Bukarest mit dem Wohnmobil — das funktioniert besser, als man denkt. Aber nur, wenn man es richtig angeht.
Am besten steuert man einen Campingplatz außerhalb an und fährt von dort per Uber oder Bolt in die Stadt. 25 Minuten, und man steht mitten im Zentrum. Bei uns hat Anca es noch einfacher gemacht: Ein Bus kommt direkt an den Campingplatz und bringt uns alle zusammen in die Innenstadt. Besser geht es nicht.
🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen:
Bukarest mit dem Wohnmobil
In Bukarest sollen auf rund 1,1 Mio. Autos lediglich etwa 400.000 Parkplätze kommen. Das Ergebnis: Falschparker verstopfen Einbahnstraßen und Engstellen, breite Fahrzeuge kommen kaum durch. Stellplätze für Wohnmobile gibt es in der Innenstadt nicht. Abschleppen wird zunehmend konsequent durchgesetzt.
Empfehlung: Campingplatz am Stadtrand, dann mit Bolt rein in die Stadt. App laden, buchen, fahren — günstig, schnell, stressfrei.
Park4Night zeigt mehrere Optionen außerhalb der Stadt.
Bukarest – eine Stadt voller Widersprüche
Wer durch Bukarests Innenstadt schlendert, versteht den alten Spitznamen: Paris des Ostens. Breite Boulevards, prunkvolle Fassaden, Cafés mit Terrassen, Kirchen zwischen Gründerzeithäusern. Und dann, um die nächste Ecke, ein verfallenes Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert, das aussieht, als hätte es seit Jahrzehnten keinen frischen Anstrich mehr gesehen.
Bukarest ist genau das — ein Widerspruch. Eine Stadt, die alles auf einmal ist: pompös und verwahrlost, jung und alt, aufstrebend und noch immer im Schatten ihrer eigenen Geschichte. Das Erdbeben von 1977 hat Teile der Bausubstanz zerstört. Ceaușescus Abrissbirnen den Rest. Und doch bleibt etwas übrig, das einen nicht loslässt: eine Energie, die man beim ersten Schritt in die Altstadt spürt.
🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Bukarest – Sehenswürdigkeiten
Die wichtigsten Anlaufpunkte: das Lipscani-Viertel (Altstadt) mit Bars, Restaurants und lebhaftem Straßenleben, der Bulevardul Unirii, der drei Kilometer lang und einen Meter breiter als die Champs-Élysées ist, die Orthodoxe Volkskathedrale (seit 2018 in Betrieb), das Nationalmuseum für Kunst im ehemaligen Königspalast – und natürlich der Parlamentspalast. Führungen täglich, Personalausweis erforderlich, Tickets online oder direkt vor Ort: cdep.ro
Die Altstadt – das lebendige Bukarest
Das Lipscani-Viertel ist die Überraschung.
Noch in den 1990er Jahren verwahrlost und kaum begehbar, ist dieser Teil der Altstadt heute das pulsierende Herz der Stadt. Enge Gassen, restaurierte Häuser, Tische auf jedem freien Quadratmeter, junge Menschen überall. Das Nachtleben hier ist legendär — Bukarest gilt als eine der besten Partystädte Europas, mit Clubs, die erst in den frühen Morgenstunden richtig loslegen.
Unser Stadtführer, den Anca für uns organisiert hat, kennt jede Gasse — und kennt die Geschichte dieser Stadt so, als hätte er selbst darin gelebt. Was er auch hat. Er führt uns durch Viertel, zeigt uns die Häuser, die Ceaușescu abreißen ließ, um seinen Prachtboulevard zu bauen. Und die wenigen, die gerettet wurden. Das Kloster Mihai Vodă sollte ebenfalls fallen — nach weltweitem Protest wurde es nicht abgerissen, sondern auf Schienen verschoben. Nachts, stückweise, damit der Diktator es am nächsten Morgen nicht bemerkte.
Ceaușescus Größenwahn hat ein Gesicht
Man muss es gesehen haben.
Der Parlamentspalast in Bukarest ist eines der größten Gebäude der Welt. Zwölf Stockwerke über der Erde, sechs darunter. 270 Meter lang, 245 Meter breit. 4,1 Millionen Tonnen — das schwerste Gebäude der Welt, eingetragen im Guinness-Buch. Nach dem Pentagon ist es das größte Verwaltungsgebäude des Planeten.
Ceaușescu nannte es Casa Poporului — Haus des Volkes. Die Bukarester nannten es spöttisch: Haus des Sieges über das Volk.
Um Platz zu schaffen, wurde ein ganzer Stadtteil abgerissen. Das Uranus-Izvor-Viertel — eines der ältesten und architektonisch vielfältigsten Bukarests — fiel der Abrissbirne zum Opfer. Historische Wohnhäuser mit rund 40.000 Wohnungen, ein Dutzend Kirchen und drei Synagogen verschwanden. Für immer.
Bis zu 20.000 Arbeiter schufteten in drei Schichten rund um die Uhr. Ausschließlich rumänische Materialien: eine Million Kubikmeter Marmor, 700.000 Tonnen Stahl und Bronze, 900.000 Kubikmeter Holz, 200.000 Quadratmeter Teppich.
Erich, unser Barde aus der Gruppe, erzählt ruhig, wie das damals funktionierte. Als junger Mann musste er hier arbeiten. Nicht freiwillig — Firmen im ganzen Land wurden verpflichtet, Mitarbeiter zu stellen. Viele von ihnen hatten noch nie auf dem Bau gearbeitet, waren Büromenschen, Handwerker anderer Branchen, Akademiker. Ungelernt, unausgebildet, und trotzdem mitten auf dieser gigantischen Baustelle.
Diese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
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Die Idee für das Gebäude war Ceaușescu bei einem Staatsbesuch in Nordkorea in den 1970er Jahren gekommen. Beeindruckt vom Personenkult, von der Monumentalarchitektur Pjöngjangs, beauftragte er eine 26-jährige Architekturabsolventin namens Anca Petrescu, den Entwurf zu liefern. Sie gewann den Wettbewerb direkt nach ihrem Studium.
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🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Parlamentspalast
Das zweitgrößte Gebäude der Welt ist täglich für Führungen zugänglich — ein Besuch ist nur mit Führung möglich, nicht als Privatperson. Standardtour: rund 35 Lei (7 Euro), mit Panoramaterrasse 45 Lei, mit Kellergewölben 55 Lei. Personalausweis ist Pflicht. Fotografieren ist im gesamten Besucherbereich erlaubt, nur der Sicherheitsbereich am Eingang darf nicht fotografiert werden. Online buchen: cdep.ro. Der Akustiksaal neben dem Eingang hätte Platz für 400 Gäste — die Akustik aber war so ausgelegt, dass der Applaus sich nach 4.000 angehört hätte.
Drinnen versteht man erst wirklich das Ausmaß. Korridore so breit wie Fahrbahnen. Decken, die nach oben verschwinden. Kronleuchter, die trotzdem klein wirken. Marmor, wohin man schaut — siebenbürgischer Marmor, weil Ceaușescu auf ausschließlich rumänischen Materialien bestand.
Nach 1989 hat Rumänien diskutiert, ob man das Gebäude abreißen soll. Der Abriss wurde als zu teuer befunden. Also hat man es fertiggebaut. Heute tagt hier das Parlament der freien rumänischen Republik.
Manchmal entsteht aus etwas Schlechtem auch etwas Gutes. Die Rumänen haben den richtigen Weg gewählt.
Route tracken und Sicherheit
🔵 Gut zu wissen: Trackiwi
Alle 6.063 Kilometer dieser Reise – jede Übernachtung, jede Höhe, jede Sehenswürdigkeit – haben wir mit Trackiwi aufgezeichnet. Ein kleines Gerät, irgendwo im Wohnmobil versteckt, an 12 Volt angeschlossen. Einmal angeschlossen, läuft es einfach. Per App steuerbar für iOS, Android und Webversion. 10% Rabatt mit dem Code WOMOBLOG auf die Hardware. Und auch als Alarmanlage nutzbar.
Caru’ cu Bere – der Bierwagen
Es ist später Nachmittag, als wir das Restaurant betreten — und weil wir nicht zu den ersten Abendgästen gehören, bekommen wir noch Plätze. Im Hochsommer, so hören wir, ist das Reservierung Tage voraus.
Der Name bedeutet auf Rumänisch einfach Bierwagen. Was sich dahinter verbirgt, ist ein Stück Bukarester Geschichte.
Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1879 — entworfen vom Architekten Zigfried Kofczinski im neogotischen Stil, von König Carol I. persönlich mit staatlichen Auszeichnungen bedacht. Hohe Gewölbe, Rundbogen aus dunklem Holz, Buntglasfenster, Mosaikböden, Wandmalereien und Schnitzereien überall. Ein Raum, der sich anfühlt wie eine Kathedrale — und in dem gleichzeitig herrlich irdisch gegessen und getrunken wird.
1948 wurde das Lokal vom kommunistischen Regime verstaatlicht und verschwand hinter grauen Behördenfassaden. Erst 1999 gelang es den Nachfahren der Gründerfamilie, das Gebäude zurückzubekommen. 2006 öffnete das Caru’ cu Bere nach einer aufwendigen Restaurierung wieder — und heute kommen täglich bis zu 2.500 Gäste.
Die Bedienung spricht Deutsch. Sie empfiehlt uns rumänische Gerichte, weiß sofort, was für mich als Vegetarier infrage kommt, und bringt alles mit einer Selbstverständlichkeit, die einen wohlfühlen lässt.
Und dann sind da die Musikerinnen.
🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen:
Caru’ cu Bere
Das Caru’ cu Bere (Bierwagen) in der Strada Stavropoleos 5 in der Bukarester Altstadt ist eines der ältesten Restaurants der Stadt und ein nationales Kulturdenkmal. Gegründet 1879, neogotischer Bau von Architekt Zigfried Kofczinski, bis 2006 verstaatlicht und geschlossen, seither wiedereröffnet. Auf der Speisekarte: klassische rumänische Küche wie Sarmale (gefüllte Kohlrouladen), Mici (gegrillte Fleischrollen) und Ciorbă (saure Suppe). Vegetarische Optionen auf Nachfrage. Reservierung wird empfohlen. carucubere.ro
Die Gruppe wächst zusammen
Irgendwann auf dieser Reise, man kann nicht sagen genau wann, ist etwas passiert.
Die anderen sind nicht mehr Fremde.
Da ist Susanne, Arnos Frau, die immer viel lacht — eine Frau, bei der man einfach gute Laune bekommt. Isolde und Matthias, mit denen wir abends oft zusammensitzen und die nie um Gesprächsstoff verlegen sind. Unsere Ältesten, Horst und Hannelore, die eine Ruhe ausstrahlen, die man selten findet — egal wie lang der Tag war, egal wie anstrengend die Strecke, sie sind immer dabei, immer guter Dinge.
Die Österreicher Gernot und Rita sind durchtrainierte Bergziegen, die jeden Wanderweg mitgehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Renske und Jeannot aus Luxemburg — er mit einem trockenen Humor, der einen manchmal erst eine Sekunde später zum Lachen bringt.
Und dann ist da Helga, die mit ihrem Mann Erich, dem Barden, immer wieder nach Rumänien fährt, weil es ihr Heimatland ist. Sie übersetzen, erklären, erzählen Dinge, die in keinem Reiseführer stehen. Genauso wie Adina, die als Kind noch in Rumänien lebte und mit Albert zusammen reist — auch sie öffnet Türen, die für uns alleine verschlossen geblieben wären.
Sogar einen Hund haben wir bekommen — einen weißen Schäferhund. Etwas so Liebes habe ich selten gesehen. Es hat nicht lange gedauert, bis wir sein Rudel waren.
Natürlich hat jeder ein paar Macken. Die einen sitzen ewig draußen, andere sind früh verschwunden. Aber immer wenn etwas Gemeinsames auf dem Programm steht, sind alle dabei.
Im Gesamtpaket war fast jeden Tag ein Essen enthalten. Alle Eintrittspreise und Führungen waren inklusive. Alle Übernachtungsplätze. Überall wurden wir willkommen geheißen — und das schlägt auf die Stimmung durch. Man kommt gut gelaunt an, und man kommt noch besser gelaunt an als erwartet.
So hatten wir das nach so kurzer Zeit wirklich nicht erwartet.
Donaudelta – Reisebericht
Inhaltsverzeichnis:
Donaudelta Roadtrip — alle Folgen:
· Einleitung: Alles was du vorab wissen musst
· Folge 01: Oradea – der Traum direkt hinter der Grenze
· Folge 02: Temeswar – wo Geschichte noch lebt
· Folge 03: Banat, Eisernes Tor und Kloster Horezu
· Folge 04: Bären,
Berge und Königsgräber
· Folge 05: Bukarest –
Ceaușescus Größenwahn hat ein Gesicht
· Folge 06: Konstanza,
Festung Enisala und der Weg ins Delta
· Folge 07: Das
Donaudelta – wenn Natur einen sprachlos macht
· Folge 08: Donaudelta
– Pelikane, Wildpferde und chillen auf dem Hausboot
· Folge 09: Schlammvulkane,
Gipfelwind und freie Hunde
· Folge 10: Kirchenburgen,
Klosterruinen und ein unvergesslicher Abend
· Folge 11: Stille Tage, strickende Frauen und der letzte Deutsche im Dorf
Deutsche im Dorf
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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