Drei Räder sind sicherer – Mooncool TK1 Dreirad

Wer älter wird oder mit Gleichgewichtsproblemen kämpft, muss nicht aufs Radfahren verzichten. Das Mooncool TK1 ist ein faltbares eBike-Dreirad – kompakt genug für viele Wohnmobil-Heckgaragen und stark genug für den Alltag. Unser ausführlicher Test.

Dreirad-eBike fürs Wohnmobil – das Mooncool TK1 im Test

Fahrrad fahren im Alter – irgendwann wird es auf dem Zweirad unsicherer. Der Gleichgewichtssinn lässt nach, die Reaktionszeit wird langsamer. Und dann passiert es: Man fällt um. Im Stand, in der Kurve, oder einfach so.

Das ist keine Frage des Alters allein. Auch Menschen mit einer Behinderung, mit Gleichgewichtsproblemen oder nach einer Erkrankung kennen dieses Problem. Die Lösung ist eigentlich simpel: Ein Dreirad fällt nicht um. Drei Räder stehen immer stabil – egal was passiert.

 

Ich beschäftige mich auf Womo.blog schon länger mit dem Thema barrierefreies Reisen. Behindertengerechte Wohnmobile, Einstiegshilfen, Rampen – die Resonanz von Betroffenen war jedes Mal enorm. Heute geht es um ein Thema, das uns eigentlich alle irgendwann betrifft. Und weil ich selbst noch nicht umgefallen bin – klopf auf Holz – aber auch nicht blind bin, was meine eigene Zukunft angeht: Ich beschäftige mich schon heute damit. Vorausdenken ist keine Schwäche. Das ist Vernunft.

Das Mooncool TK1 ist ein zusammenklappbares elektrisches Dreirad. Mooncool ist ein auf E-Trikes spezialisierter Hersteller mit europäischem Vertrieb. Bestellt wird direkt über den Online-Shop unter eu.mooncool.com.

Was kostet es? Der reguläre Listenpreis liegt bei rund 3.330 Euro. Aktuell läuft eine Rabattaktion, bei der an der Kasse automatisch 300 Euro abgezogen werden – der tatsächliche Kaufpreis lag zum Zeitpunkt dieses Tests bei 2.142 Euro. Das kann sich ändern, also bitte selbst nachschauen.

Das TK1 ist in sechs Farben erhältlich: Orange, Cyan-Grün – die Farbe unseres Testmodells –, Schiefergrau, Weiß, Mauve und einem ruhigen Blau.

Passt es ins Wohnmobil?

Das ist natürlich die wichtigste Frage für uns. Und die Antwort ist: Es kommt drauf an – aber meistens ja.

Das TK1 ist zusammenklappbar. Die beiden Hinterräder bleiben beim Falten immer im gleichen Abstand zueinander stehen. Was sich verändert: Lenker und Vorderbau werden zu den Hinterrädern hin geklappt, der Sattel fährt ein.

Zusammengeklappt misst das Dreirad: 100 × 77 × 75 cm.

Option 1: Heckgarage

Die Türöffnungen variieren je nach Hersteller und Modell erheblich. Bei einem klassischen Teilintegrierten mit Querbett habt ihr in der Regel eine Türöffnungsbreite zwischen 85 und 105 cm und eine Öffnungshöhe von etwa 75 bis 85 cm an der Ladekante. Die Innenbreite der Garage ist meist deutlich größer.

Das bedeutet: Die Breite von 77 cm und die Höhe von 75 cm des gefalteten TK1 passen bei den meisten Heckgaragentüren durch. Fahrzeuge mit spezieller Pedelec-Rollergarage – wie etwa Carthago sie anbietet – sind ohnehin großzügig dimensioniert.

Aber: Nachmessen ist Pflicht. Jedes Fahrzeug ist anders. Schaut euch die Türöffnungsmaße in eurem Fahrzeugdatenblatt an, oder messt selbst nach.

Option 2: Heckfahrradträger

Auf einen Heckfahrradträger kann das Dreirad drauf – mit einigen Einschränkungen.

Die meisten Heckträger lassen sich für vier Fahrräder erweitern. Wenn ihr die Schienen entsprechend weit auseinanderschiebt, passt das Dreirad mit seinen 73 cm Gesamtbreite drauf. Aber dann kommt kein zweites Rad dazu. Das Dreirad nimmt die volle Breite des Trägers ein – und mit seinen knapp 41 kg ist auch die Tragfähigkeit in der Regel ausgereizt.

Ein praktischer Tipp für alle, die eine zu schmale Heckgarage haben: Den Fiamma Carry-Bike Lift 77 kennt ihr vielleicht aus meinem alten Test hier auf Womo.blog. Der Träger lässt sich um bis zu 77 cm absenken, was das Beladen – gerade mit schweren E-Bikes – erheblich erleichtert. Der Teleskoprahmen lässt sich je nach Montagesituation von 68 bis 108 cm ausziehen.

Die Idee: Das Dreirad kommt auf den Fiamma hinten. In die schmale Heckgarage passt dann noch ein normales Fahrrad für den Partner. Jeder hat sein Gefährt dabei – und das Dreirad muss nicht in die Garage gezwängt werden.

Wichtig dabei: Beim Lift 77 ist die Gesamttraglast 60 kg. Das Dreirad bringt alleine schon rund 41 kg mit – das ist zulässig, aber dann bleibt kein Spielraum mehr für ein zweites Rad. Und ob die Schienen weit genug auseinandergehen, um die 73 cm Breite aufzunehmen: Das solltet ihr vor dem Kauf beim Händler prüfen oder direkt bei Fiamma anfragen.

Lieferung und Aufbau

Das TK1 wird mit einer Spedition geliefert. Bei uns hat das nur wenige Tage gedauert. Die Verpackung war tadellos – eine große, stabile Kiste, keine Kratzer, alles sorgfältig eingepackt.

Beim Auspacken: Am besten zu zweit. Das Dreirad ist sperrig und bringt knapp 41 kg auf die Waage. Das hievt man nicht mal eben alleine aus dem Karton.

Der Aufbau selbst geht schnell. Das TK1 wird zu 95 Prozent vormontiert geliefert. Was ihr selbst erledigen müsst: Vorderrad einbauen und Schnellverschluss einsetzen, Reifen aufpumpen, Lenker und Sattel ausrichten, die Körbe vorne und hinten anbringen.

Ein kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Den hinteren Korb habe ich um 180 Grad gedreht. In der Originalposition kollidierten die Füße beim Treten leicht mit dem Korb. Einfach umdrehen – und alles passt.


Technik im Überblick

  
Motor250 W Nabenmotor, Spitzenleistung 500 W
Akku36 V / 20 Ah, abnehmbar
Reichweitebis zu 72 km (Herstellerangabe)
Ladezeit6–8 Stunden
Höchstgeschwindigkeit25 km/h
Tragfähigkeit205 kg
Gewicht40,8 kg
Empfohlene Körpergröße153–190 cm
Gefaltete Maße100 × 77 × 75 cm
Entfaltete Maße167 × 73 cm, Sitzhöhe 77–99 cm
Farben6

Der Motor ist ein 250-Watt-Nabenmotor mit 500 Watt Spitzenleistung und einem Spitzendrehmoment von 45 Nm. Mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit ist das TK1 in Deutschland als normales eBike zugelassen – kein Führerschein, kein Kennzeichen erforderlich.

Der Akku ist abnehmbar, was praktisch ist: laden im Wohnmobil, in der Wohnung oder wo auch immer eine Steckdose ist.

Zum Pedalsensor: Das TK1 nutzt einen Trittfrequenzsensor – der erkennt, ob ihr tretet, und beschleunigt dann auf die eingestellte Unterstützungsstufe. Komfortabel, weil man nicht stark treten muss. Wer ein natürlicheres Fahrgefühl bevorzugt, käme eher mit einem Drehmomentsensor zurecht, der auf die Tretkraft reagiert. Beide Systeme sind in Deutschland zulässig – es ist schlicht eine Frage des Fahrgefühls.

Fahrerlebnis – und eine ehrliche Warnung

Dreiradfahren lernen

Dreiradfahren ist nicht wie Fahrradfahren. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.

Man würde denken: Ich fahre seit Jahrzehnten Fahrrad – das ist das Gleiche, nur stabiler. Falsch.

Bei meinen ersten Fahrten bin ich fast gegen ein geparktes Auto gefahren. Nadja auch. Und meiner Mutter ist das fast passiert. Warum? Auf dem normalen Fahrrad korrigiert man ständig mit dem ganzen Körper. Man lehnt sich in Kurven. Man balanciert unbewusst. Das alles entfällt beim Dreirad. Das Gehirn kennt aber die alte Routine und will trotzdem ausgleichen – und dann lenkt man falsch.

Empfehlung: Geht auf einen großen, freien Platz. Parkplatz, Sportplatz, was auch immer. Fahrt dort eine Weile runde Schleifen. Nach wenigen Minuten hat das Gehirn das neue Fahrgefühl abgespeichert – dann kann es auf die Straße gehen.

Kurvenradius und Kippgefahr

Der Kurvenradius ist größer als beim normalen Fahrrad. Das TK1 hat zwar einen Differentialmechanismus, der die Hinterräder unabhängig voneinander laufen lässt – sonst würde das kurveninnere Rad bei jeder Kurve schleifen oder springen. Aber trotzdem gilt: Kurven werden mit größerem Radius gefahren, als man intuitiv denkt.

Und noch eine wichtige Warnung: Nicht zu schnell in die Kurve. Wer zu schnell ist oder die Kurve zu eng nimmt, hebt ein Hinterrad ab. Das passiert schneller als gedacht. Das TK1 ist kein Sportgerät. Auf geraden Strecken – wunderbar. Vor Kurven: rechtzeitig vom Gas.

Geschwindigkeitsstufen – mein einziger Kritikpunkt

Die erste Unterstützungsstufe springt direkt auf rund 11 km/h. Für einen gesunden Fünfzigjährigen ist das kein Thema. Für eine 75-jährige Dame, die noch nie ein eBike gefahren hat – schon.

Ich hätte mir eine Stufe mit etwa 6 km/h gewünscht, dann 11, 16, 25. Sanfteres Anfahren, mehr Kontrolle in den ersten Sekunden. Meine Schwiegermutter und meine Mutter lasse ich deswegen vorerst nicht damit fahren. Vielleicht bin ich zu vorsichtig – aber ich finde, gerade für die eigentliche Zielgruppe wäre eine sanftere erste Stufe ein echter Gewinn.

Auch der Stufenschalter am Lenker könnte für Hände mit weniger Fingerfertigkeit etwas größer sein. Funktionell ist er – aber mehr Fläche täte hier gut.

Was wirklich gut ist

Die Schiebehilfe ist schlicht genial. Knopf drücken, das Dreirad bewegt sich mit etwa 4 km/h selbst vorwärts – perfekt durch die Fußgängerzone, über den Campingplatz, durch schmale Wege. Eine Funktion, die man sofort zu schätzen lernt.

Die Beleuchtung ist vollständig: Frontlicht mit Hupenfunktion, Rücklicht mit Bremslichtfunktion – und Blinker. Das hätte ich nicht erwartet und finde es richtig gut. Man betätigt einen Schalter am Lenker, hinten blinkt es. Für andere Verkehrsteilnehmer ein echtes Sicherheitsplus.

Allerdings: Man muss daran denken, den Blinker wieder zurückzusetzen. Eine Kontrolllampe am Lenker – die anzeigt, dass der Blinker noch aktiv ist – wäre für eine nächste Version wünschenswert.

Die Körbe vorne und hinten sind ein echtes Alltagsfeature. Einkaufen, einladen, losfahren. Kein Balancieren mit Tüten am Lenker, kein Rucksack auf dem Rücken.


Reichweite

Zur Reichweite kann ich noch keinen belastbaren Wert nennen – ich bin bisher Touren von 5 und 10 Kilometern gefahren, und der Akku hat das kaum gespürt. Der Hersteller gibt 72 km an, was sicherlich unter Idealbedingungen und mit regelmäßigem Treten gemessen wurde. Ich schätze realistisch 40 bis 50 km mit gelegentlichem Mittreten.

Wer das Dreirad wegen eingeschränkter Mobilität nutzt und kaum tritt: 20 bis 30 km sollten auch ohne große Kraftanstrengung problemlos drin sein.

Fazit

Das Mooncool TK1 ist etwas ganz Eigenes.

Es ist kein Fahrrad. Es ist ein Dreirad – und das muss man erst einmal verstehen und fahren lernen. Das dauert keine Stunde, aber man muss sich darauf einlassen.

Ist man dann aber drin, ist es schlicht genial. Man hält an – und bleibt einfach sitzen. Man steigt nicht ab. Man fällt nicht um. Man stellt es ab und geht einkaufen. Man kommt wieder, setzt sich drauf, fährt los.

Für Menschen, die auf dem normalen Fahrrad zunehmend unsicher sind – oder die schlicht nicht mehr das Gleichgewicht aufbringen wollen – ist das eine echte Alternative. Keine Einschränkung. Eine Erweiterung.

Mein einziger wirklicher Wunsch an Mooncool: Eine sanftere erste Geschwindigkeitsstufe. Das würde das TK1 für die Zielgruppe, für die es wirklich gemacht ist, noch zugänglicher machen.

Was das Thema Wohnmobil angeht: Zusammengeklappt passt es in viele Heckgaragen – aber nicht in alle. Messt nach, bevor ihr kauft. Und mit dem Fiamma Lift 77 hinten dran plus einem normalen Fahrrad in der Heckgarage ist auch die Kombination für zwei Personen lösbar.

 

Das TK1 findet ihr direkt bei Mooncool: eu.mooncool.com

Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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7 Kommentare

  1. Ich habe MS und habe Probleme mit dem Gleichgewicht und daher vor 3 Jahren ein 3-Rad von HP gekauft. Preis viel höher als bei diesen aber Passt ebenfalls genaus in Heckgrage und noch Rad von meine Frau sowie Tisch und Stühle.
    Schön bei diesem Rad ist die Unterstützung bei mir muss man richtig treten sonst geht nichts.
    Gruß
    Holger

    1. Ja, die Unterstützung ist Gold wert. Ging es die am Anfang auch so, dass du erst mal nicht richtig gelenkt hast und das eine Eingewöhnungszeit braucht?

      1. Nein, denn ich habe zwei Griffe zum Lenken und dann ist das ehkommplett anders.
        Kann Dir mal ein Bild schicken
        Gruß
        Holger

  2. Das Thema Reisen mit Behinderung ist nun auch für mich von zentraler Bedeutung. Ich kann bestätigen, dass für die Nutzung des Dreirades ein Mindestmaß an Reaktionsfähigkeit und Kraft zum Verladen nötig ist. Ich habe das Dreirad mit entsprechenden Informationen weitergegeben.
    Nun zum Thema Reisen mit Behinderung: Danke, dass Du dich der Aufgabe annimmst. Ich habe mit einem Transport Wohnwagen angefangen und bin nach drei Jahren auf ein Wohnmobil umgestiegen, weil ich das Handling nicht mehr bewältigen konnte. Das Wohnmobil erlaubt nachts den Betrieb meiner Medizingeräte und ich habe nun einen faltbaren E- Rollstuhl der in die kleine Heckgarage passt. Gewicht 27,5 kg mit zwei Akkus. Damit kann ich die Umgebung, soweit sie barrierefrei ist, noch erreichen.
    Danke für die wirklich schönen Reiseberichte.

  3. Hallo Jürgen,
    da greifst du ein interessantes Thema auf – Reisen mit Beeinträchtigungen.
    Ich bin zwar auch bereits im Rentenalter und habe auch so meine WehWehchen, aber noch brauchen wir keine Hilfsmittel. Mir ist aber öfter schon aufgefallen, wie sich da diverse Camperkollegen doch so aus ihren Wohnmobilen quälen. Da hilft oft der Zusatzgriff kaum noch und Geländer lassen sich in der Regel auch nicht an den Einstiegen befestigen.
    Ein Freund von mir vertreibt Treppenlifte und Hebevorrichtungen und da war uns schon einmal die Idee gekommen, bei der Aufbautür so eine Hebevorrichtung zu installieren Aber da kommen unter Garantie wieder diverse Normen auf uns zu.
    Pragmatisch könnte man eine Riffelblechplatte mit einer Hebevorrichtung versehen, die Platte würde dann bei Nichtgebrauch einfach in den Fußraum gedreht. Da aber keine Geländer weiter montiert werden können ist da ein Restrisiko je nach Hubhöhe.

    Also das einmal unsere Idee…
    Für Diskussionen wäre ich offen und dankbar.

    Manfred

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