Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth – Schottland, Orkney/Hebrides – Teil 4

Lallybroch – Jamie Frasers Zuhause

Wer die Serie Outlander kennt, weiß sofort, was gemeint ist. Wer sie nicht kennt: Outlander ist eine britisch-amerikanische Serie, die seit 2014 läuft und die Geschichte von Claire Randall erzählt, die aus dem Jahr 1945 in das Schottland des Jahres 1743 zurückreist – mitten in die Zeit der Jakobitenaufstände und der brutalen Auseinandersetzung zwischen schottischen Hochländern und der britischen Krone. Die Serie wurde überwiegend in Schottland gedreht und hat das Land zu einem Pilgerziel für Fans aus aller Welt gemacht.

Midhope Castle - im Film heißt es: Lallybroch

Lallybroch – der Stammsitz von Hauptfigur Jamie Fraser und seiner Familie – ist in Wirklichkeit Midhope Castle, ein Wohnturm aus dem 16. Jahrhundert im West Lothian, etwa 30 Kilometer westlich von Edinburgh. Zum Hopetoun Estate gehörend, für die Dreharbeiten vieler Staffeln genutzt, heute ein Besuchermagnet.

 

Und man muss zugeben: Es lohnt sich. Auch wenn man kein Fan ist.

Wir lieben den Humor der Engländer:

Outlander-Fans verstehen den Witz 😂

Das Gebäude ist in keinem guten Zustand – das Innere ist aus Sicherheitsgründen gesperrt, der Turm verfällt langsam vor sich hin. Aber genau das macht es interessant. Man steht vor einem echten Wohnturm aus dem späten 16. Jahrhundert und fragt sich unwillkürlich, wie das für die Menschen gewesen sein muss, die hier tatsächlich lebten. Kein Komfort, keine Heizung, steinerne Wände und ein enger Torbogen, durch den das Leben hineinging und manchmal auch hinausgetragen wurde. Diese Art von Burg war damals typisch für den schottischen Landadel – kein Prunk, sondern Schutz.

Der erste bekannte Namensvetter des Gebäudes, „Medhope“, taucht in Dokumenten von 1458 auf. Im späten 16. Jahrhundert wurde es vom Clan Drummond wiederaufgebaut, später von der Familie Hope gekauft und ins benachbarte Hopetoun Estate eingegliedert – das selbst ein berühmter Outlander-Drehort ist. Für die Serie wurde ein Nordturm hinzuerfunden, den es in Wirklichkeit nicht gibt.

Vom Schloss selbst abgesehen: Ein ausgiebiger Spaziergang über das Gelände lohnt sich auch für sich allein. Alte Bäume, weitläufige Wiesen, Fasanen und Rehe, die sich kaum stören lassen. Irgendwo auf dem Anwesen soll die Höhle liegen, in der Jamie in der Serie lebte – wer sie finden möchte, nimmt sich Zeit.

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Das persönliche Highlight für uns war der kleine Ausstellungsraum: Informationen zur Geschichte von Midhope Castle, und eine Mappe mit Bildern von den Dreharbeiten. Wer sich fragt, wie ein mittelalterlicher schottischer Wohnturm zur Filmkulisse wird – hier findet man die Antwort.

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ℹ️ Infobox: Lallybroch / Midhope Castle

Midhope Castle liegt auf dem Hopetoun Estate bei South Queensferry, West Lothian – ca. 30 km von Edinburgh, gut 45 Minuten mit dem Wohnmobil.

Zufahrt: Von der kleinen Landstraße einen steilen Weg auf den Parkplatz hinauffahren, dann zu Fuß zum Eingang laufen – dort den Eintritt von ca. 5 GBP pro Person bezahlen. Das Innere des Turms ist aus Sicherheitsgründen gesperrt, das Gelände drumherum jedoch frei begehbar.

Nicht verpassen: der kleine Ausstellungsraum mit Infos zur Burggeschichte und Fotos von den Dreharbeiten.

 

Wer Outlander mag: unbedingt hingehen. Wer die Serie nicht kennt: trotzdem einen Blick wert – der Torbogen, die Stufen und die Landschaft erzählen auch ohne Serienkontext eine Geschichte.

Durch die Lowlands nach Inverness

Die Fahrt von Lallybroch nach Inverness ist lang – aber durch eine Landschaft, die mit jedem Kilometer offener und wilder wird. Wir haben sie in einem Rutsch gemacht, denn für alles, was dazwischen liegt, nehmen wir uns auf dieser Reise nicht die Zeit.

Wer mehr Zeit hat: Dieser Abschnitt Schottlands reicht locker für zehn eigene Tage. In unserem Bericht aus 2018 findet ihr viele Ziele, die wir diesmal im Vorbeifahren liegen ließen:

In diesem Jahr wollten wir auf dem schnellsten Weg nach Norden – Orkney wartete, und wir hatten nur 44 Tage.

Vorbei an Dalwhinnie

Inverness – die Hauptstadt der Highlands

Inverness überrascht. Man erwartet eine Kleinstadt und findet eine Stadt mit echter Substanz: viktorianische Häuser entlang des Flusses, eine belebte Innenstadt und ein Schloss, das auf einem Felsen über dem ganzen thront.

Wir stehen am Torvean Car Park außerhalb des Zentrums – 10 Pfund am Automaten, aber die Lage macht es wett – und fahren mit den eMountainbikes bequem in die Stadt. Das empfehlen wir jedem, der mit einem größeren Fahrzeug unterwegs ist: In Inverness braucht man kein Wohnmobil im Stadtzentrum.

Das Inverness Castle liegt auf einem roten Sandsteinfelsen direkt über dem River Ness. Wir erleben es im Licht des Sonnenuntergangs – das warm-orangene Abendlicht macht aus dem ohnehin schon markanten Gebäude etwas fast Unwirkliches.

Direkt daneben: die Castle Tavern. Da tobte der Bär. Livemusik, volle Tische, eine Stimmung, bei der man nicht einfach weitergeht.

Die viktorianischen Häuser entlang des Flusses sind bemerkenswert schön: gepflegt, kleinteilig, mit Gärten, die offensichtlich mit Liebe und einem gewissen Wettbewerbsgeist angelegt werden. Wer durch Inverness schlendert, wird feststellen, dass die Schotten mit ihren Gärten etwas beweisen wollen.

Abends gehen wir in den Victorian Market – eine überdachte Einkaufspassage im Herzen der Innenstadt, die abends zu einem lebendigen Treffpunkt wird. Livemusik, viele junge Menschen, eine Atmosphäre, die zwischen Marktplatz und Pub schwankt. Wir essen dort, hören zu und merken, dass Inverness ganz offensichtlich nicht nur ein Umsteigeort auf dem Weg nach Norden ist.

Wer am nächsten Morgen noch etwas Zeit hat: In den Einkaufsstraßen gibt es alles, was das Touristenherz begehrt. Zwei Adressen stechen heraus – ein Harris Tweed Shop mit dem schweren, duftenden Stoff aus den Hebriden, und ein Highland Coo’s Shop, der die zottelig-freundlichen Hochlandrinder in jeder denkbaren Souvenir-Inkarnation führt.

ℹ️ Infobox: Lallybroch / Midhope Castle

Midhope Castle liegt auf dem Hopetoun Estate bei South Queensferry, West Lothian – ca. 30 km von Edinburgh, gut 45 Minuten mit dem Wohnmobil.

Zufahrt: Von der kleinen Landstraße einen steilen Weg auf den Parkplatz hinauffahren, dann zu Fuß zum Eingang laufen – dort den Eintritt von ca. 5 GBP pro Person bezahlen. Das Innere des Turms ist aus Sicherheitsgründen gesperrt, das Gelände drumherum jedoch frei begehbar.

Nicht verpassen: der kleine Ausstellungsraum mit Infos zur Burggeschichte und Fotos von den Dreharbeiten.

Wer Outlander mag: unbedingt hingehen. Wer die Serie nicht kennt: trotzdem einen Blick wert – der Torbogen, die Stufen und die Landschaft erzählen auch ohne Serienkontext eine Geschichte.

Nigg – als die Fähre zu klein war

Weiter nach Nigg – und hier eine Geschichte, die man kennen sollte: Die Minifähre über den Cromarty Firth von Cromarty nach Nigg klingt verlockend kurz. Sie ist es auch. Aber sie nimmt nur kleine Fahrzeuge mit – bis maximal VW-Bus-Größe, und das auch nur rückwärts draufgefahren. Für unser Wohnmobil kein Thema.

Also fuhren wir außen um den Cromarty Firth herum – ein Umweg, aber kein verlorener: Die Landschaft drumherum ist schön genug, um ihn nicht zu bereuen.

In Nigg gibt es einen kleinen privaten Campingplatz mit direktem Blick auf den Firth und das Meer dahinter. Ver- und Entsorgung sehr spartanisch, 18 Pfund pro Nacht – aber die Lage macht das wett. Denn dieser Platz hat etwas, das man nicht kaufen kann: Vom Stellplatz aus schwimmen regelmäßig Delfine vorbei. Man sitzt mit dem Morgenkaffee draußen und schaut ihnen zu.

Wir bleiben zwei Nächte – einfach um nach dem vielen Fahren mal anzukommen. Die Geschwindigkeit rausnehmen, nichts müssen.

Wir hatten beim ersten Besuch hier die Kajaks ins Wasser gesetzt und sind rausgepaddelt. Die Delfine kamen. Nicht wegen uns – wir waren einfach da, und sie auch. Sie tauchten unter den Booten durch, kamen an die Oberfläche, verschwanden wieder. Robben beobachteten uns vom Fels aus mit dem milden Desinteresse von Tieren, die Menschen schon länger kennen als umgekehrt.

Dieses Jahr sahen wir sie nur in der Ferne. Aber mit ein wenig Glück erlebt man es hautnah – und wer die Chancen verbessern will, achtet auf die Gezeiten. Von Cromarty aus gibt es auch Touren mit Schlauchbooten, die gezielt zu den Delfinpopulationen fahren.

Aber sie sind da und ich habe den Eindruck, dass sie mit der Flut hinein und hinaus schwimmen. Der Firth ist groß und sehr tief und mit der Flut kommen die Fische und die Delfine jagen sie.

 

Cromarty – Backwaren und Leuchtturm-Café

Mit der kleinen Fähre ab Nigg – ein paar Pfund, ein paar Minuten – gelangt man nach Cromarty. Das Fischerdorf auf der anderen Seite des Firths ist einer jener schottischen Orte, die niemand kennt und alle kennen sollten.

Hübsche Häuser, gepflegte Gärten, eine Stille, die nicht leer ist, sondern voll. Das Café am Leuchtturm ist eine Institution – gutes Gebäck, gute Aussicht, schlechte Handyverbindung (macht das Gebäck besser). Die Bäckerei im Ort ist ebenfalls einen Halt wert.

Sehr lecker und unbedingt zu empfehlen ist das Körnerbrot!

Cromarty hat auch einen berühmten Sohn: Hugh Miller (1802–1856), Geolog, Schriftsteller und in seiner Zeit einer der bekanntesten Männer Schottlands. Er wuchs hier auf, sammelte als Kind Fossilien an der Küste und wurde später mit seinem Werk The Old Red Sandstone zu einem Wegbereiter der modernen Geologie. Im Ort gibt es das Hugh Miller Museum & Birthplace Cottage, sein Geburtshaus, das bis heute erhalten ist.

ℹ️ Infobox: Glenmorangie – kurzer Stopp auf dem Weg

 

Direkt an der A9, gut ausgeschildert. Eine kurze Pause auf dem Parkplatz, ein Blick in den Shop und ein Blick durch die Fenster auf die charakteristisch hohen Pot Stills – das geht auch ohne gebuchte Tour. Wer mehr möchte: Führungen und Tastings sind buchbar. Für Whiskyfreunde ein lohnender Zwischenstopp. glenmorangie.com

Tipp für die nächste Nacht: Loch Fleet

Weiter nach Norden – und kurz vor Loch Fleet liegt Glenmorangie direkt an der Straße bei Tain.

Loch Fleet – ein Naturschutzgebiet direkt an der Küste, kurz nördlich von Dornoch. Am kleinen Ort Little Ferry gibt es einen kostenlosen und erlaubten Übernachtungsplatz direkt am Wasser. Fischadler, Robben, weiter Strand, große Stille.

Aber Little Ferry ist mehr als ein schöner Stellplatz. Ein Schild am Weg erklärt, was hier am 15. April 1746 geschah – einen Tag vor der berühmten Niederlage bei Culloden.

 

Cromartie’s Regiment, eine jakobitische Einheit unter dem Earl of Cromartie, war auf dem Weg zurück nach Süden, um Bonnie Prince Charlie zu unterstützen. Auf der Ferry Road wurden sie von lokalen Regierungsmilizen in einen Hinterhalt gelockt. Die Jakobiten wurden die Straße entlanggejagt und an der engen Durchfahrt bei Littleferry in die Zange genommen – von vorne, von den Hügeln, von allen Seiten. Wer nicht fiel, ertrank im Versuch, über den Kanal zu fliehen. Bis zu 100 Männer kamen ums Leben, fast 200 wurden gefangen genommen. Noch am selben Abend ergab sich der Earl of Cromartie im nahe gelegenen Dunrobin Castle.

Am nächsten Tag verloren die Jakobiten bei Culloden die entscheidende Schlacht. Little Ferry verschwand im Schatten dieses größeren Datums – und ist bis heute kaum bekannt.

Wir schauen aufs Meer, in der Ferne sehen wir schon Dunrobin Castle und wissen jetzt schon wieder ein wenig mehr der schottischen Geschichte. Dunrobin Castle: Da werden wir morgen hinfahren.

Inhaltsverzeichnis:

2026-05-26_14-31-52_Schottland - Lewis Callanisch Stones__T5A3654-Bearbeitet-3840
# Titel Themen
1 Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle
2 Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr  CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG
3 Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies
4 Orkney – Steinzeit, Whisky und das Ende der Welt Skara Brae, Maeshowe, Ring of Brodgar, Kirkwall, Highland Park, Hoy
5 NC500 – Die Nordküste Thurso, Durness, Cape Wrath, Torridon, Ullapool
6 Lewis – Die Äußeren Hebriden, Teil 1 Stornoway, Callanish, Gearrannan, Abhainn Dearg, Arnol, Hushinish
7 Harris – Die Äußeren Hebriden, Teil 2 Luskentyre, Kajak, Harris Tweed, Isle of Harris Distillery, Golden Road, Rodel
8 Skye – Die Insel Neist Point, Trotternish, Old Man of Storr, Eilean Donan
9 Mull & Iona – Stille am Ende der Welt Duart Castle, Iona Abbey, Fidden Beach, Tobermory
10 Oban, Glencoe & Glasgow McCaig’s Tower, Kilchurn Castle, Drovers Inn, Kelvingrove, Mackintosh
11 Heimreise – Dunbar, Bamburgh, Alnwick, Newcastle Dunbar Bakery, Bamburgh Castle, Alnwick Castle, DFDS zurück
Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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