Rumänen – Nach Prejmer zum Weltkulturerbe

Durch die Karpaten. Diesmal etwas abenteuerlicher. Hoch über einem Stausee führt die Straße auf Stelzen am Berg entlang. Es wird gebaut und wir kommen nur langsam voran. Dafür ist der Ausblick phänomenal, schade, dass es keine Parkplätze oder Parkbuchten gibt. Offenbar ist beim Bau der Straße nicht an die Touristen gedacht worden, sondern nur zweckmäßig geplant.
Und wenn dann ein Parkplatz kommt (immer auf der falschen Seite, oder wenn die Aussicht verbaut ist) quellen die Mülltonnen über oder es liegt Müll herum. Dazu ein oder zwei Straßenhunde, die auf Fütterung warten.
Die Strecke zieht sich heute wieder und als wir wieder in Siebenbürgen in der Ebene ankommen, bin ich schon ziemlich müde.
Wir machen oft Pause und bewundern die Landschaft und so ist es kein Wunder, dass wir am späten Abend in Prejmer ankommen.
Prejmer wird ebenfalls in der UNESCO Weltkulturerbe Liste geführt.
Die dortige Kirchenburg gilt als außergewöhnlich und gut erhalten. Wer in dieser Liste auftaucht, dem sind die Besuchermassen sicher. Und dementsprechend perfekt ist der ganze Platz um die Kirchenburg ausgebaut. Mit Parkplatz (auf dem man auch mit großen Wohnmobilen gut einen Platz findet) und Toiletten (nur tagsüber geöffnet) und Parkanlage und einigen Geschäften und Restaurants in der Nähe.


Wir beschließen spontan, die Nacht auf dem Parkplatz zu verbringen, ein französisches Wohnmobil steht schon dort. Wir verbringen eine ruhige Nacht, einige Störche, die auf den Häusern nebenan ihre Nester haben, wecken uns am Morgen mit ihrem Geklapper. Auch ein außergewöhnlicher Wecker.
Nach dem Duschen und einem ausgiebigen Frühstück sind wir nicht die ersten, die sich dem trutzigen Mauern nähern. Ein Reisebus mit Asiaten hat die Kirchenburg im Schnelldurchgang schon abgehakt. Glück für uns: Wir sind fast allein in der Burg.


Und die hat es in sich.
Durch einen Tunnel geht es aus der Vorburg ins Innere.
Man kann sich gut vorstellen, dass es hier keine Chance für Angreifer gab. Wenn sie es tatsächlich schafften das Tor zu stürmen, im Tunnel gab es kaum eine Chance den Verteidigern zu entrinnen.
Und trotzdem wurde diese Kirchenburg einige Male erobert.
Im inneren dann der Blick auf die imposante Ringmauer: Zimmer an Zimmer reiht sich hier. Wie eine moderne Wohnsiedlung, Tür an Tür, Stockwerk für Stockwerk, alle mit einer Nummer versehen. Wir erfahren, dass jede Familie im Dorf ihren eigenen Raum hatte. Im Angriffsfall waren 800-1000 Menschen hier zusammengepfercht. Tage, wochenlang. Kein Vergnügen.

Über Treppen und Leitern kann man verschiedene Räume erreichen, einer führt dann hinter die Wehrmauer, die hinter und über den Räumen der Familien liegen. Um die ganze Burg zieht sich dieser Enge Weg und führt an manchen Stellen über steile Stufen und Treppen wieder in den Innenhof.
Heute finden wir das vielleicht spannend. Aber wie haben sich wohl damals die Bewohner gefühlt? Eingesperrt. Feinde überall um die Mauer. Immer in Angst. Beschossen und belagert.
Allein der Gedanke lässt eine frösteln.


So gern ich historische Romane lese. An einem solchen Platz, wo Menschen gelitten und gekämpft haben, das nackte Überleben der alles beherrschende Gedanke gewesen sein muss. Die Angst um die Familie, die Kinder. Wo Menschen geschändet und gestorben sind, wenn die Angreifer Erfolg hatten und wo die, die es nicht in die rettende Burg schafften, vor den Türen den Angreifern in die Augen schauen mussten.
Mich schaudert allein bei dem Gedanken.

Und so sitzen wir lange in der Burg und bewundern die Bauherren und ihre Arbeit. Die Kirche steht trutzig mitten drin, als wolle sie sagen: Ich habe das alles gesehen und überstanden. Gut so!

Orginell übrigens, was Nadja über die Vornamen in Siebenbürgen in einer ihrer Bücher gefunden hat. Man konnte früher anhand der Namen erkennen, aus welchem Dorf die Menschen kamen.
Es gab für jedes Dorf nur fünf Vornamen. Fünf weibliche und fünf männliche Namen. Das erste Kind hieß A, dann B, C usw. Ich wollte das gar nicht glauben, bis sich die Tafel mit den Gefallenen in der Kirche sah:

eine Hand voll Vornamen für jedes Dorf

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Braşov.
Nach der schönen, grünen Walachei haben wir keine rechte Lust auf Stadt und als wir uns im Gewimmel der Straßen wiederfinden, wollen wir nur schnell zu unserem heutigen Übernachtungsplatz kommen. Den haben wir in Park4night entdeckt. Hinter dem Berg von Braşov soll es im Grünen die Möglichkeit zum Freistehen geben.



Der Weg geht zwar am Ende steil den Hang hinauf und die Schotterpiste ist auch abenteuerlich, aber wir ergattern einen netten Platz am Rande der Straße. Die Einheimischen gehen hier wohl spazieren und einige Grillplätze sind am Abend heiß begehrt. Auf den Mauern eines alten Staubeckens liegen sonnenhungrige in der prallen, heißen Sonne. Nichts für uns.
Wir nehmen die eBikes und fahren in die Innenstadt. Die schwarze Kirche von Braşov ist heute noch unser Ziel.
Was wir nicht wussten: Die eBikes sind hier Gold wert. Denn die Straße führt über einen steilen Hügel. Zu Fuß schon eine Qual, mit normalen Fahrrädern nicht machbar. Die eBike packen es und wir sind nach wenigen Minuten mitten in Braşov.

Brasov


Die Innenstadt von Braşov ist wirklich sehenswert!
Der Marktplatz in der Mitte mit bunten Häusern umrahmt, überall gibt es Lokale, Restaurants, Cafés.
Wir besuchen zuerst die schwarze Kirche von Braşov. Nicht nur die Orientteppiche im Inneren sind sehenswert – Fotografieren verboten.

schwarze Kirche von Brasov

Mit den eBikes fahren wir etliche Straßen und Gassen ab und landen irgendwann bei einem Café. Leckeren Kuchen und ein tollen Cappuccino haben wir uns verdient.
In den Seitenstraßen finden wir dann noch etliche nette Läden und Boutiquen, wir hätten länger bleiben können, aber der Tag war wieder lang und so geht es nach einer letzten Rundfahrt zur Bergbahn und den Türmen zurück zu unserem Stellplatz.



In der Nacht laufen einige Leute, die wohl ein Stück weiter gegrillt haben, an unserem Wohnmobil vorbei. Einer war so voll, dass er wohl an unser Womo geknallt ist. Der konnte kaum stehen.
Ansonsten hatten wir eine ruhige Nacht.

In dieser Nacht hatte ich draußen zwei Blink-Kameras, WLAN Überwachungskameras, aufgestellt. Ich wollte einmal wissen, was so in der Nacht um unser Wohnmobil passiert.
Erst kamen ein paar Hunde, dann huschten zwei Katzen um unser Wohnmobil. Kein Bär,
aber gegen 6 Uhr morgens liefen zwei Männer an unserem Wohnmobil vorbei und versuchten ins Fahrerhaus zu schauen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Neugier halt.
Als dann aber eine Minute später der eine noch einmal zurück kam und noch einmal versuchte einen Blick durch unsere hoch geschobenen Rollos zu werfen, wurde ich beim Anschauen der Videos am nächsten Morgen doch nervös.
Aber vielleicht wollte er nur auf die Uhr gucken oder war wirklich nur neugierig.
Trotzdem spannend.
Über die Blink-Kameras schreibe ich euch demnächst einmal mehr in einem Produkttest.

Teil 16 führt uns nicht weit. Denn spontan biegen wir von der Straße ab. Und dann kommt Überraschung auf Überraschung und wir wollen gar nicht mehr weiter.

In Teil 16 finden wir die wirklich schönste Kirchenburg Siebenbürgens

Teil 1 : Temeswar
Teil 2 : Die Burg von Eisenmarkt und die mystischen Daker
Teil 3 : In Karlsburg eine orthodoxe Taufe
Teil 4 : Im Freilichtmuseum Rumänien 
Teil 5 : Hermannstadt
Teil 6 : Verschneite Pässe und Hobbits
Teil 7 : Lustig ist das Zigeunerleben
Teil 8 : Biertan und Malmkrog, erste Kirchenburgen
Teil 9 : Schäßburg ohne Dracula
Teil 10: Die mutigen Frauen von Deutsch-Weißkirch
Teil 11: BESUCH BEI KÖNIGIN MARIA
Teil 12:  SO SCHÖN IST KEIN ANDERES SCHLOSS
Teil 13: AKTIVE VULKANE
Teil 14: ich schick dich in die Walachei!
Teil 15: Prejmer und das Weltkulturerbe
Teil 16: Traumberuf Burghüter
Teil 17: Die Bären sind los
Teil 18: Absturz in der Bicaz Schlucht
Teil 19: Voronet in der Bukowina 
Teil 20: Sucovita, Moldovita und die längste Seilbahn Rumäniens
Teil 21: Alt und Neu in Maramures
Teil 22: Kann ein Friedhof fröhlich sein?
Teil 23: Fakten und Fazit: Lohnt eine Reise nach Rumänien?

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