Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Schottland
Reise Know-How Reiseführer Schottland
24,90 EUR
ℹ️ Infobox: Eine winzige Insel, ein riesiger Ansturm
Auf dieser kleinen Insel mit gerade mal 200 Einwohnern kommen täglich bis zu 2.000 Besucher an – manchmal noch mehr. Es gibt sogar Busverbindungen aus den nächsten Großstädten, die so getaktet sind, dass sie mit der Fähre zusammenpassen. Alles auf Touristen ausgelegt.
Warum ausgerechnet Iona? Zum einen, weil es seit 1.500 Jahren eine der heiligsten Stätten des christlichen Europas ist – der Ursprungsort, von dem aus das Christentum in weite Teile Schottlands und Nordenglands getragen wurde. Zum anderen, weil hier der Sage nach rund 48 schottische, acht norwegische und vier irische Könige begraben liegen, in der Reilig Odhráin direkt neben der Abtei – darunter, so die Überlieferung, auch Macbeth und sein Opfer Duncan, beide später von Shakespeare literarisch verewigt. Beweisen lässt sich die genaue Zuordnung der Gräber heute nicht mehr, die Grabsteine sind längst verwittert. Aber die Tradition allein reicht, um aus einer 800-Seelen-Insel eine der meistbesuchten religiösen Stätten Schottlands zu machen.
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Mehr InformationenVor der Touristenwelle
Wir haben gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen. Was für ein Tag.
Heute Morgen erst mal regnerisch – das wussten wir aber und haben uns Zeit gelassen. Als wir dann mit den Fahrrädern zur Fähre aufgebrochen sind, sah man am Horizont bereits, dass es besser werden würde. Noch ziemlich trüb, aber vielversprechend.
Auf Iona gründete er ein Kloster nach irischer Mönchstradition, mit einfachen Holzgebäuden um eine zentrale Kirche. Von hier aus bekehrten er und seine Mönche die Pikten und andere Stämme im Norden Britanniens. Iona wurde ein Zentrum keltischen Christentums, keltischer Kunst und Gelehrsamkeit – und gilt als Entstehungsort des Book of Kells, jenes berühmten illuminierten Evangeliars, das heute in Dublin aufbewahrt wird. Pilger kamen aus ganz Europa.
ℹ️ Infobox: Wikinger, Verfall, Wiederaufbau
Um 800 begannen Wikingerangriffe die Insel zu verwüsten. Viele Mönche flohen, die Reliquien Columbas wurden nach Kells in Irland und nach Dunkeld in Schottland gebracht. Im 13. Jahrhundert wurden eine Benediktinerabtei und eine Augustinerinnen-Nonnerie errichtet. Die Reformation zerstörte beides – die Abtei verfiel und lag Jahrhunderte in Trümmern, bis 1899 mit der Restaurierung begonnen wurde.
Wir haben uns das Kloster ausführlich angeschaut und dem Audioguide zugehört – allein der läuft schon eine Stunde. Und ich wundere mich immer wieder, wenn Leute reinkommen, drei Bilder machen und wegrennen. Das versteh ich einfach nicht. Da nehmen sie eine weite Reise auf sich, das kostet Zeit und Geld, und dann haben sie keine Zeit, sich das in Ruhe anzuschauen. Oder noch schlimmer, gehen nicht hinein, weil es Geld kostet.
ℹ️ Infobox: Historic Scotland Membership
Der reguläre Eintritt in die Abtei kostet für einen Erwachsenen etwa 10 bis 11 Pfund. Eine Jahresmitgliedschaft für zwei Erwachsene liegt im bei rund 105 Pfund – damit ist der Eintritt an über 300 historischen Stätten in ganz Schottland inklusive, von Edinburgh Castle bis zu den kleinsten Ruinen am Straßenrand.
Wir sind Mitglieder von Historic Scotland, dementsprechend war der Eintritt für uns kostenlos. Man bezahlt einmal einen höheren Betrag und kann dann überall umsonst rein. Je mehr man besucht, desto günstiger wird es am Ende – und wir besuchen immer viel. Abgesehen davon unterstützt man so die Erhaltung dieser Altertümer. Ein netter Nebeneffekt: An den Einlässen werden wir mit der Mitgliedskarte fast immer bevorzugt behandelt, und es ergibt sich fast jedes Mal ein freundliches kleines Gespräch mit dem Personal – ganz anders als das reine Ticket-Abreißen bei den Tagesbesuchern.
ℹ️ Infobox: Die Hochkreuze von Iona
Von einst über 1.000 keltischen Hochkreuzen, die im Mittelalter auf Iona standen, sind heute nur noch drei erhalten – dazu kommt eine originalgetreue Nachbildung. St. Martin’s Cross ist das einzige, das noch an seinem ursprünglichen Standort steht, seit über 1.000 Jahren, aus einem einzigen Block rotem Granit gehauen: eine Seite mit biblischen Szenen (Daniel in der Löwengrube, David und Goliath), die andere mit ineinander verschlungenen Schlangen im typisch keltischen Stil. St. John’s Cross, das älteste der Kreuze, brach im Lauf der Jahrhunderte mehrfach zusammen – die Originalteile stehen heute rekonstruiert im Abteimuseum, draußen vor der Kirche steht eine exakte Betonkopie, die so platziert ist, dass ihr Schatten am späten Nachmittag genau auf die Tür von Columbas Schrein fällt. Aus den Schäden an St. John’s Cross lernte man offenbar: Das jüngere St. Martin’s Cross bekam kürzere Arme, damit es nicht kopflastig wird und einstürzt. Das dritte erhaltene Kreuz, St. Matthew’s Cross, steht ebenfalls im Museum. Diese keltischen Steinkreuze, schon zu Columba-Zeiten aufgestellt und später vermehrt, waren selbst Wallfahrtsorte für Pilger, die zur Abtei kamen – in einer Zeit, in der Bücher teuer und selten waren, dienten die Bildszenen darauf dazu, die Evangelien einer größtenteils des Lesens unkundigen Bevölkerung zu erzählen.
Am Nachmittag bin ich noch einmal vorbeigefahren, als die Sonne tiefer stand und die Westseite beleuchtete. Andere Lichtstimmung, andere Bilder. Unglaubliches Glück mit dem Wetter. Aber gute Fotos kann man eben auch planen: einmal morgens, einmal nachmittags, dieselbe Kreuzung, zweimal ganz unterschiedliches Licht.
Es lohnt sich immer, beide Seiten der Kreuze genau anzuschauen!
ℹ️ Infobox: Das Martyrium von Iona
Ab 795 wurde Iona wiederholt von Wikingern überfallen – 795, 802, 806 und noch einmal 825. Beim Überfall von 806 wurden 68 Mönche erschlagen, größtenteils unbewaffnet und wehrlos; die Überlieferung verortet das Massaker sowohl in der Martyrs‘ Bay im Osten als auch am White Strand of the Monks im Norden. 825 wurde der amtierende Abt Blathmac getötet, weil er sich weigerte, das Versteck von Columbas Reliquienschrein preiszugeben. Ein Teil der überlebenden Mönche floh nach diesen Überfällen nach Kells in Irland und vollendete dort das schon auf Iona begonnene Book of Kells. Eine späte, versöhnliche Fußnote: Während des Zweiten Weltkriegs besuchte ein norwegischer Matrose die Abtei, hörte von den Wikingerüberfällen seiner Vorfahren – und organisierte nach seiner Rückkehr eine Holzspende für den Wiederaufbau des Refektoriumsdachs, quasi als Wiedergutmachung.
Über den Golfplatz zum Atlantik
Eine Einheimische hatte uns empfohlen, noch einen weiteren tollen Strand anzusehen: die Bay at the Back of the Ocean – Camas Cùl an t-Sàile auf Gälisch. Mit den Fahrrädern quer über die Insel, und dabei fast nicht gemerkt, dass wir über den Golfplatz fahren. Ein öffentlicher Golfplatz – jeder kann hier spielen, ziemlich cool – dementsprechend kurz gemähtes Gras, und hinter der Kuppe: der Atlantik.
ℹ️ Infobox: Iona Nunnery
1203 als Augustinerinnenkloster gegründet, ist sie eine der besterhaltenen mittelalterlichen Nonnenanlagen Schottlands. Nur noch die Grundmauern stehen, der Rest ist eingestürzt – aber liebevoll hergerichtet, mit Bänken und Blumen überall.
Heute Morgen bin ich mit dem Kajak nach Iona gepaddelt. Wunderschön. Nadja ist in diesem ganzen Urlaub kein einziges Mal mitgepaddelt – sie hat großen Respekt vor dem Atlantik, und das zu Recht. Dann hat mich ein Regenguss erwischt – und seitdem scheint die Sonne den ganzen Tag. Wir saßen faul in der Wärme, im T-Shirt. Es sind zwar nur 16 bis 18 Grad, aber man gewöhnt sich daran im Laufe der Zeit. Was am Anfang dieser Reise frisch war, ist heute angenehm warm.
Am Nachmittag mit den Fahrrädern zu einer ganzen Reihe von Stränden, die man von hier gut erreicht – teils mit dem Rad, teils zu Fuß. Tinker’s Hole – eine der berühmten Buchten dieser Ecke – ist eher für Boote zugänglich, zu Fuß kaum zu erreichen. Aber davor gibt es genug: Sandstrand nach Sandstrand, türkisblaues Wasser, weiß und weit.
ℹ️ Infobox: Erraid und Robert Louis Stevenson
Erraid ist eine tidenabhängige Insel – nur zwei Stunden vor und nach Niedrigwasser zu Fuß über den freigelegten Sand erreichbar, sonst durch Wasser vom Festland Mulls getrennt. Der Schriftsteller Robert Louis Stevenson – Enkel des Leuchtturmbauers Robert Stevenson, dem wir auf dieser Reise schon mehrfach begegnet sind – wuchs zeitweise hier auf, während sein Vater am Bau des Leuchtturms auf Dubh Artach mitwirkte. Erraid diente ihm später als Vorlage für die Insel, auf der sein Romanheld David Balfour in „Kidnapped“ („Die Entführung“) strandet. Die Bucht auf der Südseite von Erraid heißt bis heute David Balfour’s Bay, auf Gälisch Traigh Gheal.
Fidden Beach liegt an der Südwestspitze von Mull – einer der abgelegensten Ecken der Insel. Wer hierher kommt, muss die gesamte Fahrt über Mull auf sich nehmen, mit all den Single Track Roads. Das machen nicht viele. Gestern standen wir fast alleine hier, heute sind es vielleicht zehn Fahrzeuge. So wechselt das von Tag zu Tag.
Einfach mal eine Auszeit genommen. Kajak gefahren, Fahrrad gefahren, Strände. Alles gemacht, was wir uns gewünscht haben.
War schön.
Im nächsten Teil: der Höhepunkt zuerst – Otter am Loch na Keal – und wie wir überhaupt dorthin kamen: die Regenfahrt von Mull nach Tobermory.
Inhaltsverzeichnis:
| # | Titel | Themen |
|---|---|---|
| 1 | Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle |
| 2 | Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco |
| 3 | Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies |
| 4 | Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty |
| 5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
| 6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
| 7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
| 8 | Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay |
| 9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
| 10 | Panik am Old Man of Hoy | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane |
| 11 | Kühlschrank kaputt – und nun? | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber |
| 12 | NC500 – Traumstraße hoch im Norden | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie |
| 13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
| 14 | Willkommen auf Lewis | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere |
| 15 | Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich |
| 16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
| 17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
| 18 | Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis |
| 19 | Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle |
| 20 | Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre |
| 21 | Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch |
| 22 | Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden | Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas |
| 23 | Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen | Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island |
| 24 | Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne | Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline |
| 25 | Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull | Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm |
| 26 | Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas | Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid |
| 27 | Otter auf Mull | Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban |
| 28 | Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow | Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow |
| 29 | Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of Wellington | University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington |
| 30 | Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von Bebbanburg | Dunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle |
| 31 | Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer später | Alnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt |
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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