Danzig – Top Sehenswürdigkeiten

Polen Roadtrip – Wohnmobil

Ein weiterer Höhepunkt unserer Polenreise:
Die alte Hansestadt wartet nun schon drei Wochen auf uns, aber jetzt sind wir endlich angekommen.
Gegen Abend kommen wir beim Hafenmeister mit seinem kleinen Stellplatz direkt am Ufer der Motława an, mitten in der Stadt und in unmittelbarer Nähe der Altstadt.
Besser kann es gar nicht werden, wenn man mit dem Wohnmobil anreist.

Stellplatz beim Hafenmeister

Kleiner, aber feiner Stellplatz, direkt am Ufer. Sollte er belegt sein, darf man am Rande der Straße auf den Parkflächen stehen und die Toiletten und Duschen mitbenutzen.
Wasserversorgung ist möglich, Entsorgung über die Toilette – beim Hafenmeister fragen.
Preis: ca. 5 Euro

Am besten morgens anreisen, um von Abreisenden den Platz zu übernehmen. Im Oktober war wenig los und wir standen in der ersten Reihe!

Top Sehenswürdigkeiten

Der Platz ist beliebt, wir haben Glück, zwei Tage später kommen mittags Wohnmobil auf Wohnmobil. So kann es hier als auch sein. Daher am besten am Vormittag anreisen, um einen Platz zu ergattern.

Eigentlich sind wir sehr müde, die Sonne ist schon untergegangen, aber ich kann Nadja überzeugen, noch einen kleinen Spaziergang zu machen, die Blue Hour grüßt – für Fotografen ist die Stunde nach Sonnenuntergang einfach die beste Zeit zum Fotografieren.

Vom Stellplatz geht es fußläufig vielleicht 500 Meter zu nächsten Fußgängerbrücke.
Hochmodern, wie fast alles hier.
Da sie gerade geschlossen ist, sind wir spontan und stellen uns am Riesenrad an. (Fahrpreis ca. 8 Euro pro Personen)
Eine der besten Ideen, wie sich nur kurze Zeit später herausstellt. Denn bei einbrechender Dunkelheit hat man den perfekten Blick, über den Fluss auf die Altstadt. Und die sieht von hier oben gigantisch aus.

Wir drehen einige Runden und dann geht es an der Promenade entlang, vorbei am berühmten Goldwasserhaus in Richtung Grünes Tor.
Je dunkler es wird, desto schöner wird die Stadt.
Wir fühlen uns zurückversetzt ins Mittelalter.
Ein Touristen-Segelschiff am Kai komplettiert die Illusion (Bei Tageslicht gesehen, ist es überwiegend aus Kunststoff).

Wir schlendern noch Stunden durch die Gassen, überall gibt es nette Lokale, Bars und Gaststätten.
Wollten wir nicht nur kurz spazieren gehen?
Nach zwei Stunden kehren wir durchgefroren ins Wohnmobil zurück und freuen uns auf den nächsten Tag, denn nicht nur von außen sind die Häuser in Danzig schön, auch innen haben sie viel zu bieten und wir besuchen Museen, Kirchen und Prachtbauten.

Die TOP Sehenswürdigkeiten in Danzig:

Danzig ist natürlich schon einmal als Ganzes die größte Sehenswürdigkeit.
Nicht ohne Grund hat die Stadt an der Ostsee den Unesco Welterbestatus.
Wenn man bedenkt, dass die Stadt nach dem zweiten Weltkrieg zu 90% zerstört war und man all die schönen alten Häuser, die aus kleinsten Bruckstücken wiederaufgebaut wurden, heute sieht, kann man die Bevölkerung nur zu ihrem Entschluss beglückwünschen, die Stadt in alter Pracht wieder auferstehen zu lassen und nicht die Moderne einziehen zu lassen!

Und doch gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die es herauszuheben gilt:

Individuell:

Wenn ihr einen guten Reiseführer für Danzig sucht, sei euch Kasia Pawlak empfohlen.
Sie ist dort geboren und zeigt euch nicht nur unbekannte Schönheiten, sondern auch ganz Danzig, Zoppot und Gdingen!

https://www.sunwalk.pl/

Der Artushof

Herausragende Baukunst finden wir im Artushof.
Der nach dem berühmten König Artus benannte Hof war Treffpunkt reicher Handelskaufleute und Ort vieler großer Feste. Man sagt, es sei die exklusivste Trinkhalle Europas gewesen und es gab viele Neider, die nicht zugelassen waren. Hier zeigte man, was man hatte und als Ort der Begegnung, quasi einem Vorläufer der Börde, wurden hier die großen Geschäfte gemacht.

Sehenswert ist der 11 Meter hohe Kachelofen: Der größte Kachelofen der Welt!
An seinem Fuß findet sich ein Bildnis des berühmten Till Eulenspiegel mit nacktem Po, den er genüßlich von sich streckt. Wer dann in einer Zeremonie nach einer verlorenen Wette den Ofen umarmen musste, ruhte unweigerlich mit dem Kopf auf Tills Allerwertesten. Ein netter Spaß zur damaligen Zeit.

Die möchte Hanse war Reichtum und Segen für die Stadt Danzig.
Durch den Zusammenschluss der Handelshäuser konnten Grenzen überwunden werden und Handelshemmnisse gemeinsam bewältigt.
Reichtum und Macht brachte sie allen, die teil hatten.
Und Neid und Missgunst war den Händlern überall sonst gewiss.
Im Artushof konnte man zeigen, was man sonst verbergen wollte.

Astronomische Uhr von Hans Düringer - Marienkirche

Jeder andere würde wahrscheinlich die Marienkirche als TOP Sehenswürdigkeit einstufen, Nadja wollte unbedingt die astronomische Uhr sehen. Denn die hat eine besondere Geschichte, aber dazu kommen wir gleich.
Erst einmal bewundern wir die sehenswerte gotische Kirche aus dem 15ten Jahrhundert, dessen Grundstein schon 1343 gelegt wurde. Von außen ahnt man nicht, wie hoch das Gewölbe über einem prangt, ist die Kirche doch von allen Seiten eingebaut und es fehlt der freie Blick von außen auf das gewaltige Gebäude. Erst im Inneren offenbart sich die ganze Schönheit der gewaltigen Fläche, die sicher der Stolz der Baumeister waren. Immerhin 29 Meter ragen die Säulen empor, bei einer Gesamtläng der Kirche von über 100 Metern.

 

Und dann stehen wir vor dem Altar, dessen Triptychon eigentlich in Italien stehen sollte.
Geraubt 1473 auf der Ostsee, fand er seinen Platz in Danzig in der Marienkirche.
An dem Gemälde hatte Hans Memling aus Seligenstadt etliche Jahre gemalt. Wir kennen diesen Maler, in dessen Geburtsstadt Seligenstadt ich ja arbeite und dessen Bilder wir beim Belgien Roadtrip in Brügge bewunderten. Und so ist es für uns ein Wiedersehen mit der feinen Pinselführung und noch mehr der perfekten Perspektive, die im 15ten Jahrhundert so gekonnt aufs Papier bringt.

Der Detailreichtum ist stellenweise erschreckend. Hans Memling konnte im 15ten Jahrhundert malen, wie es viele Maler erst Jahrzehnte später schafften. Perspektive und Detailtreue sind einzigartig. Das Original steht heute im Nationalmuseum Danzig. In der Marienkirche steht eine gelungene Replik.

Unweit des Altars finden wir das Objekt unserer Begierde.
Eine alte Uhr.
Recht unscheinbar und wuchtig steht sie da. Wer nicht genauer hinschaut und die Geschichte dahinter kennt, wird vielleicht einfach vorbei gehen:

 

Die astronomische Uhr von Meister Hans Düringer.
Wahrscheinlich baute der Meister von 1464 bis 1467 an dieser bemerkenswerten Uhr, die aus drei Teilen besteht: Kalendarium, Himmelscheibe und ein Figurenspiel
Das Kalendarium zeigt minutengenau die Neumonden an und dazu alle wichtigen Termine mit den entsprechenden Heiligen des Jahres. Dazu ein Figurenspiel, das jeden Tag um 12 Uhr erscheint.

Die Legende sagt, dass Hans Düringer auch für eine andere Stadt eine solche Uhr bauen wollte. Als der Rat der Stadt das hörte, ließ sie den Uhrmacher blenden.
Heimlich kehrte der zu Unrecht geblendete Mann in das haushohe Uhrwerk zurück und zerschlug den Mechanismus und niemand war mehr in der Lage die Uhr zum Laufen zu bringen. Über 400 Jahre stand die Uhr still. Dank eines Freundeskreises der 1980 begann an der Uhr zu arbeiten, gelang es aus 70% der Originalteilen und rekonstruirten Teilen die Uhr wieder zum gehen zu bringen.
Seit 1990 verrichtet die Uhr nun ihren Dienst, wie es der Meister ursprünglich gedacht.
Ein Meisterwerk der Uhrmachertechnik!

Uphagen Haus - Museum

Das Uphagenhaus wurde 1779 für den Patrizier Johann Uphagen gebaut. Ist es auf seiner Frontseite so schmal, wie alle Häuser in der ul. Dluga, zieht sich das Haus über den gesamten hinteren Bereich, quasi bis zu nächsten Straße. Schmal, aber lang war damals die Devise.

Die Familie Uphagen vererbte das Anwesen und das gesamte Mobiliar der Stadt Danzig mit der Auflage, daraus ein Museum zu machen. Das ist heute unser Glück.

Denn es gelang, vor dem Krieg alle Möbel, Wandbehänge, Türen, Lampen, Leuchter auszulagern. Und so konnte man nach dem Wiederaufbau fast alles in den Zustand zurückversetzen, wie es schon im 18ten Jahrhundert aussah.
Geht man durch die große Pforte empfängt einen ein Rokoko Treppenhaus und man macht einen Zeitsprung, der uns spätestens in der Küche erschrecken lässt, so lebensecht wirkt die Köchin an ihrem gewaltigen Herd.


Traurig stimmen und im ersten Moment die Bilder des zerstörten Danzig am Ende der Ausstellung.
Aber wenn man dann sieht, wie grandios es gelungen ist, diese Stadt wieder aufzubauen, muss man den Einwohnern noch heute für ihren Mut danken und den Handwerkern für ihre großartige Leistung gratulieren.

Das waren unsere persönlichen Top 3,
aber Danzig hat natürlich noch viel mehr zu bieten:

Rathaus - Glockenturm - Historisches Museum

Unübersehbar! Das Rathaus in Danzig mit seinem 85 Meter hohen Turm. Und zu jeder vollen Stunde erklingt ein Glockenspiel. Wir hatten das Glück, das sogar jemand ganze Lieder spielte, denn die 37 Glocken können wie auf einem Klavier gespielt werden.

Die grüne Brücke - Krantor

Von der grünen Brücke hat man den besten Blick über die Speicherhäuser und kann von dort zum sehenswerten Krantor schlendern.

 

Goldwasserhaus

Frauengasse

Das hohe Tor

Großes Zeughaus

Langgasse

Viel zu sehen gibt es in Danzig und wer sich noch genauer mit allen Sehenswürdigkeiten, aber auch der Geschichte Danzigs vertraut machen möchte, dem empfehlen wir folgende Reiseführer, mit denen wir unterwegs waren:

Jürgen Rode

Jürgen Rode

Womo.blog
Jürgen Rode schreibt seit 2012 auf Womo.blog
Der gelernte Wertpapierspezialist ist in einer Maschinenbaufirma groß geworden und arbeitet noch heute gerne in seiner Werkstatt. Als Sportler wurde er 1991 Bumerang-Europameister

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