Zwei Tage Fahrt. Österreich, Ungarn, Grenzübergang Nădlac. Dann Rumänien.
Und dann: Oradea.
Wir hatten nicht viel geplant mit dieser Stadt. Ein Zwischenstopp, vielleicht ein Kaffee, dann weiter. Und dann stehen wir auf einmal vor Fassaden, die wir so in Rumänien nicht erwartet haben. Türkis, rosa, cremeweiß. Geschwungene Balkone, florale Ornamente, verspielt und gleichzeitig elegant. Ein Gebäude schöner als das nächste.
Warum ist das hier so schön?
Wer das erste Mal durch Oradea schlendert, fragt sich unweigerlich: Wie kommt das hierher?
Die Antwort liegt in der Geschichte. Oradea – auf Deutsch Großwardein, auf Ungarisch Nagyvárad – gehörte bis 1918 zu Österreich-Ungarn. Nach dem Ausgleich von 1867 wurde die Stadt zum Sitz des ungarischen Komitats Bihar und erlebte einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung. Siebenmal Eisenbahnknotenpunkt, wachsende jüdische Gemeinde, Handelszentrum – und eine Bürgerschaft, die ihren Wohlstand sichtbar machen wollte.
Die Stadt gilt heute als „Jugendstil-Hauptstadt Rumäniens” – und das zu Recht. Denn genau in dieser Blütezeit zwischen 1890 und dem Ersten Weltkrieg wurden hier die Gebäude errichtet, die wir heute bewundern. Die ungarische Sezession entwickelte eine eigene Formensprache, die sich von der Wiener Secession unterschied – geprägt von bunten Kacheln, floralem Dekor und Baukeramik der Zsolnay-Manufaktur aus Pécs. Das erklärt die leuchtenden Farben, die verspielten Türmchen, die geschwungenen Linien: Das ist kein importierter Wiener Jugendstil, sondern eine eigenständige ungarische Interpretation – lebendiger, bunter, manchmal fast übermütig.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste Ungarn im Vertrag von Trianon Oradea an Rumänien abtreten – obwohl die Stadt damals mehrheitlich ungarisch war. Eine Wunde, die bis heute nicht vollständig verheilt ist. Durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch 1940 fiel die Stadt kurz wieder an Ungarn, wurde 1944 durch rumänische und sowjetische Truppen eingenommen und gehört seither wieder zum rumänischen Staatsgebiet.
Das erklärt auch das besondere Lebensgefühl dieser Stadt: Rumänisch und Ungarisch laufen hier parallel – auf Straßenschildern, in Cafés, im Alltag. Etwa ein Drittel der rund 200.000 Einwohner ist ungarischer Herkunft. Dazu kommt eine große Universität, die die Stadt jung und lebendig hält.
🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Oradea
Oradea liegt direkt an der ungarisch-rumänischen Grenze, rund 15 Kilometer von Nădlac entfernt, und eignet sich perfekt als erste Station in Rumänien. Die Innenstadt ist zu Fuß gut erkundbar – Unbedingt anschauen: Fußgängerzone Calea Republicii, Schwarzer-Adler-Palast (Palatul Vulturul Negru) mit dem berühmten Glasfenster, Unionsplatz und Staatstheater.
In der Umgebung: Thermalquellen bei Băile Felix und Băile 1 Mai.
Oradea auf Google Maps
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Bruckmann
Reise Know-How Reiseführer Rumänien: mit...
26,90 EUR
Wir setzen uns in eines der kleinen Cafés direkt am Platz. Draußen, in der Sonne, umgeben von diesen Fassaden. Der Kaffee ist gut, die Auswahl an Törtchen groß – und der Preis macht einen kurzen Moment sprachlos. Alles so lecker und liebevoll und die Menschen so freundlich.
Rumänien hat diesen Effekt. Man erwartet wenig – und bekommt mehr, als man sich vorgestellt hat. Beim Essen, beim Kaffee, bei den Preisen, bei den Menschen. Wir sitzen eine Weile einfach da, schauen zu und sind froh, dass wir angehalten haben. So langsam freuen wir uns auf die Gruppe, die wir morgen treffen werden. Wie das wohl sein wird?
Auf was für Typen treffen wir? Und wie werde die uns finden. Schließlich sind auch wir „irgendwie anders“
So verbringen wir den Nachmittag mit Eis und Kuchen und Kaffee und philosophieren eifrig über all unsere Reisen.
Es ist nett, einfach mal wieder viel Zeit zu haben und nicht weiter zu müssen.
Wir sind angekommen!
Der Schwarze-Adler-Palast – Palatul Vulturul Negru – ist unser letzter Stopp des Tages. Durch seinen Durchgang führt ein kleines Stück Budapest nach Oradea: bunte Glasfenster, Messinglaternen, Cafétische unter einem hohen Bogen. Am anderen Ende öffnet sich der Blick wieder auf den Platz. Wir gehen zweimal hindurch.
Elegante, im Jahr 1908 erbaute Einkaufspassage im Sezessionsstil mit einem Glasdach und Boutiquen.
Route tracken und Sicherheit
🔵 Gut zu wissen: Trackiwi
Alle 6.063 Kilometer dieser Reise – jede Übernachtung, jede Höhe, jede Sehenswürdigkeit – haben wir mit Trackiwi aufgezeichnet. Ein kleines Gerät, irgendwo im Wohnmobil versteckt, an 12 Volt angeschlossen. Einmal angeschlossen, läuft es einfach. Per App steuerbar für iOS, Android und Webversion. 10% Rabatt mit dem Code WOMOBLOG auf die Hardware. Und auch als Alarmanlage nutzbar.
Die Nacht bei den Pferden
Abends suchen wir noch einmal die Einsamkeit.
Morgen beginnt die Gruppenreise – zehn Wohnmobile, zwanzig Menschen, die wir noch nicht kennen. Wer weiß, wie das wird. Park4Night zeigt einen kleinen Angelplatz an einem Fluss, ein paar Kilometer außerhalb. Ruhig, idyllisch, kein Mensch weit und breit.
Wir stellen uns hin, kochen, sitzen draußen. Abendlicht über den Feldern. Stille.
Am nächsten Morgen wache ich durch Pferde auf.
Drei Pferde begrüßen uns, direkt neben dem Wohnmobil. Sie schauen uns freundlich an. Kein Alarm, kein Erschrecken. Einfach Pferde, die morgens vorbeischauen und am Morgen uns das Frühstück verschönern
Wir sind gespannt, was heute kommt. Und freuen uns darauf.
Ab jetzt erwartet uns Neuland.
Gruppenreise.
Ist das positiv oder werden wir nach kurzer Zeit vielleicht doch wieder alleine unterwegs sein. Denn diese Option haben wir. Die Reise wird nicht im Konvoi gemacht. Man trifft sich nur an den Sehenswürdigkeiten oder am Abend, sofern man will.
Die Aufregung lässt Nadja und mich lange nicht einschlafen. Morgen ist es soweit und dann startet unsere Reise ins Donaudelta erst richtig!
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🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen:
Burgreisen
Anca Glingor von Burgreisen organisiert seit Jahren geführte Wohnmobiltouren durch Rumänien – mit einheimischen Guides, einem Ornithologen im Donaudelta und einem tiefen Netzwerk ins Land. Kein Konvoi, kein Stress – jeder fährt für sich und trifft sich abends. Gut ausgebucht, also rechtzeitig anfragen.
Donaudelta – Reisebericht
Inhaltsverzeichnis:
Donaudelta Roadtrip
— alle Folgen:
· Einleitung: Alles was du vorab wissen musst
· Folge 01: Oradea –
der Traum direkt hinter der Grenze
· Folge 02: Temeswar –
wo Geschichte noch lebt
· Folge 03: Banat,
Eisernes Tor und Kloster Horezu
· Folge 04: Bären,
Berge und Königsgräber
· Folge 05: Bukarest –
Ceaușescus Größenwahn hat ein Gesicht
· Folge 06: Konstanza,
Festung Enisala und der Weg ins Delta
· Folge 07: Das
Donaudelta – wenn Natur einen sprachlos macht
· Folge 08: Donaudelta
– Pelikane, Wildpferde und chillen auf dem Hausboot
· Folge 09: Schlammvulkane,
Gipfelwind und freie Hunde
· Folge 10: Kirchenburgen,
Klosterruinen und ein unvergesslicher Abend
Folge 11: Stille Tage, strickende Frauen und der letzte
Deutsche im Dorf
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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