Preiscrash: Das Wunder bleibt aus

Die Schlagzeilen der letzten Wochen klingen nach Krise: Insolvenzen bei Vermietern und Händlern, Kriegsangst, Unsicherheit an den Märkten. Gleichzeitig meldet das Statistische Bundesamt einen Rekordwert bei mehrtägigen Inlandsreisen. Was stimmt jetzt?

Gut zu wissen: Für diesen Marktbericht werten wir jedes Jahr Zahlen von Mobile.de und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) aus, ergänzt durch Gespräche mit Geschäftsführern großer und kleiner Hersteller, Werkstätten und Händlern. Diese Mischung aus harten Daten und Insider-Stimmen hat sich in den letzten Jahren als erstaunlich treffsicher erwiesen.

Wie robust die Gesamtwirtschaft wirklich ist, welche Rolle Zinsen und Inflation spielen und warum wir trotz aller Horrorschlagzeilen nicht in Panik verfallen sollten – das ordnen wir ausführlich im Video ein. Hier im Blog konzentrieren wir uns auf das, was für eure Kaufentscheidung gerade am wichtigsten ist: den Neuwagen- und den Gebrauchtwagenmarkt.

Der Neuwagenmarkt: Besser als er aussieht – und schlechter, als die Zahlen zeigen

Auf den ersten Blick erholen sich die Neuzulassungszahlen wieder. Doch genau hier ist Vorsicht geboten: Ein Teil dieser „Neuzulassungen“ landet kurz darauf als Gebrauchtwagen auf dem Hof. Grund dafür ist auch die Zulassungspflicht für ältere Fahrzeuge ohne die inzwischen vorgeschriebenen Assistenzsysteme. Händler bekommen dabei zum Teil Unterstützung von den Herstellern – wer abschreiben muss, tut das lieber früh, bevor daraus ein echter Verlust wird.

Ein Blick auf die einzelnen Fahrzeugklassen zeigt ein differenziertes Bild:

  • Kastenwagen sind vom Hochpunkt der letzten Jahre deutlich zurückgekommen – mittlerweile wieder auf einem Niveau wie vor Corona. Erfreulich für die Hersteller, aber nicht unbedingt ein Zeichen für echte Marktstärke.
  • Teilintegrierte zeigen ein ähnliches, wenn auch etwas weniger drastisches Bild. Die Produktion läuft weiter, die Hersteller haben aber sichtbar ihre Hausaufgaben gemacht – bis hin zu gedrosselten Bändern.
  • Vollintegrierte – hier steckt das meiste Kapital. Die Lage hat sich etwas gebessert, ist aber noch nicht gut. Wenn die Nachfrage hier ausbleibt, wird es für Händler und Hersteller in den kommenden Monaten eng.
Achtung: Die reinen KBA-Zulassungszahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Ein Teil der „neuen“ Fahrzeuge taucht gerne wenig später als Gebrauchtwagen wieder auf – zu einem deutlich reduzierten Preis.

Der Caravan Salon entscheidet in diesem Jahr mit darüber, wie es weitergeht. Bleibt die Nachfrage aus, drohen ein heißer Herbst und volle Höfe bei Händlern und Herstellern.

Der Gebrauchtwagenmarkt: Hier droht das eigentliche Ungemach

Während beim Neuwagen zumindest kosmetisch nachgeholfen werden kann, zeigt der Gebrauchtwagenmarkt ein ehrlicheres Bild – und das ist nicht gut.

Bei Kastenwagen, Teilintegrierten und vor allem Vollintegrierten wächst der Bestand kontinuierlich, während die Zahl der tatsächlichen Ummeldungen zurückgeht. Die Konsequenz: Die Preise sinken – und zwar spürbar. Wer aktuell vergleichbare Fahrzeuge auf Mobile.de verfolgt, sieht häufig rund 20 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Und das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Besonders hart trifft es die Vollintegrierten: Ein Luxusliner, ursprünglich für 700.000 Euro angeboten, wechselte am Ende für 480.000 Euro den Besitzer.

Tipp für Käufer: Wer gerade auf der Suche nach einem gebrauchten Kasten- oder Teilintegrierten ist, hat aktuell eine gute Verhandlungsposition. Je älter das Fahrzeug, desto größer meist der Preisnachlass gegenüber dem Vorjahr.

Ganz anders sieht es bei Wohnwagen aus:

Der während Corona aufgebaute Wohnwagen-Berg – entstanden, weil viele Hersteller mangels Chassis auf Wohnwagen auswichen – ist mittlerweile abgebaut. Obwohl auch hier der Bestand wächst, bleibt der Gebrauchtwagenmarkt stabil. Die Nachfrage ist da, und wenn einzelne Hersteller ihr Angebot zusätzlich verknappen, dürfte das der gesamten Sparte helfen.

Für Händler wird der Gebrauchtwagenmarkt derweil zum zweiten Standbein: Wer clever einkauft und mit Gewährleistung weiterverkauft, macht damit inzwischen wieder solide Geschäfte – ein Modell, von dem am Ende auch Käufer profitieren.

Und der Rest?

Warum die Kundenbindung zum wichtigsten Zugpferd der Branche wird, was Qualitätsprobleme mit dem stockenden Verkauf zu tun haben, und wie es um den Nachwuchs an Campern steht – das und die komplette wirtschaftliche Einordnung mit allen Hintergründen bekommt ihr im Video. Schaut vorbei, es lohnt sich.

Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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