Schottland: Wir sitzen fest – Fairy Pools

Als hätten wir es geahnt.
Dieser schottische Morgen ist anders. In der Nacht hat eine steife Brise uns auf dem Plateau über Neist Point ordentlich durchgeschüttelt und als wir die Rollos öffnen, begrüßt uns der neue Tag mit einem wohl echt schottischen Ausblick.
Wolken treiben über die Bergspitzen und das Meer peitscht gegen die Felsen.
Ende der sonnigen Phase?

Wir beeilen uns mit dem Frühstück, denn am Vormittag kommen viele Touristen die Single Track Straße in unsere Richtung und bis dahin wären wir gerne schon weit weg von den engsten Stellen.
Doch weit kommen wir nicht. Am Wegesrand war Nadja schon auf der Herfahrt ein Schild aufgefallen und so halten wir wieder einmal spontan an. Der Weg sieht für unser Wohnmobil zu eng aus und um Risiko zu vermeiden, bleiben wir auf dem Parkplatz an der „Hauptstraße“. Eine gute Entscheidung!
Wir laufen zu Skye Weavers, einer kleinen Manufaktur, die Stoffe, insbesondere Tweet herstellt. Mit einer Webmaschine aus Harris wird auf traditionelle Weise Tweet hergestellt. Nur mit eigener Muskelkraft darf die Maschine betrieben werden!
Der Weber freut sich über unseren Besuch und fängt sofort an zu erklären und zu erzählen. Und das macht er nicht nur gut, sondern auch spannend.
Nadja darf dann auch an die Maschine und einige Reihen weben.

Ein kleiner Ausflug, der wirklich Spaß gemacht hat, noch dazu merkt man, dass diese Menschen ihre Arbeit lieben und niemals von ihrer Insel, aus ihrer Bucht weg wollen. Irgendwo an der Hauptstraße wären sie eine großartige Touristenattraktion und könnten viele Stoffe und Tweet verkaufen.
Ich liebe die Lebensphilosophie dieser Menschen. Und frage mich mehr als einmal, warum ich das nicht auch machen kann. Oder wir alle. Immer höher, schneller, weiter. Was treibt uns?
Wenn ich das Leben hier sehe –  das mit Sicherheit nicht einfach ist – dann ahne ich, dass die Leute sich nicht verbiegen lassen wollen. Ihnen ist die Natur, der Wind, das Wetter, die Freunde wichtiger.

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Das sieht man oft auch am Aussehen. Schiefe Zähne, bei jungen Leuten. Ganz normal.
Bei uns wird jeder schon in jungen Jahren in die Form gepresst. Die Klamotten sind uniform, obwohl wir Uniformen ablehnen. Hier in Schottland siehst du Menschen in Klamotten herumlaufen, die keinerlei vergleichbaren Stil kennen. Bunt, gestreift, gestreift und bunt. Eng und weit kombiniert. Dazu ein Hut, eine Weste, einen Überwurf in wieder völlig anderer Art.
Alles ganz normal.

Die Schulkinder in ihren Uniformen. Und trotzdem heben sie sich durch Kleinigkeiten voneinander ab. Die Mädels durch ein enges Röckchen oder Tuch, die Jungs allenfalls durch ‚Hemd aus der Hose‘- diese Form der Ablehnung der Norm, kenne wir ja selbst von früher.
Ach, die Leute hier haben einfach Stil – einen völlig eigenen und jeder für sich.

Nach unserer Tweetorgie folgt der Whisky.
Wir kommen zur Destillerie Talisker.
Die liegt nicht in Talisker, sondern wurde vom Gründer in Carbost, direkt am Hafen errichtet. Auch vor fast 200 Jahren konnten die Menschen schon kaufmännisch voraus denken.
Heute gehört die Destillerie zu einem Großkonzern, wie eigentlich fast alle Whisky Brennereien.

Von einer Freundin haben wir ein kleines Büchlein mit Wanderungen auf Skye bekommen und da eine dieser Touren gar nicht weit entfernt beginnt, fahren wir einen einsamen Single Road Track in Richtung Berge.
Zu den Fairy Pools wollen wir.
Aus dem Fels gewaschene Becken, in denen hartgesottene sogar Baden sollen.

Chaos

Der Weg ist wie so oft sehr eng. Und als wir uns dem Ziel nähern, stellen wir fest, dass wir mit dem Wohnmobil wohl hier fehl am Platz sind, denn unsere Vorstellung vom einsamen Wanderweg, haben auch einige hundert andere Touristen als Urlaubsziel auserkoren.
Die steil nach unten führende Straße ist völlig verstopft. Parkende Autos versperren die Ausweichstellen, Autofahrer, die nicht einmal richtig rückwärts rangieren können. Überforderte Linkslenker in Rechtslenker Autos. Totales Chaos.
Von unten wollen Autos aus dem Tal und geben den Weg nicht frei. Einige Busse wollen Touristengruppen ausladen.
Wir kommen am eigentlichen Parkplatz vorbei, ärgern uns, dass wir nicht auf der Passhöhe einen Parkplatz gewählt hatten (dort standen einige Wohnmobile, der Platz war auch voll), können natürlich nicht im Straßengraben parken und entscheiden, weiter ins Tal zu fahren.
Und irgendwie auf anderen Wegen wieder raus aus dem Chaos.
Das geht aber am Ende gar nicht.
Zwar sagt Google Maps, dass es noch weiter Straßen gibt, aber das sind gesperrte Wege, allenfalls für Offroader und Mountainbikes nutzbar.
Wir bleiben an einer Brücke über einen Bach stehen und beschließen mit den eBikes den steilen Weg zurück zum Anfang des Wanderwegs zu nehmen. Somit entgehen wir dem Chaos.
Und da der Platz wirklich schön ist, werden wir die Nacht bleiben und früh am Morgen – noch bevor das nächste Verkehrschaos los geht – weiter zu fahren.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, was auf den zwei Kilometern los ist. Manche Menschen sehen offenbar nur ihren eigenen Parkplatz. Egal, ob dann noch Busse oder Wohnmobile vorbei kommen. Und wenn Gegenverkehr kommt: Pech gehabt. Und die Straße ist richtig eng.

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Die Wanderung und die Fairy Pools sind wirklich nett. Die ausgewaschenen Felsformation bieten das eine oder andere Fotomotiv, aber dafür den ganzen Stress und aberwitzig viele Badeschlappen-Touristen – nein, dafür gibt es keine Empfehlung.
Kein Wunder, dass oberhalb der Pools ein Schild darauf hinweist, dass man sich nun im Hochgebirge befindet und ganz schnell Wetterwechsel und Steinschlag drohen.

Zurück am Wohnmobil verbringen wir eine außerordentlich ruhige Nacht. Die Straße war übrigens auch um 21 Uhr noch zugeparkt! Ach, und die Sonne scheint weiterhin.

 

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12 - Das berühmteste Schloss: Eilean Donan Castle
13 - Hebrideninsel Skye und der Leuchtturm Neist Point
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