Mit dem Campervan durch Europa

Rezension

Da machen sich zwei aus der schönen Schweiz auf, die Welt zu entdecken.
Und als sie schon vieles gesehen haben, kommen sie auf die Idee, erst einmal ihr Europa kennen zu lernen.

Denn tief im Herzen sind sie Europäer und nehmen ihre neue Aufgabe ernst:
2 ½ Jahre sind sie unterwegs und bis auf zwei Länder haben sie ganz Europa bereist und darüber ein Buch geschrieben.
Mit dem ‚Campervan‘ durch Europa.
Das selbst ausgebaute Wohnmobil als Domizil, als Rückzugsort, als Heimat.
Daheim und doch immer unterwegs.

Stephanie Rickenbacher und Lui Eigenmann von comewithus2 haben sich ihren Traum erfüllt und wir haben das Glück, sie schon seit einigen Jahren zu kennen und durften ihren Geschichten und Anekdoten mit offenen Mund zu lauschen.

Jetzt gibt es das für alle in Buchform und wer bislang noch keine Lust hatte, auch kleine und unbekannte Länder in Europa zu besuchen, der bekommt spätestens mit diesem Buch viele neue Eindrücke, Ideen und ganz sicher auch den Wunsch, sofort los zu fahren.

On the Road –Europa mit dem Campingbus. Individuelle Touren, traumhafte Standplätze und beeindruckende Erlebnisse. 1 Bus – 2 Reisende – 46 Länder

Stephanie Rickenbacher und Lui Eigenmann
ISBN-10: 3734315921
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Natürlich kann man auf 302 Seiten keine 45 Länder im Detail beschreiben und so wählen die Reiseprofis Steffi und Lui geschickt einzelne Abschnitte in jedem Land aus. Insofern sollte man nicht erwarten, eine einzige, zusammenhängende Reiseroute durch Europa in diesem Reiseführer zu finden.

Dafür bekommt man für jedes Land einige ausgesuchte Übernachtungsplätze, persönliche Highlights und Restaurantempfehlungen vom feinsten.
Im Kapitel Schweiz finden sich dann echte Geheimtipps. Und so lerne ich, dass man die Wurscht auf keinen Fall mit Senf essen darf.
Und das auch geborene Schweizer auf der Grand Tour de Switzerland noch viel neues sehen und erleben können.

Nun habe ich tatsächlich in wenigen Tagen das ganze Buch gelesen, denn es macht einfach mit jedem Land Lust auf mehr und  man kann dann nicht einfach aufhören.
Und so wurden einige Erfahrungen, die wir selbst in dem einen oder anderen Land gemacht haben, bestätigt, in vielen anderen Kapiteln freuten wir uns, völlig Neues zu finden.
Denn Steffi und Lui sind oft abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs gewesen.
Und das macht das Buch so wertvoll: Nicht die ‚Höhepunkte‘, die jeder kennt und die andere Reiseführer als angebliche ‚Insidertips‘ verkaufen, sondern schöne Landschaften, Aussichten oder Wanderungen, die mit Schweiß erkauft werden müssen, am Ende dafür ewig in Erinnerung bleiben.

Davon gibt es in jedem Land welche und Steffi und Lui lassen uns in ihrem Buch an ihren Erlebnissen teilhaben.

Natürlich haben wir bei den Ländern, die wir selbst gut kennen, immer wieder gesagt: Warum sind sie denn nicht nach hier oder dort gegangen. Da ist es doch viel schöner.
Aber Steffi und Lui behaupten gar nicht, alles in Europa gesehen zu haben und so bleibt es am Leser, der die Reise vielleicht nachvollziehen möchte, über den Tellerrand zu schauen und sich weitere Ziele zu setzen.

Eins fehlt mir aber in diesem Buch.
Manchmal sind die Beschreibungen unpersönlich und emotionslos. Und wenn man Steffi und Lui kennt und weiß, wie sie kleinste Geschichten gekonnt im Zwiegespräch zu tollen Stories machen können, dann ahnt man, dass da noch viele Dinge nicht erzählt wurden. Vielleicht, weil es sonst für ein Buch zu viel geworden wäre? (Ich hätte nichts gegen ein zweites Lesebuch)
Nur manchmal blitzt diese Erzählweise auf.
Da höre ich quasi Steffi mit ihrem schönen Schweitzer Dialekt erzählen: wenn sie schreibt, dass Lui doch in einem unbeobachteten Moment Senf auf die St. Galler Kalbsbratwurst schmiert. Oder dass sie 5 Stunden beim Zoll in Moldawien in glühender Hitze warten müssen. Oder dann der Polizist, der sie anhält: Beim öffnen des Fensters, weht den beiden eine Alkoholfahne entgegen und irgendwann flüchten sie wieder nach Rumänien.
Oder wie sie in Norwegen einen Schweizer treffen, der ihnen ein Lied auf einem Schweizer Alphorn vorspielt. (Wer kommt auf die Idee, sein Alphorn mit nach Norwegen zu nehmen???)

Solche Geschichten könnten viel häufiger in den Reisebeschreibungen auftauchen.
Und wer Steffi und Lui einmal live bei einem ihrer Vorträge erlebt hat, der weiß, dass sie davon hunderte erzählen können.
Überhaupt solltet ihr diese Gelegenheit nutzen: sollten die beiden einmal einen Vortrag in eurer Nähe halten – unbedingt hingehen!

Aber aufgepasst:
Spätestens wenn Steffi anfängt von ihren Reisen zu erzählen und Lui gekonnt die Geschichte weiter spinnt, kommt ungeahntes ‚Fernweh‘ auf.
Fast genauso schlimm ist es schon beim Lesen ihres Buches.

Daher unsere Empfehlung:
Unbedingt das Buch kaufen und komplett lesen – aber VORHER den Schlüssel des Wohnmobils irgendwo verstecken oder zur Aufbewahrung geben.
Ansonsten droht der gefährliche ‚Reisereflex‘:

Da will ich jetzt auch hin!

Ein tolles Geschenk auch für Freunde und Bekannte, die bislang sich nie trauten, neben den bekannten, auch die unbekannten Seiten Europas zu besuchen!

Danke Steffi und Lui, dass ihr uns Gelegenheit gebt, mit euch zu reisen!

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