Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne – Dauerregen dazwischen – Orkney/Hebrides Teil 24

Ruhig geschlafen, laut aufgewacht

Langsam verliere ich den Überblick über die Tage. Aber wir kommen voran.

Heute Morgen haben wir gemerkt, wie gut wir an unserem kleinen Strand unten an den Klippen geschlafen haben – im Windschatten der 60 bis 80 Meter hohen Felswände war es vollkommen ruhig. Erst als wir heute hochgefahren sind, haben wir gesehen, was oben los war. Es hat geschüttet wie aus Kübeln.

Kilt Rock im Regen

Kilt Rock im strömenden Regen – kein Vergleich zu dem, was ich vom Kajak aus gesehen hatte. Wir sind kurz rausgesprungen, haben uns den Wasserfall angeschaut, und sind schnell wieder weitergefahren.

Vor einigen Jahren waren wir schon einmal hier, bei schönstem Wetter – die Bilder von damals will ich euch nicht vorenthalten. Von oben ist der Wasserfall schon nett anzusehen, aber aus der Drohnenperspektive wird man sich dieser gigantischen Landschaft erst richtig bewusst.

Ich hatte im letzten Teil schon dazu erzählt: Alte Vulkane haben das Gestein geformt, und was wir heute als Abbruchkante sehen, ist der Blick auf jahrmillionenalte Geschichte.

ℹ️ Infobox: Kilt Rock – das Gestein

Vor rund 60 Millionen Jahren, als sich der Nordatlantik öffnete, floss hier wiederholt Basaltlava über die Landschaft. Beim Abkühlen zog sich das Gestein zu den charakteristischen sechseckigen Säulen zusammen, die heute die Klippe prägen – dazwischen dunklere Bänder aus späteren Dolerit-Einschüben, die das Tartan-ähnliche Muster ergeben, dem Kilt Rock seinen Namen verdankt. Jede sichtbare Schicht in der Abbruchkante ist eine eigene Lavaströmung, manche mit Millionen Jahren Abstand zueinander. Man steht hier also nicht nur vor einer Klippe, sondern vor einem aufgeschnittenen Querschnitt durch die Entstehungsgeschichte Skyes.

Unsere Route virtuell mitreisen

Der Kilt-Rock-Parkplatz ist übrigens kostenpflichtig – auch wenn man nur für ein paar Minuten anhält, wie wir heute. Zahlen muss man trotzdem.
Skye hatten wir bei unserem letzten Besuch schon ausgiebig erkundet, daher fahren wir heute schon wieder von der schönen Insel herunter. Unser Fernziel heißt Mull, und bei diesem Dauerregen entscheiden wir uns, heute einfach viel zu fahren.

Old Man of Storr im Nebel

Der Old Man im Nebel

Den Old Man of Storr hätte ich glatt verpasst – alles im Nebel und Regen, nichts zu sehen. Nadja hat ihn entdeckt. Also doch angehalten. Ich habe die Drohne ausgepackt und bin hochgeflogen. Und das sieht dann ziemlich cool aus – diese mächtigen Felsnadeln im Nebel, dunkel, mystisch, kaum erkennbar und trotzdem da. Mit dem Teleobjektiv noch ein paar schöne Bilder. Hat Spaß gemacht.

Und wer Glück hat sieht den Old Man auch mal so:

Mit langer Wanderung inklusive!

ℹ️ Infobox: Der Old Man of Storr

Eine der ikonischsten Felsnadeln Schottlands – ein 50 Meter hoher Monolith, der aus dem Trotternish Ridge ragt und von weitem wie ein abgebrochener Finger wirkt. Er ist Teil eines riesigen Erdrutsches, der vor etwa 6.000 Jahren die gesamte Ostflanke des Trotternish Ridge veränderte.

Der Parkplatz direkt am Wanderweg war rappelvoll und kostenpflichtig. Wir hatten etwas weiter oben gestanden – kostenlos, kein Mensch. Ein Tipp an den werten Leser: einfach mal vorbeifahren und schauen, was es sonst noch gibt. Oft lohnt sich das.

ℹ️ Hinweis: Ver- und Entsorgung

Am offiziellen Parkplatz bei Kilt Rock ist Ver- und Entsorgung möglich. Alternativ und besser geht es an der Nordspitze des Trotternish Loop – dort gibt es eine extra von der Kommune eingerichtete Ver- und Entsorgungsstation.

Es regnet heute ohne Unterlass und doch hat auch dieses Wetter eine Wirkung auf uns. Wir können manchmal nur mit offenen Mund am Rand stehen bleiben und die Landschaft genießen.

Sonnenfenster bei Eilean Donan

Weiter über die Insel – und es hat gestürmt und geschüttet wie aus Kübeln. So viel Regen haben wir noch nicht in Schottland erlebt. Über die Skye Bridge aufs Festland, und nach 14 Meilen: Eilean Donan Castle.

Wir haben Mittagspause gemacht am Dornie Community Hall – wenn man höflich fragt, darf man dort parken, übernachten allerdings nicht. Kaum saßen wir beim Essen, kam die Sonne raus. Nicht lange, aber für uns hat es perfekt gepasst. Die Burg in der Sonne, im Hintergrund dunkle Wolken – ein herrlicher Anblick. Tolle Bilder, unfassbar, was wir für ein Glück haben. Eine halbe Stunde früher hätte es noch geregnet.

ℹ️ Infobox: Eilean Donan Castle

Ursprünglich im 13. Jahrhundert erbaut, um die Kreuzung dreier Lochs zu kontrollieren. Im Jakobitenaufstand von 1719 wurde es von britischen Kriegsschiffen beschossen und weitgehend zerstört. Den Wiederaufbau begann Oberst John MacRae-Gilstrap zwischen 1912 und 1932 – fast vollständig aus eigener Tasche. Ohne ihn gäbe es das Schloss heute nicht.

Kaum ein anderes schottisches Schloss ist so oft vor der Kamera gestanden: „Highlander“ (1986) mit Christopher Lambert und Sean Connery, der James-Bond-Film „Die Welt ist nicht genug“ (1999) mit Pierce Brosnan, dazu „Elizabeth: The Golden Age“, „Made of Honor“ und schon 1948 „Bonnie Prince Charlie“ mit David Niven. Vermutlich das meistfotografierte Schloss Schottlands – Instagram hin oder her, das war es offenbar schon vor Instagram.

Kurz noch in einen Touristenshop – Nadja fand nichts Vernünftiges. Der Parkplatz platzte aus allen Nähten, und jeder musste Selfies mit der Burg machen. Instagram lässt grüßen. Kaum fuhren wir weiter, begann es wieder heftig zu regnen.
Schaut euch gerne die Gallerie an, da sind die schönsten Bilder diesen Nachmittags enthalten.

Und da ich auch ein Schwarzweißfan bin, wie wäre es mal mit diesen hier:

Auf dem Weg nach Fort Williams kommen wir noch durch viele Täler, in den wir hätten einen ganzen Urlaub verbringen können. Aber manchmal fühlt man sich, wie auf der Flucht. Man muss immer weiter.

In Fort William hatten des Sonntags wegen alle Geschäfte geschlossen – also sind wir weitergefahren. Wir wollen nach auf die Insel Mull. Und auch da haben wir Bedenken. Denn der Reiseführer aus dem Womo Verlag enthält einen Fehler. Er sagt, dass man nur mit gebuchter Unterkunft auf die Insel dürfe.
Das ist aber DEFINITIV nicht richtig! Beruhigt fahren wir deswegen weiter.

Portree

 


Über den Loch Linnhe nach Morvern

Weiter Richtung Corran. Die Fähre über den Loch Linnhe ist ein kleines Erlebnis für sich – man fährt schräg auf die Fähre drauf und später über eine ebenso schräge Rampe wieder hinunter, statt gerade wie sonst üblich. Sehenswert und ein Erlebnis, kurze Überfahrt, dann auf die Morvern-Halbinsel. Auf Gälisch A‘ Mhorbhairne – „die Meereslücke“, benannt nach dem Sound of Mull, der die Halbinsel von Mull trennt. Morvern ist eine abgelegene, kaum von der Moderne berührte Halbinsel – Moore, alte Wälder, Meeresarme, 20 Meilen Küstenlinie.

ℹ️ Infobox: Die Fähre nach Corran

Anders als die großen CalMac-Routen muss man die Corran-Fähre nicht vorab buchen – sie pendelt im Kurztakt über die schmale Meerenge zwischen Ardgour und dem Festland bei Onich, man fährt einfach hin und stellt sich an. Praktisch, wenn man wie wir keinen festen Zeitplan hat. Und dementsprechend braucht man auch keine Unterkunft nachweisen, um nach Mull zu fahren. Gefragt hat uns auf der Fähre niemand und darauf angesprochen, haben die Angestellten im Tourismusbüro in Tobermory nur den Kopf geschüttelt.

Das Hauptdorf auf Morvern ist Lochaline, von wo morgen die Fähre nach Mull geht. Wir stehen für die Nacht einige Kilometer vor Lochaline, direkt neben der Straße, ruhig, bevor es morgen früh weitergeht. Kein Mensch weit und breit, wir sind in unserem kleinen Tal völlig allein. Herrlich!

Und zum Abschluss des Tages gönnt uns der Wettergott wieder einmal einen bombastischen Abschluss!

 


Im nächsten Teil: die Fähre nach Mull, Duart Castle und die MacLeans, und Fionnphort.

Inhaltsverzeichnis:

2026-05-26_14-31-52_Schottland - Lewis Callanisch Stones__T5A3654-Bearbeitet-3840

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Titel

Themen

1

Die Planung – Route, eVisum und die erste Falle

Reiseidee, Zahlen, eVisum, ETA-Falle

2

Was man wissen sollte – Fähren, Straßen, Diesel und mehr

CalMac, Anreise, Campingplätze, Linksverkehr, Single Track, NC500, Diesel, LPG, Tesco

3

Anreise: Amsterdam – Newcastle – Schottland

DFDS-Überfahrt, erste Kilometer, Jedburgh, Rosslyn und die Kelpies

4

Lallybroch, Inverness und Delfine im Cromarty Firth

Outlander, Midhope Castle, Inverness, Nigg, Cromarty

5

Ein Märchenschloss, Papageientaucher im Kajak und das Ende der Welt

Dunrobin Castle, NC500, Latheronwheel, Whaligoe Steps, John O’Groats

6

Das Schloss, das Queen Mum rettete und Duncansby Stacks im Sturm

Castle of Mey, Duncansby Stacks, Puffins, Gills Bay

7

Die Orkneys: Wo Steinzeit-Wunder und Wikinger-Erbe auf überwältigende Natur treffen

Ankunft, Bob Evans, Churchill Barriers, Italian Chapel, Ring of Brodgar, Yesnaby

8

Zeitsprung 5.000 Jahr zurück: Orkney war ein Hotspot

Skara Brae, Skaill House, Maeshowe, Ness of Brodgar, Unstan, Stenness, Marwick Head, Brough of Birsay

9

Kirkwall: Wikingerfürsten, ein gemordeter Heiliger und zwei Flaschen Whisky

Broch of Gurness, St. Magnus Cathedral, Earl’s Palace, Highland Park Destillerie

10

Panik am Old Man of Hoy

Stromness, Franklin, Sturm, eBike gegen den Wind, Rucksack weg, Dwarfie Stane

11

Kühlschrank kaputt – und nun?

Thetford N3112, Notkühlschrank, Plastikkiste, Kompressor vs. Absorber

12

NC500 – Traumstraße hoch im Norden

Deerness, Dunnet Head, Flow Country, Smoo Cave, Handa Island, Scourie

13

Hirsche im Nebel, Kylesku und millionen Jahre alte Urlandschaften

Kylesku Bridge, Rotwild, Geopark, Lochinver, Ardvreck Castle, Stac Pollaidh

14

Willkommen auf Lewis

Ceilidh Place, Fähre, Stornoway, Schlager-Opa, Honesty Box, Garry Beach, Bridge to Nowhere

15

Die Mutter aller Steinkreise – Callanish Standing Stones

Callanish Standing Stones, Lewisian Gneiss, Ausrichtung Sonne/Mond, Eilean Fraoich

16

Black Houses – Leben wie im Mittelalter? Das war noch 1976 so!

Arnol Blackhouse, Gearrannan, Whalebone Arch, Norse Mill, Harris-Tweed-Weber

17

Butt of Lews – der nördlichste Punkt und eine unglaubliche Geschichte

Butt of Lewis, Eoropie Beach, Clach an Trushal, Zeitzeugin aus dem Blackhouse

18

Sea Stacks – Ursula, die einsame Wanderin und Nebel überall

Mangersta Sea Stacks, Dun Carloway, Ursula, Bosta Beach, Huisinis

19

Eine gefährliche Kajaktour, eine gefährliche Wanderung

Kajak Huisinis, Secret Beach, Traigh Mheilein, Highland Cattle

20

Der Anzug, der nicht passte, und die Rückkehr nach Harris

Tarbert, Isle of Harris Distillery, Stornoway, Harris Tweed Hebrides, Luskentyre

21

Der beste Strand Großbritanniens – ganz allein für uns

Luskentyre, weißes Pferd, Honesty-Hütte, Kajak Taransay, Machair, Tourismus-Gespräch

22

Golden Road, ein blauer Hase und der letzte Leuchtturm auf den Äußeren Hebriden

Golden Road, MacLeod Stone, Isle of Harris Brewery, St. Clement’s Church Rodel, Eilean Glas

23

Skye, ein Fahrrad-Webstuhl und eine Kajaktour zu schwimmenden Kühen

Skye Weavers, Neist Point, Vango, Trotternish Loop, An Corran, Kilt Rock, Staffin Island

24

Old Man of Storr im Nebel, Eilean Donan Castle in der Sonne

Kilt Rock, Old Man of Storr, Eilean Donan Castle, Morvern, Lochaline

25

Duart Castle und ein Clan, der noch lebt – auf nach Mull

Fähre Lochaline-Fishnish, Duart Castle, Clan MacLean, Lady’s Rock, Highland Cattle, Fidden Farm

26

Iona – seit 1.500 Jahren einer der heiligsten Orte Europas

Baile Mòr, St. Columba, Iona Abbey, White Strand of the Monks, Bay at the Back of the Ocean, Iona Nunnery, Knockvologan, Erraid

27

Otter auf Mull

Tobermory, Loch na Keal, Otter, McCaig’s Tower, Oban

28

Pipes & Drums, die durch Mark und Bein gehen – unser Weg nach Glasgow

Oban Parade, St Conan’s Kirk, Kilchurn Castle, Glencoe, Drovers Inn, Glasgow

29

Glasgow: Museum, Mackintosh und ein Verkehrshütchen auf dem Kopf des Duke of Wellington

University of Glasgow, Kelvingrove, Mackintosh, Willow Tea Rooms, Street Art, Wellington

30

Demnächst: Dunbar und Bass Rock

 
Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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