Es gibt einen neuen Trend in Sachen Wohnmobil, aber der setzt sich in diesem Jahr zunehmend durch. Ganz neu ist die Idee zwar nicht – ähnliche Ansätze gab es schon bei Wohnwagen vor 20 Jahren und Callenger/Chausson bieten ihn sei Jahren an. Aber 2027 wird daraus offenbar Mainstream.
Grundrisse im Wandel
Grundrisse ändern sich eben mit der Zeit. Unser eigenes Fahrzeug war in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren State of the Art: Längsbett mit Halbdinette, das hatte damals jeder. Man erkannte das Modell fast am Namen – 85 LS, 630 LS, ob Hymer, Hobby oder Knaus, das Prinzip war überall gleich. Genau dieser Grundriss ist inzwischen so gut wie ausgestorben. Bis irgendwann jemand ihn wiederentdeckt, ist er erstmal Geschichte.
Ähnlich lief es mit der Face-to-Face-Sitzgruppe. Vor ein paar Jahren brachten französische Hersteller sie zurück auf den Markt, und die Längssitzbank wurde populär. Heute bieten fast alle Hersteller diese Variante an.
Auch bei der Fahrzeuglänge dreht sich der Wind. Vor vier, fünf Jahren ging der Trend Richtung 8-Meter-Wohnmobil, 7,50 Meter waren Standard. In diesem Jahr geht es eindeutig wieder unter 7 Meter – 6,50, 6,80 sind gefragt. In England ist das längst Realität, die britischen Nachbarn bleiben nach Möglichkeit unter 6,50 Meter. Und auch bei uns kommen verstärkt Fahrzeuge unter 6,50 Meter auf den Markt. Mit dem Gewicht hat das nichts zu tun – viele Camper erkennen offenbar einfach, dass größer nicht automatisch besser ist.
Ein Rundgang durch die Trigano-Gruppe
Um die Unterschiede greifbar zu machen, lohnt sich ein Vergleich mehrerer Modelle – alle mit demselben Grundprinzip, aber ganz unterschiedlich im Detail gelöst.
Notin
Notin ist eine französische Marke, bekannt für edle Wohnmobile mit viel Handarbeit und entsprechend hochwertiger Anmutung. Normalerweise startet die Preisliste erst bei rund 120.000 Euro, mittlerweile gibt es Einstiegsmodelle ab etwa 86.000 Euro. Das merkt man dem Innenraum sofort an: tolles Ambiente, Ledersitze, ein Raumgefühl, das durch die offene Sitzgruppe noch verstärkt wird.
Im Heck erstreckt sich das Bad über die gesamte Fahrzeugbreite – auch das sorgt für ein großzügiges Raumgefühl. Der Spiegelschrank in der Mitte birgt das eigentliche Geheimnis: Von hier aus gelangt man direkt in die Heckgarage. Dazu kommen sehr tiefe, ausziehbare Schubladen – Platz für Hemden, Anzüge und alles, was sonst noch verstaut werden muss. Über die Heckgarage kommt man auch von außen an Gepäck heran, praktisch bei Regen oder – warum auch immer – für den Hund.
Das Hubbett läuft in einem Schienensystem und wird über Motoren und Bänder elektrisch nach oben und unten gefahren, ebenso wie der Tisch sich elektrisch heben und senken lässt. Insgesamt ein sehr wertiges Fahrzeug mit edler Arbeitsfläche und hochwertiger Verarbeitung.
Chausson X64
Der Chausson X64 ist deutlich schmaler geschnitten, aber ebenfalls schön gestaltet, mit dunklen und hellen Elementen im Wechsel. Die grundsätzliche Aufteilung ist identisch: mittig die große Sitzgruppe, hinten das Bad.
Die Details unterscheiden sich aber: Der Spiegelschrank in der Mitte ist hier nicht als Schiebeschrank, sondern mit Türen ausgeführt, und insgesamt schmaler. Dafür gibt es Schubladen, die sich sowohl nach rechts als auch nach links ausziehen lassen, sowie zusätzliche, sehr tiefe Fächer darüber.
Auch hier führt der Weg vom Bad direkt in die Heckgarage. Beim Hubbett zeigt sich ein weiterer Unterschied: Es hängt an Stahlseilen von der Decke statt an Bändern, und die Schienen laufen rechts und links statt zentral. Auf der einen Seite fehlt dadurch ein Fensterrahmen, weil das Bett sonst schmaler hätte ausfallen müssen – hier gibt es stattdessen einen Verdunkelungsvorhang statt eines Rollos.
Forster T639LF
Auch beim Forster T639LF gilt das bekannte Muster: vorne die große Sitzgruppe, hinten das Bad, dahinter die Garage. Bei der Wertigkeit würden wir dieses Fahrzeug am ehesten im Mittelfeld einordnen – das sollte man sich am besten live vor Ort anschauen.
Der Schrank ist hier etwas anders eingerichtet, an die Seitenteile kommt man nicht ganz so gut heran wie bei der Konkurrenz – das haben andere Hersteller besser gelöst. Der Tisch ist wie bei allen Modellen dieser Klasse elektrisch verstellbar. Das Hubbett läuft über Bänder an Seiten und Decke. Weil das Bett hier schmaler ausfällt, gibt es wieder klassische Fensterrahmen mit Rollos.
Benimar
Bei Benimar findet sich ein ähnliches Konzept in einer etwas breiteren Karosserie. Auch hier sorgt die offene Sitzgruppe – unterstützt durch Akzentbeleuchtung, da an dieser Stelle keine Dachfenster verbaut sind – für ein helles, großzügiges Raumgefühl.
Ein deutlicher Unterschied zeigt sich hinten: Die Tür ist schräg angeschlagen, wodurch das Bad im Toilettenbereich etwas breiter ausfällt als im Duschbereich. In der Mitte sitzt ein seitlicher, zurückliegender Schrank – davor eine Art Ablage, deren Nutzen sich uns nicht ganz erschließt. Während der Fahrt kann dort ohnehin nichts abgestellt werden, allenfalls im Standbetrieb. Aus unserer Sicht eher verschenkter Platz, auch wenn der dahinterliegende Schrank genug Stauraum bietet. Beim Ausziehen zeigt sich dann aber, wie groß der seitliche Schrank tatsächlich ist – reichlich Platz für Kleidung.
Auch hier führt der Weg vom Bad in die Garage, der Tisch ist elektrisch verstellbar, das Hubbett läuft über Bänder. Da das Fahrzeug insgesamt breiter ist, passt hier wieder ein normales Fenster mit Rollo statt Verdunkelungsvorhang.
Kleinigkeiten, die den Unterschied machen
Auf den ersten Blick wirken all diese Fahrzeuge sehr ähnlich – gleicher Grundriss, gleiches Prinzip. Uns ist das beim ersten Durchgang auch kaum aufgefallen. Erst als wir alle Modelle noch einmal von vorne durchgegangen sind, kristallisierten sich die eigentlichen Unterschiede heraus:
- Schiebeschrank oder Türschrank in der Mitte
- Hubbett an Bändern oder an Stahlseilen
- Schienenführung mittig oder seitlich
- Fensterrahmen mit Rollo oder Verdunkelungsvorhang
- Zugänglichkeit der Seitenteile im Schrank
Genau das ist das eigentlich Spannende an so einem Vergleich: Erst wenn man vergleichbare Fahrzeuge direkt nebeneinander hat, fallen diese Details überhaupt auf. Im Alltag oder bei einem einzelnen Messebesuch gehen sie sonst schnell unter.
Unsere Einschätzung:
Uns gefällt dieser nicht mehr ganz neue Grundriss, der dieses Jahr zum Hype wird, ausgesprochen gut – auch wenn wir unser eigenes Fahrzeugkonzept nach wie vor für uns persönlich besser finden. Wir schlafen nach wie vor gerne im Alkoven und nutzen den Platz darüber zusätzlich als Stauraum. Aber sollten wir irgendwann nicht mehr so gut dort hochklettern können, wäre ein Hubbett in der Fahrzeugmitte für uns durchaus eine echte Alternative.
Schaut euch die unterschiedlichen Modelle am besten selbst auf der Messe an – wir sind gespannt auf eure Meinung dazu. Wir machen uns jetzt an die Vorbereitung zum Caravan Salon. Vielleicht sieht man sich dort.
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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3 Kommentare
Hallo Jürgen,
Mag alles schick sein … Trend hin oder her :-). Wir lieben unsere großes Heckbett und unsere sehr große Heckgarage. Und daher sind wir glücklich und zufrieden. Und Gansu das zählt im Leben, glücklich ist der, der Zufrieden ist und unbedingt der, der Trends hinterher jagt 😉
Hallo Jürgen
Danke für Deinen tollen Beitrag.
Hier noch eine zusätzliche Info von jemandem, der das Ganz beurteilen und die Unterschiede auch sehen kann, weil er ein solches Fahrzeug seit 2023 besitzt… 😉
Bevor der Trend in diese Richtung ging, sind wir zufällig auf ein solches Fahrzeug gestossen und zwar auf einen Mooveo…
Pilote Tochtermarken
#### Bavaria
Pilote-Günstigmarke mit neuem Namen Bavaria heißt jetzt Mooveo
Die Pilote-Gruppe gibt ihrer günstigsten Marke Bavaria, die seit Anfang des Jahres 2023 wieder in Deutschland vertrieben wird, einen neuen Namen: Die Campingbusse und Wohnmobile aus Frankreich tragen nun hierzulande den Namen Mooveo.
Es war genau dieser Raumeffekt, der bei uns damals diesen Wooauh ausgelöst und uns dazu bewogen hat, genau dieses Fahrzeug zu kaufen… nämlich einen Mooveo TEI 70DH Citroen mit Handschaltung.
Das heutige Modell von Pilote ist der hier…
https://www.wohnmobil-pilote.de/teilintegrierte-reisemobile/p690d-evidence/
Es ist wie mit dem Huhn und dem Ei, ich weiss nicht wer zuerst da war Pilote oder Chausson oder vielleicht gehören die auch wie so viele heute zusammen…
Wir sind jedenfalls auch noch nach drei Jahren mit unserer Entscheidung sehr zufrieden…
Wir hatten zuvor diverse Modelle getestet daher konnten wir damals auch sofort sagen, das Isser…
Neben den von Dir bereits erwähnten Vorteilen mit Schrank und Bad hinten war für uns noch folgendes entscheidend (für alleine, zu zweit oder mit 2 Enkeln fahren:
– Komme ich bei heruntergelassenem Hubbett im Notfall noch raus…
– Wie weit fährt das Hubbett runter, damit ich ohne Leiter ins Bett komme…
– Mein Kompromiss an das Ganze ist natürlich das Querbett, da muss eine Person, so lange es noch geht über die andere rüber klettern…
– Können wir noch sitzen wenn die Enkel noch oder schon schlafen…
– Viel Platz für vier Personen wenn, wenn draussen mal Schlechtwetter ist…
Ja genau das ist bei unserem Model möglich.
Bei heruntergelassenem Bett kommen wir gut und schnell raus, was bei vielen anderen Modellen nicht der Fall ist… geht auch, für korpulentere Leute, die dann etwas in die Kniee gehen müssen…
Das Hubbett lässt sich stufenlos bis auf unter Hüftknochen (174 cm sind wir gross) herunter fahren und man kann einfach ins Bett plumsen…
Für die Enkel gibt es dann noch die Leiter und Fangnetze…
Hochgefahren hat man eine Stehhöhe von 190 cm, was für die meissten Leute reichen sollte…
Wir können untendrunter noch sitzen, während die Kinder schon oben im Bett liegen…
Für uns gibt es dann unten mit zwei zusätzlichen Matratzen (inklusive) ein zweites Bett…
Grösster Vorteil, man hat in wenigen Minuten ein „aufgeräumtes“ Wohnzimmer, bzw. eine grossen Raum zum Essen und Spielen… wir haben da drin schon Zeit bei -15 Grad und Dauerregen über mehrere Tage mit den Enkeln verbracht, ohne uns auf den Geist zu gehen… Kinder finden sowieso immer irgendwas, um aus dem Ganzen ein Höhlensystem zu kreieren inkl. Garage…
Der Zugang von Innen zur Garage ist gerade bei schlechtem Wetter und kalt ein immenser Vorteil…
Garage ist gross genug für zwei normale Räder (E-Bikes kann ich nicht beurteilen)… oder 2 E-Scooter plus Scooter für die Enkel…
Zu den Querbetten kann ich nur sagen, dass wir es auch schon mit Hilfe der Sitze im Fahrer Raum zu Längsbetten haben verändern können…
Fernsehen ist bei Hubbett auf halber Höhe nicht mehr möglich, da suche ich nach drei Jahren auch noch nach einer praktikablen Lösung…
So, das wars mal in Kürze du stehe natürlich für weitere Fragen zur Verfügung
Gruss
Christoph
Hallo Jürgen,
auch wir lieben und bleiben bei dem herkömmlichen System. Unsere große
Schlaf bzw. Liegefläche im Eura Mobil
T 726 TF, die immer bereit ist uns aufzunehmen, tauschen wir nicht ein.
Wie ist es eigentlich mit Hubbett, wenn man nicht zusammen ins Bett geht und
Einer noch Fernsehen will?
Grüße an Alle und noch eine schöne Saison.
Peter