Eine Nacht in der Ukraine, durch die Slowakei und Tschechien – Rumänien Roadtrip 12

Wir haben an der Tür des Wohnmobils eine Länderkarte. Aufgeklebt wird nur, wer wirklich dort übernachtet hat. Mindestens eine Nacht.

Was hat mich geritten, in die Ukraine zu fahren? Ehrlich gesagt: genau das.

Im Nachhinein sage ich: verrückt. Aber es hat meine Sicht auf viele Dinge verändert.

Nadja wollte nicht. Ich habe sie mehr oder minder überredet.

Die Route: Von Maramureș in die Ukraine

Von Sighetu Marmației — der letzten größeren Stadt im rumänischen Maramureș, direkt an der ukrainischen Grenze — sind es nur wenige Kilometer bis zum Grenzübergang. Eine kurze Strecke geographisch. Eine andere Welt.

Route tracken und Sicherheit

🔵 Gut zu wissen: Trackiwi
Alle 6.063 Kilometer dieser Reise – jede Übernachtung, jede Höhe, jede Sehenswürdigkeit – haben wir mit Trackiwi aufgezeichnet. Ein kleines Gerät, irgendwo im Wohnmobil versteckt, an 12 Volt angeschlossen. Einmal angeschlossen, läuft es einfach. Per App steuerbar für iOS, Android und Webversion. 10% Rabatt mit dem Code WOMOBLOG auf die Hardware. Und auch als Alarmanlage nutzbar.

Einreise

Die Einreise dauert. Ausreise aus Europa, Einreise in die Ukraine — beide Seiten nehmen sich Zeit. Jede Klappe des Wohnmobils wird geöffnet. Die Dusche, die Schränke, der Stauraum unter dem Bett. Unter das Fahrzeug wird geschaut. Ein Spiegel fährt darunter entlang. Es vergehen Stunden.

Dann sind wir in der Ukraine.

Es sieht nicht viel anders aus als der Nordwesten Rumäniens. Grün, hügelig, gepflegt. Die Häuser auf normalem westlichen Niveau. Straßen in gutem Zustand. Vor dem Krieg waren die Menschen hier auf einem guten Weg — man sieht, dass das ein Land war, das sich entwickelt hat.

Wir fahren ein Stück. Burgen am Hang, Kirchtürme, Märkte. Die kyrillischen Buchstaben auf den Schildern — wir können sie nicht lesen. Das ist Neuland für uns, buchstäblich.

An einer Straßensperre: Ein junger Soldat hebt die Hand. „Welcome“ — vielleicht das einzige englische Wort, das er kennt. Er lacht. Die Sperre soll wohl flüchtige Männer aufhalten

Wir sind im Grenzgebiet, der Krieg ist tausend Kilometer entfernt. Die Ukraine ist ein gigantisches Land, wir lernen das, als wir auf der Karte nachschauen: von West nach Ost sind es 1.500 Kilometer. Fast so weit wie von Deutschland nach Rumänien.

Die Nacht

Die Campingplätze haben alle geschlossen.
Nadja schickt mich eine Straße hinauf, die immer abenteuerlicher wird, bis ich entscheide: Hier fahre ich nicht weiter. Der Weg ist zugewachsen, wer weiß, ob der Campingplatz noch existiert.
Also Rückwärts einen Kilometer wieder zurück. Dann finden wir einen Freistehplatz an einem Fluß

Entscheiden uns aber dann doch, noch einen weiteren Versuch zu wagen.
Diesmal ist der Campingplatz erreichbar, aber geschlossen. Nebenan ein Angelteich, einige Familien dort zu Besuch – wie bei uns am Wochenende.

Wir bleiben vor dem Campingplatz stehen. Vielleicht kommt noch jemand.

Dann wird es Nacht und mit der Dunkelheit kommen die Gedanken.

In der Nähe verläuft die Bahnstrecke aus Ungarn.
Züge. Lange, schwere Züge, die durch die Dunkelheit rollen. Man hört sie von weitem kommen und noch lange, nachdem sie vorbei sind.

Und man denkt an Dinge, die man tagsüber lieber nicht denkt

Der junge Mann beim Haus nebenan. Er hat seinem Vater beim Arbeiten geholfen und mich am Abend freundlich gegrüßt. In zwei Jahren ist er alt genug für die Front. Der Vater — ungefähr so alt wie ich. Was denkt er, wenn er seinen Sohn anschaut? Wie würde es mir ergehen, wenn ich einen Sohn in seinem Alter in der Ukraine hätte?

Gedanken, die mir nie gekommen wären, wären wir nicht hierher gefahren.

Die Ausreise

Die Ausreise ist noch gründlicher als die Einreise.

Alle Taschen raus, alle Rucksäcke, alle Flaschen auf den Tisch. Grenzschutz, Polizei, Zoll — alle drei nacheinander, alle gründlich. Zwei Männer direkt vor uns, die nicht ausreisen dürfen. Pässe kontrolliert, zurückgegeben. Sie diskutieren, wissen nicht warum, stehen da. Einer dreht schließlich um. Der andere steht noch immer mit einem Grenzer am Rand.

 

Wir sind an der Reihe.

Dann die Flasche Schnaps — das Abschiedsgeschenk des Wirtes vom Fröhlichen Friedhof. Ein Liter Alkohol ist das erlaubte Maximum. Wir hatten genau einen Liter. Die Grenzer messen nach. Alles korrekt, aber der Moment ist unangenehm.

Nach Stunden: Slowakei. Europa.

Wer irgendwo gehört hat, dass jemand die Grenzkontrollen innerhalb Europas wiederhaben möchte, dem empfehle ich: Erst an diese Grenze fahren. Dann noch mal nachdenken.

Wie schön, dass wir so frei reisen können.

Durch die Slowakei

Die Slowakei überrascht uns.

Im Gegensatz zu Ungarn — flach, wenig zu sehen — hat die Slowakei Berge. Wirklich hohe Berge. Die Hohe Tatra, die wir von der Autobahn aus sehen, verschlägt uns kurz den Atem: Felsen, Gipfel, Schnee noch im Juni. Wir hätten gerne angehalten, aber die Zeit drängt.

An der Autobahn: Burgen. Auf Felsen thronend, in die Steilwände gebaut, manche in die Felswände hineingewachsen. Von der Fahrbahn aus sieht das schon toll aus — in was für einem Land wären wir da angekommen, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten.

 

Beide stehen auf unserer Liste. Irgendwann kommen wir wieder.

🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen:

Slowakei für Wohnmobilfahrer

Die Slowakei bietet außergewöhnliche Landschaften auf engem Raum: Hohe Tatra mit Gipfeln über 2.600 Meter, historische Burgen (Bojnice, Devin, Spiš), das Tal der Váh. Campingplätze vorhanden, aber weniger als in Westeuropa. eVignette für Fahrzeuge bis 3,5 t: eznamka.sk. Box-System über 3,5 t. Hauptstadt Bratislava ist einen Abstecher wert.

Brünn — und Petr

In Brünn treffen wir Petr Burget.

Petr kennen wir schon länger — einen jener Menschen, dem man begegnet und danach nicht mehr vergisst. Bastler, Tüftler, Ideengeber. Er will uns sein Brünn zeigen, und er tut das mit einer Begeisterung, bei der man nicht mithalten kann.

Brünn ist die zweitgrößte Stadt Tschechiens und für viele Deutsche vollkommen unbekannt. Das ist ungerecht.

Petr Burget

Die Burg Špilberk thront über der Stadt, einst habsburgisches Staatsgefängnis, heute Museum. Die Kathedrale St. Peter und Paul dominiert die Silhouette. Und die Villa Tugendhat — ein Meisterwerk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe aus dem Jahr 1930 — ist eines der bedeutendsten Gebäude des 20. Jahrhunderts und UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt mit ihren Plätzen und Cafés lädt zum Verweilen ein.

Petr würde uns das alles und noch mehr zeigen: die Knochenkirche, unterirdische Gewölbe, die Art-Deco-Passagen. Man könnte eine Woche bleiben. Wir aber wollen weiter.

🌈🚐⛰️ – Gut zu wissen: Brünn (Brno)

Brünn ist Hauptstadt der Mährischen Region und die zweitgrößte Stadt Tschechiens, rund 200 Kilometer von Wien. Sehenswürdigkeiten: Burg Špilberk, Kathedrale St. Peter und Paul, Villa Tugendhat (UNESCO), Ossarium unter der Jakobskirche (zweitgrößte Knochensammlung Europas). Lebendige Studentenstadt mit günstiger Gastronomie. Brünn auf Google Maps · Tourismusinformation: gotobrno.cz

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Mehr Informationen

Heimkehr

Dann Deutschland. Das eigene Haus. Der eigene Garten.

40 Tage. 6.063 Kilometer. 27 Übernachtungsplätze. Der höchste Punkt: 1.423 Meter.

Unsere Länderkarte hat neue Aufkleber.

Donaudelta – Reisebericht

Inhaltsverzeichnis:

Donaudelta Roadtrip — alle Folgen:

·      Einleitung: Alles was du vorab wissen musst

·      Folge 01: Oradea – der Traum direkt hinter der Grenze

·      Folge 02: Temeswar – wo Geschichte noch lebt

·      Folge 03: Banat, Eisernes Tor und Kloster Horezu

·      Folge 04: Bären, Berge und Königsgräber

·      Folge 05: Bukarest – Ceaușescus Größenwahn hat ein Gesicht

·      Folge 06: Konstanza, Festung Enisala und der Weg ins Delta

·      Folge 07: Das Donaudelta – wenn Natur einen sprachlos macht

·      Folge 08: Donaudelta – Pelikane, Wildpferde und chillen auf dem Hausboot

·      Folge 09: Schlammvulkane, Gipfelwind und freie Hunde

·      Folge 10: Kirchenburgen, Klosterruinen und ein unvergesslicher Abend

·      Folge 11: Stille Tage, strickende Frauen und der letzte Deutsche im Dorf
Deutsche im Dorf

Bild von Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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2 Kommentare

  1. Für den Reisebericht sage ich ein herzliches Dankeschön!
    Es hat Freude gemacht sie zu lesen.

    Jetzt wünsche ich eine gute Auszeit zuhause und dann: Auf ins nächste Abenteuer!

    Gute Fahrt 🍀
    und herzliche Grüße
    Christa

  2. Finde ich sehr gut, das ihr den Abstecher in die Ukraine gewagt habt. Wir sollten uns immer gewahr sein was Grenzen bedeuten!
    Schöne Regel mit der Übernachtung für einen Aufkleber!

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