Drei Länder, eine Reise. Litauen, Lettland, Estland – das Baltikum ist einer der faszinierendsten und am meisten unterschätzten Reiseräume Europas. Mittelalterliche Städte, endlose Wälder, einsame Küsten, Wanderdünen, Wildpferde und eine Geschichte, die einen nicht loslässt. Wir haben vier Wochen und 5.420 Kilometer gebraucht, um zu verstehen, dass das nicht annähernd reicht.
Auf dieser Seite findest du alles, was du für deine eigene Baltikum-Reise wissen musst.
Gut zu wissen: Was ist das Baltikum?
Der Name „Baltikum“ leitet sich vom lateinischen mare balticum ab – dem „Baltischen Meer“, wie die Ostsee im Mittelalter genannt wurde. Erstmals taucht die Bezeichnung um 1075 beim Chronisten Adam von Bremen auf. Eine der überzeugendsten Theorien führt das Wort auf „weiß“ in den baltischen Sprachen zurück: baltas auf Litauisch, balts auf Lettisch – die Ostsee als das „Weiße Meer“, benannt nach dem hellen Sand und den weißen Schaumkronen an der Küste.
Als feststehender Begriff bürgerte sich „Baltikum“ erst im Ersten Weltkrieg ein. Die Esten, Letten und Litauer selbst sehen sich eher als Teil des Nordens oder der Ostseeregion – den Begriff „Baltikum“ betrachten viele mit etwas Distanz, er erinnert an Fremdherrschaft, nicht an Selbstbestimmung.
Noch eine sprachliche Besonderheit: Estnisch ist zwar eine Sprache des Baltikums – aber keine „baltische“ Sprache. Estnisch gehört zur finno-ugrischen Familie und ist näher mit Finnisch und Ungarisch verwandt als mit Lettisch oder Litauisch.
Baltikum – Reisebericht
Inhaltsverzeichnis:
Baltikum Roadtrip -Alles was du wissen musst
01 Baltikum – Ankunft mit Paukenschlag
02 Vilnius und Užupis, der Staat in der Stadt
03 Trokai
04 Litauisches Freilichtmuseum in Rumšiškės
05 Kaunas, ein Lost Place und der Berg der Kreuze
06 Schloss Rundāle – und der Sturm danach
07 Riga – Bernstein, Backstein und Jugendstil
08 Gauja Nationalpark
09 Estland – Tartu, Zwiebelrussen und der Lahemaa
10 Tallinn – Das Mittelalter lebt
11 Rummu – TikTok Schönheit über dem Abgrund
12 Saaremaa – Insel mit Vergangenheit und Tiefgang
14 Haapsalu – das Venedig des Nordens
15 Irgendwo zwischen Pärnu und Riga
16 Kap Kolka – gefährliches Meer, ein Sturm und wir mittendrin
17 Die Kurische Nehrung – ein Traum wird wahr
18 Klaipėda, Ännchen von Tharau und das Naturschutzgebiet Pape
19 Heimwärts – und ein letzter Blick zurück
Die drei Länder im Überblick
Litauen ist das südlichste und größte der drei baltischen Länder. Es umfasst rund 65.000 Quadratkilometer und hat knapp 2,8 Millionen Einwohner – das entspricht einer Bevölkerungsdichte von etwa 43 Menschen pro Quadratkilometer. Die Hauptstadt Vilnius ist eine der schönsten Barockstädte Europas und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Lettland liegt in der Mitte und ist mit rund 64.000 Quadratkilometern ähnlich groß wie Litauen, hat aber nur noch etwa 1,8 Millionen Einwohner – knapp 28 pro Quadratkilometer. Die Hauptstadt Riga ist die größte Stadt des Baltikums und bekannt für ihre außergewöhnliche Jugendstilarchitektur.
Estland ist das nördlichste und kleinste der drei Länder, mit rund 45.000 Quadratkilometern und etwa 1,4 Millionen Einwohnern – rund 31 pro Quadratkilometer. Estland gilt als eines der digitalsten Länder der Welt und hat eine der ältesten Hauptstädte Nordeuropas: Tallinn.
Zum Vergleich: Deutschland hat rund 234 Menschen pro Quadratkilometer. Im Baltikum fährt man durch eine Landschaft, in der die Natur noch wirklich Natur ist. Kilometerweit kein Haus, kein Dorf, keine Menschen. Das ist keine Ausnahme – das ist der Normalfall.
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Geschichte – von der Urzeit bis heute
Die baltischen Länder sind seit Jahrtausenden besiedelt. Archäologische Funde belegen menschliche Präsenz seit der Steinzeit. Die baltischen Stämme – Litauer, Letten und die heute fast ausgestorbenen Kuren – entwickelten eigenständige Kulturen und Sprachen, die zu den ältesten noch lebenden indoeuropäischen Sprachen zählen.
Ab dem 13. Jahrhundert begann die Unterwerfung durch den Deutschen Orden, der im Auftrag des Papstes die heidnischen Völker des Baltikums christianisierte – mit Feuer und Schwert. Die Ordensritter hinterließen Burgen, Städte und eine deutschbaltische Adelselite, deren Spuren man bis heute in der Architektur sieht.
Es folgte ein Reigen von Fremdherrschaften: Schweden, Polen, Russland. Das Zarenreich beherrschte das Baltikum ab dem 18. Jahrhundert. 1918, nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch Russlands, wurden alle drei Länder unabhängig – zum ersten Mal in ihrer Geschichte als souveräne Nationalstaaten.
Diese Unabhängigkeit währte nur kurz. 1940 annektierte die Sowjetunion das Baltikum. Deportationen, Unterdrückung, Zwangskollektivierung. Dann die deutsche Besatzung ab 1941, der Holocaust mit der fast vollständigen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Dann wieder die Sowjets. Jahrzehnte des Terrors, der Deportationen, der erzwungenen Russifizierung.
1991, mit dem Zerfall der Sowjetunion, wurden alle drei Länder erneut unabhängig. Seither sind sie NATO-Mitglieder, EU-Mitglieder und Teil des demokratischen Europas. Aber die Angst ist geblieben. Man spürt es im Gespräch mit Menschen, die noch die Sowjetzeit erlebt haben – und in den Blicken, wenn man Russland erwähnt. Seit dem Einmarsch in die Ukraine 2022 ist diese Angst keine abstrakte mehr. NATO-Truppen sind im Baltikum stationiert. Die Grenzen zu Russland und Belarus sind geschlossen. Die Geschichte ist noch nicht vorbei.
Wetter und beste Reisezeit
Das Baltikum hat ein gemäßigtes kontinentales Klima mit langen, kalten Wintern und angenehmen, manchmal heißen Sommern. Die Sommer können durchaus 30 Grad und mehr erreichen – an der Küste ist es etwas kühler und windiger.
Die beste Reisezeit für Wohnmobilisten ist von Mai bis September. Der Hochsommer (Juli/August) bringt die wärmsten Temperaturen, längste Tage – im Norden Estlands wird es im Juni kaum richtig dunkel – und das lebhafteste Treiben in den Städten und Küstenorten. Wer lieber ruhiger reist, fährt im Mai/Juni oder September, wenn die Wege leerer sind und die Natur in vollem Grün steht.
Für Vogelbeobachter ist der Herbst besonders interessant: Hunderttausende Zugvögel rasten dann in den Feuchtgebieten an der Küste.
Anreise
Wichtiger Hinweis vorab: Das Baltikum liegt in der Osteuropäischen Zeitzone – im Sommer gilt UTC+2, das ist eine Stunde mehr als in Deutschland. Uhren nicht vergessen umzustellen.
Mit dem Auto / Wohnmobil über Polen
Die direkteste Landroute führt von Deutschland über Polen und die polnisch-litauische Grenze. Bis Vilnius sind es von der deutschen Ostgrenze rund 1.000 Kilometer – eine lange Tagesfahrt. Die Straßen im Baltikum sind in einem hervorragenden Zustand – auf Hauptstraßen oft besser als in Deutschland. Schotterpisten auf Nebenstraßen sind die absolute Ausnahme: Wir sind in vier Wochen und 5.420 Kilometern genau einmal auf eine gestoßen.
Per Fähre nach Klaipėda
Die komfortabelste und entspannteste Anreiseoption für Wohnmobilisten: die Fähre von Kiel nach Klaipėda (Litauen), betrieben von DFDS. Die Überfahrt dauert rund 20 bis 21 Stunden, Abfahrt ist abends, Ankunft am nächsten Nachmittag. Die Fähre fährt bis zu sechsmal wöchentlich.
Für ein Wohnmobil bis 6 Meter Länge mit zwei Personen und einer Innenkabine muss man mit rund 400–550 Euro für die einfache Fahrt rechnen, je nach Saison und Buchungszeitpunkt. Frühbucher sparen erheblich.
Per Fähre nach Liepāja
Eine weitere Option ist die Fähre von Travemünde nach Liepāja (Lettland), betrieben von Stena Line. Hin- und Rückfahrt kosten ab rund 460 Euro für ein Wohnmobil mit zwei Personen + Kabine (wenn man möchte – wir möchten!). Liepāja liegt nur rund 80 Kilometer nördlich von Klaipėda – der Unterschied ist minimal, aber die Verbindung kann eine gute Alternative sein, wenn die Kiel-Klaipėda-Fähre ausgebucht ist. Wir haben genau das erlebt und sind froh darüber – die Kombination aus Hinfahrt nach Klaipėda und Rückfahrt ab Liepāja hat unsere Rundreise perfekt abgerundet.
Per Fähre über Finnland
Wer das Baltikum von Norden nach Süden bereisen möchte, ohne eine Rundreise zu fahren, kann mit der Fähre nach Helsinki reisen und von dort mit der Schnellfähre (rund 2 Stunden) nach Tallinn übersetzen. Die Route ist etwas teurer, ermöglicht aber eine lineare Reise von Estland über Lettland und Litauen und die Rückreise über Polen nach Deutschland – ohne denselben Weg zweimal fahren zu müssen.
Warum das Baltikum für Wohnmobilisten besonders schön ist
Das Baltikum ist für Wohnmobilreisende ein Paradies. Die Straßen sind ausgezeichnet, die Natur weit und unberührt, die Menschen freundlich und hilfsbereit. Und es ist erschwinglich. Lebensmittel, Restaurants, Stellplätze – alles deutlich günstiger als in Deutschland.
Hinzu kommt eine reiche Infrastruktur: Die estnische Forstbehörde RMK betreibt kostenlose Übernachtungsplätze mit Grillhütten und Feuerholz im ganzen Land. In Lettland und Litauen gibt es ebenfalls gut ausgebaute Netze an Campingplätzen und Freiplätzen.
Gasversorgung im Baltikum
LPG / Autogas
Im gesamten Baltikum gibt es ein gut ausgebautes Netz an LPG-Tankstellen. Wer einen fest eingebauten Gastank oder eine wiederbefüllbare Gastankflasche hat, kann problemlos und günstig tanken. Die aktuellen Standorte findet man am besten über mylpg.eu – dort sind Tankstellen in allen drei Ländern zuverlässig eingetragen.
Deutsche Gasflaschen
Wer mit herkömmlichen deutschen Gasflaschen (graue Kaufflaschen) reist: Im Baltikum können diese mit einem Euro-Füll-Set / DISH-Adapter von den Füllstationen nachgefüllt werden. Litauen, Lettland und Estland nutzen das DISH-Anschlusssystem. Ein entsprechendes Adapter-Set (ca. 20–40 Euro) sollte man unbedingt dabeihaben. Die Füllung selbst ist deutlich günstiger als in Deutschland.
Stell- und Campingplätze
Das Baltikum bietet eine breite Palette an Übernachtungsmöglichkeiten. Offizielle Campingplätze sind einfach, sauber und günstig – große Luxusplätze sucht man vergebens, und das ist auch gut so.
Wasserversorgung und Entsorgung
Trinkwasser gibt es auf Campingplätzen und in vielen Städten problemlos. Grauwasser und Toilettenentsorgung sind auf offiziellen Plätzen möglich. In ländlichen Gebieten sollte man die Tanks entsprechend einteilen. Eine Trenntoilette oder Chemietoilette mit ausreichend Kapazität ist empfehlenswert.
Freistehen
Das Freistehen in der Natur ist im Baltikum grundsätzlich möglich, aber mit Unterschieden zwischen den Ländern. In Estland ist es in Wäldern und an Küsten oft erlaubt – die estnische Jedermannsrecht-Tradition ist verbreitet. In Lettland und Litauen ist es weniger klar geregelt und sollte diskret erfolgen. Auf Nationalpark-Gebieten und privaten Grundstücken ist es grundsätzlich verboten. Wer ruhige, einsame Nächte sucht, findet sie hier leichter als fast irgendwo sonst in Europa.
Highlights der einzelnen Länder
Litauen Vilnius – eine der schönsten Barockstädte Europas, mit der Künstlerrepublik Užupis mittendrin. Trakai – die rote Wasserburg im See, kaum 30 Kilometer von Vilnius entfernt. Der Berg der Kreuze bei Šiauliai – eine der bewegendsten Stätten Europas. Kaunas – Litauens heimliche Kulturhauptstadt. Die Kurische Nehrung – UNESCO-Weltkulturerbe, Wanderdünen und das Meer der zwei Seiten. Das litauische Freilichtmuseum in Rumšiškės – ein ganzes Land in Miniatur.
Lettland Riga – Jugendstil, Mittelalter, Märkte und Lebenslust. Schloss Rundāle – Versailles in der lettischen Provinz, kaum bekannt und überwältigend. Der Gauja Nationalpark mit der alten Ordensstadt Cēsis. Kap Kolka – der Strand der zwei Meere, wo das Meer den Wald frisst. Das Naturschutzgebiet Pape mit Wildpferden und Heckrindern. Jūrmala – die lettische Riviera direkt vor Rigas Toren.
Estland Tallinn – das am besten erhaltene mittelalterliche Stadtzentrum des Baltikums, UNESCO-Weltkulturerbe. Die Inseln Saaremaa und Muhu – ruhig, ursprünglich und voller Geschichte. Der Lahemaa Nationalpark – Estlands ältester Nationalpark, direkt an der Küste. Tartu – die Universitätsstadt mit dem Peipussee und den Zwiebelrussen. Rummu – ein verlassener Steinbruch unter Wasser, heute Geheimtipp für Kletterer und Taucher.
In unserem Reisebericht haben wir noch viel mehr entdeckt – lasst euch überraschen.
Baltikum – Reisebericht
Inhaltsverzeichnis:
Baltikum Roadtrip -Alles was du wissen musst
01 Baltikum – Ankunft mit Paukenschlag
02 Vilnius und Užupis, der Staat in der Stadt
03 Trokai
04 Litauisches Freilichtmuseum in Rumšiškės
05 Kaunas, ein Lost Place und der Berg der Kreuze
06 Schloss Rundāle – und der Sturm danach
07 Riga – Bernstein, Backstein und Jugendstil
08 Gauja Nationalpark
09 Estland – Tartu, Zwiebelrussen und der Lahemaa
10 Tallinn – Das Mittelalter lebt
11 Rummu – TikTok Schönheit über dem Abgrund
12 Saaremaa – Insel mit Vergangenheit und Tiefgang
14 Haapsalu – das Venedig des Nordens
15 Irgendwo zwischen Pärnu und Riga
16 Kap Kolka – gefährliches Meer, ein Sturm und wir mittendrin
17 Die Kurische Nehrung – ein Traum wird wahr
18 Klaipėda, Ännchen von Tharau und das Naturschutzgebiet Pape
19 Heimwärts – und ein letzter Blick zurück
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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