Schottland: Ein Unfall und dann tatsächlich die Queen

Wieder beginnt der Tag so trübe, dass wir erwarten, die Zeit des sonnigen Wetters in Schottland ist vorbei.
Wir folgen Andrews Plan nach Dundee und auf dem steilen Hügel (Law Hill hat nichts mit Recht, sondern mit Lehm zu tun) über der Stadt, den wir ohne seinen Rat niemals hinaufgefahren wären, haben wir eine schöne Aussicht.

Dundee – Law Hill

Mit mehr Zeit im Gepäck wäre das neue Designmuseum in Dundee noch ein lohnenswertes Ziel, doch das öffnet erst Mitte 2018.
Uns zieht es jetzt in die Highlands. Vorher kommen viele kleine Dörfchen und nette Städte. Andrew und Donna hatten völlig Recht mit ihrer Einschätzung, dass man für den Weg zum Balmoral Castle auch eine ganze Woche einplanen könnte.

Mittlerweile ist die Sonne wieder da und wir sind überglücklich, die Landschaft statt Grau in Grau nun in sattem Grün zu sehen. Die Straße in Richtung Glenshee wird kurviger und schmaler und dann passiert es: in einer engen Linkskurve und Kuppe kommt uns ein zu schnelles Wohnmobil entgegen, wir fahren schon sehr weit links, es gibt einen fürchterlichen Schlag, ich versuche das Wohnmobil irgendwie auf Kurs zu halten und fahre in den linken Grünstreifen, fette Steine erwischen wohl auch die Achse. Wir bleiben stehen.
Alles ok?
Der andere ist weiter gefahren, die Straße ist übersäht mit Kleinteilen.


Unseren rechten Spiegel hat es völlig zerrissen. Ich renne die Straße zurück und nach der Kuppe sehe ich nur, wie das andere Wohnmobil um die nächste Kurve verschwindet. Ich laufe hinterher und nun hält der andere an. Zwei Engländer steigen aus. Wir beglückwünschen uns, das nichts Schlimmeres passiert ist, ihnen ist der Schreck im Gesicht abzulesen. Auch bei ihnen hat es nur den Spiegel zerrissen. Zu sagen, wer schuld ist, fällt uns schwer. Zwar stellt sich heraus, dass die Engländer mit ihrem Mietmobil nie vorher mit einem so breiten Wagen unterwegs waren, aber eigentlich sind sie ja im eigenen Land, haben einen Rechtslenker und hätten die Situation viel besser erkennen müssen. Einfach Pech gehabt.

Wir basteln uns aus den umherliegenden Teilen einen Spiegel zusammen – Klebeband ist Campers Liebling – und fahren weiter. Der fremde Spiegel hat an unserer Seitenwand einige Streifen und Kratzer hinterlassen, aber damit können wir leben. Glück gehabt.

Nur wird das Fahren ohne rechten Außenspiegel nicht gerade einfacher und so bin dankbar, dass wir kurz vor dem Urlaub die Dometic Birdview eingebaut bekamen (Bericht folgt in Kürze).
Dank der 4 Kameras rund um unser Wohnmobil können wir den Verlust des Spiegels gut verkraften. Zudem ist eine unserer Rückfahrkameras weit nach hinten gerichtet, auch das ist nun sehr hilfreich.
Ansonsten hätten wir ein echtes Problem. Und da wir ab diesem Ereignis sehr, sehr viele Wohnmobile ohne rechten Spiegel sehen, nehmen wir uns vor, künftig immer einen Ersatzspiegel mit an Bord zu haben. Aus unserer Wohnwagenzeit besitzen wir noch Klemmspiegel, die im Notfall sicher irgendwie helfen könnten.

Tipp:
Den rechten Spiegel optisch markieren, das hilft entgegen kommenden Autos den weit herausragenden Seitenspiegel frühzeitig zu erkennen und auszuweichen.
Langsam fahren, als Linkslenker hat man viel weniger Übersicht auf kurvigen Wegen.
Ersatzspiegel dabei haben oder zumindest viel Klebeband.

Wir lassen erst gar keinen Frust aufkommen, ändern können wir es nun eh nicht mehr. Solange niemand verletzt ist und es nur ein Geldschaden ist, können wir dankbar sein.
Was dann kommt, lässt uns ganz schnell den Unfall vergessen: eine traumhafte Landschaft, die jeder Romanbeschreibung entspricht. Sanfte Hügel, grasende Schafe, kleine, weiße Häuschen mitten in den Hügeln, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.

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Wir fahren gerade wieder um eine enge, schmale Kurve als eine alte Brücke im Blickfeld auftaucht, daneben ein Torhaus unweit einer Kirche. Spontan entschließen wir uns zu einer Pause. Neben uns parken Engländer, die ihre Fahrräder rüsten und so laden auch wir die Räder ab und dann kommt wieder einmal einer dieser Momente, an die man noch Jahre später denken wird.

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Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein in ein ursprüngliches Tal, von Gletschern sanft geformt. Der Weg schlängelt sich zwischen von Schafen beweideten Wiesen an einem kleinen Fluss entlang. Kilometerweit können wir so fahren und irgendwann finden wir einen kleinen Hügel, den wir zum Picknickplatz machen.
Steil geht es auf jeder Seite des Tals nach oben, die Hügel sind offenbar nicht so niedrig, wie sie aus der Ferne gewirkt haben. Ich besteige zumindest ein Stück weit den Hang, verliere aber irgendwann die Lust, denn ich bin schon einige Zeit unterwegs und Nadja nur noch ganz klein im Tal zu erkennen und der Hügelgrad ist noch immer weit entfernt.
Ruhe ist hier die Basis von allem. Das lauteste Geräusch ist das Plätschern des kleinen Flusses und das Zwitschern der Vögel. Wir genießen die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut und können unser Glück kaum fassen. Hallo! Wir sind in SCHOTTLAND!
Am Nachmittag sind wir zurück am Wohnmobil und weiter geht’s zum Schloss der königlichen Familie: Balmoral Castle.
Ob ihr es nun glaubt oder nicht: Wir kommen um 16 Uhr am Schloss an und wenige Minuten vor uns ist Queen Elizabeth angekommen!
Die Bediensteten sind ganz aufgeregt.
Da wir so spät sind, rät man uns, zuerst ins Schloss zu gehen – den Ballsaal und einige Räume kann man besichtigen – und anschließend den Park anzuschauen. Den darf man bis zum Sonnenuntergang besuchen.
Erstaunlich ist, wie nett die Menschen uns begrüßen. Quasi jeder, der dort ankommt, wird persönlich und herzlich begrüßt. Nicht aufgesetzt, sondern ehrlich. Für jeden hat man ein gutes Wort und immer Zeit. Unser Fahrer des kleinen Wägelchens durch den Park erzählt uns rasch die wesentlichen Dinge, die man beachten soll und dann wird auch er persönlich: „Ihr habt nicht viel Zeit, wenn ich an eurer Stelle wäre, würde ich jetzt das und das machen“ und dabei lächelt er sympathisch und hat auch anschließend Zeit für einen Smalltalk.

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Auf die Frage, ob wir auf dem Parkplatz übernachten können, lacht er uns an: „Die Queen ist doch auch da und übernachtet bei uns, dann dürft ihr das natürlich auch.“
Und wirklich: In den Sommermonaten ist der Parkplatz kostenlos und auf mehreren markierten Parkplätzen das Übernachten erlaubt.
Was für mich absolut erstaunlich ist: die Queen ist da und wir sehen nicht einen Security-Mann.
Nirgendwo. Perfekt. Denn sie sind ganz sicher da. Im Wäldchen, am See, entdecken wir drehbare Kamerasäulen. Und wenn man die einmal entdeckt hat, fallen sie einem immer wieder auf.
Der ganze Park, das ganze Schloss ist bestimmt perfekt gesichert. Aber ganz unauffällig.
So geht der Tag für uns mit einem besonderen Gefühl zu Ende: Wir schlafen quasi Tür an Tür mit Elizabeth. Auch nicht schlecht, oder?

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