Batterie und Ladetechnik für Selbermacher

Die werkseitig eingebauten Batterien und Ladegeräte in einem Wohnmobil sind sicherlich nicht schlecht. Aber spätestens wenn man längere Zeit autark sein möchte, sollte man die Batteriekapazität ausreichend großzügig bemessen und die Ladetechnik dementsprechend anpassen. 
Gute Batterien sind teuer und mit schlechter Ladetechnik ruiniert man sich unter Umständen dann die Batterien.

Daher müssen die Ladegeräte auf die Batterien abgestimmt werden.
Kein Hexenwerk, aber man sollte sich damit beschäftigen.

Passend zum Artikel: Freistehen rüsten wir das Wohnmobil auf. In mehreren Schritten bauen wir in unser Wohnmobil:

Neue AGM Batterie mit 200 AH
Neues Ladegerät von Fraron
einen guten Sinus Wechselrichter von Fraron
eine passende Vorrangschaltung
einen Batteriemonitor Victron BMV 700
eine Solaranlage mit 200 Watt

Beginnen wir im ersten Schritt mit der Batterie:

Nach den schlechten Erfahrungen mit unseren Winner Batterien bauen wir dieses Mal eine Victron AGM Batterie mit 200 AH ein.
Was man bedenken sollte: So eine Batterie wiegt ca. 60kg.
Gut, dass ein Nachbar half, die Batterie an den vorgesehenen Platz im Unterboden zu wuchten! Unbedingt zu zweit arbeiten!

Die Originalbatterie sitzt im Ducato in der Konsole des Beifahrersitzes. Mit 80AH gar nicht schlecht, aber noch zu wenig. Und da man 2 Batterien nur zusammenschalten sollte, wenn sie die gleiche Kapazität und das gleiche Alter haben, werden wir die Batterie zwar weiter mitnehmen, aber nur im Notfall zuschalten. (In einer Winternacht in Oberhof hat uns das einmal gerettet)

Batterie und Ladegerät im Ducato-Beifahrersitz
Tip: Batterien nur zusammenschalten, wenn sie die gleiche Leistung haben, das gleiche Alter – am besten sogar aus der gleichen Charge kommen!

Passend dazu das Ladegerät der Firma Fraron, einer Edelschmiede aus Schöllkrippen, die nicht nur erstklassige Geräte baut, sondern auch einen Einbauservice bietet!

Wir haben uns für ein 12Volt, 30A Ladegerät entschieden, dass viele Einstellungsmöglichkeiten hat und auch die verschiedensten Varianten und neuen Batterien laden kann. Somit sind wir zukunftssicher. Dazu passend ein Temperaturfühler, denn das Ladegerät überwacht auch die Temperatur der Batterie und reduziert ggfls. die Leistung, um die die Batterie zu schonen.

Der Wechelsrichter kommt ebenfalls aus dem Hause Fraron.
Ein Wechselrichter ermöglicht den Betrieb von 230V Geräten (z.B. Kaffeemaschine, Föhn, Notebook) im Wohnmobil oder Caravan ohne Landstrom. Aus den 12V der Batterie generiert das Gerät ’normalen‘ Strom.
Aber aufgepasst: Die Verluste bei der Umwandlung sind hoch, dementsprechend werden die Batterie belastet und schnell geleert.
Nach Möglichkeit IMMER ein spezielles 12Volt Ladergerät für Notebook und Co benutzen. Denn sonst werden aus 12 Volt – 230 Volt um dann wieder auf 5 bis 15 Volt herunter transformiert zu werden.  Die Verluste sind immens. Für Notebooks, Kameras usw. gibt es 12 Volt Ladgeräte fast immer.
Wir haben dieses hier im Einsatz: 12V Ladegrät und erstaunlicherweise lädt es auch unser Notebook, bei dem etliche andere Ladegeräte den Dienst mangels Leistung schnell einstellten.

Im Unterboden findet sich genügend Platz für die neue Batterie. Trotzdem ist das Verkabeln mühsam.

Die Kaffeemaschine und der Föhn funktionieren jedoch meist nur über den Wechselrichter.  Und da heißt es aufpassen!
Man unterscheidet beim Strom aus dem Wechselrichter zwischen ‚reiner Sinus‘ und ‚modifizierter Sinus‘
Mittlerweile ist der Preisunterschied der beiden Gerätetypen nicht mehr groß, daher ist dem reinen oder echten Sinuswechselrichter immer Vorzug einzuräumen. 
Warum?
Der echte Sinuswechselrichter erzeugt Strom, der sehr ähnlich dem Landstrom (wie zuhause aus der Steckdose) ist. Beim modifizierten Sinuswechselrichter kann es bei komplizierter Elektronik zu Fehlern kommen: Insbesondere Kaffeeautomaten, Notebook- und Fotoladegeräte können dann schon mal den Betrieb einstellen oder sogar kaputt gehen.
Dem Föhn ist das meist egal, jedoch – wie schon geschrieben – der Preisunterschied ist nicht mehr so hoch, dann doch lieber Qualität kaufen.

Der Wechselrichter produziert 230V Strom aus der hoffentlich großen Batterie. Faustformel: 1/10 der Leistung des Wechselrichters sollte die Batterie an Ah haben:

Wenn ich einen 2000 Watt Wechselrichter betreiben möchte, sollte die Batterie 200 Ah liefern können.

Und noch ein Tip: Hochwertige Wechselrichter haben einen so geringen Standby Strom, dass sie nicht ausgeschaltet werden müssen. Unser Wechselrichter lässt sich per Fernbedienung aktivieren und nur, wenn längere Zeit das Wohnmobil nicht nutzen, schalten wir das Gerät komplett ab. Ich denke, hier unterscheiden sich dann Billigware und hochwertige Produkte.

Natürlich kann man sein 230V Gerät nun einfach an den Wechselrichter anschließen. Eleganter wäre es, wenn man an allen Steckdosen im Wohnmobil immer 230V Strom bekäme: Wenn man an Landstrom angeschlossen ist, von außen, sowie der Landstrom fehlt, über den Wechselrichter aus der 12 Volt Batterie.

Genau für diesen Zwecke wurden Vorrangschaltungen entwickelt.
Hängt man am Landstrom, wird dieser genutzt, wird der Stecker an der Außensteckdose gezogen, schaltet das Gerät um und der Strom kommt vom Wechselrichter.

In der Vergangenheit gab es manchmal mit solchen Schaltungen Probleme. Im Moment des Umschaltens gibt es einen kurzen Augenblick ohne Strom: Computer waren dann meist abgestürzt.
Neue Schaltungen haben sehr kurze Schaltzeiten – und fast noch wichtiger – die meisten Geräte sind heute Akku-gepuffert, dass im Moment des Umschaltens nichts passieren kann.

Aufgepasst bei eigenen Basteleien: Wir haben schon Verkabelungen gesehen, bei denen der Besitzer die Umschaltung manuell vornahm. Hört sich im ersten Moment machbar an. Leider hat er die Zuleitungs-Außensteckdose nicht berücksichtigt und so führten die zwei Stifte jedes mal, wenn der Wechselrichter eingeschaltet wurde 230 Volt Strom. Lebensgefahr!
Nicht auszudenken, wenn jemand einmal auf die offenen Kontakte gegriffen hätte.

Nun haben wir eine fette Batterie, ein gutes Ladegerät, einen professionellen Wechselrichter mit einer Vorrangschaltung. Um unabhängig zu sein, fehlt uns noch eine Solaranlage zum Glück.
Da wir das Dach schon mit Sat-Anlage und Kajakträger  ziemlich voll pflastern werden, wird es dieses Mal eine Solaranlage mit flexiblen Modulen werden: Diese können wir sogar auf der Rundung des Alkovens anbringen.

Und um auch noch den Überblick über den Verbrauch zu behalten bauen wir einen Batterie-Computer ein. Teuer, aber es lohnt sich.
Wir haben uns für den Victron BMV 700 mit Bluetooth Anbindung entschieden. So lässt sich die Restkapazität der Batterie anzeigen und die Batterie schonen. Denn nichts lässt eine Batterie schneller sterben, wie Tiefentladungen!

Und jetzt geht das Basteln los:
Nächste Folge: Batterie und Ladgerät einbauen

bis dahin weiterlesen: Profiladegerät fürs Wohnmobil
Und Freistehen ist gefährlich und verboten!

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4 Gedanken zu „Batterie und Ladetechnik für Selbermacher“

  1. Wir lesen hier immer gerne mit und durften schon auf manchen guten Tipp zurückgreifen.
    Doch hier fragen wir uns, weshalb Sie so schwere AGM-Batterien einbauen?
    Auch wir mussten die Aufbaubatterie wechseln und haben uns deshalb mit dem Thema intensiv beschäftigt. Autark zu sein, war/ist für uns sehr wichtig. Aufgrund unseres Stromverbrauchs (KS, Standheizung, Fernseher, Boiler = es wird nur die Infrastruktur im Womo benutzt, LED-Licht, Bordcomputer, Kaffeemaschine, Kameras, Laptop, Drucker, Tablet, Smartphones und 2 E-Bikes) haben wir uns für ein Kompaktgerät von LEAB (LPS all-in-one) mit 100 Ah LiFePo4 mit integriertem 1500 Watt-Wechselrichter, Ladegerät und DC-DC- Booster entschieden, gekoppelt mit 2 120er Klebe-Solarpanels (könnte um ein drittes erweitert werden). Für uns hat das alles nur Vorteile: Gewicht = gleichschwer wie die alte 80 Ah Bleibatterie, kompakt = wenig Platzverbrauch, regelbar, viele Zyklen, kaum entladbar, schnell aufgeladen (max. 3 Stunden, während Fahrt oder Landstrom oder Solar), mehr als ausreichend Strom, da tiefer entladen werden kann, Plug&Play-Installation möglich. Wenn man alles zusammenrechnet, ist die Installation zwar nicht billig, aber in etwa gleich bzw. günstiger als eine AGM-Installation wie beschrieben. Wir waren 2016 von Mai bis August im Norden, sind lange nicht jeden Tag gefahren und hatten auch oft Regenwetter, benötigten jedoch in der ganzen Zeit keinen Landstrom, waren also vollkommn autark.
    Für uns – und vielleicht andere Mitleser – absolut empfehlenswert.

    1. Danke für den Hinweis: Ja, die AGM ist schwer. LifePo mir noch zu teuer und die Berichte über fehlerhafte Produkte sind auch nicht selten. Dazu gibt es mittlerweile eine Reihe von Weiterentwicklungen, die in einigen Jahren sicher günstiger und gleichwertig sein werden. Das Gewicht ist bei uns kein Problem – wir fahren ja nur wenig mehr als 6 Meter.
      Ein LEAP Gerät kenne ich nicht, gebe aber zu bedenken, dass wenn ein Teil streikt man ein echtes Problem hat. Bei uns kann ich Teil für Teil ersetzen. Aber auch das ist Geschmackssache. Wenn alles geht ist eure Variante sicher eine feine Sache. Eine Frage hätte ich noch: Welche 120er Panels habt ihr verbaut?

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