Schweden 2015: Kunst und Meer

2015-08-14_13-33-17_Südschweden - Kullaberg_4273-1600Einer meiner liebsten Schulkameraden hieß Arild. Wohnt mittlerweile irgendwo in Afrika.
Und daher war ich etwas erstaunt, als Nadja am Morgen verkündete: Wir fahren nach Arild.
Noch nicht ganz wach, dachte ich: „Wie, der ist auch in Schweden?“

Arild ist ein kleines Dorf an der Nordseite der Halbinsel Kullaberg. Und man muss es gesehen haben!
Es reiht sich ein schönes, altes, Schwedenhaus an das andere, die Gärten sind aufwendig gestaltet, die Menschen stecken viel Liebe in die Details.

Wir parken etwas oberhalb der Altstadt und wandern den kurzen Weg an den Hafen, klauen allenthalben Stockrosensamen, denn hier gibt es Farben, die wir noch nicht gesehen haben. Von fast schwarz bis leuchtendrot ist alles dabei.

Stundenlang bummeln wir durch das kleine Ort und finden die schönsten Fotomotive.

Den Morgen haben wir nicht ganz so erfolgreich auf der Suche nach Töpfereien verbracht. Irgendwo hatte Nadja gelesen, dass es auf Kullaberg Töpfereien gäbe, aber im Wesentlichen waren das dann nur Verkaufläden in Industriegebieten und die Auswahl war nicht ganz nach unserem Geschmack. So kamen wir in Arild nicht gerade in bester Stimmung an, aber dank des Flairs, des schönen Wetters und der vielen kleinen Überraschungen, besserte sich die Stimmung gewaltig.

Als einziges großes Ziel stand an diesem Tag dann noch das Holzkunstwerk an einem Strand im Norden an. Irgendwo hatte ich einmal einen Bericht dazu gelesen und ein Bild gesehen.
Ein Künstler, der mehrere Jahre unbemerkt Strandgut in einer versteckten Bucht zusammenträgt und zu einem Kunstwerk zusammennagelt.
Als die Behörden dann davon Wind bekommen, ist das Bauwerk schon richtig groß und da ohne Baugenehmigung, ein Dorn im Auge.
Abrißverfügung, Streit über die Frage Kunst oder Krempel – na, das sind doch Geschichten, die die Sache erst richtig spannend machen.

Andere Künstler, die sich dann für den Erhalt des immer weiter wachsenden Kunstwerks einsetzen, bis es schließlich geduldet wird.

Ich denke, die Behörden sagen sich: Das Meer und der Wind werden es schon im Lauf der Zeit wieder richten…

Das Kunstwerk hat mittlerweile den Namen Nimis und steht nicht mehr in Schweden, denn kurzerhand ist das Gebiet um das Kunstwerk zum Land LADONIEN erklärt worden. Künstler Lars Vilks verbrachte mehrere Jahre an diesem schwer zu erreichendem Strand und wer Ladonien und Nimis besuchen möchte, sollte gut zu Fuß sein, es geht steil den Hang hinunter (und dementsprechend steil wieder bergauf).
Den Schweden scheint das wenig zu stören, wir treffen Badeschlappentragende  und Eltern mit Kinderwagen.
Wir sind am Ende des Tages naß geschwitzt – aber – ES LOHNT SICH!

Das muss man einfach einmal erlebt haben.
Ich schreibe erlebt und nicht gesehen, weil man Nimis besteigen kann und darf und sollte.
Wie ein Kind darin herumlaufen und daran klettern.
Tonnen an Treibholz sind hier mit Nägeln zu Türmen und Hütten verbaut.
Mit ein wenig Fantasie erkennt man den Burgturm oder ein Gefängnis oder fühlt sich wie bei Herr der Ringe.
Man muss nur der eigenen Fantasie freien Raum geben.

Wir steigen auch auf die höchsten Türme und natürlich wackelt alles und bewegt sich im Wind. Einmal bricht unter meinem Gewicht gar ein Holz durch. Nimis steht hier nicht für die Ewigkeit! Fragil sieht es aus und ist doch stabiler, als man denkt.

Das geht schon am Eingang im Wald los: Fast wären wir vorbei gelaufen. Irgendwie haben wir den „Haufen“ gar nicht als Eingang in einen Durchgang erkannt. Zeit nehmen und staunen.
Wie konnten die Behörden nur überhaupt an einen Abriss denken? Ok, das Thema Grundbesitz und vielleicht Sicherheit sind schwer zu bewerten, aber Nimis nicht als Kunst zu erkennen, das können wohl nur Bürokraten!

Wir entscheiden uns, die letzten Stunden in Schweden im Naturreservat zu verbringen.
In Mölle versuchen wir noch irgendwo Kaffee zu trinken, aber das vom Reiseführer empfohlene Kaffee hat nur noch Pizza und am Hafen gibt es auch kein Cafe, dass uns einladend erscheint. Am Hafen fällt mir auch erstmals auf, dass es Geschäfte gibt, bei denen man gar nicht mehr mit Bargeld bezahlen kann! Hier geht es nur noch mit Karte.

Das gefällt uns gut, in Deutschland hält man ja noch krampfhaft an seinen Scheinen und Münzen fest. Am Ende stehen wir wieder vor unserem Wohnmobil und beschließen unseren eigenen Kaffee zu trinken. So knipse ich noch einige schöne Häuser und wir fahren zu unserem alten Parkplatz in der Nähe des Leuchtturms.
Duschen, essen, lesen, noch einen Sonnenuntergang erleben.

Spät, sehr spät, fahren wir in Richtung Trelleborg, morgen geht die Fähre zurück nach Deutschland.
Die Nacht verbringen wir irgendwo auf einem Dorfparkplatz.
Drei Wochen Schwedenurlaub gehen zu Ende.

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