Rumänien – ein lebendes Freilichtmuseum in Sibiu

Der Vorteil des Alleinreisen ist, allein zu reisen.
Das ist aber Fluch und Segen zugleich. Man muss sich um alles kümmern, einen geeigneten Übernachtungsplatz suchen, sich über Sehenswürdigkeiten und Attraktionen erkundigen und viel Glück haben, um mit den richtigen Leuten ins Gespräch zu kommen.

Ganz anders bei den Gruppenreisen, die wir trafen.
Die konnten sich am Tag auch eigene Ziele suchen, am Abend hatten sie einen festen Treffpunkt und Sicherheit in der Gemeinschaft. Dazu waren Lokale und Veranstaltungen organisiert und interessante Menschen, die über Land und Leute berichten konnten, werden hinzu geladen. Für jede Sehenswürdigkeit kennt man den richtigen Ansprechpartner und erfährt so Dinge, die das Reisehandbuch so nicht hergibt.

Eigentlich wollten wir mit Anca Stanciu von Burgreisen.eu in diesem Jahr nach Rumänien, aber es passte zeitlich nicht. Netterweise organisierte sie dann für uns einen Reiseführer für Hermannstadt. Einfach, damit wir einmal sehen könnten, was man ohne Führung alles verpasst. Den sollten wir aber erst in zwei Tagen treffen.
Da wir ja einen Tag früher in Hermannstadt angekommen sind, fand Nadja, es sei eine gute Idee, das große Freilichtmuseum in der Nähe zu besuchen.
Gesagt, getan, mit den eBikes von Michelsberg im Nu die 8 km zum Freilichtmuseum geradelt.

Rumänien ist nicht flach und Michelsberg hat seinen Namen zu Recht.
Ohne eBikes würden wir diesen Hügel ansonsten nur im Auto wieder hochfahren. Aber auf dem Hinweg geht es glücklicherweise steil bergab!

Freilichtmuseum in Sibiu

Bis vor ein paar Jahren hätte mich kein Mensch in ein solches Freilichtmuseum gebracht. Damals in Norwegen besuchten wir in Lillehammer das Freilichtmuseum Maihaugen. Und genau wie dort, hat ein finanzstarker Sammler vor mehr als hundert Jahren angefangen, alte Gebäude im ganzen Land aufzukaufen und auf dem wirklich riesigen Areal wieder aufzubauen, um auch nachfolgenden Generationen das Leben aus alter Zeit zeigen zu können.

Das hat den Vorteil, dass man die je nach Landstrich verschiedenen Baustile an einem Tag besichtigen kann. Perfekt für uns, um erst einmal einen Eindruck über Rumänien zu bekommen.
Seit Maihaugen gehe ich gerne in solche Museen und auch das Astra Museum, muzeulastra.ro, in Hermannstadt bietet ausgesprochen viel zu sehen. In den Kommentaren kann man lesen, dass jedes Jahr neue Gebäude hinzu kommen und eine Frau berichtet, nach vier Jahren endlich alles gesehen zu haben.
Uns bleibt ein Tag, aber wir nehmen uns viel Zeit, haben viel entdeckt und viel Spaß gehabt.

Mühlenviertel im Freilichtmuseum Sibiu


Die Sonne lacht das erste Mal in diesem Urlaub, kleine Schäfchenwolken ziehen über den Himmel. Es ist richtig warm und ich bin das erste Mal in T-Shirt und kurzer Hose unterwegs. Endlich!
In den zu besichtigenden Gebäuden finden sich oft Rentner, die im Sommer hier wohnen, nach dem Rechten sehen und sich mit den Besuchern unterhalten. Alles sehr ansprechend und nett.
In einem Haus verkauft eine Frau kleine Handarbeiten, die sie selbst herstellt und erzählt über das Haus und die Region. Vielleicht hat sie selbst einmal so gelebt. Wir wissen es nicht, denn die Alten können oft keine Fremdsprachen. Und wenn sie keine Sachsen sind, dann bleibt uns nur der Übersetzer im Smartphone, was ein Gespräch nicht gerade einfach macht.

Die Häuser stehen in dörflichen Gruppen beieinander und dazwischen ist viel Platz. Wirklich viel Platz. Man meint, von Dorf zu Dorf zu wandern. Das ganze Museum ist wirklich riesig, thematisch und regional geordnet.

Dazu immer mal ein Imbiss, wo wir unsere ersten einheimischen Kleinigkeiten genießen. Und auch für mich als Vegetarier finden die Frauen am Grill immer eine Leckerei.


Es wird warm und wärmer, wir sitzen faul in der Sonne als es anfängt zu donnern.
Binnen kurzer Zeit wird der Himmel schwarz und wir sichern uns in unter einem kleinen, offenen Dach einen Platz als es plötzlich anfängt zu regnen.


Kurze Hosen, T-Shirt. Prima Idee!

Und unsere Regenponchos, die wir in Schottland im vergangenen Jahr (vielleicht erinnert ihr euch – neu gekauft – kein Tag Regen in Schottland 🙂 nicht einmal ausprobiert hatten. Die lagen noch im Rucksack und das war unser Glück. Denn binnen Minuten wird es kalt, hagelt sogar und dann schüttet es.

Über eine Stunde ist der Regen so heftig, dass wir am Ende in unseren großen Ponchos, wie in kleinen Zelten unter dem Dach sitzen. Der Wind wird so stark, dass er von der Seite den Regen unters Dach peitscht.
Als sich das Unwetter verzogen hat, ziehen wahre Sturzbäche durch die Wälder und Hügel. Teilweise mitten durch die Häuser.


Kaum sind wir mit den Rädern den steilen Hügel hinauf zum Campingplatz gefahren, kommt die Sonne wieder hervor und wir sitzen bei einem guten Wein noch lange in der wärmenden Sonne.

Nun ist auch die Zeit gekommen, unseren Rumänien Sticker auf die Europakarte zu kleben. Vor vielen Jahren hatten wir vereinbart, nur wenn wir mindestens eine Nacht im Land gecampt haben, darf der Sticker auf die Karte. Heute ist es soweit: Rumänien kommt dazu.

Sieht doch ganz gut aus. So langsam füllt sich unsere kleine Karte.
Noch ein Wort zum Campingplatz Ananas. Leider soll er verkauft werden und ich befürchte, er wird wohl großen Villen weichen, wie es sie in diesem exklusiven Ort nun überall gibt. Die Reichen aus Hermannstadt ziehen zunehmend aufs Land.
So ein Campingplatz in Rumänien unterscheidet sich übrigens maßgeblich von Plätzen bei uns: Frischwasser bekomme ich noch, Grauwasser kann man nicht entsorgen, die Campingtoilette wird außen in eine Fäkaltoilette entsorgt. Auf die Frage, wohin mit dem Grauwasser, antwortete man mir öfters: „Ach einfach irgendwo in den Straßengraben. Da ist doch nichts Schlimmes drin.“


In einem Land, wo es häufig keine Abwassersysteme gibt, muss man schon umdenken.
Überhaupt verstehen wir immer mehr, dass wir unsere deutsche Denk- und Lebensweise nicht einfach übertragen können. Auch unser Wertesystem ist anders. Und nicht unbedingt richtig.
Wer hier von wem lernen könnte, dass frage ich mich in diesen Stunden oft!

Im Teil 5 geht es um unseren genialen Reiseführer und das schöne Sibiu -Hermannstadt!

Teil 1 : Temeswar
Teil 2 : Die Burg von Eisenmarkt und die mystischen Daker
Teil 3 : In Karlsburg eine orthodoxe Taufe
Teil 4 : Im Freilichtmuseum Rumänien 
Teil 5 : Hermannstadt
Teil 6 : Verschneite Pässe und Hobbits
Teil 7 : Lustig ist das Zigeunerleben
Teil 8 : Biertan und Malmkrog, erste Kirchenburgen
Teil 9 : Schäßburg ohne Dracula
Teil 10: Die mutigen Frauen von Deutsch-Weißkirch
Teil 11: BESUCH BEI KÖNIGIN MARIA
Teil 12:  SO SCHÖN IST KEIN ANDERES SCHLOSS
Teil 13: AKTIVE VULKANE
Teil 14: ich schick dich in die Walachei!
Teil 15: Prejmer und das Weltkulturerbe
Teil 16: Traumberuf Burghüter
Teil 17: Die Bären sind los
Teil 18: Absturz in der Bicaz Schlucht
Teil 19: Voronet in der Bukowina 
Teil 20: Sucovita, Moldovita und die längste Seilbahn Rumäniens
Teil 21: Alt und Neu in Maramures
Teil 22: Kann ein Friedhof fröhlich sein?
Teil 23: Fakten und Fazit: Lohnt eine Reise nach Rumänien?

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3 Gedanken zu „Rumänien – ein lebendes Freilichtmuseum in Sibiu“

  1. Eure Reise ist wirklich total interessant.
    Ob man einen Reiseführer braucht, weiß ich nicht. Das ist wohl „Geschmacksache“.
    Ich muss nicht alles sehen oder wissen, erlebe am liebsten einfach nur die Landschaft und das was ich sehe/ entdecke, aber manchmal wäre es dann schon schön noch mehr darüber zu erfahren, dann wiederum ist jemand, der sich dort wo man ist auskennt nicht schlecht.
    Generell reise ich lieber alleine- Gruppen(Zwang) jeglicher Art mag ich eher nicht.

    lg gabi

  2. Hallo, ein toller Reisebericht. Rumänien sieht wirklich toll aus. Sicher auch für uns ein Ziel. Toll finde ich die geführte Reise, auch wenn es eine Gruppenreise ist und wir doch alle Individualisten 🙂 liebe Grüsse Birgit

    1. Hi Biggi,
      wir sind ja alleine unterwegs. Aber in der Gruppe kannst du zusammen hängen, du kannst auch alleine fahren. Man trifft sich nur zu Events oder am Abend. Eigentlich gar nicht so schlecht, insbesondere wenn man Land und Leute das erste Mal kennen lernen.
      Wir haben unsere Ruhe, sind allein, dafür fehlt uns manchmal der Anschluss an die Einheimischen.
      Alles kann man nicht haben, aber wir geben uns redlich Mühe nette Menschen kennen zu lernen.

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