Ein letzter Abend in Dunbar
Gestern Abend noch nach Dunbar gefahren. Direkt zum Hafen, mit Nadja als Lotsin durch ein ziemlich chaotisches Gewirr von Gassen. Es gibt zwar eine ganz einfache Hauptstraße – aber wir sind natürlich durch die engsten Gassen gefahren. Nach Lewis, Harris und den Orkneys ist das für mich kein Problem mehr, aber haarig war es schon. Wir haben einen Platz auf dem kleinen Parkplatz direkt am Hafen ergattert und ganz ruhig geschlafen.
Unsere Route virtuell mitreisen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenEin Felsen voller Basstölpel
Heute Morgen am Hafen aufgewacht – die Fischer waren schon ausgelaufen, das muss man an einem kleinen Fischerhafen eben einplanen. Dunbar selbst war ein sehenswerter Hafen. Von dort aus sieht man den Bass Rock – einen gigantischen, kahlen Felsen mitten im Firth of Forth, vulkanischen Ursprungs, etwa 107 Meter hoch. Vor Jahren bin ich da mal hingepaddelt.
ℹ️ Infobox: Bass Rock
Auf dem Felsen steht ein Leuchtturm, gebaut 1902 von David Alan Stevenson – wieder ein Mitglied jener Leuchtturm-Dynastie, die uns die ganze Reise über begleitet hat. Früher diente der Bass Rock auch als Gefängnis, unter anderem für rebellische presbyterianische Geistliche im 17. Jahrhundert, von denen viele in den ungeheizten Verliesen starben. Heute ist der Fels vor allem für eines berühmt: die größte Basstölpel-Kolonie der Welt. Rund 150.000 Vögel brüten hier zwischen Februar und Oktober, so dicht, dass der ganze Felsen weiß erscheint. David Attenborough nannte ihn eines der zwölf Naturwunder der Welt.
Direkt am Hafen steht außerdem Dunbar Castle – eine Ruine, die mich überrascht hat. Hier wurde tatsächlich schwer gekämpft, auch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg griffen amerikanische Schiffe die Festung an. Ich wusste gar nicht, dass amerikanische Kriegsschiffe hier in schottischen Gewässern operiert haben.
ℹ️ Infobox: Dunbar Community Bakery
Als 2008 die letzte traditionelle Bäckerei der Stadt schloss, fühlte sich das wie das Ende einer Ära an – eine Hauptstraße ohne Bäckerei. Eine Gruppe engagierter Einwohner gründete daraufhin eine Genossenschaft, sammelte über 40.000 Pfund von mehr als 300 Anteilseignern und eröffnete 2011 die Bäckerei neu, in einem ehemaligen Zeitschriftenladen. Heute gehört sie der Gemeinde, wird für die Gemeinde betrieben, beschäftigt sechs Vollzeitkräfte und mehrere Teilzeitkräfte.
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Schottland
Reise Know-How Reiseführer Schottland
24,90 EUR
Ein Stück weiter ein Garten hinter einer Häuserzeile – The Ridge, genannt der Backlands Garden. Das ist eine lokale Stiftung, die seit 2015 ein verwahrlostes Stück Brachland mitten in Dunbars historischem Stadtkern in einen blühenden Gemeinschaftsgarten verwandelt hat. The Ridge bietet Menschen mit Startschwierigkeiten – arbeitslosen oder benachteiligten Einwohnern – Training, Beschäftigung und neue Lebensperspektiven, unter anderem durch traditionelle Handwerkslehren und gärtnerische Arbeit.
Direkt an der High Street noch ein hübscher Fund: The Sweetie Bank. Der Name ist Programm und gleichzeitig ein kleiner Scherz – das Geschäft sitzt in der ehemaligen Filiale der Royal Bank of Scotland, die 2018 schloss, als die RBS landesweit über sechzig Standorte aufgab.
Statt Kontoauszügen gibt es hier jetzt handgemachte Schokolade, traditionelle Süßigkeiten und preisgekröntes Eis. Ein Familienbetrieb, der die alte Bank mit Süßem statt mit Zinsen am Leben hält.
Eine Kirche, die eher wie eine Kathedrale aussah, haben wir leider nicht mehr geschafft zu betreten – keine Zeit mehr. Dafür sind wir noch in ein richtig großes Blumencenter gegangen. Vielleicht ein Fehler – unsere Dusche steht jetzt voller Blumen. Die Auswahl hier ist außergewöhnlich, viele Sorten, die wir bei uns gar nicht bekommen, und für kleines Geld.
ℹ️ Infobox: Bebbanburg
Tatsächlich war Bamburgh über Jahrhunderte der Königssitz von Northumbria, jenem Königreich, das später mit Mercia, Wessex und den anderen angelsächsischen Königreichen zum großen England zusammenwuchs – genau darum geht es in diesen Büchern. Die Uhtred Saga von Bernhard Cornwell
Ankommen in England
Ein kleines Stück weitergefahren, jetzt auf einem Campingplatz. Wir lassen es uns hier nochmal gut gehen. Freistehen an dieser Küste ist praktisch unmöglich, ohne irgendjemandem auf die Füße zu treten. 31 Pfund, nicht wenig – aber wir haben alles, was wir brauchen, und konnten draußen in der Sonne sitzen. T-Shirt-Wetter, das wir kaum noch gewohnt waren.
Dabei sind es gerade mal 16 Grad, in der Sonne vielleicht 20. Und übermorgen sollen es in Deutschland 37 Grad werden. Das wird für uns ein echter Schock.
Jetzt noch ein Tag in Newcastle morgen, und um 17 Uhr geht es auf die Fähre.
Im nächsten Teil: Alnwick Castle, Harry Potter und Downton Abbey, und die Heimfahrt bei 44,5 Grad.
Inhaltsverzeichnis:
| # | Titel | Themen |
|---|---|---|
| 1 | Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle |
| 2 | Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco |
| 3 | Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies |
| 4 | Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty |
| 5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
| 6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
| 7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
| 8 | Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay |
| 9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
| 10 | Panik am Old Man of Hoy | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane |
| 11 | Kühlschrank kaputt – und nun? | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber |
| 12 | NC500 – Traumstraße hoch im Norden | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie |
| 13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
| 14 | Willkommen auf Lewis | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere |
| 15 | Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich |
| 16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
| 17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
| 18 | Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis |
| 19 | Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle |
| 20 | Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre |
| 21 | Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch |
| 22 | Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden | Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas |
| 23 | Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen | Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island |
| 24 | Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne | Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline |
| 25 | Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull | Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm |
| 26 | Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas | Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid |
| 27 | Otter auf Mull | Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban |
| 28 | Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow | Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow |
| 29 | Glasgow: Museum, Mackintosh und der Duke of Wellington | University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington |
| 30 | Bass Rock, eine Bank voller Süßigkeiten und Uhtred von Bebbanburg | Dunbar, Bass Rock, Dunbar Castle, Community Bakery, The Sweetie Bank, Bamburgh Castle |
| 31 | Das letzte Schloss, von 12 auf 44,5 Grad und 5.600 Kilometer später | Alnwick Castle, Percy Family, Harry Potter, Downton Abbey, Newcastle, Heimfahrt |
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
*Die hier verwendeten Links sind Provisions-Links, auch Affiliate-Links genannt. Wenn Sie auf einen solchen Link klicken und auf der Zielseite etwas kaufen, bekommen wir vom betreffenden Anbieter oder Online-Shop i.d.R. eine Vermittlerprovision. Es entstehen für Sie keine Nachteile beim Kauf oder Preis.
Entdecke mehr von Womo.blog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


































3 Kommentare
Hut ab vor diesem gelungenen Reisebericht. Zeit und Aufwand für die Planung und Vorbereitung kann ich nur erahnen. Darf ich fragen, wie lange der in Anspruch genommen hat? Da wäre es ein Genuss hinterher zu reisen. Aber sechs Wochen am Stück sind leider nicht machbar. Dann vielleicht in Etappen…
Jedenfalls: Besten Dank
Wir haben vor Weihnachten mit der Planung angefangen und die Fähren gebucht – zu spät, wie sich herausstellte.
Die Detailplanung machten wir dann über Wochen und Monate bis kurz vor der Abfahrt und während der Reise wurde fleißig nachjustiert und umgeplant.
2018 waren wir schon einmal in Schottland und da uns die Zeit davon lief, haben wir die Äußeren Hebriden und die Orkneys ausgelassen.
Das geht unmöglich zusammen. Außer man hat Monate Zeit.
Dementsprechend lieber kürzere Abschnitte INTENSIV, wie einmal in zwei Wochen alles sehen zu wollen. Die Leute haben wir auch erlebt.
An den Hotspot gerast, Foto gemacht und sofort weiter, denn die Zeit drängt.
Das kann nicht Sinn einer solchen Reise sein!
Hallo Jürgen,
Dunbar ist wirklich einen Besuch wert. Die schmucke Stadt ist außerdem die Geburtsstätte von John Muir, der den amerikanischen Sierra Club mitbegründete und auch maßgebend daran mitwirkte, das Yosemite Valley und die Umgebung zu einem Nationalpark zu machen. Insgesamt unterstützt er die gesamte Nationalpark-Idee und deshalb ist zu seinen Ehren in Dunbar auch ein kleines Museum eingerichtet, das absolut sehenswert ist.
Danke für Dein Tun und viele Grüße von Bernhard