WOHNMOBIL MYTHEN – MYTHOS NO. 1 REIFENDRUCK

– von Hannes Schleeh –

Hier kommt der erste Teil der fünfteiligen Reihe Wohnmobil Mythen von Hannes Schleeh

Der richtige Reifendruck im Wohnmobil Reifen

Es gibt einige Themen, die immer wieder kontrovers in Foren und Social Media zu Wohnmobilen diskutiert werden. Bei manchen werden immer wieder Halb- oder Unwahrheiten verbreitet. Diesen Mythen möchte ich in dieser Serie mit Fakten und meinen eigenen Erfahrungen begegnen.

Mythos No. 1: Es muss der vom Wohnmobil-Hersteller vorgeschriebene Reifendruck gefahren werden

Bei fast allen Wohnmobilen auf Fiat Ducato Basis und den baugleichen Modellen, Citroen Jumper und Peugeot Boxer, schreiben die für die letztendliche Strassenzulassung verantwortlichen Wohnmobil Hersteller einen Reifendruck von 5,5 Bar auf beiden Achsen vor. Egal ob auf einem Light Chassis (bis 3,5 t) oder einem Maxi Chassis und völlig unabhängig von der Beladung des Fahrzeugs. Von den PKW’s kennen wir es anders. In der Fahrschule wurde uns beigebracht, den Reifendruck an die Beladung anzupassen. Denn weder ein zu hoher noch ein zu niedriger Reifendruck ist gut für die Räder unserer Fahrzeuge. Bei einem zu hohen Reifendruck fahren sich die Reifen in der Mitte stärker ab und haben eine kleinere Kontaktfläche zur Straße. Bei zu niedrigem Reifendruck walken die Reifenflanken wodurch sie sich stark erhitzen können, bis hin zum Reifenbrand. Sicher möchte niemand einen brennenden, aber genauso wenig einen falsch abgefahrenen und bockharten Reifen. Warum sollte sich das bei Wohnmobilen anders verhalten?

Die meist vorgeschriebenen 5,5 Bar Druck entsprechen dem maximal möglichen Reifendruck. Bei meinen Michelin Agilis Camping steht 80 PSI auf der Reifenflanke, das entspricht 5,516 Bar. Damit fährt sich das Wohnmobil wie mit Vollgummirädern. Jeder Kanaldeckel und jedes Schlagloch wird ungefedert direkt über das Fahrwerk an den Aufbau weiter gegeben.

80 PSI oder 5,516 Bar maximaler Reifendruck auf der Flanke der Michelin Agilis 225 / 75 R16 CP LI 116

Was mich verwundert ist, dass sich bei meinen Reifen die Traglast ab einem Druck von 4,75 Bar nicht weiter erhöhen lässt. Was bringt dann ein um weitere 0,75 Bar höherer Druck noch?

Wer genau wissen will, wie man den richtigen Reifendruck am Wohnmobil feststellt, dem empfehle ich den Blog von Michael Springmann. Er hat das sehr detailliert erklärt.

„Der richtige Reifendruck am Wohnmobil“

— Michael Springmann 5. August 2019

„Der richtige Reifendruck am Wohnmobil“

— Michael Springmann 5. August 2019

 

 

Tabelle meiner Reifen Druck und Tragfähigkeit mit rot markiert

Auch wenn die Wohnmobil Hersteller in diesem Fall zu wissen scheinen, dass die Zuladung ihrer Fahrzeuge meist unzureichend ist, denn welchen Grund sollte diese Übervorsicht sonst haben? Das trifft ganz besonders auf die Vorderachse zu. Denn bei den Light Fahrwerken hat diese eine maximale Traglast von 1.850 kg. Dafür würde laut Michelin Reifendruck Tabelle ein maximaler Reifendruck von 3,5 bar völlig ausreichen.
Probiert es doch mal aus! Fahrt eine Strecke mit 5,5 Bar und lasst danach den Reifendruck auf 3,5 Bar ab und fahrt die gleiche Strecke nochmal. Ich schwöre Euch, Ihr werdet glauben man hätte Euch eine Luftfederung eingebaut. Das schont neben dem Möbelbau im Camper auch die Bandscheiben der Mitfahrer.

 

Wohnmobil auf ruppiger Piste mit passendem Luftdruck kein Problem

Grundsätzlich ist letztendlich der Fahrer für die Verkehrssicherheit seines Fahrzeugs verantwortlich, also Ihr selbst. Auch auf den vom Reifen Hersteller vorgeschriebenen Luftdruck sollte man achten. Die Anleitung für Michelin habe ich Euch oben verlinkt. Dann steht einer sicheren und gut gefederten Fahrt nichts mehr entgegen. Wenn da nicht die inzwischen vorgeschriebenen Reifendruck Sensoren wären. Die sind natürlich auf einen Solldruck von 5,5 Bar Druck eingestellt. Bei weniger geben sie Alarm im Cockpit aus.

Aber auch das lässt sich lösen. Entweder die Fiat Werkstatt stellt Euch das ein, oder Ihr macht es wie ich und kauft Euch ein USB-Kabel für die OBD-Steckdose im Ducato und das Programm MultiEcuScan. Damit, einem Windows PC und der sehr guten Video Anleitung, die Jo von Pepperitis erstellt hat, schafft Ihr es genau wie ich auch selbst.

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Ich schreibe diesen Blog Post auf der Peloponnes in Griechenland, glaubt mir, ich würde hier keinen Kilometer mehr mit 5,5 Bar in den Reifen fahren. Ich habe bei meinem Eura Mobil PT 695 EB auf einem Heavy Fahrwerk vorne 3,8 Bar und hinten 4,3 Bar.

 

Neue Schwellwerte für die Reifen an meinem Eura Mobil im Programm MultiECUScan

Damit fährt es sich wie auf Wolken. Zudem kann ich auf beiden Achsen nahezu die maximal erlaubte Achslasten bei meinem auf 3,5 Tonnen abgelasteten Maxi Fahrwerk erreichen, ohne zu wenig Tragfähigkeit in den Reifen zu haben. Bei einem nicht überladenen Light Chassis könnte man noch niedrigere Reifendrücke fahren, aber schon ein Bar weniger erhöht den Fahrkomfort enorm. Probiert es aus und schreibt mir Eure Erfahrungen in die Kommentare.

Hannes Schleeh

Hannes Schleeh

Gastautor bei Womo.blog
www.schleeh.de

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6 Antworten

  1. Endlich mal jemand der das Thema richtig angeht, es ist wirklich ein totaler Schwachsinn das so ein Luftdruck vorgeschrieben wird, ich fahre mit meinem womobu auf der VA mit 4,25 und HA 4,5 bar bei einem ZGG von 4,5 T , das ist das äußerste was man fahren sollte, selbst bei leichter überladung ist dies kein Problem.

  2. Wir haben die Achlasten unseres EuraMobil ActivaOne 630LS reisefertig mit Personen gewogen und könnten an der Vorderachse bei 1520 kg einen Druck von 2,75 bar laut. Tabelle und an der Hinterachse bei 1920 kg einen Druck von 3,5 bar fahren. Optimal hat sich 3,2 vorne und 4,0 hinten bewährt. Komfort und Lenkpräzision sind so optimal. Auf langen Strecken werden die Reifen nur gut handwarm. Tabelle Michelin, Reifen Michelin Agilis CP 225/75 R16 CP 116/114Q

  3. Verstehe ich das richtig, dass man neben der Vollversion der MultiEcuScan-Software für ca. 50€ auch das Interface-Kabel plus gelben Adapter für ca. weitere 50€ benötigt?

  4. Hallo,
    auch ich habe den Beitrag aufmerksam gelesen und sofort reagiert.
    Als ich die Winterreifen wechseln lies, hatte der Reifendient alle Reifen auf 6 bar „betankt“
    Ich stellte diese auf die vorgeschriebenen 5,5 bar und rollte wie auf Vollgummi trotz Luftfederung.
    Schnell wurden während der Fahrt wieder die 6 bar durch die warmen Reifen erreicht!
    Ich messe das mit einem Reifendruck-System.
    Nun habe ich auch auf 4,7 bar gesenkt und das Womo mit seinen 3,5 t fährt wieder viel weicher!
    Die vorgeschrieben 5,5 bar erreiche ich wieder nach einer halben Stunde Fahrt, wenn die Reifen wieder „Betriebstemperatur“ haben!
    Die Reifentemperatur liegt dann so um die 20 Grad C.
    Ich traue mich aber nicht, noch mehr Druck aus den Reifen zu nehmen.

    Hat einer ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Gruß Manfred

  5. Danke für den Link zu diesem Beitrag. Wir haben unser WoMo erst seit 3 Wochen. Der Luftdruck war bei allen Reifen tatsächlich auf 5,0 bar eingestellt. Ich habe den Druck zum Testen erstmal auf 5,0 bar gesenkt. Ein himmelweiter Unterschied zu dem Gepolter vorher. Da wir noch Neucamper sind und ich noch nicht so richtig weiß, was noch alles auf die Reisen mit muss und ob wir evtl. auflasten werden, werde ich niedrigere Drücke evtl. auch noch testen.

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