Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris – Orkney/Hebrides Teil 20

Manchmal macht man Sachen…

Manchmal macht man Sachen, die sind unsinnig, und im Nachhinein schüttelt man den Kopf. Aber der Reihe nach.

Es ist neblig draußen, so neblig, dass wir die Berge nicht sehen und auch nicht die Inseln. Die Kälber verabschieden sich anständig am frühen Morgen von uns, stehen noch einige Zeit am Wohnmobil und trotten dann hinter der Herde her. In der Nacht lagen zwei der Kühe mit allen Kälbern nicht weit von uns entfernt. Die Bullen und der Rest der Herde waren im Nebel verschwunden.

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Es regnet immer wieder, und dementsprechend lang wird unser Frühstück. Wir wollen nach Tarbert zum Shoppen. Die einzige große Stadt hier entpuppt sich als sehr, sehr klein – dafür heimelig.

Kurz nach Tarbert

Tarbert, da wollte ich ja einen Anzug kaufen. Wir sind auf Harris, da muss es doch viele Läden mit Harris Tweed geben.

Pustekuchen. Es gibt einen Laden in der Nähe der Fähre, alle Touristen gehen hier ein und aus. Der Anzug dort ist zwar aus ähnlichem Stoff wie der, den wir später in Stornoway finden sollten, und doch ganz anders. Wieder etwas gelernt: Der Stoff ist Harris Tweed, aber die Geschäfte arbeiten mit unterschiedlichen Schneidereien zusammen, die daraus Jacken und Anzüge fertigen. Jedes Stück ist also ein bisschen anders. Der Anzug hier wäre zwar günstiger gewesen, aber irgendwie war ich unzufrieden.

Onkel Heini aus Uhlenbusch, oder?

Warum überhaupt ein Tweed-Anzug? Ich kann es nicht genau sagen, aber ich wollte schon immer so einen haben. Ein bisschen wie bei „Der Doktor und das liebe Vieh“ – britisch, mit Ellenbogenschonern. Keine Ahnung, was mich da treibt, ich finde ihn einfach toll.

Ein wenig sehe ich damit wohl aus wie Onkel Heini aus Uhlenbusch, oder?

Whisky bei Michelle

Vorher aber noch ein Stopp bei der Isle of Harris Distillery in Tarbert. Michelle ließ mich an drei Whiskys schnuppern – und ein winziges Tröpfchen trinken. Den teuersten habe ich dann doch mitgenommen. Nur noch sieben Flaschen davon waren übrig – und der war richtig lecker. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Die Isle of Harris Distillery wurde 2015 gegründet und ist die erste Destillerie auf Harris. Bekannter als ihr Whisky ist bislang der Harris Gin geworden – mit Zuckertang aus den Äußeren Hebriden als botanische Zutat, einer Alge, die nur in diesen Gewässern wächst. Der Whisky selbst ist noch jung, die ersten eigenen Abfüllungen reifen noch im Fass. Aber was wir heute gekostet haben, lässt auf mehr hoffen.

Die letzten sieben Flaschen - der Preis ist angemessen

Regen, Regen, Regen

Da es ohne Unterlass schüttete, entschieden wir uns, komplett über die Insel zurück nach Stornoway zu fahren. Eine Stunde – was solls. Dafür gab es dort einen richtigen Supermarkt und eine Tankstelle, an der wir auch noch einmal Gas nachtanken konnten

Hier gibt es die höchsten Berge auf Harris! Nur wo???

An allen hohen Bergen vorbei – im Nebel und Regen wieder nichts gesehen – nach Stornoway.


Der richtige Anzug

Tatsächlich einen Parkplatz in der Innenstadt ergattert, in den Laden Harris Tweed Hebrides gegangen, in dem wir schon vor einigen Tagen waren.

Heute wissen wir, dass die Besitzerin sich extrem viel Mühe macht, den Laden und die Marke zu erhalten, und Shops für die Einheimischen schafft.

Der Anzug war dann tatsächlich besser. Es sind die Details. Und da mir ein Faden auf der Brust nicht gefiel, ist der Chef ins Lager gegangen und hat ein anderes Jackett in meiner Größe geholt. Nun passte alles, ein kleines Vermögen wechselte den Besitzer. Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen. Da diese Anzüge sehr warm sind, wird es wohl bis zum Winter dauern, bis ich ihn das erste Mal anziehe.

Dann noch den nicht vorhandenen Kühlschrank aufgefüllt, getankt und die Gasflaschen aufgefüllt – das sollte jetzt für den Rest der Reise reichen.

Anschließend die ganze Strecke durch den Regen zurück. Diesmal zumindest die Umrisse der Berge zu erahnen – ein Fortschritt. Aber ob es wirklich hohe Berge auf Harris gibt, können wir immer noch nicht beschwören.

Luskentyre

Nun fahren wir zu Nadjas Wunschstrand – leider im Regen, aber das bleibt nicht so, da sind wir uns sicher.

...bei Regen ist alles doof...

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ℹ️ Infobox: Luskentyre – auf Gälisch Fadhail Losgaintir, der gigantischste Strand von Harris und einer der schönsten Schottlands. Kristallklares, türkisblaues Wasser trifft auf feinsten weißen Sand und eine dramatische Dünenlandschaft. 3,5 Kilometer kann man wandern und wird noch immer nicht das Ende erreicht haben. Bei Flut sind Teile des Küstenabschnitts unpassierbar. Keine Restaurants, keine Bars – einfach nur Natur.

Hey, das wäre doch genau unser Platz gewesen. An der Straße gibt es tatsächlich einige Stellplätze, die man per App oder Paypal bezahlen kann. 
Keine Ver- oder Entsorgung, jedoch oft mit einem Mülleimer oder Container
Leider sind alle Plätze am Abend belegt.

Wir fahren die Single Track Road bis zum Ende, in Erwartung einer großartigen Aussicht, und landen auf dem Parkplatz an einem Friedhof, mitten in gigantischen Dünen. Es ist ein Donation-Platz, wir reihen uns ein – es ist spät geworden.

Hier ist Bezahlung Pflicht UND WIRD ÜBERPRÜFT! Bezahlung in bar. 

Zumindest einen Blick wollen wir noch auf die Bucht werfen und wandern noch viele Kilometer durch die Dünen – und kommen doch nicht bis zum Strand. Naja, morgen ist auch noch ein Tag.

 

Im nächsten Teil: mehr von Luskentyre – ein weißes Pferd, eine Honesty-Hütte und eine Kajaktour in den Sound of Taransay.

Inhaltsverzeichnis:

2026-05-26_14-31-52_Schottland - Lewis Callanisch Stones__T5A3654-Bearbeitet-3840
#TitelThemen
1Die Planung – Route, eVisum und die erste FalleReiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle
2Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehrCalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco
3Anreise: Amsterdam – Newcastle – SchottlandDFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies
4Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty FirthOutlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty
5Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der WeltDunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats
6Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im SturmCastle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay
7Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffenAnkunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby
8Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein HotspotSkara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay
9Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen WhiskyBroch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie
10Panik am Old Man of HoyStromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane
11Kühlschrank kaputt – und nun?Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber
12NC500 – Traumstraße hoch im NordenDeerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie
13Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte UrlandschaftenKylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh
14Willkommen auf LewisCeilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere
15Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing StonesCallanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich
16Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so!Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber
17Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche GeschichteButt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse
18Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überallMangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis
19Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche WanderungKajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle
20Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach HarrisTarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre
21Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für unsLuskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch
22Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren HebridenGolden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas
23Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden KühenSkye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island
24Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der SonneKilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline
25Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach MullFähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm
26Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte EuropasBaile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid
27Otter auf MullTobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban
28Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach GlasgowOban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow
29Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of WellingtonUniversity of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington
30Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von BebbanburgDunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle
31Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer späterAlnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt
Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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4 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei,
    Ich lese jeden Tag euren Bericht von Schottland und bin total begeistert. Steht auch noch auf unserer Liste und eure Berichte sind einfach toll sowie auch die Bilder. Dankeschön dafür. Nun habe ich eine Frage bezüglich deines tollen Anzuges den du dir gekauft hast. Mich würde es interessieren was du dafür gezahlt hast wenn du es verraten möchtest.
    Wir wünschen euch weiterhin eine tolle Zeit in Schottland.
    Liebe Grüße Bine&Achim

    1. Hi Sabine!
      Der Sacko kostet um die 350 Pfund, die Weste 135 Euro.
      Es gibt günstigere und deutlich teurere. Aber das ist ja bei Anzügen immer so.
      In Tarbert war es etwas günstiger, dafür fand ich die Qualität in Stornoway besser.

      1. Hallo Jürgen,
        Danke für deine schnelle Antwort. Für die Qualität ist das völlig in Ordnung. In Deutschland bekommt man so ein edles Teil bestimmt nicht für das Geld. Sieht auf jeden Fall super aus.
        L.G. Bine&Achim

        1. Hallo Sabine!
          Ein guter Anzug kostet auch bei uns 500 Euro und mehr, insofern war es mir das wert – noch dazu schwärme ich seit Kindesbeinen von so einem Anzug und dann bitte ein Original. Das es die auch in Oban zu kaufen gibt oder in Glasgow oder wahrscheinlich auch in Frankfurt oder Stuttgart, war mir bewusst, aber auf Harris, einen Harris-Tweet zu kaufen, hat doch auch was 🙂

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