Konstanza – wir sind tatsächlich am schwarzen Meer angekommen – Rumänien Roadtrip 06

Konstanza — nett, aber weniger als erwartet.

 

Wunderbare Sehenswürdigkeiten, manche leider in schlechtem Zustand, und ringsum eine Küste, die von Hotelhochhäusern eingezäunt wird. Rumänien baut hier wie die Bekloppten. Wer aber durch die Altstadt geht, findet etwas, das keine Hochhausfassade ersetzen kann.

Ovid steht hier, weil er nicht weg durfte

Konstanza — oder Tomis, wie es früher hieß — ist eine der ältesten Städte Europas. Gegründet im 7. Jahrhundert vor Christus von griechischen Siedlern aus Milet. Weizen, Fisch, Schwarzmeerhandel.

Dann kamen die Römer. Und mit ihnen Ovid. Nicht freiwillig.

Publius Ovidius Naso — Dichter, Liebling Roms — wurde von Kaiser Augustus ins Exil verbannt. Den genauen Grund kennt niemand bis heute: ein Gedicht, das Augustus missfiel, oder eine Verwicklung in einen Hofskandal. Ovid selbst nannte es carmen et error — ein Gedicht und ein Fehler.

Diese Bücher begleiten uns:
Bruckmann

Er hasste Tomis. Das Klima war kalt, die Barbaren an der Grenze unruhig, das kulturelle Leben des Reiches unerreichbar weit. Er schrieb jahrelang Briefe nach Rom, bat um Begnadigung. Augustus lehnte ab. Tiberius auch. Ovid starb hier, um das Jahr 17 nach Christus, ohne Rom noch einmal gesehen zu haben.

🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Konstanza – Geschichte

Konstanza (rumänisch Constanța) wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. als griechische Kolonie Tomis gegründet und später von Kaiser Konstantin I. nach seiner Schwester Constantiana benannt. Die Stadt gehörte nacheinander Griechen, Römern, Dakern, Skythen, Byzanz, Bulgarien, der Walachei und dem Osmanischen Reich — erst 1878 fiel sie mit der Dobrudscha an Rumänien. Heute ist Konstanza mit rund 263.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Rumäniens und beherbergt den größten Hafen am Schwarzen Meer, mit direkter Wasserverbindung bis zur Nordsee.

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Ein Geschenk des Königs an seine muslimischen Bürger

Wir kommen per Bolt. Sieben Euro, vierzehn Kilometer. Durch die Altstadt laufen: ein Minarett neben einer orthodoxen Kuppel, ein römisches Mosaik unter einem modernen Pflasterstein, Salzwasser in der Luft.

Die Carol-I.-Moschee — ein Geschenk von König Karl I. an die muslimische Gemeinschaft seiner Stadt. 1910 eingeweiht, nach ihm benannt. Ein orthodoxer Herrscher ließ eine Moschee bauen, weil ein Teil seiner Bevölkerung muslimisch war. Völkerverständigung, lange bevor das Wort erfunden wurde.

Das Minarett ist fast 50 Meter hoch. Wer hinaufsteigt — 140 Stufen — schaut von oben über die Kuppel der Moschee hinaus auf Altstadt, Hafen und Meer. Einen besseren Überblick über Konstanza gibt es nicht.

🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Carol-I.-Moschee

Erbaut 1910–1912 als Geschenk von König Karl I. an die muslimische Gemeinschaft. Das fast 50 Meter hohe Minarett ist öffentlich zugänglich, 140 Stufen. Konstanza ist neben Medgidia das Zentrum des Islam in Rumänien, geprägt von einer türkisch-tatarischen Minderheit seit dem Osmanischen Reich. Auf engstem Raum: orthodoxe Kathedrale, katholische Kirche, evangelische Kirche, mehrere Moscheen.

Das Casino

Das Casino ist das Wahrzeichen der Stadt. 1910, Art Nouveau, direkt auf den Klippen über dem Meer. Jahrzehntelang verfallen — Dach leckte, Fassade bröckelte, innen nichts mehr. Seit 2020 wird restauriert. Die Gerüste sind noch da, aber das Weiß darunter leuchtet schon.

 

🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Konstanza – Sehenswürdigkeiten

Casino (1910, Art Nouveau, direkt an den Klippen, gerade restauriert), Ovid-Platz mit Statue und Archäologischem Museum, Große Moschee mit Minarett, Leuchtturm (19. Jh., Nachfolger eines genuesischen Baus aus dem 13. Jh.), Römisches Bodenmosaik (eines der größten der Welt), orthodoxe Kathedrale St. Peter und Paul. Abends: Restaurants rund um den Tomis-See. 

Der Campingplatz am See

Wir stehen auf einem kleinen, feinen Campingplatz — auf einer schmalen Landzunge zwischen Schwarzem Meer und Binnensee. Der Drohnenblick am Morgen zeigt, wie das hier in zehn Jahren aussehen wird, wenn die Bettenburgen fertig sind. Im Moment ist es noch schön.

Abends sitzen wir bei einem der Restaurants am See. Konstanza ist die Nordsee der Rumänen: Ausflugsziel, Sehnsuchtsort. Im Hochsommer ist hier die Hölle los. Wir waren im Mai.

Unser Stellplatz:

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Kleiner Campingplatz direkt am Meer, zwischen Bettenburgen. Wir sind gespannt, wie lange er noch da ist.

Campingplatz Ver- und Entsorgung:

Die Dobrudscha

Von Konstanza nach Tulcea. Durch die Dobrudscha.

Flach. Weit. Felder bis zum Horizont. Hie und da ein Hügel. Kein Wald, keine Hecken. Der Himmel wirkt hier höher als anderswo.

Bussarde auf jedem Strommast. Schwalben in Schwärmen. Dann ein blauer Blitz auf einem Ast — Bienenfresser. Wir halten an. Noch einer. Drei nebeneinander in der Sonne. Schwalbenschwanz-Schmetterlinge am Wegrand. Schafe, Kühe, ein Hirte der seine Kuhherde langsam über die Wiesen treibt.

Route tracken und Sicherheit

🔵 Gut zu wissen: Trackiwi
Alle 6.063 Kilometer dieser Reise – jede Übernachtung, jede Höhe, jede Sehenswürdigkeit – haben wir mit Trackiwi aufgezeichnet. Ein kleines Gerät, irgendwo im Wohnmobil versteckt, an 12 Volt angeschlossen. Einmal angeschlossen, läuft es einfach. Per App steuerbar für iOS, Android und Webversion. 10% Rabatt mit dem Code WOMOBLOG auf die Hardware. Und auch als Alarmanlage nutzbar.

Cetatea Enisala

Ein Kalkfelsen, 116 Meter über der Ebene. Oben: Mauern aus dem 14. Jahrhundert, dem Gelände folgend, kein rechter Winkel. Eine Burg, die entstanden ist, weil dieser Felsen der beste Platz war.

Der Wind ist stark. Unten der Razim-See, so groß wie ein kleines Binnenmeer. Nach Norden — die ersten Ausläufer des Donaudeltas.

Wir sind fast da.

Schwarzmeerhandelsrouten hielten. Byzantiner, Genuesen, Tataren, Walachen, Osmanen — alle haben hier gesessen, alle Münzen hinterlassen. Heute die einzige mittelalterliche Festung der Dobrudscha.

Dass sie noch steht, ist ein Zufall. Als die russischen Generäle nach den russisch-osmanischen Kriegen alle osmanischen Stützpunkte zerstören ließen, war Enisala längst verlassen und aufgegeben. Zu nutzlos für den Abriss. Zu gut gelegen, um vergessen zu werden. Glück gehabt.

🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Cetatea Enisala

2 Kilometer vom Dorf Enisala, Kreis Tulcea. Eintritt 20 Lei. Di–So 10–18 Uhr. Straße bis Parkplatz asphaltiert, dann kurzer steiler Aufstieg über Kalkfels. Oben Rundblick über Dobrudscha, Razim-See und bei klarer Sicht bis ans Schwarze Meer. Cetatea Enisala auf Google Maps

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Tulcea

Tulcea liegt am Rand
des Deltas. Geschäftig, ein bisschen verwahrlost, voller Leben. Wir stellen die
Wohnmobile auf einem bewachten Areal ab. Morgen geht es auf das Hausboot.
Wir freuen uns riesig!

Wir bummeln mit der Gruppe über die Promenade am Fluß.
Viele Bauten bräuchten einen neuen Anstrich. Wir merken, dass wir weit weg der üblichen Touristenströme sind.
Hier kommen nur wenige Westeuropäer hin, die Stadt kann noch entdeckt werden und verdient hat sie es.

Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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