Rumänien – Sucovita, Moldovita und die längste Seilbahn Rumäniens

Wir radeln zum Koster Sucovita und sind ein wenig betrübt. Die Kirche im Inneren der hohen Mauern ist eingerüstet. Wir hätten gerne die prächtigen Außenfassaden gesehen, aber es trifft einen immer einmal und solche Erhaltungsmaßnahmen sind wichtig.
Innerhalb der Klostermauern befindet sich ein weitläufiges Areal. Dieses Kloster ist riesig, die Mauern neueren Datums.

Die Stimmung, die hier herrscht, lässt uns erkennen, wie achtlos wir gestern durch Voronet gelaufen sind. Gebete und Gesänge empfangen uns. Überall stehen Menschen im weiten Raum, unter Dächern und Bäumen und beten.

An vielen Ecken und Nischen stehen, knien oder sitzen Nonnen, die ins Gebet vertieft sind.
Eine ganz eigentümliche und bewegende Atmosphäre.

Und doch laufen Touristengruppen munter zwischen durch. Auch Nonnen kommen vom Haupthaus zum Brunnen oder zur Kirche. Offenbar ist das Normalzustand und man stört nicht, wenn man sich bewegt.
Wir setzen uns auf eine der Bänke im Schatten und schauen dem Treiben zu.
Eine Familie, festlich angezogen, bringt ein kleines Kind. Vielleicht für einen Segen?
Wir wissen es nicht.
Ein paar Frauen ziehen Wasser aus dem Brunnen nach oben. Ein Mann wirft sich nahe der Kirchenmauer immer wieder auf die Knie und bekreuzigt sich.

In regelmäßigen Turnus läuft eine Nonnen mit einem langen Holzbrett um die Kirche und klopft rhythmisch mit einem Holzhammer auf das lange Brett. Der Ton klingt durch den ganzen Innenhof.

Hier ist eine andere Welt.
Wir sind Fremdkörper und für den Moment geduldet.

Auch an diesen Klosterwänden finden sich in den Fresken wieder die Geschichten Jesu, die Apokalypse, die Heilsbotschaft.
Und den Beweis, dass schon damals Camper unter den Jüngern war.

Gut, dass wir uns alles früh am Morgen anschauen konnten, denn als wir das Kloster verlassen, kommen uns mehrere Reisebusgruppen entgegen.

Mit den Rädern fahren wir anschließend in ein Seitental.
Und was soll ich euch sagen: Wir waren plötzlich wieder im Freilichtmuseum in Hermannstadt.
Nur leben hier die Leute noch so.
Zum ersten Mal fallen uns der ganz andere Baustil, die Verzierungen der Häuser und die hohen Tore vor den Häusern auf. Ein altes Paar pflückt Blüten von einem Baum und winkt uns fröhlich zu. Leider können wir uns mit ihnen nicht verständigen.



Drei gut gebaute Männer stehen um abgeschälte Baumstämme herum, einer winkt uns heran. Sie bauen ein Holzhaus. Das kommt immer mehr in Mode, sagt uns der Chef.
Bäume haben sie hier ja genug und die Häuser sehen schon ziemlich cool aus. Und die drei machen das alles nur mit einer Kettensäge und einem kleinen Kran.
Perfekt zusammen gesetzt, passt Stamm auf Stamm. Ein Leben lang – und noch darüber hinaus.

An Gehöften und edlen Häusern kommen wir genauso vorbei wie an einfachen Bauernhäusern. Aber nie sehen wir Verfall oder ungepflegte Häuser. Das wurde uns ja oft in Deutschland erzählt.

Auf dem Weg zum nächsten Kloster Moldovita fahren wir eine kleine Passstraße. Es geht durch eine wunderbare Landschaft und dann sind wir an unserem Zwischenstopp.
Ein Pärchen hatte uns auf dem letzten Campingplatz erzählt, dass hier die längste Zipline (Seilrutsche) Europas sein sollte.
Und Nadja meinte spontan: „Das würd‘ ich mal machen.“
Wer Nadja kennt, weiß, dass sie so etwas eigentlich nie, nie, nie macht. Eigentlich. Aber hier in Rumänien hat sie Mut gefasst. Und jetzt muss sie durch, den zufällig ist auch das erwähnte Pärchen hier angekommen.
Wir stehen an der kleinen Absprungstation und schauen über das weite Tal hinüber. Mit bloßen Auge kann man kaum den Zielpunkt erkennen.
Über einen Kilometer läuft das Seil völlig ohne Mast.

1200 Meter Seilbahn!

Nadja bekommt Gurt und Helm, der Einweiser hängt sie in Seil und noch ehe sie bemerken kann, dass sie keinen Bremsschirm angehängt bekommt, ist sie schon auf dem Weg.
Den Bremsschirm bekommen nur schwere Menschen und werden dann wirklich langsam.



Nadja fliegt über das Tal und als ich es ihr nachmache, merke ich erst, wie schnell man auf dem ‚Flug‘ wird. Rasend schnell geht es über Baumwipfel hinweg und man hat eigentlich nicht genügend Zeit, drüber nachzudenken, wie man wieder abgebremst wird…

An der höchsten Stelle ist man 200 Meter über Grund.
Dann kommt das Zelt und Ziel auf der anderen Seite näher und die Abbremsmethode ist abenteuerlich. Zwei Jungs und ein Mann bremsen einen per Hand.
Und dann hat uns die Erde wieder.

Coooooooooool!

Aber noch einmal wollen wir nicht.

Am Nachmittag trübt es ein und wir kommen rechtzeitig vor einem Gewitter in Moldovita an.
Von unserer Freundin Anca wissen wir, dass man von der Nonne Tatjana Führungen auf Deutsch bekommen kann und wir haben Glück: sie führt eine holländische Gruppe und erzählt das meiste auf Deutsch und Französich und ein paar Brocken Holländisch sind auch dabei.
Tatjana ist der Hit.


Sie beschreibt die Fresken und Geschichten in einer lustigen Art und Weise und ihr Gesten und Gesichtsausdrücke sind dabei manchmal zum Schießen.
Dann erwischt uns das Gewitter, aber auch das managt Tatjana ganz locker: schnell gehen wir in den Klosterraum und bekommen drinnen den Aufbau der Fresken erklärt, die wie ein Kalender an den Wänden und Decken angeordnet sind.

Einzig unsere holländischen Busreisenden, alles ältere Frauen, benehmen sich völlig daneben.
Nicht nur, dass wir ihnen im Weg stünden, meckern sie – sitzen dabei im Chorgestühl, statt aufzustehen. Nein, sie machen den Gläubigen, die zum Beten hierher kommen, nicht einmal Platz. Sehr, sehr peinlich. Offenbar glauben sie, dass der Showroom für die Touristen gemacht ist und vergessen, dass wir in einem Kloster sind.

Tatjana und Moldovita sind eine Reise wert. Wir haben viel gelernt über die Klöster in der Bukowina. Früher und auch heute.

Durch tiefe Wälder und Schluchten geht unser weiterer Weg.
Wald, soweit das Auge reicht.
Warum fahren Menschen nach Kanada, wenn sie große Wälder sehen wollen.
Das gibt es auch in Rumänien.

Unseren nächsten Übernachtungsplatz finden wir an der Station der Waldbahn in Viseu de Sus.
Diesen Tip hatte uns ein Holländer in der Walachei gegeben.
Denn hier kann man noch mit einer echten Dampflok in den Wald zu den Waldarbeitern fahren.
Und schon am Stellplatz warten viele alte Schätze auf uns.

Ein Eldorado für Dampflokfans.

Einziger Wermutstropfen: Wir haben noch keine Tickets, die man am besten online kauft und der Parkplatzwächter sagt uns, dass die Züge für den nächsten Tag ausgebucht seien.
Aber vielleicht hätten wir ja Glück und es kommt jemand nicht.

Im nächsten Teil bekommen wir den Damplok-Blues

Teil 1 : Temeswar
Teil 2 : Die Burg von Eisenmarkt und die mystischen Daker
Teil 3 : In Karlsburg eine orthodoxe Taufe
Teil 4 : Im Freilichtmuseum Rumänien 
Teil 5 : Hermannstadt
Teil 6 : Verschneite Pässe und Hobbits
Teil 7 : Lustig ist das Zigeunerleben
Teil 8 : Biertan und Malmkrog, erste Kirchenburgen
Teil 9 : Schäßburg ohne Dracula
Teil 10: Die mutigen Frauen von Deutsch-Weißkirch
Teil 11: BESUCH BEI KÖNIGIN MARIA
Teil 12:  SO SCHÖN IST KEIN ANDERES SCHLOSS
Teil 13: AKTIVE VULKANE
Teil 14: ich schick dich in die Walachei!
Teil 15: Prejmer und das Weltkulturerbe
Teil 16: Traumberuf Burghüter
Teil 17: Die Bären sind los
Teil 18: Absturz in der Bicaz Schlucht
Teil 19: Voronet in der Bukowina 
Teil 20: Sucovita, Moldovita und die längste Seilbahn Rumäniens

Das könnte sie auch interessieren

Unser Wohnmobil Urlaubs-Tip: Fjällbacka Schweden Fjällbacka ist eine malerische kleine Stadt an der schwedischen Westküste, umgeben von einem Schärengürtel und weithin bekannt durch die Romane ...
Unser Wohnmobil Urlaubs-Tip: Dubrovnik Kroatien Als Perle der Adria wird Dubrovnik oft genannt.  Dubrovnik Sehenswert ist die alte, vollständig von hohen Mauern umgebene Hafenstadt mit ...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wohnmobil, Reiseberichte, Produkttests, Selbermachen,