Wanderdüne an der Ostsee – Polen Roadtrip

Der letzte Teil unseres Roadtrips durch Polen!
Masuren war das erste Ziel, und dann der Urwald an der weißrussischen Grenze, der Rest war reiner Genuss. Und zum Abschluss geht es noch an die Ostsee, die auch im Herbst ihren Charme hat!

Drei Wochen sind wir nun in Polen unterwegs gewesen.

Masuren – unser großes Ziel haben wir gesehen.
Den Urwald an der weißrussischen Grenze haben wir erobert und lieben gelernt. Mit Wisenten getanzt und mit dem Kajak auf den Seen gefeiert.
Nachts die Sterne in der völligen Dunkelheit bewundert.
Viele UNESCO Weltkulturerbestätten gesehen und mit Danzig eine wunderbare Stadt besucht.

Zum Abschluss wollten wir noch einmal ans Meer und genau dorthin führen wir euch heute.
Wir sind in Leba an der Ostsee

Im Hochsommer tobt hier sicher der Bär am Strand – jetzt im Oktober gehen zwar auch einige hartgesottene Polen baden, aber uns Weicheiern reicht ein ausgiebiger Strandspaziergang.
Und davon kann man hier reichlich bekommen.

Der Stellplatz am Bootshafen bietet sich als zentraler Platz förmlich an, leider ist der Parkplatz an der Landspitze wegen Bauarbeiten gesperrt, dort könnte man in unmittelbarer Nähe zu Meer übernachten.
Geschlossen und so entscheiden wir uns weiter zum Parkplatz an der Düne zu fahren.

Damit kommen wir auch gleich zum ersten Tip.
Denn hier steht ihr zum einen bewacht, zum anderen dürft ihr auch über Nacht hier bleiben. Kostet ein paar Euro, wobei wir das Gefühl haben, der Junge am Kassenhäuschen weiß auch nicht so recht, wieviel.
 Beim Hinfahren war es mehr, wie wir beim am Ende beim Wegfahren bezahlten. Ich glaube es waren 5 Euro.
Am Tag ist der Parkplatz natürlich voll.
Abends waren wir dann völlig alleine und konnten auch Tisch und Stuhl nach draußen stellen.

Wir haben Glück, das Wetter spielt mit und wir fahren gleich zur Düne.

Die Düne?

Das ist die größte Wanderdüne der Ostsee und ein Besuch lohnt sich. Solltet ihr unbedingt machen, wenn ihr in der Gegend seid!

Womit wir gleich zum zweiten Tipp kommen:
Solltet ihr Fahrräder dabei haben, fahrt mit diesen bis zur Wanderdüne – denn der Weg zieht sich. Ansonsten müsst ihr rund 8 Kilometer dorthin laufen.
Im Sommer gibt es wohl auch Elektrotaxis, jetzt im Oktober natürlich nicht.
Und Badesachen mitnehmen, denn auf der anderen Seite der Düne wartet ein schöner langer Strand auf euch.

Die naturbelassene Düne liegt auf der 17 km langen Nehrung zwischen dem Lebasee und der Ostsee. Sie ist zwischen 30 und 42 Meter hoch, etwa 2 Kilometer lang und  500 Meter breit und bewegt sich etwa 12 Meter im Jahr nach Osten. Dabei begräbt sie die ursprüngliche Landschaft, Wald und Moor unter sich.

 

Wenn man das im Reiseführer liest ist es eine Sache, wenn man aber die 40 Meter im knietiefen Sand nach oben stiefelt, merkt man erst, wie gewaltig sich hier viele kleine Sandkörnchen aufgetürmt haben!

Stundenlang hören wir den Wellen zu

und mit einem Blick aufs weite Meer werden wir ganz ruhig und still.

Am Strand sammelt Nadja dann Unmengen an flachen runden Steinen!
So etwas haben wir noch nicht gesehen. Fast alle gleich geformt, gleich hoch oder besser gesagt ganz flach und sie liegen einfach überall.
Wo kommen die wohl her.
Stunden haben wir dort verbracht. Ein Tag am Meer ist einfach unübertroffen!

Irgendwann müssen auch wir zurück und sind froh, die Fahrräder dabei zu haben. Zu Beginn überraschen uns einige kleine Vögel, die zu hunderten in den Hecken und Bäumen zwitschern.

Dann steht plötzlich ein Fuchs vor mir auf dem Weg und wartet brav, bis ich den Foto gezückt habe.
Und dann läuft der freche Kerl einfach minutenlang parallel zu unserem Weg. Mal weiter weg, mal keine 5 Meter entfernt. Bleibt stehen, beäugt uns und trottet schnuppernd weiter.

Und kaum hat er sich ins Unterholz davon gemacht, wartet eine Hirschkuh zwischen zwei Häusern auf uns. Etwas erschrocken bleibt sie vor uns stehen, sucht nach einer Lücke und springt dann an uns vorbei zu den Wiesen am See.
Schön verrückt, was wir hier wieder alles erleben.

Die Nacht ist ruhig und friedlich. Wir sind völlig allein auf unserem Parkplatz.

.

Am nächsten Tag fahren wir um den großen See, den die Düne über Jahrtausende geschaffen hat.
Unterwegs machen wir noch eine kurze Pause bei Familie Shrek und dann geht es zum Naturschutzgebiet bei Kluki.
Dort soll es viel Rotwild geben und um diese Jahreszeit lassen die Ranger uns dort auch übernachten.

Der Lebsko See ist zwar 75 Quadratkilometer groß, aber nur 2-3 Meter tief und ist ein Paradies für Vögel und Fische. Dank seiner Naturschutzgebiete kann man hier viel Wild beobachten

Und tatsächlich.
Am Abend röhren die Hirsche, die wir dann in der Morgendämmerung ganz in der Nähe auch sehen. Ein Bieber wird leider von den Touristen verscheucht.
Und einen Seeadler sehen wir minutenlang über den See fliegen.
Weil es so schön ist, beschließen wir zwei Nächte zu bleiben und können gar nicht genug von der Flora und Fauna haben. Abends steigt der Nebel aus den Wiesen und wir können die Hirsche hören, aber nicht sehen.
Am nächsten Morgen dann hat der Raureif jedes Spinnennetz erfasst und die Bäume tauchen nur langsam wieder aus der weißen Zuckerwatte auf.
Und kaum ist der Nebel weg, steht ein Rudel Rehe vor mir. Sie waren die ganze Zeit da – nur gut geschützt vom Nebel konnte ich sie nicht sehen.

Am Abend des zweiten Tages ist es so ruhig und windstill, dass der See wie eine Traumlandschaft vor uns liegt.
Kein Vogel auf dem Wasser, kein springender Fisch.
Stille

Die Welt hält den Atem an.
Nadja und ich sind sprachlos und stehen noch lange auf dem Steg und starren auf diese unendliche Weite!


Was wir nicht wussten: Das war die Ruhe vor dem Sturm.
Mit dem Sonnenuntergang kommt Wind auf
und wird so heftig, dass ich das Wohnmobil mit der Nase in den Wind stellen muss.
In der Nacht wird es dann kritisch. Wir stehen völlig frei und jede Boe lässt das Wohnmobil wackeln.

Der Sturm entwickelt sich zum Orkan und wir hören alles Mögliche am Wohnmobil vorbeifliegen.

Als es dämmert, entschließen wir uns zur Flucht, kommen aber nur einige Hundert Meter weit.
Ein umgestürzter Baum liegt quer über dem Weg zum Parkplatz.
Am ersten, großen Baum komme ich noch vorbei, an einem kleineren nicht mehr.

Mit einer kleinen Handsäge säge ich den Baum mühevoll soweit frei, dass wir ihn mit einem langen Hebel von der Straße wälzen können.
Dann erst sind wir frei und suchen den Weg zur Landstraße.
Aber auch hier liegt viel auf der Straße.
Irgendwo finden wir ein altes Betriebsgebäude, verstecken uns hinter der höchsten Wand und sind dort vorm Wind soweit geschützt, dass wir keine Angst haben mehr müssen.
Als einige Stunden später der Sturm schwächer wird, brechen wir nach Hause auf. Einen Tag früher, wie geplant, aber überall liegen Bäume auf den Straßen und wir hätten sicherlich im Dauerregen keinen Spaß mehr gehabt.

Alles gut gegangen und außer einem weiteren Abenteuer ist nichts passiert.
Unser Roadtrip geht damit zu Ende
und auf dem Weg zurück nach Frankfurt denken wie viel und oft an die tolle Zeit in Polen zurück.

Wir hoffen euch hat der Polen Roadtrip gefallen und vielleicht hat euch unser Bericht ermuntert auch einmal nach Polen zu fahren.
Polen ist ein wahnsinnig interessantes Land – Nadja und ich werden ganz sicher wiederkommen.

Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog

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