Das Minack Theatre – Traumhaft – Und dann sogar ein Musical – Cornwall #14

Stellt euch vor, ihr wohnt am Ende der Welt und ihr liebt Kultur über alles.
Die nächsten Theater sind viele Meilen entfernt und spielen nicht, was ihr gern sehen wollt.

Also baut ihr euch eurer eigenes Theater im Garten, der zufällig direkt am Meer liegt. Und Freunde und Bekannte helfen und am Ende findet sich noch eine Truppe, die zusammen ein Schauspiel auf die Bühne bringen.
So in etwa stelle ich mir die Anfänge des weltberühmten Minack Theatre vor:

Einzigartig

Sofern ihr in dieser Ecke Cornwalls seid und nicht ins Minack Theatre geht, dann habt ihr das Beste verpasst!
Selbst Kulturbanausen werden ihren Spaß dort haben.
16 Stücke werden jedes Jahr aufgeführt und online ist es oft noch möglich, Restkarten zu bekommen. Wir haben Pech, denn in der Bank-Holiday Woche ist am Wochenende alles ausgebucht, jedoch ergattert Nadja unter der Woche noch zwei gute Restkarten in den vorderen Reihen.
Erstaunt sind wir über die Preise!
Denn auch die teuersten Karten sind erschwinglich!
So zahlen wir für unsere wirklich guten Plätze 22 Pfund, günstigere Karten gibt es um die 15 Pfund.

Aktuelles Programm

Das solltet ihr beachten:

Immer dran denken: Ihr seid in England – und die Engländer sind herrlich unkompliziert.
Also denkt an Picknick, bringt eine Flasche guten Wein mit, anständige Gläser, ladet die Nachbarn auf einen Schluck ein und ihr findet Freunde fürs Leben.
Solltet ihr Glück haben und die Sonne scheint, denkt bitte daran, dass gegen Abend die Sonne hinter dem Hügel verschwindet und es schlagartig frisch wird. Wenn dann noch Wind weht, auch kalt – saukalt.
Wir hatten im Juni lange Unterwäsche drunter, Mütze dabei, Handschuhe, Schal und dicke Jacken.
Die Engländer um uns herum saßen mit kurzen Hosen da.
Zumindest Anfangs – gegen Ende war jeder froh über die mitgebrachte Decken. Wir hatten mindestens zwei warme Decken dabei und waren froh, nicht zu frieren.

…noch ist es herrlich warm, in der Sonne regelrecht heiß!

…doch das ändert sich mit Einbruch der Dämmerung schlagartig…

Parkplatz

Der Weg zum Minack Theatre ist am Ende ein Single Road Track. Ein Stück davor gibt es zwar einen großen Parkplatz, man kann aber wirklich bis zum Theater fahren.
Aber aufgepasst:
Mit dem Wohnmobil lieber viel früher ankommen, damit man nicht in den Gegenverkehr der Mittagsvorstellung kommt. Sonst kann es auf den letzten Metern sehr eng werden (was uns passiert ist – geht trotzdem, Geduld haben und keine Hektik, dann kommt man auch in den engen Kurven an den PKWs vorbei)

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Anstehen

Man hat zwar Platzkarten, die aber für mehrere Reihen gelten. Daher wollen wir frühzeitig anstehen. Völlig verblüfft sind wir wieder einmal über die Engländer. Keine Reihen, keine Gitter. Eine Einweiserin, die unser Ticket scannt und dann stellen wir uns in der Reihe an, die nach und nach in Schlangenlinien größer wird. Keiner versucht zu überholen, keiner drängelt, ganz ohne Absperrungen und als die Türen geöffnet werden, folgen alle der Schlange, obwohl es möglich gewesen wäre abzukürzen.
Völlig unspektakulär und ohne zu drängeln.
Wir erreichen unsere Reihe und der Ordner misst mit einem langen Stock unseren Bereich auf der Terrasse ab.
„Von hier bis hier dürft ihr euch ausbreiten“, sagt er lachend, legt den Stock neben uns und holt die nächsten Besucher heran.
Nach vorne und hinten haben wir auf diese Weise viel Platz, können Rucksack, Kissen, Picknick ausbreiten und den wahnsinnig schönen Ausblick genießen.

Delfine

Unsere Nachbarn erzählen uns, dass sie bisweilen Delfine in der Bucht beobachtet haben.
Die sprangen so oft aus dem Wasser, dass die Zuschauer mehr dem Treiben auf dem Wasser, wie auf der Bühne folgten.
Und so wird uns die Wartezeit verkürzt. Bei einem guten Wein suchen wir mit dem Fernglas das Meer ab: Kein Delfin – aber er könnte da sein. Wir haben viel Spaß dabei, die anderen Picknicker zu beobachten und stoßen mit vielen von ihnen an diesem Abend an.
Es fühlt sich an, wie ein große, verrückte Familie.
Manche kommen jedes Jahr aus London mit der gesamten Familie hierher, nur um einmal im Jahr, einen Tag im Minack Theatre zu verbringen.

Die Anfänge

Uns interessiert natürlich, wie man auf die Idee kommen kann, hier am Ende von Nirgendwo ein Theater dieser Größe in die Felsen zu bauen. Und ein netter Guide, der seit Jahrzehnten als Ordner Dienst tut, erzählt es uns etwa so:

Das Minack Theatre ist ein einzigartiges Freilufttheater, das in den 1930er Jahren von einer engagierten Frau namens Rowena Cade in Zusammenarbeit mit ihrem Gärtner Billy Rawlings gebaut wurde. Das Theater liegt auf den Klippen über dem malerischen Porthcurno Beach und bietet auf diese Weise eine atemberaubende Aussicht auf das Meer.

Rowena Cade begann mit dem Bau des Theaters im Jahr 1931. Die Felsen wurden von Freiwilligen und lokalen Handwerkern bearbeitet, und die Sitzplätze wurden in die natürliche Topographie der Felsen eingebettet. Vorher gab es schon eine Laienspielgruppe im Ort und so wurde mit viel Eifer an diesem, damals noch viel kleineren Konzept gearbeitet.
Das Minack Theatre wurde erstmals 1932 für eine Aufführung von William Shakespeares „The Tempest“ (Der Sturm) genutzt. Dabei war der Erfolg so groß, dass man mit noch mehr Engagement den Ausbau betrieb.
Seitdem hat es sich zu einer bedeutenden kulturellen Stätte in der Region entwickelt, die jedes Jahr eine Vielzahl von Aufführungen anbietet, darunter klassische Theaterstücke, Musicals und Konzerte.

Das Besondere am Minack Theatre ist ganz sicher die spektakuläre Lage, aber auch, dass es sich um ein Freilufttheater handelt. Die Zuschauer sitzen bei Wind und Wetter auf Steinstufen, die in die Klippen eingebettet sind, und genießen dabei die frische Seeluft und den Ausblick auf den Kanal. Wenn es regnet, regnet es und wenn es stürmt, dann stürmt es. Abgebrochen wird nicht, Das Orchester sitzt trocken, aber auch die Akteure sind Wind und Wetter ausgesetzt, was manchmal zu einem besonderen Ereignis werden kann.
Das Theater ist von Mai bis September geöffnet, und während der Sommermonate gibt es fast täglich mehrere Veranstaltungen. Am besten auf der Homepage des Theaters die aktuellen Stücke recherchieren und gleich buchen:

https://www.minack.com/

Das Minack Theatre ist eine echte Attraktion, die man nicht verpassen sollte. Die Einheimischen feiern hier, ja, bis aus London kommen Familien und aus der ganzen Welt kommen Besucher zu diesem einzigartigen Theater.
Da muss man einfach einmal dabei gewesen sein!

Der Abend

Wir hatten natürlich nicht gebucht und auch keine Ahnung, was in dieser Spielzeit geboten wird. Auf der Internetseite geschaut und spontan Karten gekauft. Hauptsache, einmal im Leben dabei zu sein.

Und wir haben großes Glück:
Das Stück ist nicht nur schwungvoll und lustig, die Schauspieler grandios und nach kurzer Zeit vergessen wir, dass nur englisch gesprochen, nein gesungen wird.
Man versteht allein durch das Geschehen schon viel und mit ein wenig Schulenglisch auch den Rest.
Das Musical erinnert ein wenig an My fair Lady – zumindest von den Kostümen und der Musik her.
Also genau das, was wir uns gewünscht hatten. Volltreffer!

Der Abend vergeht wie im Fluge und dank unserer Winterausrüstung – am Ende waren auch die Handschuhe und der Schal genau richtig – haben wir auch nicht gefroren. 
Wir warten mit dem Wohnmobil, bis sich der Parkplatz etwas geleert hat. Aber natürlich kommt uns um diese Zeit niemand mehr entgegen, alle fahren in eine Richtung und daher ist die Ausfahrt absolut unproblematisch.
Übernachten darf man, wie üblich, auf diesem Parkplatz nicht!

Roadtrip Cornwall

Inhaltsverzeichnis

FAQ – Was ihr über Cornwall wissen müsst

Teil 01: Anreise Dover, Ankommen in Rye
Teil 02: Seven Sisters
Teil 03: Durdle Door 
Teil 04: Exeter, Der Giant und ein Schloss
Teil 05: Dartmoor – Urlaubstraum
Teil 06: Whitecomb-in-the-Moor – Wandern und Biken und ein Grab

Teil 07: Lanhydrock Castle
Teil 08: Eden Projekt
Teil 09: Lost Garden of Heligan
Teil 10: Lizard Point – weiße Strände und Piratendörfer
Teil 11: Mont-Saint-Michel’s Bruder
Teil 12: Lands End meiden, besser Cape Cornwall wählen
Teil 13: Im Herzen Cornwalls

Teil 14: Minack Theatre: Kultur mit Blick aufs Meer genießen
Teil 15: Mousehole & St. Agnus & St. Ives
Teil 16: Die Ritter von Pendennis Castle
Teil 17: St. Agnes und die Wheal Coates
Teil 18: Trerice – Bedruthan Steps
Teil 19: Tintangel: Zu Besuch bei König Artus
Teil 20: Bodmin Moor
Teil 21: Stonehenge – Salisbury Cathedrale
Teil 22: Ein Schloss, wie aus dem Bilderbuch – Arundel Castle
Teil 23: Fazit und Tipps

Trips in DigiCamper

Folgt unserem Trip in DigiCamper Trips:
Dort könnt ihr den Trip übernehmen, oder einen eigenen Trip daraus machen.
In Maps übertragen und euch direkt navigieren lassen.

Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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