Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung – Orkney/Hebrides Teil 19

Letzte Nacht am Strand

Ruhige Nacht am Huisinis Beach – 25 Pfund für den Stellplatz. Die zahlen wir gerne für so einen tollen Platz. Nebenan sogar ein Aufenthaltsraum mit Dusche und WC für die Wanderer. Gestern Abend noch ein schöner Sonnenuntergang, der allerdings genauso schnell wieder vorbei war, wie er kam. Über Nacht Regen, der aufs Wohnmobil prasselte.

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Insel Scarp

Direkt gegenüber liegt die Insel Scarp – unbewohnt seit 1971, einst Heimat von über 200 Menschen. Die alten Häuser stehen noch, jetzt leer, mit Blick auf genau die Bucht, in der wir stehen. In den 1930er-Jahren wurde von Huisinis aus versucht, die erste Raketen-Postverbindung nach Scarp zu etablieren. Die Rakete explodierte beim Start. Die Briefe, die sie trug, wurden als Raritäten verkauft

Heute Morgen grau. Ich habe lange überlegt: aufs Wasser oder nicht? Ich bin aufs Wasser gegangen.

Kajak bei Huisinis

Ins Wasser kommen war schon nicht einfach – am Strand durch die Wellen, aber das ist Übungssache. Als ich dann draußen war, zunächst kein Problem. Die Bucht ist geschützt, die Wellen hielten sich in Grenzen.

Das änderte sich, als ich weiter rausfuhr und um die Halbinsel herumpaddeln wollte. Auf der offenen Seite – zwischen den Inseln, wo es eigentlich windgeschützt sein sollte – waren die Wellen so hoch, die Dünung so mächtig, dass ich in den Wellentälern das Land ringsum nicht mehr sehen konnte. Spätestens da habe ich mir gesagt: das ist nicht in Ordnung. Du gehst gerade ein Wagnis ein.

Kein Land mehr in Sicht

Umkehren. Einmal quer zur Welle, um zu wenden – das ist der gefährlichste Moment, da stellt sich das Kajak quer, und wenn man nicht aufpasst, kennt man das Ende. Es war beherrschbar, aber es war nicht ohne. Ich bin gut wieder an den Strand gekommen. Etwa 3 Kilometer auf dem Atlantik, auf den Äußeren Hebriden. Das muss fürs erste reichen. Aber für einen größeren Ausflug oder eine Tour um Scarp herum waren die Bedingungen schlicht nicht gut genug.

ℹ️ Infobox: Warum die Wellen hinter der Halbinsel höher waren

Was sich zunächst widersinnig anfühlt, hat einen einfachen Grund: Die Landzunge bricht die Dünung nur so lange, wie man in ihrem Windschatten bleibt. Sobald man sie umrundet, trifft man wieder auf die volle Atlantikdünung – das ist den meisten klar, wird aber oft sogar verstärkt, weil sich Wellen an den Rändern von Landzungen überlagern und aufschaukeln können. Genau diese Zone zwischen „geschützt“ und „offen“ ist beim Sea-Kayaking eine der tückischsten überhaupt, weil sie sich erst zeigt, wenn man schon mittendrin ist.

Der Weg, der keiner ist

Für den Nachmittag stand eine Wanderung an – zum Secret Beach, auf Gälisch Traigh Mheilein. Ein Schild am Stellplatz: 3,5 Meilen. Hin und zurück waren es dann 8 Kilometer, also stimmt es ungefähr.

Was das Schild nicht sagte: Es gibt keinen Wanderweg. Nur einen schmalen Trampelpfad, der sich am Hang entlangzieht, oft direkt an der Kante – auf der einen Seite steiles Gras und Heidekraut, auf der anderen Seite geht es unmittelbar bergab zum Meer hinunter. Über Felsen, über wacklige Steine, rutschig, steil – 200 Höhenmeter rauf und runter, dabei ständig hochkonzentriert, weil ein falscher Tritt einen direkt den Hang hinunterträgt. 

Vom Weg ist kaum etwas zu sehen

Nadja hat irgendwann die Segel gestrichen und ist umgekehrt. Das war die richtige Entscheidung, denn 100 Meter weiter wäre es für sie nicht mehr machbar gewesen. Ich bin zweimal weggerutscht, die Steine sind zum Teil lose, die Felsen nass. Nicht ungefährlich.

Aber dann dieser Strand. Gigantisch, menschenleer, weißer Sand, türkisblaues Wasser – und ausgerechnet in diesem Moment Sonne. Wenn es hier 30 Grad hätte, wäre das die Urlaubsregion schlechthin. Bei 12 Grad kommt kaum jemand, und ins Wasser geht fast niemand. Fast – ich habe zwei Leute gesehen. Die Frau im Badeanzug, der Mann im Neoprenanzug. Die Frauen sind einfach härter.

Tràigh Mheilein & Crabhadail, Weg von Hùisinis

ℹ️ Infobox: Traigh Mheilein

Gilt als einer der abgelegensten und schönsten Strände von Harris – und das will etwas heißen auf einer Insel, die für ihre Strände berühmt ist. Der Weg dorthin hält die meisten Besucher fern. Tràigh Mheilein ist ein abgelegener, unberührter Sandstrand im Nordwesten der Isle of Harris auf den Äußeren Hebriden in Schottland. Sein feiner weißer Sand, das türkisblaue Wasser unter einem steil in den Himmel ragenden Berg. Da der Strand nicht mit dem Auto erreichbar ist, gilt er als echter Geheimtipp und der raue Wanderweg führt nicht viele Besucher hierher.

Wer es bis hier geschafft hat, sollte sich viel Zeit nehmen und die Stimmung genießen. Ein Picknick bietet sich ebenso an, wie schwimmen gehen, da die Bucht geschützt liegt, ist das Wasser oft ruhig.
Man kann die Wanderung auf 8 Meilen ausdehnen, sollte dann aber bedenken, dass es durch ein Moor weiter geht.

Vom Strand habe ich wieder lange zurück gebraucht, Nebel zog auf und der Weg wurde auch nicht besser. Unser Parkticket lief gegen 18 Uhr aus, also sind wir abgefahren, weiter Richtung Tarbert. Unterwegs kamen ein paar Highland Cattle vorbei – Hochlandrinder. Immer wieder schön, diese zotteligen Tiere.

Die Straße führte durch das Gelände eines Schlosses, heute ein Fünfsternehotel. Die ersten Kilometer der Single Track Road waren extrem eng, danach wurde es etwas entspannter.

Amhuinnsuidhe Castle

Jetzt stehen wir auf einem schönen Platz über dem Meer, nur noch ein paar Kilometer von Tarbert entfernt. Und dann kam eine Kuhherde vorbei und begann, sich an allem zu reiben, was in der Nähe stand – den Pfosten, den Mülltonnen, unserem Wohnmobil. Ich musste raus, ein bisschen verscheuchen – und dabei auch noch meine Kamera retten, die draußen für einen Zeitraffer stand, direkt neben dem Bullen.

Inhaltsverzeichnis:

2026-05-26_14-31-52_Schottland - Lewis Callanisch Stones__T5A3654-Bearbeitet-3840
#TitelThemen
1Die Planung – Route, eVisum und die erste FalleReiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle
2Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehrCalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco
3Anreise: Amsterdam – Newcastle – SchottlandDFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies
4Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty FirthOutlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty
5Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der WeltDunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats
6Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im SturmCastle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay
7Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffenAnkunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby
8Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein HotspotSkara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay
9Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen WhiskyBroch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie
10Panik am Old Man of HoyStromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane
11Kühlschrank kaputt – und nun?Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber
12NC500 – Traumstraße hoch im NordenDeerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie
13Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte UrlandschaftenKylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh
14Willkommen auf LewisCeilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere
15Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing StonesCallanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich
16Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so!Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber
17Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche GeschichteButt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse
18Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überallMangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis
19Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche WanderungKajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle
20Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach HarrisTarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre
21Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für unsLuskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch
22Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren HebridenGolden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas
23Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden KühenSkye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island
24Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der SonneKilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline
25Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach MullFähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm
26Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte EuropasBaile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid
27Otter auf MullTobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban
28Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach GlasgowOban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow
29Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of WellingtonUniversity of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington
30Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von BebbanburgDunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle
31Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer späterAlnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt

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