Die Mutter aller Steinkreise: Callanish Standing Stones – Orkney/Hebrides Teil 15

Wir starten mit der Fahrt nach Callanish – und schon auf dem Weg zeigen sich am Horizont zum ersten Mal die Berge von Harris. Noch weit weg, noch verschwommen in der Distanz, aber unverkennbar: die nächste Etappe kündigt sich an, bevor wir überhaupt auf Harris sind.

In der Ferne die hohen Berge von Harris
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Schottland
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ℹ️ Infobox: Äußere Hebriden, Lewis und Harris

Die Äußere Hebriden – auch Western Isles genannt – sind eine Inselkette vor der Nordwestküste Schottlands: von Lewis und Harris im Norden über North Uist, Benbecula und South Uist bis nach Barra im Süden. Wer die Namen „Isle of Lewis“ und „Isle of Harris“ hört, denkt an zwei getrennte Inseln – dabei handelt es sich um ein und dieselbe Insel, die größte Schottlands und nach Großbritannien und Irland die drittgrößte der gesamten Britischen Inseln. Eine schmale Landenge bei Tarbert trennt die beiden Teile, keine Meerenge, keine Brücke nötig.

Warum trotzdem zwei Namen? Weil die beiden Hälften landschaftlich kaum unterschiedlicher sein könnten: Lewis im Norden ist flaches Moorland, Harris im Süden ein schroffes Bergland mit über 30 Gipfeln über 300 Metern. Bis 1975 gehörten sie sogar zu unterschiedlichen Grafschaften – Lewis zu Ross and Cromarty, Harris zu Inverness-shire. Die Namen selbst stammen vermutlich aus dem Altnordischen: „Lewis“ womöglich von Ljóðhús („Lieder-Haus“), „Harris“ von hár oder hærri („hoch“) – passend zu den Bergen, die wir gerade erst am Horizont gesehen haben.

Für uns geht es aber quer über die Insel nach Westen – zu den Callanish Standing Stones. Älter als Stonehenge, älter als die Pyramiden. Outlander-Fans werden die Anlage übrigens kennen – der fiktive Steinkreis „Craigh na Dun“ aus der Serie wurde direkt von Callanish inspiriert.

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Erbaut um 2750 v. Chr., stehen sie auf einer niedrigen Anhöhe mit Blick auf Loch Roag – ein Ring aus 13 Steinen, jeder etwa 3,5 Meter hoch, angeordnet in einem kreuzförmigen Muster um einen zentralen Monolithen von fast 5 Metern.

Die Steine selbst sind aus Lewisian Gneiss gehauen – demselben Gestein, das wir schon die ganze Reise sehen: drei Milliarden Jahre alt, das älteste Gestein der Britischen Inseln. Die Menschen, die diese Steine aufstellten, haben also nicht irgendwelche Steine genommen – sie haben Steine gewählt, die älter sind als der größte Teil des Lebens auf der Erde.

Und dann verschwanden sie. Um 800 v. Chr. wurde die Anlage aufgegeben. Das Moor wuchs darüber. Im 19. Jahrhundert lagen die Steine unter anderthalb Metern Torf begraben – bekannt, aber kaum sichtbar. Erst als man anfing zu graben, kam zum Vorschein, was wir heute sehen.

Was die Anlage so außergewöhnlich macht: Sie ist kein einfacher Kreis. Es gibt eine Allee von Steinen nach Norden, und kürzere Reihen nach Osten, Westen und Süden. Eine Reihe ist exakt Nord-Süd ausgerichtet, eine andere zeigt Sommer- und Wintersonnenwende an. Das ist nicht zufällig. 2016 lieferte eine Studie der Universität Adelaide den statistischen Beweis, dass Callanish tatsächlich auf die Bewegungen von Sonne und Mond ausgerichtet wurde. Diese Menschen wussten genau, was sie taten.

ℹ️ Infobox: Wie kamen die ersten Menschen überhaupt hierher?

 

Lange bevor hier ein einziger Stein stand, mussten die ersten Menschen erst einmal auf die Insel kommen – über offenes Meer, ohne die Boote, die wir heute kennen. Die ältesten bekannten Spuren menschlicher Anwesenheit auf den Äußeren Hebriden stammen aus Northton auf Harris und sind etwa 9.000 Jahre alt: Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit, die kurz nach der letzten Eiszeit hierherkamen, vermutlich mit einfachen Fellbooten oder ausgehöhlten Baumstämmen – den „Nussschalen“ jener Zeit – über die offene See vom schottischen Festland oder von Skye aus. Um etwa 4000 v. Chr. kam dann eine neue Welle: sesshafte Bauern der Jungsteinzeit, die Ackerbau, Viehzucht und Keramik mitbrachten. Diese Neuankömmlinge waren es, die wenige Jahrhunderte später die ersten Steine bei Callanish aufstellten.

Woher aber kamen genug Menschen, um so etwas überhaupt zu bauen? In der Umgebung hat man mittlerweile mindestens 12 weitere Steinkreise und megalithische Strukturen gefunden – manche davon noch halb im Moor verborgen, benannt aber seit Jahrzehnten nicht wiederentdeckt. Es könnte auch mehr sein. Die Landschaft um Loch Roag ist ein ganzes prähistorisches Netzwerk.

ℹ️ Infobox: Eine ganze Kulturlandschaft

Das bedeutet: Hier lebte keine kleine, verstreute Gruppe, sondern eine über Generationen sesshafte, organisierte Gemeinschaft von Bauern – groß genug, um mehrere solcher Anlagen gleichzeitig zu unterhalten und Steine von mehreren Tonnen Gewicht mit Holzrollen, Hebeln und schierer Menschenkraft zu bewegen und aufzustellen.

Als dann noch ein Seeadler über uns hinwegflog, war das ein perfekter Abschluss.

Eilean Fraoich – die Insel des Heidekrauts

Nadja hatte Bedenken, dass wir keinen Stellplatz bekommen würden. Reiseführer und Facebookgruppen vermitteln genau diesen Eindruck. Aber dem ist nicht so: Wasser und Entsorgung geht wohl nur an einem Campingplatz, aber Freistehen ist an vielen Orten auf Lewis kein Problem.

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Wir gehen trotzdem auf den Eilean Fraoich Campingplatz – zwei Nächte geplant, und am Ende verlängern wir sogar noch. Eilean Fraoich bedeutet schlicht „Heide-Insel“ – passend für Lewis, wo das Heidekraut das Moor dominiert.

Zum einen können wir hier endlich mal einfach die Füße hochlegen, zum anderen ist der Chef und seine Familie unglaublich nett. Am Abend steht ein Pizzawagen bereit und man kann sich seine eigene Pizza machen lassen, am nächsten Tag ist es der Lieferservice eines Restaurants. In der nahe gelegenen Schule könnte man im kleinen Hallenbad sogar schwimmen.

endlich mal Zeit für kleine Reparaturen...

Noch dazu hat Iain immer einen Tipp parat: welches Blackhouse man nicht auslassen sollte, wie man mit dem Fahrrad am besten an den Strand kommt, wo Adler brüten. Und er freut sich immer auf einen Schwatz. An diesem Abend erzählt er uns, wie unerträglich heiß es am nächsten Tag werden soll: 21 Grad! Das wäre Temperaturrekord seit 1807. Viel zu heiß. Wir lachen und freuen uns, dass wir nicht frieren müssen.

Der Campingplatz ist sehr zu empfehlen.

Im nächsten Teil: der heißeste Tag auf Lewis, eine 42-Kilometer-Radtour und die Blackhouses von Arnol – rauchgeschwärzte Steinhäuser, in denen die Menschen gesünder lebten, als man denken würde.

Alle Angaben basieren auf unseren Erfahrungen im Frühjahr/Frühsommer 2026. Öffnungszeiten und Preise können sich ändern.

Inhaltsverzeichnis:

2026-05-26_14-31-52_Schottland - Lewis Callanisch Stones__T5A3654-Bearbeitet-3840
#TitelThemen
1Die Planung – Route, eVisum und die erste FalleReiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle
2Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehrCalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco
3Anreise: Amsterdam – Newcastle – SchottlandDFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies
4Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty FirthOutlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty
5Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der WeltDunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats
6Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im SturmCastle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay
7Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffenAnkunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby
8Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein HotspotSkara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay
9Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen WhiskyBroch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie
10Panik am Old Man of HoyStromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane
11Kühlschrank kaputt – und nun?Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber
12NC500 – Traumstraße hoch im NordenDeerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie
13Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte UrlandschaftenKylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh
14Willkommen auf LewisCeilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere
15Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing StonesCallanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich
16Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so!Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber
17Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche GeschichteButt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse
18Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überallMangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis
19Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche WanderungKajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle
20Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach HarrisTarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre
21Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für unsLuskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch
22Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren HebridenGolden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas
23Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden KühenSkye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island
24Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der SonneKilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline
25Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach MullFähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm
26Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte EuropasBaile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid
27Otter auf MullTobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban
28Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach GlasgowOban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow
29Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of WellingtonUniversity of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington
30Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von BebbanburgDunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle
31Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer späterAlnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt
Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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2 Kommentare

  1. Ian vom Eilean Fraoich Campingplatz habe ich vor einigen Jahren kennengelernt. Ich war mit dem Fahrrad und Zelt auf den Hebriden und in den Highlands unterwegs. 10 KM vor dem geplanten Stopp auf dem Campingplatz ist mir an einem Freitag die Kette irreparabel gerissen. Ian hat mich am Montag (am Wochenende haben sämtliche Geschäfte dort oben geschlossen) mit dem Auto zum nächsten Fahrradladen in Stornoway gebracht. Ich glaube das waren so ca. 50 KM.
    Angeblich, weil er ohnehin dorthin musste. Er ist allerdings direkt umgedreht und zurückgefahren, nachdem er mich und mein ganzes Geraffel abgesetzt hatte.
    Selten habe ich so hilfsbereite und freundliche Menschen wie dort oben getroffen. Das ich aufgrund der Panne kaum Nahrungsmittel und Getränke dabei hatte, sprach sich auf dem CP schnell rum. Mir wurde alles mögliche angeboten oder einfach vor das Zelt gelegt.
    Das werde ich nie vergessen.

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