Odenwald, Mittelrhein und ein wenig Taunus

Da unsere Tochter Svenja unter der Woche zum Fußballtraining musste konnten wir diese Herbstferien nicht all zu weit weg. Wir entschlossen uns die Heimat vor der Haustüre zu erkunden. Oft wohnt man ja dort, wo andere Urlaub machen und kennt die Vorzüge der eigenen Umgebung nicht.

So fuhren wir spontan Richtung Dieburg und hatten eigentlich die Burg Breuberg zum Ziel, als uns rechterhand ein Gipfel auffiel. Die Veste Otzberg! Aus dem flachen Land hinter Darmstadt in Richtung  Hoechst im Odenwald erhebt sich hier ein uralter Vulkan, von dem nur noch der innere Schlot erkennen lässt, dass man sich in vulkanischem Gebiet bewegt. Quasi erst gestern ist der Vulkan erloschen, gerade einmal 22 Millionen Jahre ist das her.

Die Veste Otzberg lädt jedes Jahr mit einem Ostermarkt und einem Weihnachtsmarkt Scharen von Besuchern ein, doch obwohl wir es immer wieder vor hatten, haben wir die gerade einmal 30km nie geschafft. Nun also heute.

Die spätsommerliche Sonne taucht die Landschaft in ein sanftes Licht, und da am Nachmittag die Sonne nicht hoch am Himmel steht, gelingen Aufnahmen, die uns sehr an die Toskana oder an Schweden erinnern.

Oder um es mit Goethe zu sagen:

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“

 Nach einem guten Abendessen brauchte es noch ein Lager für die Nacht und da noch ein wenig Zeit bis zum Sonnenuntergang war entschlossen wir uns doch nur zur Burg Breuberg zu fahren. Vor Jahren hatten wir hier ein Wochenende verbracht und dementsprechend wussten wir, dass man auch mit einem Wohnmobil den steilen Weg zur Burg schaffen kann. Zumindest wenn einem keine Besucherkollonen entgegen kommen.

 

 Am nächsten Tag besuchten wir noch den Stellplatz am Fuße des Burgbergs und waren überrascht, wie idyllisch er gelegen war. Strom und Wasser gegen kleines Geld. Wir hatten befürchtet, nahe der Hauptstraße zu stehen, aber das war ganz unbegründet. Der Kunstpark der sich direkt an den Stellplatz anschließt lädt zum verweilen ein und für mitfahrende Kids gibt es einen Skatepark, einen Spielplatz oder blanke Natur in Form eines Baches mit einem Wehr. Hier kann man viel Zeit verbringen.

Am Nachmittag verirrten wir uns genauso spontan zur Römischen Villa nach Haselburg, wie tags zuvor zur Veste Otzberg. Oft vorbei gefahren, nie direkt dorthin. Das Wetter spielte wieder mit, kaum waren wir angekommen, verzog sich der zähe Herbstnebel und zeigte den Odenwald mit den alleschönsten Farben.

 

Da hat wohl ein Superreicher 120 n. Chr. sich die schönste Stelle ausgesucht und sich und seinem Tross ein heimeliges Haus in der Fremde gebaut. Die Anlage ist auch nach heutigen Maßstäben riesig und lädt zu einem Rundgang ein. Wir erweiterten den Spaziergang und umrundeten das Areal und gingen dann den Spazierweg Richtung Bad König. Ein grandioser unverbauter Blick auf die Landschaft belohnte uns.

Überhaupt verwunderte es uns sehr, wie wenig man über diese Region liest und dementsprechend wenige Wohnmobilfahrer sich hierher verirrten.
Der Abschluss des Tages fand dann für uns in Michelstadt statt. Das weltberühmte Rathaus und die Altstadt muss man einfach besuchen, egal wie oft man an Michelstadt vorbei kommt! Noch dazu liegt direkt vor der Altstadt ein guter Wohnmobilstellplatz mit Strom und Wasserversorgung und einigen Supermärkten.

Am nächsten Tag wechselten wir die Region und fuhren an den Rhein. Übernachtet haben wir direkt am Euramobilwerk in Sprendlingen. Werktags um 9.00 Uhr kann man dort eine kostenlose Werkbesichtigung mitmachen und live erleben, wie ein Euramobil gebaut wird. Das war für uns natürlich um so spannender, aber auch einige Fremdproduktnutzer hatten sich eingefunden. So waren Hymer- und Dethleffsfahrer dabei und hinterher genauso begeistert wie wir. Leider war das Fotografieren verboten und wir haben nur ein Bild aus dem Showroom, aber zu sehen, dass erst die Schränke und Zwischenwände auf das Basisfahrzeug montiert werden und erst am Ende die Seitenwände und das Dach, das ist schon etwas außergewöhnliches für den Laien. Wenn man dann am Ende der Kette das fertige Fahrzeug sieht, reibt man sich verwundert die Augen. Überhaupt schienen uns die Arbeitsbedingungen sehr professionell, aufgeräumt die Menschen dort sehr motiviert.

 

Von Sprendlingen ist es nur einen Katzensprung an den Rhein und so ging es nach Bingen. Das Wetter spielte leider nicht mit und so blieb es bei einem Spaziergang am sehenswerten Rheinufer, das anlässlich der Landesgartenschau vor einigen Jahren herausgeputzt worden war.

Der alte VW-Bus erinnerte uns sehr an unsere Anfangszeiten und ein bisschen wehmütig kann man da schon werden. Aber nur bis man auf die Toilette muss. Da ist uns der pure Luxus heute schon lieber.
Weiter ging es den Rhein abwärts. In Bacharach hatten wir Glück. Die Sonne schaute durch die tiefhängende Wolkendecke genau zu dem Zeitpunkt als wir am Wohnmobilstellplatz vorbei fuhren. Für uns das Zeichen sofort anzuhalten und Quartier für die Nacht zu machen.

Für einen kurzen Spaziergang war noch Zeit und so wanderten wir los, Inga sogar noch mit Gartenschuhen, wir wollten ja nicht weit. Nadja meinte noch mit einem Blick auf die, auf dem Berg trohnende Burg: „Da würd ich ja auch gerne mal irgendwann hinauf“
So wanderten wir ins Ort und begeisterten uns an den alten Häusern. Die romantische Ruine einer Kirche zieht uns an und ohne es zu planen sind wir schon länger als gedacht unterwegs. Dort angekommen ist es nicht mehr weit zu Nadjas Burg. Die Burg Stahleck ist heute eine beliebte Jugendherberge und die Hoffnung auf eine tolle Aussicht beflügelt uns.
Wir werden nicht enttäuscht. Bei einem guten und günstigen Kaffee genießen wir das Panorama und erkunden die Burg.

 

Später, als wir wieder im warmen Wohnmobil sitzen, wundern wir uns, wie lange der Tag doch gewesen ist und wie viel wir erlebt hatten. Die Nacht kommt schnell doch leider auch die Erkenntnis, dass das Mittelrheintal zwar Weltkulturerbe ist und unglaublich viele schöne Orte auf engstem Raum zusammenfasst, aber leider auch ein immenses Lärmproblem mit den vielen Zügen, die nachts hier hindurch donnern. Gegen 7.00 Uhr weckt uns zudem der nahe Kirchturm und so ist die Freude etwas getrübt.

Am nächsten Tag geht es nach Oberwesel. Weiter kommen wir nicht. Zu schön liegen die alten Fachwerkhäuser direkt an der Straße. Auch hier gibt es einen Wohnmobilstellplatz, aber wir sind schon vorrüber, parken auf den normalen Parkflächen neben der Landstraße. Es ist Herbst, die Hauptsaison ist vorbei, die Menschen haben wieder mehr Zeit und weniger Touristen fluten die Ortschaften. Das Wetter ist trübe und neblig. Wir lassen uns aber nicht vertreiben.

Oberwesel wird fast komplett von einer Stadtmauer umgeben und wir laufen auf ihr entlang und schauen den Menschen in ihre Wohnungen. Was die wohl ertragen müssen in der Hauptsaison. Auf dem Berg die Kirche mit Trutzturm und dann der alten Stadtmauer entlang wieder ins Tal. Verwinkelte Gassen, kleine Gärten. Uns erscheint das idylisch, aber wer hier lebt, lebt beengt und beäugt. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht aushalten würde. Dazu muss man wohl geboren sein!

Wieder müssen wir wegen des Trainings zurück, diesmal nach Mörfelden und entschließen uns in den Taunus zu fahren. Am Parkplatz des Hessenparks übernachten wir. Es trübt ein und beginnt zu regnen. Schnee ist vorhergesagt.  Ich habe am Parkplatz die Markise ein Stück ausgefahren, damit wir trockenen Fußes aus und in das Wohnmobil kommen. Die Temperatur fällt stetig und auch die Laune. Diesmal hat Inga heute Training und ich möchte ihr den Gefallen tun, auch wegen ihr den Urlaub zu unterbrechen- Was für den einen recht ist, muss auch für den anderen billig sein. Das macht es nicht einfach, aber Vater sein ist halt nicht einfach. „Was tun?“, sprach Zeus.

Wir besuchen den freien Teil des Hessenparks und als es wieder beginnt zu regnen, entschließen wir uns erst zum Feldberg zu fahren und dann einen Stellplatz zu suchen. Am Feldberg soll es den ersten Schnee gegeben haben. Und tatsächlich. Zwar sieht man vor lauter Nebel kaum die Hand vor den Augen, aber es liegt wirklich Schnee. Ende Oktober eine Seltenheit in Frankfurt!

Inga und ich wagen uns bei Null Grad, Nebel und leichten Schneefall nach draußen. Den Turm des Feldbergs kann man nur erahnen. Zurück im Wohnmobil trinken wir einen warmen Kaffee und genießen noch einmal das Wohnmobilleben. Der Stellplatz „Taunus Mobilcamp“ direkt an der B275 sagt uns dann doch nicht zu und bevor wir uns morgen von vorbeirasenden Autos wecken lassen, erfülle ich lieber Ingas Wunsch und bringe sie nach Hause zum Training. So sind wir einen Tag früher daheim, aber das tut dem Gesamteindruck dieser Woche keinen Abbruch. Wir haben viel erlebt und gesehen und mussten dafür nicht einmal weit weg fahren.

Insgesamt waren es exakt 500 km. Wobei man gute 100 km abziehen könnte, die wir nur der Trainings wegen gefahren sind. Der Spritverbrauch war mit 11,1 auf der Landstraße ok. Fahrtechnisch bin ich wieder angekommen. Zu unserem früheren Transit merke ich kaum einen Unterschied, nur in engen Kurven macht sich die Höhe des Wohnmobils gewaltig bemerkbar.

Wir haben jeder jedes Bett ausprobiert und erkannt, dass man das große Bett nur benutzen kann, wenn man ein Keilpolster gegen ein flaches austauscht. Das müssen wir noch besorgen und dann ausprobieren.
Ansonsten haben wir Menschen kennen gelernt, die ähnliche Probleme mit dem Bett anders gelöst haben. So hat eine Dame in Bacharach uns ihre Variante gezeigt. Sie hat am langen Bett einen Streifen Polster, ca. 15 cm, eingefügt. So ist dauerhaft die Sitzfläche breiter und nachts braucht man nur die Rückenlehne wegnehmen, um das Bett zu bauen. Zwar nur 80cm breit, aber flach, da kein Keil auf der Seite ist.

Kaputt ist auch etwas gegangen. So fiel mir die Ecke des Tisches auf die Tischverlängerung. Folge: ein 5cm langes Loch in der Tischverlängerung. Euramobil möchte für den Tisch und die Verlängerung 265 Euro. Also werde ich das Loch selbst flicken oder einen Schreiner meines Vertrauens fragen.

Die neue LED in der Deckenlampe hat nach zwei Tagen den Dienst eingestellt. Leuchtet einfach nur noch mit 1/10tel der Kraft. Jetzt steckt wieder eine Halogenlampe in der Fassung. Was lernen wir daraus: Immer ein paar Ersatzlampen dabei haben. Und seien es Halogenlampen. Lieber viel verbraucht, als kein Licht. LED-MG tauscht die Lampe um.

Gelernt haben wir auch, das die Truma 4000 Heizung unglaublich feinfühlig einzustellen ist. Einen Tick zu weit herunter geregelt und es war saukalt in der Nacht. Ein Tick zu hoch und ein Teil der Mannschaft schwitzt. Das ist sehr unbefriedigend.

Für die Schuhe fehlt eine Abstellmöglichkeit. Vier Personen. Das bedeutet bei uns, vier Paar Schlappen und vier Paar Straßenschuhe. Wohin damit? Nadja und ich haben unsere Straßenschuhe in das Führerhaus gestellt. Und die Schuhe der Kids ins hintere Staufach. Das bedeutet aber immer Wandertag, wenn man die Schuhe wechseln muss. Im unteren Teil des Schrankes steht die Heizung. Die Tür des Kleiderschranks ist aber durchgängig. Muss ich an den Schrank, können keine Schuhe davor stehen. So war die Idee geboren, die Schranktür zu halbieren. So können hinter der Kleiderschranktür Schuhe abgestellt werden und man kommt trotzdem noch an seine Jacken. Eine andere Idee kam mir, als ich bei Euramobil die Integrierten anschaute: Wir schneiden eine Klappe in die Trittstufe. Dahinter lassen sich dann im Unterboden Schuhe abstellen.

Die Fahrerkabine ist kalt. Liegt natürlich an der dort fehlenden Heizung. Warum nicht an die letze Lüftungsklappe einen variablen Schlauch anschließen, der Warmluft ins Führerhaus lenkt. Alternativ kann man den Schlauch auch in den Alkoven legen. Bleibt auszuprobieren.

Ideen gibt es also noch genügend.

 

4 Gedanken zu „Odenwald, Mittelrhein und ein wenig Taunus“

  1. Hallo,
    hier ist die „DAME“ aus Bacharach. Dame hat mich schon lange keiner mehr genannt. Also der eingelegte Schaumstoffstreifen ergibt sich, wenn man die Leiter ganz links anstellt und dann das Bett bis Anschlag Treppe herauszieht.
    Auch ich hatte ein Problem mit der Truma Heizung. Unsere erste Fahrt im April haben wir nach De Panne in Belgien gemacht. Es war kalt und die Heizung sprang an aber nach kurzer Zeit auf Störung. Wir haben gefroren. Wieder zu Hause haben wir dann Truma angerufen und der Monteur kam in unsere Firma. Er stellte fest, dass die komplette Verdrahtung über die ganze Länge des Fahrzeuges ging und irgendwo gestört war. Bei uns ist die Heizung unter dem seitlichen langen Bett und die Bedienung quasi direkt darüber. Er hat die bestehende Leitung gekappt und einfach eine neue kurze Verdrahtung installiert. Von da an funktioniert die Heizung perfekt.
    Das mit den Schuhen ist auch für mich ein Problem. Da ich entweder allein oder mit Mann unterwegs bin, habe ich immer eine stabile Bananenkiste dabei. In dieser Kiste sind alle Schuhe und wenn ich länger an einem Ort stehe kommt die Kiste auf den Beifahrersitz, während der Fahrt steht die Kiste oben im Alkoven. Auf Dauer keine gute Lösung aber ich habe vor mir einen hängenden Schuhschrank, an der Duschabtrennung, zu nähen.
    War ein Vergnügen Euch getroffen zu haben. Leider wart Ihr in Aufbruchstimmung. Meine Adresse in Schweden habt Ihr, vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr in Uvano.
    Liebe Grüße von Petra aus Solingen

  2. Hallo Dame Petra 🙂
    Ist ja witzig, dass du unsere Seite gefunden hast. Wo hast du denn den Schaumstoff her? Und welche Festigkeit hat dieser? Wir haben noch einige Anregungen bei dir gesehen und freuen uns schon auf die kommenden Touren, dass alles auszuprobieren!

    Liebe Grüße Jürgen

  3. Hallo Jürgen und Nadja,
    leider kann ich nicht hellsehen. Nadja hat mir gesagt ich kann Euch unter omniro.de erreichen, als ich Ihr meine Adresse in Schweden gab.
    Also den Schaumstoffstreifen habe ich bei M. Gabrysch Schaumstoff- und Textilverarbeitung in Solingen anfertigen lassen. Meine zusätzliche Matratzenauflage habe ich bei Saarschaum bestellt. Dort kann man die Qualität und die Maße nach eigenen Vorstellungen bestellen.
    Bei der Bestellung unbedingt den Bezug mitbestellen. Ich habe das nicht gemacht und es war sehr schwierig, wegen der rauhen Oberfläche, das Spannbettlaken zu plazieren. Nachträglich habe ich für 120 € einen Bezug bei Fr. Gabrysch nähen lassen.
    In der nächsten Zeit werde ich meine Womo mal in die Werkstatt bringen. Ich will wissen ob es möglich ist hinten Stützen einzuschweißen und was es kostet.
    Werdet Ihr im Winter auch unterwegs sein? Ich versuche gerade mein Womo winterfest zu machen. Hoffentlich vergesse ich nichts.

    (gekürzt, da privat)
    …Deshalb fahre ich auch so gerne auf den Campingplatz Zeepark in De Panne. Preiswert, direkt am Meer und sehr gut für Fahrradfahrer.

    …. Freue mich bald wieder von Euch zu hören.
    Die Bacharach Petra

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