Wir sind auf der NC500 unterwegs, der bekanntesten Küstenstraße im Norden Schottlands. Von den Orkney-Inseln kommend fahren wir in Richtung Ullapool, von wo aus wir mit der Fähre zu den Äußeren Hebriden übersetzen wollen – nach Lewis und Harris.
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Schottland
Reise Know-How Reiseführer Schottland
24,90 EUR
Das Wetter ist für einen Frühsommer kalt und nass. Und das sagen nicht wir, das sagen die Einheimischen
12 Grad maximal am Tag, windig, regnerisch, und die Berge hängen oft im dicken Nebel. Das klingt jetzt vielleicht abschreckend – aber es ist genau die Stimmung, auf die wir gehofft haben. Die Landschaft wirkt mystisch, der Blick ist oft endlos, das Licht macht aus jeder Szene etwas Besonderes. Schottland in Grau und Grün ist manchmal schöner als Schottland in der Sonne.
Schöne Tiere sind es. Stolz und kraftvoll. Keine gezähmten Tiere – frei lebend und ohne natürliche Feinde.
Nicht weit entfernt, das nächste Highlight an der NC500.
Tief im Loch Glencoul liegt Eas a‘ Chual Aluinn – der höchste Wasserfall Großbritanniens, 200 Meter hoch, viermal so hoch wie die Niagara Falls. Heute: vollständig im Nebel. So kann das in den Highlands passieren – da sind schon ganze Armeen aneinander vorbeigezogen, ohne sich zu bemerken.
ℹ️ Infobox: Rotwild in Schottland
Schottland hat eine der dichtesten Rotwildpopulationen Europas – rund 300.000 Rothirsche leben hier, die große Mehrheit in den Highlands. Der Rothirsch ist das größte Landsäugetier Großbritanniens: Hirsche erreichen bis zu 200 kg, Hirschkühe etwa 120 kg.
Natürliche Feinde gibt es keine mehr – Wolf und Luchs sind seit Jahrhunderten ausgerottet. Die Bestände werden durch Abschuss reguliert. Das Deer Stalking – die traditionelle schottische Hirschjagd – ist ein fester Bestandteil des Highland-Lebens. Jagdsaison für Hirsche: ab Juli.
Bestes Beobachtungsgebiet: Kylesku, Assynt, das gesamte Northwest Highlands Geopark-Gebiet. Bei Nachtfahrten: Deer Crossing-Schilder unbedingt ernst nehmen.
Hirsche im Nebel – und ein Umweg über die Hügel
Auf einer Hochebene: Nebelfelder, so tief, dass wir mit dem Wohnmobil buchstäblich darin fahren – oben weiß, unten klare Sicht. Zwei Hirsche am Straßenrand, mitten im Nebel, vollkommen entspannt. Wir halten an. Mit dem Teleobjektiv kann man ihnen tief in die Augen schauen.
ℹ️ Infobox: Northwest Highlands Geopark – drei Milliarden Jahre auf einen Blick
Lewisian Gneiss – die grauen, verschlungenen Felsen, die man überall sieht – sind über 3 Milliarden Jahre alt. Fast so alt wie die Erde selbst. Entstanden in der Tiefe der Erdkruste, durch Hitze und Druck metamorphosiert, dann an die Oberfläche gehoben.
Torridonian Sandstein – der rotbraune Sandstein, der die markanten isolierten Berge formt: Suilven, Quinag, Stac Pollaidh, Cul Mor. Rund 1 Milliarde Jahre alt, abgelagert in einem flachen Flussdelta. Die Berge sind Überreste eines uralten Plateaus – die Erosion hat alles rundherum abgetragen, was übrig blieb, sind diese schroffen Türme.
Die Moine-Überschiebung – eine geologische Verwerfung, die einst die Caledonian Mountains formte. Geologiestudenten aus aller Welt kommen hierher.
Was man beim Fahren sieht: Eine Landschaft, die 3 Milliarden Jahre erzählt. Kaum zu fassen.
Lochinver – Regen, Nebel und eine geschlossene Bäckerei
Nach Lochinver wollte ich wegen eines Fotos. Und wegen der Bäckerei – angeblich die beste Pie-Bäckerei Schottlands. Leider hat mir die KI, die mir bei der Planung geholfen hat, vergessen zu erwähnen, dass die Bäckerei sonntags geschlossen hat. Das wäre ein hilfreicher Hinweis gewesen.
ℹ️ Infobox: Sonntags geschlossen
An der Nordwestküste Schottlands – besonders auf den Äußeren Hebriden, aber auch auf dem Festland – ist der Sonntag vielerorts noch heilig. Läden, Bäckereien, Fähren, Freizeiteinrichtungen: Vieles hat sonntags geschlossen oder fährt deutlich reduziert. Das gilt auch für die Pie-Bäckerei in Lochinver und die Fähre nach Handa Island. Wer sonntags unterwegs ist: vorher prüfen, nicht davon ausgehen, dass offen ist.
Es regnete ohne Ende. Ich suchte den Standpunkt, von dem man die Kirche und den mächtigen Suilven dahinter auf einem Bild zusammenbekommt. Die Kirche ist auf dem Foto. Der Suilven liegt im Nebel. So sieht es aus, wenn Schottland keine Fotos will.
Natürlich darf ich hier kein Bild aus dem Internet einfügen, aber ihr findet ein Bild, so wie ich es mir wünschte hier:
Das Ardvreck Castle – eine Ruine auf einer Halbinsel im Loch Assynt, bei strömendem Regen kaum zu fotografieren. Die Geschichte: 1650 bat der Royalist James Graham, Marquess of Montrose, hier nach einer verlorenen Schlacht um Zuflucht. Statt Schutz bekam er Verrat – ausgeliefert, nach Edinburgh gebracht, hingerichtet.
Die MacLeods bekamen ihren Lohn: 25.000 Pfund und 400 Fässer ranziges Hafermehl. Zwanzig Jahre später verloren sie das Castle. Was blieb: die Ruine – und der Geist eines grauen Mannes, der angeblich noch heute im Turm steht.
Stac Pollaidh – auf Gälisch „steiler Fels des Tümpels“ – ist 613 Meter hoch und einer der markantesten Berge Schottlands. Nicht wegen seiner Höhe, sondern wegen seiner Form: eine zerklüftete Kammfirst aus Torridonischem Sandstein, eine Milliarde Jahre alt, mit wild gezackten Türmen und Nadeln. Kinder sagen immer: der sieht aus wie ein Vulkan. Stimmt. Jährlich besteigen ihn rund 55.000 Menschen. Den Westgipfel erreicht man nur durch anspruchsvolles Klettern, den Ostgipfel kann jeder halbwegs fitte Wanderer schaffen – die Aussicht über Loch Lurgainn und die Summer Isles ist spektakulär.
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Mehr InformationenMorgen geht es endlich zu den Äußeren Hebriden. Lewis und Harris. Und wir werden erst dort lernen, warum eine Insel zwei Namen hat.
Alle Angaben basieren auf unseren Erfahrungen im Frühjahr/Frühsommer 2026. Öffnungszeiten und Preise können sich ändern.
Inhaltsverzeichnis:
| # | Titel | Themen |
|---|---|---|
| 1 | Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle |
| 2 | Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco |
| 3 | Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies |
| 4 | Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty |
| 5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
| 6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
| 7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
| 8 | Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay |
| 9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
| 10 | Panik am Old Man of Hoy | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane |
| 11 | Kühlschrank kaputt – und nun? | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber |
| 12 | NC500 – Traumstraße hoch im Norden | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie |
| 13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
| 14 | Willkommen auf Lewis | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere |
| 15 | Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich |
| 16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
| 17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
| 18 | Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis |
| 19 | Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle |
| 20 | Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre |
| 21 | Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch |
| 22 | Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden | Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas |
| 23 | Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen | Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island |
| 24 | Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne | Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline |
| 25 | Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull | Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm |
| 26 | Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas | Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid |
| 27 | Otter auf Mull | Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban |
| 28 | Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow | Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow |
| 29 | Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of Wellington | University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington |
| 30 | Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von Bebbanburg | Dunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle |
| 31 | Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer später | Alnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt |
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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3 Kommentare
So imposant die Hirschszenerie ist, die Kehrseite sollte vielleicht nicht unerwähnt bleiben:
Nach 1746 (Massacre of Culloden und anschließender Zerschlagung des Clansystems) wurde im Zuge der sog. Highland Clearances das Hochland systematisch entvölkert und das Land für die Schafzucht im großen Stil genutzt, weil sie mehr einbrachte als die magere Pacht der bis dato ansässigen Crofter. Später wurde Rotwild ausgesetzt, u.a. zur einträglichen Erbauung meist ausländischer Jäger. Die Tiere vermehrten sich prächtig, auch wegen der wie erwähnt fehlenden natürlichen Feinde. Heute bemüht man sich, die Glens nach Abholzung des uralten Baumbestandes (Stichwort: Kaledonische Kiefer) wieder aufzuforsten. Das ist aber nur erfolgversprechend, wenn massive Zaunanlagen die Schonungen schützen (und die Wanderer die Tore hinter sich schließen). Es besteht verständlicherweise ein krasser Interessenkonflikt zwischen den Aufforstern und denen, die von den Abschußprämien profitieren.
Wieder einmal: Beeindruckende Fotos, die die Hochlandstimmung, wie sie häufiger als vermutet ist, wunderbar wiedergeben.
Ich selber bin die Nc 500 in 2019 im September mit dem Motorrad gefahren. Wegen der Wettervorhersage sind wir von New Castle upon Tyne, an Edinburgh vorbei, über Pitlochry durch die Cairngorms nach Inverness gefahren. W.ir hatten leider nur 1 Woche für die NC 500 und sind sie counterclockwise angegangen. So hatten wir zuerst die Ostküste, die schon viele Highlights bietet aber zum weiteren Verlauf die unglaublich schöne Westküste mit ihren überwätigenden Eindrücken. Wir hatten die ganze Zeit ( Sonnenschein) davon zu 50% liquid sunshine.
Im Juni 2023 haben wir fast die gleiche Strecke mit dem Camper bereist, mit 2 Wochen Zeit und wir hatten nur Sonnenschein, in dem Jahr fehlte der Regen und ein hoher Wasserfall den ich kannte war nicht da. An vielen Stellen und Passagen waren wir froh, mit einem 6m Kastenwagen unterwegs zu sein und haben an Stellen gestanden wo wirklich maximal H2 hingelangen konnten. Wir haben an allen Stellen mit 2 Fergläsern die Natur beobachtet, aber leider kein Wild gesehen ( auch als Jäger nicht). Der Rückweg durch das Glencoe, die North Pennins, die Yorkshire Dales zur Fähre nach Hull haben auch schöne Eindrücke hinterlassen und wir werden sicher wieder hinfahren mit viel mehr Zeit ,mit dem Kastenwagen für die engen Stellen. Danke für die vielen Fotos, die uns auch darin bestärken, nochmals die Highlands intensiv zu bereisen
liquid sunshine – 🫣 – schöne Umschreibung:
Wir hatten oft Glück. Die Tiere bettelten förmlich fotografiert zu werden. Da kommen noch ein paar nette Geschichten.