Es ist neblig draußen, so neblig, dass wir die Berge nicht sehen und auch nicht die Inseln. Die Kälber verabschieden sich anständig am frühen Morgen von uns, stehen noch einige Zeit am Wohnmobil und trotten dann hinter der Herde her. In der Nacht lagen zwei der Kühe mit allen Kälbern nicht weit von uns entfernt. Die Bullen und der Rest der Herde waren im Nebel verschwunden.
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Schottland
Reise Know-How Reiseführer Schottland
24,90 EUR
Kurz nach Tarbert
Tarbert, da wollte ich ja einen Anzug kaufen. Wir sind auf Harris, da muss es doch viele Läden mit Harris Tweed geben.
Pustekuchen. Es gibt einen Laden in der Nähe der Fähre, alle Touristen gehen hier ein und aus. Der Anzug dort ist zwar aus ähnlichem Stoff wie der, den wir später in Stornoway finden sollten, und doch ganz anders. Wieder etwas gelernt: Der Stoff ist Harris Tweed, aber die Geschäfte arbeiten mit unterschiedlichen Schneidereien zusammen, die daraus Jacken und Anzüge fertigen. Jedes Stück ist also ein bisschen anders. Der Anzug hier wäre zwar günstiger gewesen, aber irgendwie war ich unzufrieden.
Warum überhaupt ein Tweed-Anzug? Ich kann es nicht genau sagen, aber ich wollte schon immer so einen haben. Ein bisschen wie bei „Der Doktor und das liebe Vieh“ – britisch, mit Ellenbogenschonern. Keine Ahnung, was mich da treibt, ich finde ihn einfach toll.
Ein wenig sehe ich damit wohl aus wie Onkel Heini aus Uhlenbusch, oder?
Whisky bei Michelle
Vorher aber noch ein Stopp bei der Isle of Harris Distillery in Tarbert. Michelle ließ mich an drei Whiskys schnuppern – und ein winziges Tröpfchen trinken. Den teuersten habe ich dann doch mitgenommen. Nur noch sieben Flaschen davon waren übrig – und der war richtig lecker. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Die Isle of Harris Distillery wurde 2015 gegründet und ist die erste Destillerie auf Harris. Bekannter als ihr Whisky ist bislang der Harris Gin geworden – mit Zuckertang aus den Äußeren Hebriden als botanische Zutat, einer Alge, die nur in diesen Gewässern wächst. Der Whisky selbst ist noch jung, die ersten eigenen Abfüllungen reifen noch im Fass. Aber was wir heute gekostet haben, lässt auf mehr hoffen.
Regen, Regen, Regen
Da es ohne Unterlass schüttete, entschieden wir uns, komplett über die Insel zurück nach Stornoway zu fahren. Eine Stunde – was solls. Dafür gab es dort einen richtigen Supermarkt und eine Tankstelle, an der wir auch noch einmal Gas nachtanken konnten
An allen hohen Bergen vorbei – im Nebel und Regen wieder nichts gesehen – nach Stornoway.
Der richtige Anzug
Tatsächlich einen Parkplatz in der Innenstadt ergattert, in den Laden Harris Tweed Hebrides gegangen, in dem wir schon vor einigen Tagen waren.
Heute wissen wir, dass die Besitzerin sich extrem viel Mühe macht, den Laden und die Marke zu erhalten, und Shops für die Einheimischen schafft.
Der Anzug war dann tatsächlich besser. Es sind die Details. Und da mir ein Faden auf der Brust nicht gefiel, ist der Chef ins Lager gegangen und hat ein anderes Jackett in meiner Größe geholt. Nun passte alles, ein kleines Vermögen wechselte den Besitzer. Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen. Da diese Anzüge sehr warm sind, wird es wohl bis zum Winter dauern, bis ich ihn das erste Mal anziehe.
Dann noch den nicht vorhandenen Kühlschrank aufgefüllt, getankt und die Gasflaschen aufgefüllt – das sollte jetzt für den Rest der Reise reichen.
Anschließend die ganze Strecke durch den Regen zurück. Diesmal zumindest die Umrisse der Berge zu erahnen – ein Fortschritt. Aber ob es wirklich hohe Berge auf Harris gibt, können wir immer noch nicht beschwören.
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ℹ️ Infobox: Luskentyre – auf Gälisch Fadhail Losgaintir, der gigantischste Strand von Harris und einer der schönsten Schottlands. Kristallklares, türkisblaues Wasser trifft auf feinsten weißen Sand und eine dramatische Dünenlandschaft. 3,5 Kilometer kann man wandern und wird noch immer nicht das Ende erreicht haben. Bei Flut sind Teile des Küstenabschnitts unpassierbar. Keine Restaurants, keine Bars – einfach nur Natur.
Wir fahren die Single Track Road bis zum Ende, in Erwartung einer großartigen Aussicht, und landen auf dem Parkplatz an einem Friedhof, mitten in gigantischen Dünen. Es ist ein Donation-Platz, wir reihen uns ein – es ist spät geworden.
Hier ist Bezahlung Pflicht UND WIRD ÜBERPRÜFT! Bezahlung in bar.
Im nächsten Teil: mehr von Luskentyre – ein weißes Pferd, eine Honesty-Hütte und eine Kajaktour in den Sound of Taransay.
Inhaltsverzeichnis:
| # | Titel | Themen |
|---|---|---|
| 1 | Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle |
| 2 | Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco |
| 3 | Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies |
| 4 | Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty |
| 5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
| 6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
| 7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
| 8 | Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay |
| 9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
| 10 | Panik am Old Man of Hoy | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane |
| 11 | Kühlschrank kaputt – und nun? | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber |
| 12 | NC500 – Traumstraße hoch im Norden | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie |
| 13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
| 14 | Willkommen auf Lewis | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere |
| 15 | Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich |
| 16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
| 17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
| 18 | Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis |
| 19 | Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle |
| 20 | Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre |
| 21 | Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch |
| 22 | Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden | Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas |
| 23 | Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen | Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island |
| 24 | Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne | Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline |
| 25 | Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull | Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm |
| 26 | Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas | Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid |
| 27 | Otter auf Mull | Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban |
| 28 | Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow | Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow |
| 29 | Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of Wellington | University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington |
| 30 | Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von Bebbanburg | Dunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle |
| 31 | Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer später | Alnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt |
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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4 Kommentare
Hallo ihr zwei,
Ich lese jeden Tag euren Bericht von Schottland und bin total begeistert. Steht auch noch auf unserer Liste und eure Berichte sind einfach toll sowie auch die Bilder. Dankeschön dafür. Nun habe ich eine Frage bezüglich deines tollen Anzuges den du dir gekauft hast. Mich würde es interessieren was du dafür gezahlt hast wenn du es verraten möchtest.
Wir wünschen euch weiterhin eine tolle Zeit in Schottland.
Liebe Grüße Bine&Achim
Hi Sabine!
Der Sacko kostet um die 350 Pfund, die Weste 135 Euro.
Es gibt günstigere und deutlich teurere. Aber das ist ja bei Anzügen immer so.
In Tarbert war es etwas günstiger, dafür fand ich die Qualität in Stornoway besser.
Hallo Jürgen,
Danke für deine schnelle Antwort. Für die Qualität ist das völlig in Ordnung. In Deutschland bekommt man so ein edles Teil bestimmt nicht für das Geld. Sieht auf jeden Fall super aus.
L.G. Bine&Achim
Hallo Sabine!
Ein guter Anzug kostet auch bei uns 500 Euro und mehr, insofern war es mir das wert – noch dazu schwärme ich seit Kindesbeinen von so einem Anzug und dann bitte ein Original. Das es die auch in Oban zu kaufen gibt oder in Glasgow oder wahrscheinlich auch in Frankfurt oder Stuttgart, war mir bewusst, aber auf Harris, einen Harris-Tweet zu kaufen, hat doch auch was 🙂