Grau in Grau
Heute sind wir eigentlich nur mit dem Auto groß rumgefahren. Lag natürlich auch wieder am Wetter. Nach dem traumhaft schönen Tag gestern war das nicht anders zu erwarten – grau in grau, ein bisschen Nieselregen, dann wieder keiner. Aber zumindest kein Nebel, sodass wir tatsächlich auch ein bisschen die Berge sehen konnten.
Der Stein des Riesen
Unterwegs, an der Westküste, der MacLeod Stone – auf Gälisch Clach Mhic Leoid. Mehr als 3 Meter hoch, vor über 4.500 Jahren errichtet, steht er auf einem kleinen Hügel am nördlichen Ende des Strands Traigh Iar mit Blick auf die Insel Taransay. Ich bin nur kurz hingeflogen mit der Drohne – zu Fuß hatte ich heute keine Lust. Er steht allein auf einer Kuppe, sieht schön aus. Auf der linken Seite seltsame dunkle Flecken – ob jemand dort ein Lagerfeuer gemacht hat? Ein bisschen merkwürdig.
Eine gälische Legende sagt, der Stein sei ein Rest des Hammers eines Riesen, der zerbrochen ist, als der Riese versuchte, eine Napfschnecke vom Felsen zu lösen. Sein Zweck ist unbekannt – vielleicht Teil eines Kalenders, vielleicht einfach ein Navigationspunkt für Seefahrer, die in die Bucht wollten.
Diese Bücher begleiten uns:
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Schottland
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Haggis bei der Isle of Harris Brewery
Mittagspause in Leverburgh bei der Isle of Harris Brewery – die haben auch ein Restaurant. Nicht groß, aber gemütlich. Haggis – einmal vegetarisch für mich, einmal klassisch für Nadja. Beide sehr zufrieden, sehr lecker, viel zu viel. Das Bier aus der eigenen Brauerei: Nadja fand es ganz nett, ich fand es fürchterlich. Eigen ist das richtige Wort dafür.
Ein Herz in der Mauer
Weiter zur St. Clement’s Church in Rodel – der ältesten und bedeutendsten mittelalterlichen Kirche der Äußeren Hebriden. Ursprünglich aus dem frühen 16. Jahrhundert, wirkt sie viel älter – genau so stellt man sich eine Kirche vor, die von Wikingern gestürmt wurde. Wir waren dort wegen des Herzens – und eines Sterns und einer Blume, die in die Außenmauer eingelassen sind. Nadja hatte davon gelesen.
Die Kirche selbst war dann eine angenehme Überraschung: schlicht, steinern, sehr alt wirkend, mit einer Ruhe im Inneren, die man kaum erwartet. Achtet mal auf die Nackte an der Außenfassade – war zu seiner Zeit bestimmt ein Aufreger!
Die Golden Road und ein blauer Hase
Dann die Golden Road – die Ostküstenstraße von South Harris. Eine Einwohnerin hatte sie uns gestern empfohlen. Die Golden Road windet sich als einspurige Straße entlang der zerklüfteten Ostküste von South Harris, vorbei an kleinen Häfen, Galerien und winzigen Siedlungen mit unaussprechlichen gälischen Namen.
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ℹ️ Infobox: Warum „Golden Road“?
Ihren Namen soll sie bekommen haben, weil der Bau durch dieses schwierige Terrain so unglaublich viel Geld kostete – die Einwohner meinten, sie müsse wohl aus Gold sein. Heute nutzen etwa 50 Anwohner die Straße. Für die hat man seinerzeit ein Vermögen ausgegeben.
Die Westküste von Harris hat die spektakulären Sandstrände – die Ostküste hat dafür eine völlig andere Schönheit: dunkle Lochs, zerklüftete Felsen, kleine Buchten, fast mondartige Landschaft. Wir konnten gar nicht anders als alle paar Meter anzuhalten.
ℹ️ Infobox: Warum ausgerechnet ein Hase?
Eine offizielle Erklärung zu genau dieser Skulptur habe ich nicht gefunden – aber Hasen haben in der schottischen und gälischen Folklore seit jeher einen besonderen Platz. Sie galten als mystische, mit Mond und Magie verbundene Tiere, denen man nachsagte, sich in Hexen verwandeln zu können. Kein Wunder also, dass gerade an einer so kargen, mondartigen Küstenstraße wie der Golden Road ein Künstler einen überdimensionalen Hasen aufstellt – blau noch dazu, damit er garantiert nicht mit der Landschaft verschmilzt.
Am Straßenrand außerdem ein Kasten der Seabee Bakery – Brot auf Vertrauensbasis, Geld in die Dose, Ware raus. Funktioniert immer noch. Honesty Boxen finden sich überall auf der Insel. Mal mit Touristen Mitbringseln, mal mit Kuchen oder Getränke.
Der letzte Leuchtturm
Nadja wollte unbedingt noch zum Eilean Glas Lighthouse auf der Insel Scalpay – rot-weiß gestreift, und Leuchttürme, besonders rot-weiß gestreifte, müssen wir einfach immer besuchen. Problem: Es war schon halb sieben. Das Auto muss man ein gutes Stück vor dem Leuchtturm abstellen, drei Kilometer sollen es sein.
ℹ️ Infobox: Eilean Glas
Auf Gälisch „grüne Insel“ – war 1789 einer der ersten vier Leuchttürme Schottlands überhaupt, erbaut vom berühmten Ingenieur Thomas Smith, dem Schwiegervater von Robert Louis Stevensons Vater. Der heutige rot-weiß gestreifte Turm wurde 1824 von Robert Stevenson gebaut, dem Großvater des Romanautors. Die Familie Stevenson hat fast jeden bedeutenden Leuchtturm Schottlands gebaut. Von hier aus sieht man bei guter Sicht bis zu den Shiant Islands und nach Skye.
Letzte Nacht auf Harris
Kurz vor Tarbert gibt es einen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung – der war leider voll. Wir stehen stattdessen einige Kilometer vor Tarbert, direkt am Weg, auf einem Wanderparkplatz. Am Abend besucht uns wieder einmal eine Kuhherde, mit ziemlich kleinen, dafür umso neugierigeren Kälbern.
Harris verabschiedet sich noch einmal mit einem Spektakel. Wolcken, Regen, Sonne. Alles dabei!
Und das Meer in leuchtenden Farben. Wir haben Harris lieben gelernt!
Morgen geht es auf die Fähre zurück aufs Festland, nach Skye. Unsere Zeit auf den Äußeren Hebriden ist zu Ende. Schade.
Im nächsten Teil: die Fähre nach Skye, Skye Weavers und ein Webstuhl, der mit dem Fahrrad angetrieben wird.
Inhaltsverzeichnis:
# | Titel | Themen |
1 | Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle | |
2 | CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco | |
3 | DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies | |
4 | Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty | |
5 | Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt | Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats |
6 | Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm | Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay |
7 | Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen | Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby |
8 | Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay | |
9 | Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky | Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie |
10 | Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane | |
11 | Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber | |
12 | Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie | |
13 | Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften | Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh |
14 | Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere | |
15 | Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich | |
16 | Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so! | Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber |
17 | Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte | Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse |
18 | Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis | |
19 | Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle | |
20 | Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre | |
21 | Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch | |
22 | Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden | Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas |
23 | Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen | Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island |
24 | Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline | |
25 | Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm | |
26 | Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid | |
27 | Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban | |
28 | Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow | Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow |
29 | Glasgow: Museum, Mackintosh und ein Verkehrshütchen auf dem Kopf des Duke of Wellington | University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington |
30 | Demnächst: Dunbar und Bass Rock |
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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