Mit dem Wohnmobil das erste Mal unterwegs – Was man bedenken sollte…

Die soll keine vollständige Vorbereitungsübersicht werden, eher eine Gedankenstütze für Menschen, die selten oder vielleicht das erste Mal mit dem Wohnmobil in den Urlaub reisen möchten. Durch einige Gespräche in den letzten Tagen ist mir klar geworden, dass Frischlinge wesentliche Grundlagen übersehen, ihnen nicht die nötige Beachtung schenken oder einfach naiv sind.

So meinte ein guter Freund vergangene Woche: „Bei den neuen Wagen gibt es keine Seitenwindempfindlichkeit mehr, hat er gelesen. Und mit 130km/h sollte es auf der Autobahn schon gehen. Übergewicht? Wir packen doch nicht viel ein.“ Das hat mich ordentlich erschreckt: Daher mein Rat: Langsam angehen lassen, sich gut informieren und von erfahrenen Wohnmobilisten einiges abschauen (Nur die gute Eigenschaften :-))

Mit dem Wohnmobil fährt es sich, wie mit einem PKW.

Grundfalsch! Ein Wohnmobil fährt sich eher wie ein voll gepackter Kleinlaster. Zum Vergleich: Nehmt mal eine Schubkarre, legt 5 Sack Zement drauf und schiebt ihn durch den Garten, um Bäume über Treppen und Kanten. Wenn man langsam fährt, klappt das alles gut, wenn man schneller wird, kommt man spätestens in der Kurve zu Problemen. Vielleicht ein triviales Beispiel.
Erfahrene Wohnmobilisten  fahren selten schneller als 100. Im Schnitt sollte man also 80 km/h kalkulieren (Pipipause, Essen, Tanken, Ein schnelles Bild der Landschaft)
Auf Landstraßen eher weniger. Da kommt die Planung (Wir wollen am ersten Tag 1100km nach Kroatien fahren) schnell durcheinander oder der Fahrer rasch unter Druck. Beides ist nicht gut. Ihr habt URLAUB! Bei uns fängt der Urlaub an, wenn ich auf der Autobahn bin (und sicher nicht mehr wegen etwas vergessenen umkehren werde :-))
Wir selbst stellen den Tempomat auf der (leeren) Autobahn auf 105 und wenn es voll ist, klemmen wir uns hinter einen LKW – die fahren meist 90 km/h und sind stressfrei. Am Ende eines langen Reistages hat man dann vielleicht eine halbe Stunde verloren, aber Erholung gewonnen. Ein Test der Zeitung ProMobil zeigte einmal, dass das schnellere Fahrzeug auf der Strecke München – Hamburg nur wenig schneller war, weil der Tank kurz vor Hamburg leer war und man tanken musste. In der Zeit konnte das langsame und damit sparsame Mobil viele Kilometer aufholen. Also nicht rasen, sondern REISEN!

Das Wohnmobil hat viel Stauraum:

Da können alle Spielsachen für Mann und Kind mit. Pustekuchen. Platz hat es zwar in Hülle und Fülle, aber meist neigt man dazu sein Wohnmobil zu überladen. Und das geht zu Lasten der Sicherheit. Harmlos ist es dabei erwischt zu werden. Dann heißt es ausladen und Strafe bezahlen. Übel wird es wenn die Liebsten tot auf der Strecke bleiben und man sich ein Leben lang vorwerfen muss, man ist daran Schuld.
Daher vor der großen Fahrt, wenn alles gepackt ist, einmal auf eine Waage. Ist oft erschütternd! Aber es hilft nichts: Überladen heißt mit einer fahrenden Zeitbombe zu fahren.

Wir können überall hin fahren.

Carrara-Marmor. Italien, Toscana. Wir sehen die Steinbrüche schon aus der Ferne. Da wollen wir hin. Wir fahren und fahren und irgendwann stehen wir wirklich in einem der Steinbrüche. Die nächste Ortschaft soll wunderschön sein. Glücklicherweise winkt uns ein entgegenkommender Italiener und wir fahren sicherheitshalber auf einen Parkplatz einige hundert Meter vor der Ortschaft: Kein Navi hat uns gewarnt. Wir wären voll in die Falle gegangen: Es gibt keinerlei Möglichkeit mit Autos größer vier Meter dort zu drehen. Sogar der Markplatz war zugeparkt. Wir hätten rückwärts die Serpentinen zurück fahren müssen.

Slowenien. Eine Bergstraße. Grandiose Aussicht. Das Navi hat uns diesen Weg beschert. Bis wir zu einer Durchfahrt kommen. Höhe 2.80 Meter. Also wieder 40 km zurück zur Autobahn.

Norwegen: Vollsperrung auf der Landstraße. Wir biegen in die Berge ab. Nach 2 km kommt eine Bahnunterführung: 3,20 Meter. Wir haben 3:30. Es klappt. Glück gehabt.

Deswegen: mit einem Wohnmobil kommt man in die entlegensten Gegenden – zumindest wenn man gut geplant hat. Daher gibt es für Speditionen spezielle Karten mit Höhen und Breitenangaben. Manche Wohnmobilapp berücksichtigt ebenfalls den Fahrzeugtyp. Auch bei der Routenausarbeitung des ADAC wird man nach den Fahrzeugbreiten und höhen gefragt. Das gibt dann auf der Strecke ein sicheres Gefühl.

Man kann doch während der Fahrt im Wohnmobil schlafen

Stimmt. Im Beifahrersitz oder angeschnallt auf den Bänken.
ABER NIE im Alkoven oder in den Betten! Beim Unfall endet das tödlich! Wenn man müde ist,  fährt man von der Autobahn ab, oder sucht sich einen netten Parkplatz für die Nacht. Nie, nie, nie an Rastplätzen entlang der Autobahn. Lieber an einem Sportplatz, Freibad, Hallenbad oder gar in einem Wohngebiet. Das ist allemal leiser und sicherer (und bei Sportplätzen gibt es oft schnellen Familienanschluss mit der Bevölkerung, eine Kneipe oder Gastwirtschaft)

Wir brauchen noch nicht tanken

Wenn der Tank nur noch halbvoll ist, halten wir Ausschau nach einer Tankstelle. Sogar in Ballungszentren passt man mit einem großen Wohnmobil nicht an jede Tankstelle. Und tief in der Pampa kommt nicht alle 10 Kilometer eine Tankstelle. Nicht in Nordnorwegen, nicht im tiefsten Bosnien, nein in der fränkischen Schweiz bin ich einmal mit dem aller-, allerletzten Tropfen an eine Tankstelle gerollt. Erfahrung macht klug 🙂

Gilt übrigens auch für Frischwasser, für die Entsorgung, für Gas.

Wenn die Gelegenheit sich ergibt, wird sofort entsorgt und gebunkert. Nach dem Frühstück nehmen wir die erste Möglichkeit zu Ent- und Versorgen. Einmal mussten wir wirklich bis Abends suchen, bis wir entsorgen konnten. Für Notfälle haben wir eine zweite Kassette dabei. Ist uns sogar in Deutschland und mehrfach in Norwegen passiert, dass wir den ganzen Tag keine Entsorgung fanden und froh waren die zweite Kassette dabei gehabt zu haben.

 

Wird fortgesetzt… (Eure Ideen sind willkommen!)

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Mit dem Wohnmobil das erste Mal unterwegs – Was man bedenken sollte…“

  1. Danke für die wirklich wichtigen Hinweise !
    Wir bekommen unseren Wagen in 2 Wochen und da gehen die “ Pferde “ schon jetzt mit einem durch.
    Eine tolle Zeit allen Reiswnden

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