Wieder liege ich unter fremden Wohnmobilen – und wieder gibt’s Überraschungen. Diesmal treffe ich auf Holzleisten, die als „Abstandshalter“ verbaut sind und garantiert irgendwann durchgammeln. Auf Lüftungsgitter, die nur mit Tackernadeln befestigt wurden. Auf eine Küchenschublade, die man komplett ausräumen muss, nur um an die Winterablasshähne zu kommen. Auf einen 100.000-Euro-Camper mit sichtbarem Rost direkt ab Werk. Aber auch: auf richtig sauber verarbeitete Fahrzeuge, bei denen sich zeigt, dass es eben doch anders geht. Diesmal geht’s außerdem tief ins Detail bei Dieselheizungen – warum manche laut sind und andere nicht, und warum die Rohrführung dabei eine größere Rolle spielt, als man denkt. Wer wissen will, was sich wirklich unter den Wohnmobilen dieser Saison verbirgt, sollte sich das nicht entgehen lassen.
Meine Endoskopkamera
Qualität sieht anders aus – der Blick unter die Wohnmobile
Es ist wieder soweit: Ich liege unter fremden Wohnmobilen auf der Messe und schaue mir an, was die Hersteller so verbauen, wenn niemand hinschaut. Vorab so viel: Wer auf große Enthüllungen hofft, wird enttäuscht – es ist eher Hausmannskost. Aber genug zu berichten gibt es trotzdem, und einiges ist wirklich überraschend.
Holzleisten als Zeitbombe
Gleich das erste Fahrzeug hat es in sich: Als Abstandshalter zwischen Fahrzeugboden und Aufbau wurden verleimte Holzbretter verbaut – über die komplette Fläche. Das Problem: Wird dieses Holz irgendwann feucht, fängt es an zu gammeln, und das Fahrzeug setzt sich Stück für Stück tiefer.
Lüftungsgitter mit Tackernadeln
Ein Lüftungsauslass im Unterboden ist nur mit ein paar Tackernadeln und zwei Schrauben befestigt. Das hält vielleicht eine Weile – aber sicher nicht dauerhaft. Ähnliches sehe ich später bei einem anderen Fahrzeug: ein Entlüftungsnetz, ebenfalls nur getackert.
Wackelnde Wände
Bei einem Fahrzeug wackelt beim Türzuschlagen die komplette Innenwand spürbar mit. Vibrationen während der Fahrt gibt es bei großen Fahrzeugen ohnehin – aber in diesem Ausmaß sollte das nicht sein.
Der Küchenschrank-Klassiker
Ein Ingenieurs-Highlight der besonderen Art: Um im Winter die Wasserleitungen zu entleeren, muss man ausgerechnet den kompletten Küchenschrank ausräumen, weil die beiden Ablasshähne nur von dort aus erreichbar sind.
AGM statt Lithium – und der Nachhaltigkeitswiderspruch
In einem Fahrzeug sind noch AGM-Batterien verbaut, die dann später gegen Aufpreis auf Lithium umgerüstet werden können. Klingt praktisch, ist aber am Ende unnötiger Elektroschrott – und passt nicht so recht zum Nachhaltigkeitsanspruch, den die Branche gerne vor sich herträgt.
Heizungsrohre im Weg, Rost ab Werk
Klassiker Nummer eins: Heizungsrohre, die quer durch den Stauraum laufen und diesen praktisch unbrauchbar machen – obwohl eine Verlegung entlang der Decke das Problem lösen würde. Klassiker Nummer zwei, diesmal bei einem 100.000-Euro-Fahrzeug: An einer geschnittenen Bodenkante ist bereits Rost sichtbar. Direkt ab Werk.
Wasserleitungen ohne Frostschutz
Bei einem Kastenwagen verlaufen Wasser- und Abwasserschläuche über mehrere Meter ungeschützt unter dem Fahrzeug. Diese Leitungen frieren im Winter zuverlässig ein – und zwar nicht erst bei null Grad. Auch nachträgliche Heizmatten am Tank helfen hier wenig, wenn die Rohre selbst ungedämmt bleiben.
Wenn der Verkäufer selbst nicht Bescheid weiß
Auf die Frage, ob die Wände eines Fahrzeugs holzfrei gebaut sind, konnte mir ein junger Verkäufer keine klare Antwort geben – eine Frage, die angesichts von Feuchtigkeitsrisiken und möglicher Vermoderung eigentlich zur Grundausstattung eines Beratungsgesprächs gehören sollte.
Dieselheizungen: Warum manche laut sind
Ein eigenes Thema für sich: Bei mehreren Fahrzeugen führt der Warmluftschlauch der Dieselheizung einmal komplett um das Fahrzeug herum, weil kein direkter Weg durch den Innenraum möglich ist. Das kostet Zeit, bis die Wärme ankommt – gerade im Winter. Und: Die Geräuschentwicklung hängt offenbar stark davon ab, wie und wo die Heizung selbst montiert ist. Das erklärt, warum manche Halter schwören, ihre Heizung sei leise, während Nachbarn genau das Gegenteil sagen.
Es gibt auch positive Beispiele
Nicht alles ist schlecht: Bei mehreren Fahrzeugen ist die Verarbeitung unter der Küche sauber und aufgeräumt, Leitungen sind ordentlich verlegt, Rohre mechanisch statt nur geklebt befestigt. Auch eine französische Marke und ein günstigeres Modell zeigen, dass durchdachte Verarbeitung keine Frage des Preisschilds allein ist.
Fazit
Im Vergleich zu früheren Jahren finde ich insgesamt weniger gravierende Mängel – ein Zeichen, dass sich bei einigen Herstellern durch das Feedback der Händler tatsächlich etwas bewegt. Trotzdem bleiben genug Details, bei denen ich mir wünsche, dass am Zeichenbrett noch einmal genauer hingeschaut wird. Ein eigener Film zum Thema Dieselheizung und ihrer Verbauung ist bereits in Arbeit.
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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14 Kommentare
Hallo Jürgen, ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Mit deinen Beschreibungen über Stützhölzer, Schnittkanten usw. Kann ich mit größter Phantasie nicht so recht etwas anfangen. Oder bin ich einfach nur zu doof dazu?
Da komplette Fahrzeug war auf dem Chassis um 1cm höher gelegt worden. Dazu nimmt man häufig Kunststoffelemente. In diesem Fall Hölzplättchen.
Und die Schnittkannt sieht man nur auf einem großen Bildschirm
Hallo Jürgen,
Immer wieder toll deine Entdeckungen zu lesen. Schade ist nur, dass Du nicht Ross und Reiter benennen kannst/willst. Da würde manches Untenehmen wahrscheinlich doch etwas schneller das QM stärken. Somit es halt leider anonym und Verbesserungen erfolgen nur langsam, wenn überhaupt.
Es geht mir nicht um die Hersteller, denn da kann das Auto nebenan perfekt sein.
Mir geht es darum, dass der potenzielle Käufer lernt, genau hinzuschauen.
Richtig, Ross und Reiter zu kennen wäre besser, aber das kann sich heute niemand leisten bei den Rechtsanwaltskosten die das hervorrufen würde.
Wir haben 2021 ein Carthago Malibu 460i neu gekauft ,habe dann sehr viele Mängel festgestellt zuerst wurden auch paar Mängel behoben dann sind immer mehr Mängel aufgetreten danach hat uns der Händler Reimers in Itzstedt nahe gelegt dass wir uns eine neue Werkstatt suchen sollen ,Sie können nicht unsern Anspruch erledigen
Obwohl wir noch Garantie haben
Hab gerade einen Sachverständigen kennen gelernt.
Ich glaube, mit dem muss ich mal einen Film machen
Richtig, Ross und Reiter zu kennen wäre besser, aber das kann sich heute niemand leisten bei den Rechtsanwaltskosten die das hervorrufen würde.
Mit einem Sachverständigen wird es dann eine sehr, sehr lange Serie!
Warum nennen sie nicht die Firmen beim Namen? Sie haben ja vollkommen recht.
Weil es vom gleichen Hersteller gute Fahrzeuge gibt. Manchmal ist es Tagesform.
Es geht mir darum, zu sensibilisieren und sich unters Auto zu legen, jede Stauklappe zu öffnen, Bad und Bett auszuprobieren und jede, aber auch jede Tür zu öffnen.
Und nicht alles zu glauben, was erzählt wird.
Schon irre wie dumpf einige Konstruktion aussehen.
Schau dir doch bitte einmal an, wie Hocheinbaukühlschränke zwischen zwei unausgesteiften hohlen Holzwände eingeschraubt werden. Witzig. Mein Kühlschrank ist innerhalb von 4 Jahren 2 Mal herausgefallen. Werde ihn wahrscheinlich einkleben und vorher ein Ziehdraht einlegen .
Adria Compact
Hi Ralf, dass ist eine wirklich gute Idee mit dem Ziehdraht!
Seit Jahren haben/ hatten alle Hersteller genügend Zeit, sich auf Qualität einzustellen.
Es ist nur enttäuschend, was entwickelt wird , was gearbeitet -was gezeigt wird- was man zum Verkauf anbietet.
und was man sich dabei ( wenn überhaupt ) denkt.
Warum darf man keine Namen der Hersteller nennen, sonst lernen die NIE was dazu.
Die Balance zum Preis passt bei keinem Hersteller -siehe diese und die alten Viedos hierzu !!!!
Ich bin Vermieter und schäme mich mit allen Marken und deren Modellen was hier abgeiefert wird.
Wir sind in Dtschl., eine Qualitätskontrolle scheint es auch hier am Ende der Kette nicht mehr zu geben.
ist zwar alles Baukastensystem – aber kein Produkt verdient den Preis auf dem VK Schild!