Überfall mit Narkosegas auf dem Rastplatz

Ich möchte hier nicht die Diskussion anheizen, ob es überhaupt möglich ist, ein Wohnmobil auszurauben und die Insassen mit Narkosegas matt zu setzen, aber folgender Reisebericht wurde uns mit der Bitte der Veröffentlichung zugesandt und das tun wir hier nun gerne:

Einschätzung Womo.blog:
Von einem Polizisten, der auch Wohnmobilfahrer war, habe ich mir im vergangenen Frankreichurlaub bestätigen lassen, dass die ganz geschickten Langfinger ein Wohnmobil binnen Sekunden öffnen, betreten und wieder verlassen können. So leise und sanft, dass niemand etwas merkt. Und dabei die Schlösser der Fahrer- und Beifahrertür sogar unversehrt sind. Ganz ohne Narkosegas. Aber das ist auch nicht wichtig: Wichtig ist, dass es für die betroffenen am nächsten Morgen ein böses Erwachen gibt.

Unser Leser Paul Marx berichtet von seinem persönlichen Albtraum und ich möchte daher noch einmal warnen: Nicht auf Rastplätzen an den Autobahnen übernachten! Und wie ich in einem anderen Bericht schon empfahl: So ein Türschloss kann Gold wert sein!

Aber nun lest selbst: Auszug aus dem Tagebuch unseres Lesers Paul Marx:

Es begann sehr stark zu regnen. Der Tag war anstrengend, und wir waren müde. Wir schauten in unserem WoMo-Reiseführer nach, wo die nächste gute sichere Übernachtungsmöglichkeit ist. Dies ist der große Rastplatz St.Rambert Ouest an der A7.
Dorthin fuhren wir, tankten und stellten uns in der Nähe des Restaurants auf. Es regnete immer wieder, und wir waren froh, nicht mehr fahren zu müssen. Als es dunkel wurde,
legten wir uns hin zum Schlafen. Unsere Fotorucksäcke und die Tasche mit dem Laptop, die beim Fahren auf den Betten liegen, stellten wir wie immer zwischen die umgedrehten Vordersitze. Der Regen trommelte leicht aufs Dach. Wir schliefen ein.

3. Tag: Mo, 23. 05.
Der nächste Morgen. Petra klagte über leichte Kopfschmerzen, ich war irgendwie benommen. Auf dem Bett sitzend bat ich Petra, mir die Fotorucksäcke und die Laptoptasche und die Stative zu reichen, damit ich sie wieder auf die Betten lege. Petra fragte mich, ob ich die Sachen nicht schon hätte, was ich verneinte. „Ja, aber wo sind die denn? Die Sachen sind nicht hier!“ Fotorucksäcke, Laptoptasche waren weg. Und dann stellten wir fest, dass auch unsere Westen, die über den Rückenlehnen der Vordersitze gehangen haben, auch weg waren. In meiner Weste waren in Reißverschlusstaschen meine Geldbörse mit den Scheckkarten, Geld und eine kleine Mappe mit allen meinen Ausweisen und Papieren. Petras Handtasche war auch weg, ebenso die Autoschlüssel. Die Türe des Kleiderschrankes war nicht richtig verschlossen, die darin versteckten Portemonnaises fehlten auch! Wir waren fix und fertig und stellten fest, dass wir überfallen und völlig ausgeraubt worden waren.

Petra ließ sofort alle Scheckkarten sperren und ging dann zum Restaurant, um die Polizei rufen zulassen. Im Restaurant war man schockiert. Wir warteten auf die Polizei, die bald eintraf. Die beiden jungen Polizisten waren sehr freundlich und zeigten uns sofort, wie die Räuber es geschafft haben, die Türen des Wagens zu öffnen. Und sie waren sofort davon überzeugt, dass wir mit Narkosegas betäubt wurden. Nun konnten wir uns auch Petras Kopfschmerzen und meine Benommenheit erklären. Die Polizisten sagten uns auch, dass die großen Rastplätze längst nicht mehr sicher sind. Pro Woche ereignen sich hier 4-5 Überfälle.

Wir hatten also nichts! Dieses Gefühl kann nur der nachvollziehen, der eine solche Situation der Hilflosigkeit erlebt hat. Was nun? Die Polizisten bestellten einen Abschleppwagen, denn wir konnten ja nicht mehr fahren – kein Autoschlüssel, keine Papiere, kein Geld. Ich telefonierte mit dem ADAC Frankreich. Die Nummer hat mir Mirko gegeben; denn unsere Handys hatten wir zum Glück noch. Ich bekam die Auskunft, dass das Auto nun erst mal in eine sichere Garage gebracht werde, und dann werde man weiter sehen.

Also warten, warten. Der Abschleppwagen war nach 3 Stunden immer noch nicht da, und das war unser Glück; denn plötzlich kam ein Lkw-Fahrer aufgeregt zu den Polizisten gerannt. Ein Polizist spurtete sofort mit ihm los und kam nach ein paar Minuten schwer bepackt mit unseren Fotorucksäcken, der Laptoptasche, Petras Handtasche und den beiden Westen zurück. Der Lkw-Fahrer hatte sie hinter dem Toilettenhäuschen versteckt im Gebüsch gefunden. Wir kontrollierten den Inhalt – alles war da, Geldbörsen, Autoschlüssel, Ausweise, Papiere, nur das Bargeld von 950,- € fehlte. Da fiel uns schon einer der Steine von unseren Herzen. Aber wir hatten kein Geld. Da griffen die beiden Polizisten in ihre Taschen, und jeder gab uns 10,-€, damit wir uns wenigstens etwas zum Essen kaufen könnten. Wir waren gerührt und ließen uns ihre Namen und Adressen notieren, wir werden uns bei ihnen melden,wenn wir wieder zu Hause sind.

Petra versuchte nun unseren Berater bei der Bank in Dortmund zu erreichen. Leider vergeblich. Ich telefonierte wieder mit dem ADAC. Dort gab man mir die Auskunft, dass man sich über „western union“ Geld schicken lassen könnte. Es müsste nur jemand in Dortmund bei der western union für uns das Geld in bar einzahlen. Die ADAC-Mitarbeiterin schaute nach, wo in unserer Nähe die nächste Filiale der western union ist.
In St. Rambert, das ist der Ort, wo wir uns befinden! Wieder Glück!

Ich telefonierte wieder mit Mirko. Der kannte western union und sagte, er werde sofort, wenn wir grünes Licht geben, mit Ivonne los spurten und für uns Geld bei der western union in Dortmund einzahlen.
Wir konnten also wieder fahren, aber wir waren ja auf der peage-Autobahn, und wir hatten ja kein Geld, um die Maut zu zahlen. Die Polizisten erklärten uns noch, dass eine Anzeige zwecklos sei, da man die Kerle ohnehin nicht fassen könne, allerdings wisse man, dass es rumänische Banden sind. Dann schleusten sie uns aus dem Gelände der peage-Autobahn raus und waren weg,

Wir fanden die Filiale der western union schnell – die Postbank. Hier standen wir direkt vor der Post auf einem Platz in dem Ort. Sofort gingen wir in die Post. Petra versuchte nun der Mitarbeiterin die Sachlage und was wir wollten zu erklären. Das aber war sehr schwer, Petras Französisch reichte dazu nicht. Was machen? Da fiel Petra eine, dass wir ja O. kennen, die Französin ist, schon lange in Dortmund lebt und bestens Deutsch spricht. Petra besorgte sich O`s Tel-Nummer. Sie war zum Glück zu Hause. Nun erklärte ihr Petra auf Deutsch alles, gab das Handy weiter an die Mitarbeiterin der Post, O. erklärte der alles auf Französisch, die antwortete französisch und O. sagte es dann Petra deutsch. So ging es dann eine Weile, bis alles klar war. Mirko und Ivonne müssen den Geldbetrag bar bei der western union in Dortmund einzahlen, sagen, an welche Filiale es gehen soll, wer das Geld abholt, bekommen einen Code, den sie uns mitteilen müssen, so dass wir dann das Geld, ein paar Minuten nach Einzahlung, unter Vorlage des Ausweises und des Code erhalten können. Als wir den Code von Mirko hatten, war dann die Post leider schon geschlossen, so dass wir bis zum nächsten Tag warten mussten.

Ich erreichte auch endlich unseren Bankberater, erklärte ihm alles. Er wollte versuchen, meine Scheckkarten wieder entsperren zu lassen, er werde mich anrufen. Und tatsächlich, er konnte die Sperrung meiner Karten rückgängig machen, aber ich solle sie nicht vor 8.00 h am nächsten Morgen benutzen.

Wir saßen nun im Auto auf einem Platz vor der Post mitten im Ort. Und wir waren sehr aufgeregt und sehr nervös- wird morgen alles klappen? Wir blieben lange wach; denn wir konnten nicht ein schlafen. Hoffentlich, hoffentlich…
4. Tag: Di, 24. 05.

Endlich war die Nacht rum. Wir passten genau auf, wann die Post öffnet. Und dann war es so weit – Petra war die erste Postkundin, und kam nach ein paar Minuten lachend heraus. Alles hat geklappt, über western union haben wir Bargeld bekommen. Und dann ging ich aufgeregt und mit Herzklopfen zum Geldautomaten – und siehe da, meine beiden Scheckkarten funktionierten einwandfrei, mit beiden konnte ich Geld abheben.
Wir waren total erleichtert. Was für ein Glück wir in diesem ganzen Unglück gehabt hatten, unvorstellbar. Es ist auch toll, zu wissen was für gute Freunde wir haben!

Während des Frühstücks überlegten wir, was wir nun machen, weiter fahren oder nach Hause fahren? Petra meinte, wir sollten uns von diesen Verbrechern nicht die Reise versauen lassen, wir sollten die Reise fortsetzen, zumal wir ja nun auch an Geld kommen. Und so haben wir es gemacht, fuhren auf die Autobahn Richtung Narbonne.
Nach diesem traumatischen Ereignis hatten wir Ruhe und Erholung dringend nötig. Daher suchten wir uns in der Nähe von Gruissan in Les Ayguades einen CP.
Hier werden wir nun drei Tage stehen, um zur Ruhe zu kommen. Wir blicken direkt aufs Mittelmeer. Wir kamen schnell in Kontakt mit unseren Nachbarn, denen wir natürlich die Ereignisse erzählten. Sie waren sehr betroffen, ja, die Frau weinte sogar vor Ergriffenheit.
Wir waren froh, dass alles so glimpflich verlaufen war und gingen früh ins Bett und haben tief und fest geschlafen…

(Auszug Ende: Wir danken Paul Marx für die Einsendung)

Anmerkung: Liebe Petra, lieber Paul, gut, dass euch nichts passiert ist und ihr euren Urlaub zu Ende gefahren habt!

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