Rumänien – So schön ist kein anderes Schloss

Schloss Peles grüßt uns von jedem Poster, jedem Flyer, ist in jedem Reiseführer. Nun sind wir auf dem Weg dorthin.
Die Straßen sind übelst, werden gerade neu gemacht und dementsprechend stehen wir alle 500 Meter in einem Stau vor einer Baustelle. Das nutzen die Verkäufer von Erdbeeren und bieten direkt am Auto ihre Waren feil.
Wir versüßen uns das Warten – kostet 2 Euro. Wahrscheinlich hätten wir handeln müssen, aber, ey, 2 Euro!
Was die Verkäufer wohl machen, wenn die Straßen fertig sind und der Verkehr wieder hier vorbei rauscht?
Die Straße führt nun in tiefe Täler und langsam aber sicher in die Berge.
Neben der Straße sehen wir immer wieder Hirten und ganze Familien, die mit Kuhherden in Richtung Berge wandern.


Dann kommen die ersten Serpentinen und nach dem ersten Pass hat sich nicht nur die Landschaft schlagartig geändert, sondern auch der Baustil.
Die Häuser sind nun Jagdhütten gewichen. Es sieht elitär aus. Und immer wieder schließen sich neue Siedlungen an. Wir nehmen an, dass hier im Winter viel los ist und im Sommer gewandert und gejagt wird.
Der Weg ist das Ziel und wir fahren mit großen Augen durch diese Landschaft. Karg und einsam kommt es uns vor. Bis, ja bis wir wieder auf die Hauptstraße treffen und eine große Stadt vor uns liegt. Was machen all die Menschen hier?
In der nächsten Ortschaft dann das Schloss Peles
Es geht steil den Weg hinauf und wir nehmen nach der Kirche den Parkplatz – ein Fehler, denn der letzte Parkplatz vor dem Schloss ist größer und man kann dort sogar übernachten. Dafür sind die Parkgebühren unten mit 1 Euro günstiger.
Dafür wandern wir durch den Wald in Richtung Schloss, an Verkaufsbuden vorbei. Schön kühl ist es, denn mittlerweile brennt die Sonne recht heftig und es wird ziemlich warm.

Schloss Peleș

Der erste Blick aufs Schloss ist dann schon einmal Bestätigung: Die lange Anfahrt war es wert!
WOW, so muss doch ein Schloss aussehen.
Aber der Kenner merkt sofort: das ist doch noch gar nicht so alt.
Stimmt.
Das Schloss wurde 1875 gebaut und in dem weitläufigen Areal findet sich neben dem Hauptschloss, noch das kleine Schloss (Villa Pelisor), der Sitz der Wache mit seiner Terrasse (schöner Ausblick bei leckerem Kaffee und Kuchen) und im Park noch ein Jagdschlösschen.


Wir stehen auf der Terrasse vor dem Schloss und sind erst einmal erstaunt. Der kleine Park dort, mit Brunnen und Statuen erinnert an Italien, die Außenfassade mit seinen rötlichen Holzverzierungen an Jagdhäuser oder Villen in den Alpen.
König Karl hatte sein Schloss schon 1900 mit modernster Technik ausstatten lassen. So war das gesamte Schloss durch eine Zentralheizung beheizt und komplett elektrifiziert. Dazu gab es eine ganze Reihe von Aufzügen (!) und das Kuppeldach der Ruhmeshalle ließ sich elektrisch öffnen!!!

Nadja will sich unbedingt auch drinnen umsehen, ich bin müde und ein modernes Schloss. Och nö.
Aber wie meine bessere Hälfte nun so ist, kauft sie Eintrittskarten und nicht viel später finde ich mich in der Warteschlange für die nächste Führung wieder.
Und allein der Innenhof, in dem wir warten, begeistert mich. Die Fresken an den Fassaden sehen sehr lebendig aus und die Holzarbeiten sind meisterlich.


An vielen Stellen erkennen wir, dass die nächste Renovierung dringend nötig wäre, der Zahn der Zeit nagt unbarmherzig.
Einen Fehler haben wir beim Kartenkauf gemacht: Wir vergaßen eine Fotografen-Lizenz zu kaufen. Wenige Euro, aber als wir dann im Schloss waren, durfte ich nicht fotografieren. Also unbedingt ein paar Euro für diese Zusatzkarte berappen.

WOW!

Als ich ins Schloss komme, muss ich mich erst einmal bei Nadja bedanken, dass sie mich ‚gezwungen‘ hat, mit zu gehen.
Das Interieur ist der HAMMER. Ehrlich.
Überall Holzarbeiten, Stuck, Sammlungen, Fresken. Die Wände übervoll. Wunderschön.
Leider kann ich euch nur drei verstohlen geschossene Bilder zeigen, aber ich denke, ihr seht, was ich meine.


Die Führung geht über zwei Etagen, wir hatten auch die zweite Etage mitgebucht (lohnt sich; auch dies ist eine extra Eintrittskarte) und stehen nach ca. 90 Minuten wieder auf der Terrasse.
Das ist mal ein Schloss. Da könnte man auch heute gut drin wohnen.
Und die Ausstellungsstücke sind wirklich sehenswert.
Einzelne Räume sind nach Regionen dekoriert: Arabisch, Nordisch usw.
Ach, ich will jetzt nichts verraten: Fahrt hin und schaut es euch an.

Wir wandern zurück zur Terrasse an der königlichen Wache.
Nach wirklich gutem Kaffee und Kuchen (Empfehlung) und ganz frechen Spatzen, die fast auf dem Kuchenteller sitzen, laufen wir noch einmal um dieses Ensemble herum: Allein die hier stehenden Gebäude sind einen Besuch wert. Quasi ein weiteres Schloss. Am späten Nachmittag wandern wir zum Parkplatz mit dem Wohnmobil zurück. Der Himmel sieht bedrohlich dunkel aus, aber der Regen bleibt aus.
Noch.
Kaum sind wir einige Kilometer gefahren, kommen gerade ins nächste Tal, als uns ein heftiges Gewitter ereilt. Im Schritttempo geht es weiter, wir merken gar nicht, dass wir die Karpaten schon hinter uns gelassen haben.
Eine weite Ebene liegt vor uns.

Klick auf die Karte für die Reiseroute


Wir sind nun auf dem Weg zu den Schlammvulkanen von Berca – dem östlichsten Punkt unseres Roadtrips durch Rumänien.
Wir haben den viel, viel weiteren Weg über Ploiesti gewählt. Dafür ist die Straße breit und wir kommen rasch voran. So zumindest die Planung.
In der Ebene haben wir das Gefühl, in einem völlig anderen Land zu sein. Ein wenig erinnert es uns an Italien. Es ist heiß hier und trocken. Überall Obstplantagen und auch die Häuser werden hier wieder ganz anders gebaut.
Die Strecke zieht sich, wir sind müde, aber wir wollen nicht mehr anhalten. Ankommen. Füße hoch legen. Aber der Weg scheint immer länger zu werden. Eine kleine Straße, die das Navi vorgibt, lassen wir aus und nehmen erneut einen weiteren Weg in Kauf. Jetzt nicht auch noch eine Piste mit Schlaglöchern.
Kurz vor den Schlammvulkanen fahren wir von der Hauptstraße ab und es kommt, wie es kommen musste. Die Straße wird anspruchsvoll, der Asphalt endet und fast wäre ich umgedreht. Dabei wandelt diese Schotterstraße sich nach dem nächsten Hügel in eine gute, neu gemachte Asphaltstraße. Die Menschen winken uns immer wieder und beäugen unsere Kajaks und plötzlich sind wir aus dem letzten Dorf heraus und stehen mitten in grünen Hügeln. Die Sonne steht schon sehr tief und taucht alles in ein mildes Licht.
Wir sind total geflasht, halten an und können unser Glück kaum fassen. So schön ist es hier.

Auf dem Weg zu den Schlammvulkanen

Das muss das Paradies sein.
Wir finden die Abzweigung zum Campingplatz. Freistehen ginge auch, aber hier der wichtigste Tipp für heute: geht unbedingt auf diesen Campingplatz!!!
Die Leute sind unglaublich nett, das Essen gut, die Preise sehr günstig und sollte der Campingplatzbetreiber fragen, ob ihr Strom und Dusche usw. braucht, sagt JA, auch wenn ihr es nicht braucht. Denn ob ihr 9 Euro oder 11 bezahlt. Der Platz ist es wert.

Wir sind glücklich angekommen und fahren gerade die Einfahrt hinauf, als eine junge Frau neben unserem Auto steht. Unfassbar!
Das ist unsere Anca! Von Burgreisen.eu!
Wir wussten zwar, dass sie in Rumänien mit einer Gruppe unterwegs ist, hatten aber keinen Kontakt mehr mit ihr.
Und nun steht sie vor uns, ihre ganze Gruppe ist schon beim Abendessen versammelt und wir mittendrin. Welch eine Freude. Dieses zufällige Treffen hätte man nicht besser organisieren können.
So erleben wir dann einen Abend mit einer Gruppe von Wohnmobilreisenden und dürfen am nächsten Tag bei der Führung zu den Schlammvulkanen teilnehmen.

Der Abend wird lustig, wir unterhalten uns lang und gut, essen und trinken, was uns der Wirt herbeibringt – der Schnaps ist lecker und nach Sonnenuntergang gibt es noch ein Lagerfeuer für die Gruppe und irgendwann singt alles Schlager.
Das muss man einfach einmal erlebt haben.

Campingplatz an den Schlammvulkanen

Ein wirklich langer Tag geht zu Ende.
Wir haben viel erlebt und noch mehr gelernt.
Hier auf dem Campingplatz an den Schlammvulkanen haben wir das erste Mal das Gefühl angekommen zu sein. Daheim zu sein.
Danke Anca! Ohne dich wären wir nie nach Rumänien gefahren.


Teil 13 führt uns zu den Schlammvulkanen, die aus 3000 Metern Tiefe Öl, Wasser und Schlamm nach oben sprudeln.

Rumänien-Roadtrip Inhaltsverzeichnis:
Teil 1 : Temeswar
Teil 2 : Die Burg von Eisenmarkt und die mystischen Daker
Teil 3 : In Karlsburg eine orthodoxe Taufe
Teil 4 : Im Freilichtmuseum Rumänien 
Teil 5 : Hermannstadt
Teil 6 : Verschneite Pässe und Hobbits
Teil 7 : Lustig ist das Zigeunerleben
Teil 8 : Biertan und Malmkrog, erste Kirchenburgen
Teil 9 : Schäßburg ohne Dracula
Teil 10: Die mutigen Frauen von Deutsch-Weißkirch
Teil 11: Besuch bei Königin Maria
Teil 12: So schön ist kein anderes Schloss
Teil 13: AKTIVE VULKANE
Teil 14: ich schick dich in die Walachei!
Teil 15: Prejmer und das Weltkulturerbe
Teil 16: Traumberuf Burghüter
Teil 17: Die Bären sind los
Teil 18: Absturz in der Bicaz Schlucht
Teil 19: Voronet in der Bukowina 
Teil 20: Sucovita, Moldovita und die längste Seilbahn Rumäniens
Teil 21: Alt und Neu in Maramures 
Teil 22: Kann ein Friedhof fröhlich sein?
Teil 23: Fakten und Fazit: Lohnt eine Reise nach Rumänien?

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