Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull – Orkney/Hebrides Teil 25

Mull!

Wir sind auf Mull angekommen.

 

Die Überfahrt mit der kleinen Fähre von Lochaline nach Fishnish auf Mull war problemlos. Anstellen in der Reihe, bezahlen per Karte, und zwanzig Minuten später waren wir auf Mull.

Unser erstes Ziel heißt Iona, die kleine Insel liegt am Ende der Straße – aber dazu später mehr. Die Hauptstraße ist erstaunlich gut ausgebaut, bis sie überraschend zur Single Track Road wird, und nach der Abfahrt zum Schloss Duart Castle wird es noch einmal enger. Überraschend.

Ein Schloss, ein Clan, der noch lebt

Unterwegs dann Duart Castle – der Stammsitz des Clan MacLean, auf einer Felsklippe gelegen, die den Sound of Mull und den Firth of Lorne beherrscht. Das Schloss hat über 700 Jahre Geschichte mit dem Clan MacLean.

ℹ️ Infobox: Duart Castle und Clan MacLean

Duart gelangte in MacLean-Besitz, als Lachlan Lubanach – „Lachlan der Listige“ – im 14. Jahrhundert Mary MacDonald heiratete, die Tochter des Lord of the Isles. Das Schloss und ein Großteil der Isle of Mull waren Teil ihrer Mitgift. Im Laufe der Jahrhunderte kämpfte der Clan MacLean auf der Seite der Royalisten, verlor das Schloss an die Campbells und sah es langsam verfallen. 1911 erwarb Sir Fitzroy Donald Maclean, der 26. Clan-Chef, das damals völlig ruinöse Schloss zurück und ließ es aufwendig restaurieren.

Spätestens seit Outlander kennt doch jeder die Geschichte von Bonnie Prince Charlie und der verlorenen Schlacht von Culloden – und so stellt man sich lebhaft vor, wie es hier zwischen den Engländern, den Freunden der Engländer und den Royalisten zur Sache gegangen sein muss. Schottland war gespalten, und diese Schlösser standen mittendrin.

Drinnen dann die Große Halle – genau die Art von Raum, die man sich bei einem schottischen Clan-Schloss vorstellt. Ein gewaltiger Kamin, darüber das Familienwappen, umrahmt von einem ganzen Fächer aus Schwertern und Säbeln an der Wand. An der gegenüberliegenden Seite ein großformatiges Ölporträt eines der früheren Clan-Chiefs in vollem Highland-Dress, Tartan und allem Drum und Dran. Ein langer, alter Esstisch mit reich geschnitzten Stühlen, manche mit blauem Polster, davor ein roter Kordon, der die Besucher fernhält. Auf einem Beistelltisch gerahmte Familienfotos – ganz offensichtlich noch bewohnt, kein reines Museum. Dicke Perserteppiche auf dem Steinboden, ein Bücherschrank in der Ecke, Kandelaber auf dem Tisch. Man merkt: Hier lebt noch jemand, auch wenn Touristen durchlaufen.

ℹ️ Infobox: Duart Castle und Clan MacLean

Duart gelangte in MacLean-Besitz, als Lachlan Lubanach – „Lachlan der Listige“ – im 14. Jahrhundert Mary MacDonald heiratete, die Tochter des Lord of the Isles. Das Schloss und ein Großteil der Isle of Mull waren Teil ihrer Mitgift. Im Laufe der Jahrhunderte kämpfte der Clan MacLean auf der Seite der Royalisten, verlor das Schloss an die Campbells und sah es langsam verfallen. 1911 erwarb Sir Fitzroy Donald Maclean, der 26. Clan-Chef, das damals völlig ruinöse Schloss zurück und ließ es aufwendig restaurieren.

Heute ist Duart der Sitz des 28. Clan-Chiefs Sir Lachlan Maclean – und der ist manchmal persönlich vor Ort, um Clan-Mitglieder aus aller Welt zu begrüßen. Ein Teil des Clans lebt offenbar in Kanada und kommt regelmäßig hierher zurück. Es ist einfach toll, wenn man sieht, dass diese Clan-Zugehörigkeit noch immer lebendig ist.

Tolles altes Schloss, schöner Besuch.

Wieder Highland Cattle

Unterwegs sind wir wieder an einer Herde Highland Cattle vorbeigekommen.

ℹ️ Infobox: Highland Cattle und Galloway

Highland Cattle (Bò Ghàidhealach): langes, zotteliges Doppelfell, geschwungene Hörner bei beiden Geschlechtern, traditionelle Farben rotbraun, schwarz oder falb. Alter Name: Kyloe (von gälisch caol, „Meerenge“). Eine Gruppe heißt nicht Herde, sondern Fold.

Galloway: von Natur aus hornlos, kürzeres, dichtes Fell, meist einfarbig schwarz, seltener rötlich oder falb. Benannt nach der Region im Südwesten Schottlands. Die weiß gegürtete Variante heißt Belted Galloway.

An einer Schautafel am Straßenrand konnten wir nachlesen, warum es von beiden Rassen heute vergleichsweise wenige gibt: Beides reine Weiderassen für karge, nasse Marginalstandorte, langsam wachsend, nicht auf maximale Fleischmenge gezüchtet. In der modernen, auf Effizienz getrimmten Landwirtschaft wurden sie über weite Strecken von schnellwachsenden Rassen wie Aberdeen Angus verdrängt. Highland Cattle gelten nach internationaler Einstufung sogar als gefährdet – erhalten vor allem durch engagierte Züchter, Heritage-Programme und, nicht zuletzt, durch Landschaftspflege-Projekte, bei denen ihre genügsame Art gezielt genutzt wird, um karge Flächen offen zu halten. Interessant, dass ausgerechnet die Tiere, die auf jeder zweiten Schottland-Postkarte stehen, in Wahrheit vom Aussterben bedroht sind.

Der Campingplatz hier ist wunderschön, mit einem tollen Strand. Wir bleiben gleich drei Nächte – so schön ist es hier. Morgen soll es erst regnen, dann besser werden. Bis vor anderthalb Stunden schien hier noch die Sonne. Wir hoffen einfach, dass wir morgen auf Iona genauso ein Wetterfenster erwischen.

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ℹ️ Infobox: Fidden Farm Campsite

Familienbetrieb in dritter Generation, seit 2021 von Lyndsay und Fulton geführt, davor von Lyndsays Eltern seit 1988. Direkt am Strand bei Fionnphort, Isle of Mull.

Und was für ein Betrieb das ist: Nebenbei wird hier immer noch richtig Landwirtschaft betrieben – rund 20 Rinder und über 600 Schafe grasen auf demselben Gelände, auf dem auch die Zelte und Wohnmobile stehen. Ziegen und sogar Esel spazieren zwischen den Stellplätzen umher, mitten durch die Dünen. Gebucht wird hier nicht – man kommt an, sucht sich seinen Platz aus, und zahlt per Selbstbedienung oder an der Rezeption, wenn sie besetzt ist.

Unsere Route virtuell mitreisen

Nachts lohnt sich der Blick nach oben: fernab jeder Lichtverschmutzung sieht man hier die Milchstraße in aller Klarheit. Einziges Manko, das wir mitbekommen haben: Nur die ersten paar Camper morgens erwischen eine warme Dusche am Sanitärhaus, danach wird es kalt. Umso wichtiger, dass wir und die allermeisten anderen Camper eine eigene Dusche im Wohnmobil haben.


Im nächsten Teil: mit dem Fahrrad zur Fähre nach Iona, die Geschichte des Heiligen Columba, und ein Kloster, das seit 1.500 Jahren Pilger anzieht.

Inhaltsverzeichnis:

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Titel

Themen

1

Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle

Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle

2

Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr

CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco

3

Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland

DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies

4

Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth

Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty

5

Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt

Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats

6

Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm

Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay

7

Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen

Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby

8

Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot

Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay

9

Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky

Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie

10

Panik am Old Man of Hoy

Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane

11

Kühlschrank kaputt – und nun?

Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber

12

NC500 – Traumstraße hoch im Norden

Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie

13

Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften

Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh

14

Willkommen auf Lewis

Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere

15

Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones

Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich

16

Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so!

Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber

17

Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte

Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse

18

Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall

Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis

19

Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung

Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle

20

Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris

Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre

21

Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns

Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch

22

Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden

Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas

23

Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen

Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island

24

Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne

Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline

25

Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull

Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm

26

Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas

Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid

27

Otter auf Mull

Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban

28

Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow

Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow

29

Glasgow: Museum, Mackintosh und ein Verkehrshütchen auf dem Kopf des Duke of Wellington

University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington

30

Demnächst: Dunbar und Bass Rock

 
Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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