Das Schloss, dass Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm – Orkney/Hebrides Teil 6

Castle of Mey – das Schloss, das Queen Mum rettete

 

Eigentlich wollten wir nur kurz reinschauen. Wir fuhren die Einfahrt hinunter, parkten, liefen erst zum Meer – weil das Meer immer zuerst kommt – schauten uns um, gingen in den netten Shop, und standen dann plötzlich mit Eintrittskarten in der Hand vor der Tür. So passiert das manchmal.

Castle of Mey

Das Castle of Mey ist das nördlichste Schloss auf dem britischen Festland. Und es ist das einzige Anwesen, das Queen Elizabeth, the Queen Mother, je persönlich besessen hat. Die Geschichte, wie sie dazu kam, ist eine der schöneren britischen Geschichten überhaupt.

1952 sah sie das Schloss zum ersten Mal – kurz nach dem Tod ihres Mannes, König Georg VI., in einem der dunkelsten Momente ihres Lebens. Das Gebäude war in einem desolaten Zustand: kein Strom, keine funktionierende Heizung, keine Bäder. Kurz vor dem Abriss. Als ihr das jemand erzählte, soll sie geantwortet haben: „Niemals. Es ist ein Teil des schottischen Erbes. Ich werde es retten.“ Und das tat sie.

Schon die Zufahrt verzaubert!

Bis 1955 hatte sie das Schloss restauriert – aber nicht auf die Art, wie das sonst läuft. Bevor auch nur ein Handwerker am Schloss anfing, ließ sie auf eigene Kosten das gesamte umliegende Gebiet ans Stromnetz anschließen. Die Möbel und Einrichtung kaufte sie nicht in London, sondern größtenteils lokal in Caithness. Den Walled Garden – einen von hohen Steinmauern geschützten Gemüsegarten, der den ständigen Wind fernhält – plante sie so, dass er beim August-Besuch auf dem Höhepunkt der Blüte steht. Er liefert bis heute Gemüse für das Schloss-Café.

Jeden August verbrachte sie drei Wochen in Mey, jeden Oktober noch einmal zehn Tage – fast ein halbes Jahrhundert lang, bis zu ihrem letzten Besuch im Jahr 2001. Sie starb 2002 im Alter von 101 Jahren.

Was das Castle of Mey von anderen königlichen Sehenswürdigkeiten unterscheidet: die Menschen hier kannten sie wirklich. Die Führer im Schloss – selbst schon recht betagte Herren und Damen – erzählen von ihr mit einer Wärme und Überschwänglichkeit, die man nicht spielt. Sie erinnern sich an sie. An ihren Humor, ihre Neugier, daran, wie sie die Namen der Einheimischen kannte und beim nächsten Besuch noch wusste. Die Region trauert ihr noch immer nach – nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil sie wirklich da war.

ℹ️ Infobox: Castle of Mey

Das nördlichste Schloss auf dem britischen Festland, einst Privatbesitz der Queen Mother. Heute von der Queen Elizabeth Castle of Mey Trust verwaltet und für Besucher geöffnet.

Öffnungszeiten (Mai–Oktober): täglich, Einlass ab 10:15 Uhr, letzter Einlass 15:00 Uhr. Walled Garden und Grounds oft etwas länger zugänglich. Café im Schloss.

Kein HES-Objekt. Parken auf dem Gelände kostenlos. castleofmey.org.uk

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Mehr Informationen

Duncansby Head – der Wettergott war uns hold

Vom Castle of Mey sind es nur ein paar Kilometer bis zum Duncansby Head – und das ist das eigentliche Ziel dieser Ecke Schottlands, nicht John O’Groats. Wer den Unterschied sehen will: John O’Groats ist ein Parkplatz mit Schild. Duncansby Head ist Schottland.

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Wir stellen das Wohnmobil am Leuchtturm ab. Es ist kalt. Es ist extrem windig. Für die Schotten, die wir unterwegs treffen, ist es ein laues Lüftchen – einer kommt in kurzer Hose vorbei. Wir sind in Winterjacken und fühlen uns trotzdem gut.

Der Weg zu den Duncansby Stacks ist auf dem Hinweg ein Genuss – Kliffpfad über kurzes Gras, das im Wind liegt, Blick aufs aufgewühlte Meer, und wir lassen uns Zeit. Die Stacks tauchen ohne Vorwarnung auf: drei mächtige Felssäulen, die aus dem Wasser ragen wie hingestellt. Daneben brüten im Mai Trottellummen, Tordalken – und später auch Papageientaucher. 

Wir stehen im Wind, machen Fotos, frieren, wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet. Aber die Aussicht ist immer wieder aufs neue schön. An jedem neuen Einschnitt in die Klippen bleiben wir stehen, sehen neues, eine neue Perspektive, Wellen die mit Macht gegen die Klippen schlagen

Dann der Rückweg. Und der wird länger und schwerer, wie wir gedacht hatten.

Aus dem Norden kommen tiefschwarze Wolken. Gleichzeitig dreht der Wind – und was auf dem Hinweg Rückenwind war, ist jetzt extremer Gegenwind. Jeder Schritt den Hang hinauf kostet das Doppelte. Nadjas Knie melden sich – auf Rückwegen bergauf immer das größere Problem, und wir haben die Wanderstöcke dummerweise im Wohnmobil gelassen.

Also langsam, Schritt für Schritt, gegen den Wind, unter immer dunkler werdenden Wolken.

Insgesamt haben wir zwei, vielleicht drei Stunden gebraucht. Für eine Strecke, die auf dem Papier nach einem kurzen Spaziergang aussieht.

Zurück am Wohnmobil, Kaffee gemacht, durch die Scheibe geschaut – und in diesem Moment setzt der Regen ein. Pünktlich, präzise, schottisch.

ℹ️ Infobox: Duncansby Head – besser als John O’Groats

Drei Kilometer östlich von John O’Groats, ausgeschildert ab der A99. Parkplatz am Leuchtturm kostenlos.

Der Weg zu den Duncansby Stacks führt über einen Kliffpfad – nicht ganz einfach zu gehen, aber je nach Wind erheblich anstrengender als erwartet. Festes Schuhwerk und Wanderstöcke empfehlen sich. Bei Wind aus Norden auf dem Rückweg bergauf einplanen – deutlich mehr Zeit als auf dem Hinweg.

Im Mai: Puffins, Trottellummen, Tordalken. Fernglas mitnehmen.
Und manchmal sieht man sogar Delfine und Orcas vorbeischwimmen!

Letzter Abend auf dem Festland

Zurück am Campingplatz bei Gills Bay. Morgen früh um 08:30 Uhr Check-in, Abfahrt um 09:30 Uhr. Eine Stunde Überfahrt durch den Pentland Firth.

Nadja hatte heute Mittag verkündet: Ab morgen hört der Wind auf. Die Prognosen geben ihr recht. Heute noch 28 Knoten – bis morgen Abend sollen es nur noch 4 sein. Und dann einige Tage so, mit gelegentlichen Spitzen von 11.

Ich schaue auf das Wasser. In der Ferne – die Silhouette der Orkney-Inseln. Sechs Meilen. Morgen früh sind wir dort.

ℹ️ Infobox: Fähre nach Orkney – Pentland Ferries

Gills Bay → St. Margaret’s Hope (Südorkney): Überfahrt ca. 60 Minuten. Deutlich ruhiger als die alternative Route Scrabster–Stromness, da die Fähre einen günstigeren Kurs durch den Firth nimmt.

Check-in mindestens 30 Minuten vor Abfahrt. Frühzeitig buchen – Wohnmobile füllen die Fähre schnell aus.

Wichtig: Bei extremem Wetter oder starken Gezeitenströmungen kann die Fähre ausfallen. 1989 scheiterte ein erster Versuch einer regulären Linie bereits nach einem Monat, als ein Sturm den Anlegesteg zerstörte. Auch heute stehen Abfahrten bei Sturmwarnung unter Vorbehalt.

pentlandferries.co.uk

Im nächsten Teil: Ankunft auf Orkney – Churchill Barriers, die Italienische Kapelle und 5.000 Jahre Steinzeitgeschichte.

Alle Angaben basieren auf unseren Erfahrungen im Frühjahr/Frühsommer 2026. Öffnungszeiten und Preise können sich ändern.

Inhaltsverzeichnis:

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Titel

Themen

1

Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle

Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle

2

Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr

CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco

3

Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland

DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies

4

Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth

Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty

5

Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt

Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats

6

Duncansby Head, Castle of Mey und die Fähre nach Orkneydieser Artikel

Stacks, Puffins, Königinmutter, Gills Bay

7

Demnächst: Orkney (Teil 1) – Ankunft, Churchill Barriers, Skara Brae

 
Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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