Wir starten mit der Fahrt nach Callanish – und schon auf dem Weg zeigen sich am Horizont zum ersten Mal die Berge von Harris. Noch weit weg, noch verschwommen in der Distanz, aber unverkennbar: die nächste Etappe kündigt sich an, bevor wir überhaupt auf Harris sind.
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Schottland
Reise Know-How Reiseführer Schottland
24,90 EUR
ℹ️ Infobox: Äußere Hebriden, Lewis und Harris
Die Äußere Hebriden – auch Western Isles genannt – sind eine Inselkette vor der Nordwestküste Schottlands: von Lewis und Harris im Norden über North Uist, Benbecula und South Uist bis nach Barra im Süden. Wer die Namen „Isle of Lewis“ und „Isle of Harris“ hört, denkt an zwei getrennte Inseln – dabei handelt es sich um ein und dieselbe Insel, die größte Schottlands und nach Großbritannien und Irland die drittgrößte der gesamten Britischen Inseln. Eine schmale Landenge bei Tarbert trennt die beiden Teile, keine Meerenge, keine Brücke nötig.
Warum trotzdem zwei Namen? Weil die beiden Hälften landschaftlich kaum unterschiedlicher sein könnten: Lewis im Norden ist flaches Moorland, Harris im Süden ein schroffes Bergland mit über 30 Gipfeln über 300 Metern. Bis 1975 gehörten sie sogar zu unterschiedlichen Grafschaften – Lewis zu Ross and Cromarty, Harris zu Inverness-shire. Die Namen selbst stammen vermutlich aus dem Altnordischen: „Lewis“ womöglich von Ljóðhús („Lieder-Haus“), „Harris“ von hár oder hærri („hoch“) – passend zu den Bergen, die wir gerade erst am Horizont gesehen haben.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDie Steine selbst sind aus Lewisian Gneiss gehauen – demselben Gestein, das wir schon die ganze Reise sehen: drei Milliarden Jahre alt, das älteste Gestein der Britischen Inseln. Die Menschen, die diese Steine aufstellten, haben also nicht irgendwelche Steine genommen – sie haben Steine gewählt, die älter sind als der größte Teil des Lebens auf der Erde.
Was die Anlage so außergewöhnlich macht: Sie ist kein einfacher Kreis. Es gibt eine Allee von Steinen nach Norden, und kürzere Reihen nach Osten, Westen und Süden. Eine Reihe ist exakt Nord-Süd ausgerichtet, eine andere zeigt Sommer- und Wintersonnenwende an. Das ist nicht zufällig. 2016 lieferte eine Studie der Universität Adelaide den statistischen Beweis, dass Callanish tatsächlich auf die Bewegungen von Sonne und Mond ausgerichtet wurde. Diese Menschen wussten genau, was sie taten.
ℹ️ Infobox: Wie kamen die ersten Menschen überhaupt hierher?
Lange bevor hier ein einziger Stein stand, mussten die ersten Menschen erst einmal auf die Insel kommen – über offenes Meer, ohne die Boote, die wir heute kennen. Die ältesten bekannten Spuren menschlicher Anwesenheit auf den Äußeren Hebriden stammen aus Northton auf Harris und sind etwa 9.000 Jahre alt: Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit, die kurz nach der letzten Eiszeit hierherkamen, vermutlich mit einfachen Fellbooten oder ausgehöhlten Baumstämmen – den „Nussschalen“ jener Zeit – über die offene See vom schottischen Festland oder von Skye aus. Um etwa 4000 v. Chr. kam dann eine neue Welle: sesshafte Bauern der Jungsteinzeit, die Ackerbau, Viehzucht und Keramik mitbrachten. Diese Neuankömmlinge waren es, die wenige Jahrhunderte später die ersten Steine bei Callanish aufstellten.
Woher aber kamen genug Menschen, um so etwas überhaupt zu bauen? In der Umgebung hat man mittlerweile mindestens 12 weitere Steinkreise und megalithische Strukturen gefunden – manche davon noch halb im Moor verborgen, benannt aber seit Jahrzehnten nicht wiederentdeckt. Es könnte auch mehr sein. Die Landschaft um Loch Roag ist ein ganzes prähistorisches Netzwerk.
ℹ️ Infobox: Eine ganze Kulturlandschaft
Das bedeutet: Hier lebte keine kleine, verstreute Gruppe, sondern eine über Generationen sesshafte, organisierte Gemeinschaft von Bauern – groß genug, um mehrere solcher Anlagen gleichzeitig zu unterhalten und Steine von mehreren Tonnen Gewicht mit Holzrollen, Hebeln und schierer Menschenkraft zu bewegen und aufzustellen.
Eilean Fraoich – die Insel des Heidekrauts
Nadja hatte Bedenken, dass wir keinen Stellplatz bekommen würden. Reiseführer und Facebookgruppen vermitteln genau diesen Eindruck. Aber dem ist nicht so: Wasser und Entsorgung geht wohl nur an einem Campingplatz, aber Freistehen ist an vielen Orten auf Lewis kein Problem.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenWir gehen trotzdem auf den Eilean Fraoich Campingplatz – zwei Nächte geplant, und am Ende verlängern wir sogar noch. Eilean Fraoich bedeutet schlicht „Heide-Insel“ – passend für Lewis, wo das Heidekraut das Moor dominiert.
Zum einen können wir hier endlich mal einfach die Füße hochlegen, zum anderen ist der Chef und seine Familie unglaublich nett. Am Abend steht ein Pizzawagen bereit und man kann sich seine eigene Pizza machen lassen, am nächsten Tag ist es der Lieferservice eines Restaurants. In der nahe gelegenen Schule könnte man im kleinen Hallenbad sogar schwimmen.
Noch dazu hat Iain immer einen Tipp parat: welches Blackhouse man nicht auslassen sollte, wie man mit dem Fahrrad am besten an den Strand kommt, wo Adler brüten. Und er freut sich immer auf einen Schwatz. An diesem Abend erzählt er uns, wie unerträglich heiß es am nächsten Tag werden soll: 21 Grad! Das wäre Temperaturrekord seit 1807. Viel zu heiß. Wir lachen und freuen uns, dass wir nicht frieren müssen.
Der Campingplatz ist sehr zu empfehlen.
Im nächsten Teil: der heißeste Tag auf Lewis, eine 42-Kilometer-Radtour und die Blackhouses von Arnol – rauchgeschwärzte Steinhäuser, in denen die Menschen gesünder lebten, als man denken würde.
Alle Angaben basieren auf unseren Erfahrungen im Frühjahr/Frühsommer 2026. Öffnungszeiten und Preise können sich ändern.
Inhaltsverzeichnis:
| # | Titel | Themen |
|---|---|---|
| 1 | Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle |
| 2 | Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco |
| 3 | Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies |
| 4 | Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty |
| 5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
| 6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
| 7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
| 8 | Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay |
| 9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
| 10 | Panik am Old Man of Hoy | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane |
| 11 | Kühlschrank kaputt – und nun? | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber |
| 12 | NC500 – Traumstraße hoch im Norden | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie |
| 13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
| 14 | Willkommen auf Lewis | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere |
| 15 | Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich |
| 16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
| 17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
| 18 | Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis |
| 19 | Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle |
| 20 | Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre |
| 21 | Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch |
| 22 | Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden | Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas |
| 23 | Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen | Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island |
| 24 | Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne | Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline |
| 25 | Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull | Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm |
| 26 | Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas | Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid |
| 27 | Otter auf Mull | Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban |
| 28 | Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow | Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow |
| 29 | Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of Wellington | University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington |
| 30 | Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von Bebbanburg | Dunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle |
| 31 | Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer später | Alnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt |
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
*Die hier verwendeten Links sind Provisions-Links, auch Affiliate-Links genannt. Wenn Sie auf einen solchen Link klicken und auf der Zielseite etwas kaufen, bekommen wir vom betreffenden Anbieter oder Online-Shop i.d.R. eine Vermittlerprovision. Es entstehen für Sie keine Nachteile beim Kauf oder Preis.
Entdecke mehr von Womo.blog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.













2 Kommentare
Ian vom Eilean Fraoich Campingplatz habe ich vor einigen Jahren kennengelernt. Ich war mit dem Fahrrad und Zelt auf den Hebriden und in den Highlands unterwegs. 10 KM vor dem geplanten Stopp auf dem Campingplatz ist mir an einem Freitag die Kette irreparabel gerissen. Ian hat mich am Montag (am Wochenende haben sämtliche Geschäfte dort oben geschlossen) mit dem Auto zum nächsten Fahrradladen in Stornoway gebracht. Ich glaube das waren so ca. 50 KM.
Angeblich, weil er ohnehin dorthin musste. Er ist allerdings direkt umgedreht und zurückgefahren, nachdem er mich und mein ganzes Geraffel abgesetzt hatte.
Selten habe ich so hilfsbereite und freundliche Menschen wie dort oben getroffen. Das ich aufgrund der Panne kaum Nahrungsmittel und Getränke dabei hatte, sprach sich auf dem CP schnell rum. Mir wurde alles mögliche angeboten oder einfach vor das Zelt gelegt.
Das werde ich nie vergessen.
Hallo Reiner!
Geile Story!
Aber genau so ist er!