil kaputt, vor allem bei älteren Fahrzeugen. Denn mit den Jahren verflüchtigen sich die Weichmacher aus dem Kunststoff. Dadurch wird er spröde und bricht. Aber auch bei neuen Wohnmobilen kann man mit selbst gedruckten und damit leichten Plastikteilen besondere Einbauten machen oder Probleme lösen.

Um Ersatzteile selbst zu Hause ausdrucken zu können, braucht man nicht nur einen 3D Drucker, sondern auch noch Rollen mit Kunststoff, das sogenannte Filament. Dazu noch eine für den Drucker passende druckfähige Datei. Einen 3D-Drucker bekommt man heute bereits ab 200 Euro. Wir haben uns einen Ender 3 Pro beim großen Fluß besorgt, dort bekommt man auch gleich das passende Filament in verschiedenen Farben dazu.

3D Drucker Ender 3 Pro

Eine Rolle Filament kostet rund 20 Euro und ist allen möglichen Farben zu bekommen.

Verschiedene Rollen Filament – Futter für den 3D-Drucker

3D-Druck

3D-Druck ist ein additives Fertigungsverfahren. Meist wird dabei Kunststoffdraht erhitzt. Der geschmolzene Kunststoff wird dann Schicht für Schicht auf eine sich in der Höhe verstellbaren Platte verteilt. Dadurch wird eine dreidimensionale Konstruktion möglich. Bei überhängenden Teilen werden diese auf eine Stützstruktur gedruckt, die sich hinterher entfernen lässt.

Jetzt fehlt nur noch die Druckdatei. Die kann man sich mühsam selbst erstellen, indem man ein CAD-Programm nutzt und sich den Gegenstand selbst konstruiert. Wie das geht, könnt Ihr in dem Video von Clemens sehen. Er fährt auch Wohnmobil und zeigt in diesem Video, wie man sich benötigte Dateien selbst erstellen kann.

Eine weitere Möglichkeit ist ein 3D-Scanner, mit dem man ein noch vorhandenes Original abscannt und somit einen digitalen Zwilling erstellt. Das ist ziemlich aufwändig. In dem kleinen Video unten könnt Ihr sehen wie man das bei einer sehr komplexen Figur macht.

3D-Scan in Action

Aber es geht auch ohne speziellen 3D-Scanner, wie man in dem Youtube-Video unten sehen kann. Man muss aber dafür sehr viele Fotos vom zu kopierenden Objekt machen und die dann noch ins Internet hochladen.

Da die meisten Menschen, genau wie ich selbst die obigen Methoden nicht beherrschen, oder einfach die Zeit dafür nicht haben, gibt es noch eine dritte Möglichkeit – Thingiverse.com. Thingiverse ist eine Internetseite mit Druck-Dateien zum Herunterladen. Auf dieser Webseite stellen versierte und sehr nette Menschen ihre 3D-Druckdateien kostenlos zum Download zur Verfügung. Man muss also nicht selbst konstruieren, sondern nur eine passende Datei finden und diese nach dem Download für den eigenen Drucker aufbereiten.


Wie auf fast allen Seiten im internet kann man auch auf Thingiverse.com Suchbegriffe einfügen. Da inzwischen auch viele deutsche Teilnehmer Dateien dort einstellen, finden sich unter dem Suchbegriff „Wohnmobil“ bereits einige Dateien. Alternativ führen die Begriffe „RV“ und „Camping“ zu weiteren interessanten Ergebnissen. Man kann den edlen Datei-Spendern als Gegenleistung über die Plattform per Paypal etwas dafür bezahlen um sie bei Laune zu halten. Dazu einfach auf „Tip Designer“ klicken. Mit der geladenen Datei kann man nun leider noch nicht an den eigenen 3D-Drucker gehen. Diese muss erst mit einer Software wie Cura für den 3D-Drucker aufbereitet werden. Die Profis sprechen von „Slicen“.

Das Programm Cura gibt es kostenlos im Netz unter: https://ultimaker.com/de/software/ultimaker-cura Mit dieser Software lassen sich Druckdateien für fast alle gängigen Drucker erstellen.

Thingiverse Datei in Ultimaker Cura fertig platziert und zum Slicen bereit

Die fertige Datei speichert man im Falle unseres Ender 3 Pro auf einer Micro SD Karte, die man dann in den 3D-Drucker einschiebt und ausdrucken kann. In dem Screenshot oben sind spezielle Verlängerungen zu sehen, die man dazu benötigt, um nach dem Einbau einer der Remis-Verdunkelung im Ducato Fahrerhaus die Sonnenblenden auch weiter seitlich nutzen zu können. Die Teile kosten bei Camping-Wagner 35,90 Euro.

Wer sich die selbst drucken will, einfach oben auf das Bild klicken, runter laden und den Tip für den Designer nicht vergessen.

So, nun aber los. Was hält Euch jetzt noch davon ab sinnvolle Teile für Euer Wohnmobil zu drucken? Ich spare mir inzwischen die Sicherungshalter, die bei Amazon zwar nur knapp 4 Euro kosten, aber die selbst gedruckten sind kleiner, leichter und besser anzuschließen

Sicherungshalter aus dem 3D-Drucker

Ein weiterer Vorteil an diesem genialen 3D-Druckwerk ist, dass man mehrere nebeneinander stapeln kann. Hier die Datei auf Thingiveres.com. (Einfach auf das Bild klicken)

Auch eine sehr schöne Lösung für den Wein- oder Bierkeller in unserem Eura-Mobil sind diese Flaschenhalter.

Flaschenhalter aus dem 3D-Drucker

 

So, wer jetzt gar keine Lust auf einen 3D-Drucker und das ganze Gerödel damit hat, auch für Euch habe ich eine Möglichkeit Teile mit 3D-Druck anfertigen zu lassen. Ihr könnt die Datei einem Unternehmen zusenden, das für Euch das Ausdrucken übernimmt. Ich habe das beispielsweise beruflich mit dem Wappentier der Stadt Ingolstadt in dem 3D-Scan Video oben gemacht. Passende 3D-Druckereien findet man bei Google. Viel Spass beim Ausprobieren von additiven Fertigungsverfahren für unser tolles Hobby.

Habt Ihr schon selbst etwas für Euer Wohnmobil ausgedruckt, oder eine interessante MacGyver Idee für uns Wohnmobilisten gefunden? Schreibt es mir in die Kommentare.

*Dieser Blogpost enthält Amazon Affiliate Links zu darin beschriebenen Produkten, die ich alle selbst gekauft und im Einsatz habe.

Hannes Schleeh

Hannes Schleeh

Gastautor bei Womo.blog
www.schleeh.de

Vielen Dank Hannes für deinen Einblick ins 3D Drucken – das hat bestimmt vielen, die sich bislang nicht getraut haben, den Weg geebnet! Nun fällt der Start sicherlich einfacher.
Viel Spaß beim ausprobieren.
                                                Jürgen Rode – Womo.blog

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11 Antworten

  1. Guten Morgen,
    wir haben schon eine Ersatzteil über 3-D Druck anfertigen lassen. Die Scharniere an den Eingangstüren und an allen Klappen sind ja aus Aluminium und laufen in „speziellen“ Plaste-Hülsen. Unser Hymer hat 20 Jahre auf dem Buckel und da waren die Kragen an den Hülsen an der Eingangstür abgewetzt. Leider hatte schon AL auf AL geschliffen, so das das Scharnier etwas eingelaufen war.
    Über einen Freund haben wir uns diese Hülsen neu per 3-D Druck anfertigen lassen. Einige Hülsen haben einen höheren Kragen bekommen, damit die Tür wieder auf die richtige Höhe kam. Ganz leicht habe ich den inneren Durchmesser noch mit einem Bohrer aufweiten müssen, bis die Türscharniere leichtgängig waren.
    Diese Hülsen bei Hymer nach zu bestellen, wäre ein Kraftakt gewesen. So gab es nach 2-3 Tagen dank der neuen Technik den Problemlöser.
    Das nächste Projekt wird Frischwassertankverschluss sein. Diesen gibt es nicht mehr neu bei Hymer.
    Viele Grüße
    Andre

  2. Guter Job!
    Danke für die Einführung.
    Was ich mir wünschen würde, wären mehr Produkte.
    Für ein paar Nachbauten ist die Anschaffung doch teuer.

  3. sehr schön … ich habe mir gerade kleine Boxen für die Wandbefestigung für USB Buchsen mit Schaltern gedruckt – 8 Stück -das sollte erstmal reichen und Zigaretten-Steckdose kommen alle raus.

  4. Ich kann das nur bestätigen, ein 3D Drucker ist eigentlich für älter Wohnmobile ein muss, was das nachbilden von schwierig zu bekommenden Ersatzteilen angeht. Wir haben einen Knaus Sport Traveller aus 2003, der hat zwar erst 50.000 km geleistet, aber bei diversen Kunststoffen nagt der Zahn der Zeit, auch konnten so diverse Verbesserungen vorgenommen werden. Z.B. Rücklichthalterungen, kleine Kunstoff Dübel in de Karosserie, Schellen, geschwungene Gardinenleisten(neue Dachfenster bekommen) Tropfnasen am Fahrzeug perfektioniert etc…
    Mittlerweile fertige ich für viele aus dem Bekanntenkreis Teile für Oldtimer Wohnmobil/Auto nach, sehr spannendes Thema.
    Gruß von der Weserküste

  5. Nachtrag:
    3D Druck ist ein sehr komplexes Thema, der Drucker ist nicht sehr teuer und die Software meistens umsonst, doch bedarf es in der Anfangszeit viel Geduld und Zeit um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Allein das 3D konstruieren bedarf schon etwas Erfahrung um die Toleranzen des 3D Druckers zu erfassen, das gilt auch für fertige Vorlagen.(auch da wieder abhängig vom benutzten Material)
    Wäre vielleicht für die Zukunft mal ein Idee, eine Plattform zu gestalten, wo man Probleme bei Ersatzteilen oder Verbesserungen anfragt und jemand Lösung via 3D Druck anbieten kann. Ich denke das es bestimmt sehr interessant ist im Wohnmobil Bereich. Professionelle 3D Druck Unternehmen sind beim Nachbauen von Ersatzteilen sehr teuer, weil wie schon beschrieben, viel Zeit und für Profis recht teure Soft und Hardware.

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