Da sind wir wieder. Sechs Wochen Schottland liegen hinter uns, fast drei Monate ohne neuen Film. Aber jetzt geht’s los – mit allem, was sich in der Zeit angesammelt hat. Die Daily Stories sind diesmal keine durchgestylte Angelegenheit. Ich habe mir eine Liste gemacht mit Themen, die ihr mir in den letzten Wochen und Monaten geschrieben habt, dazu einiges, das uns selbst in Schottland aufgefallen ist. Das gehen wir jetzt einfach durch.
Camper, Camper sind Dreckschweine
Das meine ich ernst. Es gibt Zeitgenossen unter uns Campern, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Ihr kennt vielleicht das Video, in dem jemand eine Toilettenkassette hinter einer Leitplanke entsorgt. Das ist kein Einzelfall. Ich glaube, es kommt auf jeden Einzelnen von uns an, das anzusprechen und klar zu sagen: So geht das nicht.
Eine Sache muss man aber differenzieren. Wenn auf einem Parkplatz oder in den Hecken ringsum Papier liegt, stammt das oft nicht von Wohnmobilisten, sondern von parkenden Pkw. Trotzdem bleibt die Frage: Warum gräbt niemand ein Loch und schüttet es zu, statt es einfach liegen zu lassen? Wenn hinter einer Hecke schon fünf, sechs, sieben Häufchen liegen, verrottet das Zeug ja nicht. Das fällt am Ende immer auf uns Camper zurück.
Ganz aktuell, ein Artikel zu unserem letzten Urlaubsziel: Skye „Ekelalarm: Anwohner verzweifeln an rücksichtslosen Urlaubern“
Genauso schlimm finde ich die Billig-Mentalität: Ein Wohnmobil für 80.000, 100.000 Euro kaufen und dann im Urlaub jeden Euro vermeiden wollen. Lieber auf dem Supermarktparkplatz stehen als auf einem Campingplatz mit anderen Leuten. Und dann auch noch die Idee, möglichst weit weg von allen anderen zu stehen, obwohl der Parkplatz leer ist – mit der Begründung, das sei sicherer. Diese Angst kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich irgendwo ein ungutes Gefühl habe, dann eher in der Stadt, nicht im Wald oder auf einem einsamen Parkplatz.
Auch das Müllthema gehört dazu: Wir werfen unseren Abfall in offene Mülleimer, die Möwen picken ihn wieder raus und verteilen ihn in der Gegend – und am Ende heißt es wieder, die Camper seien schuld.
Zum einen heißt es in vielen Gegenden zu recht: „Nehmt euren Müll wieder mit“, zum anderen muss es Aufgabe der Urlaubsregionen sein, entsprechende Entsorgungsmöglichkeiten – und sei es gegen Bezahlung – zu schaffen.
Wo gar keine Möglichkeit besteht, landet der Müll in der Natur.
(Wobei ich davon ausgehe, das es wieder viele Schweine geben, wird, die ihren Müll in die Natur werfen werden, wenn sie etwas für die Entsorgung zahlen müssen. Sieht man bei uns in der Region schon jetzt auf vielen Waldwegen, wo illegal ganze LKW Ladungen an Bauschutt und Sperrmüll entsorgt werden. Das ist also nicht nur im Urlaub ein Problem)
Donation-Parkplätze: Eine Idee für deutsche Kommunen
In Schottland sind uns immer wieder Donation-Parkplätze begegnet. Das Prinzip: Es gibt einen Parkplatz, manchmal mit Toilettenhäuschen, und weil die Betreiber der Parkgebühren-Kontrolle nicht mehr Herr wurden, haben sie das Modell auf Spendenbasis umgestellt. Bezahlt wird per PayPal, QR-Code oder in eine Box – meist fünf, manchmal zehn Pfund.
Venitlator Idee
Herbert Zehner hat eine Bastelidee. Ein Ventliator von Amazon eine Verkleidung – fertig ist der Selbstbau MaxxFan
Er schreibt dazu:
Den Rahmen wurde aus einer Hartfaserplatte zurechtgeschnitten mit passendem Decor zum restlichem Holzdesign im Wohnmobil (Eura Contura C670SB aus 2007) passend, dass die Frau auch zustimmt
Hat 4 Geschwindigkeiten und das Licht ist auf 3 Stufen schaltbar. Der Akkku mit 20000mAh soll bis zu 48 Stunden halten. Habe ich bisher noch nicht ausgetestet, aber hat nach ca 3 Stunden noch 91%, könnte also passen. Zudem ist der Akku auch als Powerbank nutzbar, d.h. über die Ladebuchse kann man auch andere Geräte laden.
Ventilator
Ich finde das eine clevere Idee, auch für deutsche Stellplatzbetreiber oder Kommunen, die den Aufwand eines überwachten Parkautomaten scheuen. Natürlich wird es auch dabei die geben, die sich einen Spaß daraus machen, nichts zu zahlen. Aber wenn wir als Camper nicht zeigen, dass wir bereit sind, für Infrastruktur zu bezahlen, landen wir am Ende bei Schranken, Kameras und festen Parkgebühren von 10 bis 20 Euro pro Nacht – ganz ohne Wahlmöglichkeit.
Gas- und Diesel-Mythen im Wohnmobil
Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt: die Angst vor Gas im Wohnmobil. Weder Gaskocher noch Gasheizung sind gefährlich – im Gegenteil, eine Gasheizung ist die sauberste Verbrennungsart, die man im Wohnmobil haben kann. Sollte tatsächlich einmal etwas explodieren, entlädt sich das nach oben; im Regelfall reicht schon etwas Abstand.
Eine wissenschaftliche Studie, die Wohnraum-Dieselheizungen (z. B. Truma Combi D, Webasto, Eberspächer) direkt im Feinstaub- oder Schadstoffausstoß gegen Gasheizungen im Wohnmobil misst, gibt es unseres Wissens nicht – das scheint eine echte Forschungslücke zu sein.
Was aber gut dokumentiert ist: Rußbildung bei Dieselheizungen ist kein Gerücht, sondern ein von Herstellern anerkanntes technisches Problem. Gerade im Betrieb auf niedriger Stufe und in großer Höhe verrußt die Brennkammer messbar stärker (Sprintour: Wohnmobil Dieselheizung). Deshalb wird empfohlen, die Heizung regelmäßig auf Volllast laufen zu lassen. Pikantes Detail: Bei vielen Modellen kann der Hersteller auslesen, in welcher Leistungsstufe wie lange geheizt wurde – wer dauerhaft nur die niedrigste Stufe nutzt und dadurch einen Rußschaden bekommt, riskiert seine Garantie (Quelle).
Auch Wartungsanleitungen bestätigen: Nach längeren Standzeiten lagern sich häufig Ruß und Verkokungen in der Brennkammer ab, was Heizleistung und Verbrauch spürbar verschlechtert (Camping-Experten: Erfahrungen Diesel Standheizung).
Ein interessanter Randbefund: Der ADAC hat 2020 Standheizungen zur Motor-Vorwärmung getestet und dabei besonders beim Ein- und Ausschalten durchgehend erhöhte Partikelemissionen festgestellt (ADAC-Pressemeldung). Das bezieht sich zwar auf Motor- statt Wohnraumheizungen, zeigt aber ein ähnliches Verbrennungsverhalten.
Unser Fazit: Physikalisch verbrennt Diesel grundsätzlich schmutziger als Gas – das ist unstrittige Chemie. Ob das im Wohnmobil-Alltag tatsächlich relevante Mengen Feinstaub bedeutet, ist mangels belastbarer Studien nicht abschließend zu belegen. Das Rußproblem bei falscher Nutzung dagegen schon – und das erklärt auch, warum schlecht gewartete oder nur sparsam betriebene Dieselheizungen so unangenehm qualmen können. Und das nervt am Ende den Nachbarn!
Router und eSIM: Was wirklich nötig ist
Eine Frage, die immer wieder kommt: Braucht man einen Router im Wohnmobil? Für die meisten reicht ein Smartphone mit Hotspot völlig aus. Ein Router lohnt sich erst, wenn mehrere Geräte vernetzt sind oder regelmäßig im Homeoffice gearbeitet wird, etwa mit Telefonkonferenzen.
Unser aktueller Router von Self-Sat mit eSIM hat sich in Schottland bewährt, kombiniert mit Holafly für die eSIM-Lösung im Ausland. Nicht die günstigste Variante, aber unkompliziert – gerade wenn man alle paar Tage das Land wechselt.
Campingplatzpreise im Europa-Vergleich
Ein Blick auf die aktuellen Preisentwicklungen, der einiges zeigt:
- Kroatien bleibt am teuersten – erstaunlich, denn die Qualität rechtfertigt das nicht durchgehend.
- Norwegen hat sich preislich fast verdoppelt.
- Türkei ist günstiger geworden, aber für die meisten schlicht zu weit weg.
- Italien wird günstiger.
- Frankreich: Lebensmittel sind teurer als bei uns, dafür ist die Qualität hoch, und es gibt viele günstige Campingplätze.
Nur am Rande: - Schottland/England: Campingplätze sind teuer, 45 bis 60 Euro sind keine Seltenheit. Dafür gibt es viele Möglichkeiten zum kostenlosen Übernachten, sodass sich der Urlaub unterm Strich günstig gestalten lässt. Und auch als Vegetarier habe ich in Schottland durchweg gut gegessen.
Qualitätsprobleme aus der Community
Zwei Rückmeldungen, die mich wirklich schockiert haben:
Ein Zuschauer hat mir Bilder von der Bremsanlage seines nagelneuen Erriba-Wohnwagens geschickt – trotz frischem TÜV. Die Reaktion des Händlers: keine Entschuldigung, nur die lapidare Frage, wann er den Wagen vorbeibringen kann. Kein Wort des Bedauerns bei einem nagelneuen Fahrzeug.
Ein weiterer Leser berichtet von seinem Knaus Ducato, Baujahr 2025: Bei flachem Sonnenstand wird die Kamera des Assistenzsystems geblendet, das System fällt regelmäßig aus – teilweise mehrfach hintereinander, sobald der Scheibenwischer über die Kamera streicht. Dazu kommt: Trotz großem Navi-Display wurde das Telematikmodul beim Einbau schlicht vergessen.
GPS-Tracker: Vorsicht bei Magnetkabeln
Zum Thema GPS-Tracker: Ich nutze seit Jahren PAJ-Geräte, allerdings ist mir zweimal innerhalb eines Jahres der Akku kaputtgegangen. Zusätzlich hat die Camperklinik Dobschal auf Instagram ein Video zu einer gefährlichen Eigenschaft des Ladekabels veröffentlicht: Die Magnete, mit denen sich das Kabel am Tracker befestigt, können sich auch an anderen metallischen Gegenständen festsetzen – etwa einem weiteren Kabel – und dabei so heiß werden, dass ein Kabelbrand entstehen kann.
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Reisesicherheit: Die ELEFAND-Liste
Ein Punkt, der bei weiteren Reisen ins Ausland wichtig werden kann: die ELEFAND-Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes. Wer sich dort einträgt, kann im Ernstfall – Erdbeben, Unruhen, Naturkatastrophen – leichter kontaktiert und im Zweifel evakuiert werden. Gerade für Reisen abseits der üblichen EU-Ziele eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
Respekt statt Häme: Handicap-Fahrzeuge
Zu meinem Dreirad-Film für Menschen mit Handicap gab es Kommentare, die das Video für einen Aprilscherz hielten. Das ärgert mich wirklich. Ein Dreirad ist für Menschen, die kein Fahrrad mehr fahren können oder sich nicht mehr trauen, eine echte Alternative – und ein Thema, das jeden von uns irgendwann treffen kann. Ich finde es wichtig, dass es Menschen gibt, die sich Gedanken über solche Alternativen machen.
Was ist eigentlich ein Minicamper?
Ein kurzer Klarstellungspunkt: Ein VW-Bus ist kein Minicamper, sondern nach wie vor ein Luxusfahrzeug. Echte Minicamper sind für mich Umbauten wie ein Skoda Fabia mit Bett im Kofferraum oder ein Caddy mit eingebauter Küchenzeile. Vor Leuten, die damit lange Roadtrips unternehmen, habe ich echten Respekt.
Ausblick
Im August starten wir mit dem Caravan Salon durch. Dazu kommt ein Film über die Truma CombiNeo, ein Beitrag zum Thema Auflastung und ein Update zum Trackiwi-Tracker, der aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Außerdem bleibt spannend, was sich gerade bei den Herstellern tut – dazu mehr im nächsten Marktbericht.
Wir selbst verbringen den Sommer erstmal zu Hause. Wird es zu heiß, würden wir gerne noch einmal Richtung Schottland – bei zwölf Grad und Fleecejacke lässt sich der deutsche Hochsommer gut aushalten.
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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