Nach dem Delta braucht man ein bisschen Zeit.
Drei Tage Hausboot, hundert Vogelarten, 30.000 Bilder. Das muss sich erst setzen. Wir fahren von Tulcea westlich, raus aus der flachen Dobrudscha, hinein ins Măcin-Gebirge. Ein kleiner Campingplatz bei Greci. Rund 70 Kilometer, aber eine andere Welt.
Route tracken und Sicherheit
🔵 Gut zu wissen: Trackiwi
Alle 6.063 Kilometer dieser Reise – jede Übernachtung, jede Höhe, jede Sehenswürdigkeit – haben wir mit Trackiwi aufgezeichnet. Ein kleines Gerät, irgendwo im Wohnmobil versteckt, an 12 Volt angeschlossen. Einmal angeschlossen, läuft es einfach. Per App steuerbar für iOS, Android und Webversion. 10% Rabatt mit dem Code WOMOBLOG auf die Hardware. Und auch als Alarmanlage nutzbar.
Greci – warum heißt das Griechen?
Der Name des Ortes macht neugierig. Greci bedeutet auf Rumänisch schlicht: Griechen.
Die Dobrudscha war seit der Antike griechisch geprägt — bereits ab dem 7. Jahrhundert vor Christus gründeten griechische Siedler aus Milet Kolonien an der Schwarzmeerküste, und die griechische Präsenz in dieser Region reicht ohne Unterbrechung bis ins 20. Jahrhundert.
Es ist gut möglich, dass in diesem Winkel der Dobrudscha tatsächlich griechische Familien siedelten, die dem Ort seinen Namen gaben. Vielleicht aber auch Italianer — denn uns erzählt man, dass es eigentlich Italiener waren, die hier wohnten, die Rumänen sie als Griechen bezeichneten. Egal.
Was bleibt: Ein Ort, der von einer Geschichte erzählt, die tiefer geht, als man beim ersten Blick vermuten würde.
🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen:
Nationalpark Munții Măcinului
Das Măcin-Gebirge bei Greci ist das älteste Gebirge Europas — geologisch über 400 Millionen Jahre alt, durch Erosion auf 467 Meter abgetragen. Der Nationalpark schützt Steppenvegetation, seltene Reptilien und eine reiche Vogelwelt. Wander- und Bikerouten führen auf die Kalkfelsen. Kleiner Campingplatz direkt am Parkeingang. Nationalpark Munții Măcinului auf Google Maps
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Mehr InformationenDas Museum und die vielen Völker
Im Dorf gibt es ein kleines ethnografisches Museum, das von der Besonderheit dieser Region erzählt: der Dobrudscha als multikulturellem Raum.
Hier lebten und leben Menschen aus einem Dutzend verschiedener Völker auf engstem Raum — Rumänen, Türken, Tataren, Lipowaner, Ukrainer, Griechen, Bulgaren, Gagausen, Dobrudschadeutsche. Jede Gruppe mit eigenen Trachten, eigenen Festen, eigener Sprache. Das Museum zeigt diese Trachten nebeneinander. Zeigt, wie verschieden sie aussehen und wie nah sie entstanden. Was passiert, wenn Menschen verschiedener Kulturen dieselbe Landschaft über Jahrhunderte gemeinsam bewohnen.
Die Dobrudscha ist das multikulturellste Stück Rumäniens. Das weiß kaum jemand.
Und Bienenfresser in der Steilwand, in kleinen runden Höhlen. Die kennen wir schon aus dem Delta.
Es ist so wunderschön und ich schaue den Wolken zu, wie sie um die Hügel ziehen. Genieße die Freiheit, die Wärme, den Wind.
Die Vögel um mich herum und die Hunde.
Irgendwann suchen sie sich andere Menschen oder wandern einfach weiter und später ins Tal zu ihrem Zuhause oder den Menschen, die sie füttern.
Selbstbestimmt sind sie und ich habe nicht das Gefühl, dass sie wild sind oder unglücklich. Ganz im Gegenteil
Das sind nicht wilde Hunde – das freie Hunde.
Natürlich verliere ich die Zeit. Nadja ruft an. Ich renne runter. Wir müssen zum nächsten Ort, wenn wir die nächste Sehenswürdigkeit und Führung nicht verpassen wollen.
Nun bin ich froh, die Stöcke dabei zu haben und renne den Hang hinunter, stolpere trotz Stöcke mehrfach und kann mich gerade so abfangen – besser, es doch langsamer angehen zu lassen.
Route tracken und Sicherheit
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Die Hunde Rumäniens — eine ehrliche Bestandsaufnahme
Überall in Rumänien: Hunde.
Nicht wilde, nicht gefährliche. Hunde, die irgendwo hingehören — zu einem Hof, zu einem Dorf, zu einer Straße — aber ohne Leine, ohne Zwinger, ohne Programm. Sie kommen und gehen, wann sie wollen. Jemand gibt ihnen Brot und Essensreste. Hundefutter bekommt keiner von ihnen.
Das ist Rumänien. Und für einen Moment denkt man: Das ist das freieste Hundeleben, das es gibt.
Aber die Realität ist komplexer.
In Honigberg erzählt uns später eine deutsche Tierärztin: In Rumänien gibt es seit einiger Zeit ein Gesetz zur Kastrationspflicht. Es wird umgesetzt. Und es wirkt. 2019 gab es in Bukarest echte Meuten herrenloser Hunde — heute gibt es dort keine mehr. An der Donau hat der Wolf einen Teil der Population dezimiert, erzählen Dorfbewohner. Und die illegale Zucht wird zunehmend bekämpft.
Denn da ist ein weiteres, wenig bekanntes Kapitel: Ein Geschäftsmodell, das auf deutschen Tierliebhabern basiert. Hunde werden in Rumänien gezielt gezüchtet — und dann nach Deutschland verkauft mit der Geschichte, es seien „gerettete Straßenhunde“. Die meisten Deutschen glauben es. Die meisten dieser Hunde haben die Straße nie gesehen.
Dann sind da die Hütehunde. Eine ganz andere Kategorie.
Wer an Schafherden vorbeiläuft, begegnet ihnen. Gewaltige Tiere, langes Fell, tiefe Stimmen. Sie bellen, kommen auf einen zu, wirken bedrohlich — und das sollen sie auch. Ihre Aufgabe ist es, zu warnen und abzuschrecken. Aber sie kämpfen nicht. Wer ruhig bleibt, stehen bleibt, sie ankommen lässt — dem passiert nichts. Den richtigen Respekt zeigen, nicht wegrennen.
Das erleben wir an den Schlammvulkanen.
Die Schlammvulkane — und ein schlammiger Freund
Von Greci fahren wir zu den Schlammvulkanen bei Berca — Vulcanii Noroioși.
Wir waren 2019 schon einmal dort, von der anderen Seite: Rumänien – aktive Vulkane mitten in der Walachei. Damals haben wir nur eine der beiden Seiten gesehen. Heute die andere.
Flache, graue, leise brodelnde Krater. Aus ihnen quillt zäher Schlamm, schlägt Blasen, bewegt sich langsam. Das Erdgas darunter ist dasselbe, das auch in den Feuerfeldern der Region aus dem Boden tritt. Die Landschaft drumherum ist karg, fast mondförmig. Seltsam schön.
Wir wandern ein wenig.
Beim Näherkommen:
Hütehunde. Laut, groß, entschlossen. Sie kommen auf uns zu, bellen,
positionieren sich. Wir bleiben stehen. Ruhig. Nicht wegrennen. Sie kommen bis
auf wenige Meter, dann halten sie inne. Noch ein paar Warnsignale. Ruhig weitergehen, sie lassen uns in Frieden ziehen.
Und direkt daneben — ohne Übergang, ohne Ankündigung — ein anderer Hund. Groß, langes Fell, von Kopf bis Pfote mit Schlamm bedeckt. Er wedelt mit dem Schwanz und will nur eines: angefasst werden.
So ist das in Rumänien mit den Hunden.
🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen:
Schlammvulkane Berca
Die Vulcanii Noroioși liegen bei Berca, Kreis Buzău. Eines der wenigen Schlammvulkanfelder Europas. Naturdenkmal, täglich zugänglich, Eintritt ca. 5 Lei. Hütehunde sind vor Ort — ruhig bleiben, nicht wegrennen, Respekt zeigen. Wer auch die andere Seite sehen möchte: Rumänien – aktive Vulkane 2019
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Mehr InformationenDiese Bücher begleiten uns:
Reiseführer
Bruckmann
Reise Know-How Reiseführer Rumänien: mit...
26,90 EUR
Donaudelta – Reisebericht
Inhaltsverzeichnis:
Donaudelta Roadtrip — alle Folgen:
· Einleitung: Alles was du vorab wissen musst
· Folge 01: Oradea – der Traum direkt hinter der Grenze
· Folge 02: Temeswar – wo Geschichte noch lebt
· Folge 03: Banat, Eisernes Tor und Kloster Horezu
· Folge 04: Bären, Berge und Königsgräber
· Folge 05: Bukarest – Ceaușescus Größenwahn hat ein Gesicht
· Folge 06: Konstanza, Festung Enisala und der Weg ins Delta
· Folge 07: Das Donaudelta – wenn Natur einen sprachlos macht
· Folge 08: Donaudelta – Pelikane, Wildpferde und chillen auf dem Hausboot
· Folge 09: Schlammvulkane,
Gipfelwind und freie Hunde
· Folge 10: Kirchenburgen,
Klosterruinen und ein unvergesslicher Abend
· Folge 11: Stille Tage, strickende Frauen und der letzte Deutsche im Dorf
Deutsche im Dorf
Jürgen Rode
schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.
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