Letzte Nacht am Strand
Ruhige Nacht am Huisinis Beach – 25 Pfund für den Stellplatz. Die zahlen wir gerne für so einen tollen Platz. Nebenan sogar ein Aufenthaltsraum mit Dusche und WC für die Wanderer. Gestern Abend noch ein schöner Sonnenuntergang, der allerdings genauso schnell wieder vorbei war, wie er kam. Über Nacht Regen, der aufs Wohnmobil prasselte.
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Schottland
Reise Know-How Reiseführer Schottland
24,90 EUR
Direkt gegenüber liegt die Insel Scarp – unbewohnt seit 1971, einst Heimat von über 200 Menschen. Die alten Häuser stehen noch, jetzt leer, mit Blick auf genau die Bucht, in der wir stehen. In den 1930er-Jahren wurde von Huisinis aus versucht, die erste Raketen-Postverbindung nach Scarp zu etablieren. Die Rakete explodierte beim Start. Die Briefe, die sie trug, wurden als Raritäten verkauft
Das änderte sich, als ich weiter rausfuhr und um die Halbinsel herumpaddeln wollte. Auf der offenen Seite – zwischen den Inseln, wo es eigentlich windgeschützt sein sollte – waren die Wellen so hoch, die Dünung so mächtig, dass ich in den Wellentälern das Land ringsum nicht mehr sehen konnte. Spätestens da habe ich mir gesagt: das ist nicht in Ordnung. Du gehst gerade ein Wagnis ein.
Umkehren. Einmal quer zur Welle, um zu wenden – das ist der gefährlichste Moment, da stellt sich das Kajak quer, und wenn man nicht aufpasst, kennt man das Ende. Es war beherrschbar, aber es war nicht ohne. Ich bin gut wieder an den Strand gekommen. Etwa 3 Kilometer auf dem Atlantik, auf den Äußeren Hebriden. Das muss fürs erste reichen. Aber für einen größeren Ausflug oder eine Tour um Scarp herum waren die Bedingungen schlicht nicht gut genug.
ℹ️ Infobox: Warum die Wellen hinter der Halbinsel höher waren
Was sich zunächst widersinnig anfühlt, hat einen einfachen Grund: Die Landzunge bricht die Dünung nur so lange, wie man in ihrem Windschatten bleibt. Sobald man sie umrundet, trifft man wieder auf die volle Atlantikdünung – das ist den meisten klar, wird aber oft sogar verstärkt, weil sich Wellen an den Rändern von Landzungen überlagern und aufschaukeln können. Genau diese Zone zwischen „geschützt“ und „offen“ ist beim Sea-Kayaking eine der tückischsten überhaupt, weil sie sich erst zeigt, wenn man schon mittendrin ist.
Was das Schild nicht sagte: Es gibt keinen Wanderweg. Nur einen schmalen Trampelpfad, der sich am Hang entlangzieht, oft direkt an der Kante – auf der einen Seite steiles Gras und Heidekraut, auf der anderen Seite geht es unmittelbar bergab zum Meer hinunter. Über Felsen, über wacklige Steine, rutschig, steil – 200 Höhenmeter rauf und runter, dabei ständig hochkonzentriert, weil ein falscher Tritt einen direkt den Hang hinunterträgt.
Vom Weg ist kaum etwas zu sehen
Aber dann dieser Strand. Gigantisch, menschenleer, weißer Sand, türkisblaues Wasser – und ausgerechnet in diesem Moment Sonne. Wenn es hier 30 Grad hätte, wäre das die Urlaubsregion schlechthin. Bei 12 Grad kommt kaum jemand, und ins Wasser geht fast niemand. Fast – ich habe zwei Leute gesehen. Die Frau im Badeanzug, der Mann im Neoprenanzug. Die Frauen sind einfach härter.
ℹ️ Infobox: Traigh Mheilein
Gilt als einer der abgelegensten und schönsten Strände von Harris – und das will etwas heißen auf einer Insel, die für ihre Strände berühmt ist. Der Weg dorthin hält die meisten Besucher fern. Tràigh Mheilein ist ein abgelegener, unberührter Sandstrand im Nordwesten der Isle of Harris auf den Äußeren Hebriden in Schottland. Sein feiner weißer Sand, das türkisblaue Wasser unter einem steil in den Himmel ragenden Berg. Da der Strand nicht mit dem Auto erreichbar ist, gilt er als echter Geheimtipp und der raue Wanderweg führt nicht viele Besucher hierher.
Wer es bis hier geschafft hat, sollte sich viel Zeit nehmen und die Stimmung genießen. Ein Picknick bietet sich ebenso an, wie schwimmen gehen, da die Bucht geschützt liegt, ist das Wasser oft ruhig.
Man kann die Wanderung auf 8 Meilen ausdehnen, sollte dann aber bedenken, dass es durch ein Moor weiter geht.
Vom Strand habe ich wieder lange zurück gebraucht, Nebel zog auf und der Weg wurde auch nicht besser. Unser Parkticket lief gegen 18 Uhr aus, also sind wir abgefahren, weiter Richtung Tarbert. Unterwegs kamen ein paar Highland Cattle vorbei – Hochlandrinder. Immer wieder schön, diese zotteligen Tiere.
Die Straße führte durch das Gelände eines Schlosses, heute ein Fünfsternehotel. Die ersten Kilometer der Single Track Road waren extrem eng, danach wurde es etwas entspannter.
Jetzt stehen wir auf einem schönen Platz über dem Meer, nur noch ein paar Kilometer von Tarbert entfernt. Und dann kam eine Kuhherde vorbei und begann, sich an allem zu reiben, was in der Nähe stand – den Pfosten, den Mülltonnen, unserem Wohnmobil. Ich musste raus, ein bisschen verscheuchen – und dabei auch noch meine Kamera retten, die draußen für einen Zeitraffer stand, direkt neben dem Bullen.
Inhaltsverzeichnis:
# | Titel | Themen |
1 | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle | |
2 | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco | |
3 | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies | |
4 | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty | |
5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
8 | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay | |
9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
10 | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane | |
11 | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber | |
12 | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie | |
13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
14 | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere | |
15 | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich | |
16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
18 | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis | |
19 | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle | |
20 | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre | |
21 | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch | |
22 | Demnächst: Golden Road und St. Clement’s Church |
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